Alben der Woche

An diesem Wochenende sind zwei großartige Alben erschienen. Das Album Jäger von Dagobert warfür mich eine Entdeckung. Auf das Debüt von Celeste habe ich mich schon länger gefreut.

1. Celeste – Not Your Muse

Das ganze Jahr 2020 über hat uns die britisch-jamaikanische Sängerin Celeste durch erstklassige Singles neugierig auf ihr Debütalbum gemacht. Und nun ist Not Your Muse endlich erschienen. Celeste berichtete, wenn sie als Kind in Großvaters altem Jaguar mitgefahren sei, habe dieser auf Replay seine Kassetten von Aretha Franklin und Ella Fitzgerald abgehört. Der Einfluss der alten Jazz- und Soul-Klassiker ist dann auch bei Celeste unüberhörbar. Ihr Soul-Pop klingt nach einer längst vergangenen goldenen Ära. Das ist aber in keinster Weise ein Manko, weil diese Art der Musik einfach zeitlos ist. Celeste bringt es fertig, ihre Stimme rauchig und samtig  und andermal glockenrein klingen zu lassen. Dabei kommen ihr Downtempo-Songs besonders entgegen. Auf dem Sage und Schreibe 21 Songs umfassenden Album variiert Celeste das Tempo und auch schnellere Stücke wie “Tonight Tonight” und “Stop this Flame” (Anspieltipp) kommen zum Zuge.

Mein Anspieltipp “Strange” verursacht regelmäßig Gänsehaut, ebenso “Hear My Voice”. Der letztgenannte Song zeigt, dass Celeste gesanglich nicht hinter Adele zurücksteht. Aufgrund des von Celeste dargebotenen Retro-Souls wird sie gern mit Amy Winehouse verglichen (stimmt bei “Love Is Back”). Sie wurde schon als die neue  Adele oder sogar als Nachfolgerin von Aretha Franklin bezeichnet. Festzuhalten ist das „Not Your Muse“ allemal als beeindruckendes Debütalbum daherkommt. Ich wünsche Celeste, das die Presse und die Blogs, die sie zur Zeit in höchsten Tönen loben, sie nicht beim nächsten Album genauso schnell runter schreiben.

2. Daobert – Jäger

Dagobert (Foto: Regina Olev) ist er eigentlich bekannt für schmalzig-melancholische Herzschmerz-Balladen. Die Stimmung auf seinem neuen, vierten Album „Jäger“ ist überwiegend positiv bis geradezu  absurd glücklich wie der Track „Ich Will Noch Mal“ in reinster Metaphysik zeigt, eine Ode an das Leben und die Wiedergeburt. Das Album konfrontiert uns mit morbiden Zukunftsvisionen (2070), extremst möglichem Fernweh (Aldebaran) und kybernetischen Liebesfantasien (Nie wieder arbeiten). Jedoch sollte man sich von den eingängigen, oftmals mitreißenden Melodien nicht täuschen lassen, Das findet man ja im  deutschen Schlager auch. Der Mehrwert bei Dagobert sind die präzise gesetzten Texte, die an manchen Stellen philosophische Tiefe entwickeln. 

Die Mehrdeutigkeit, mit der Dagobert arbeitet zeigten der Titelsong und das Video Jäger.  Sie verweisen auf die  Umgebung, in der das Album entstanden ist, nämlich in den Schweizer Bergen mit ihren Wäldern, wo man noch jagend durch die Landschaft streift. Es ist gleichzeitig ein sehr persönlicher Song über sich und seine Familie. Dagobert heißt mit Klarnamen Lukas Jäger. 

LAMILA – THE LAST LEAF

The Last Leaf ist die dritte Single einer vierteiligen Konzeptreihe der Indie-Folk Band LAMILA. Nach Dandelion Crown (Sommer) und Mammoth Tree (Herbst) spiegelt  The Last Leaf die Kälte des Winters. Um die Inspiration für LAMILAs Vido zu erfassen ist es hilfreich, die amerikanische  Kurzgeschichte von Henry O. (eigentlich William Sydney Porter, † 5. Juni 1910 mit nur 47 Jahren) “The Last Leaf – Das letzte Blatt” zu kennen. Sie soll daher hier kurz nacherzählt werden. 

Short-Story aus dem Jahr 1907

Die Geschichte spielt in Greenwich Village während einer Lungenentzündungsepidemie. Eine jungen Künstlerin in dem Künstlerort leidet auch an einer  Lungenentzündung. Sie hat bereits ihren Lebenswillen aufgegeben. Durch ihr Fenster kann sie an der gegenüberliegenden Hauswand  eine alte Efeu-Pflanze sehen, die allmählich ihre Blätter abwirft, als der Herbst in den Winter übergeht. Sie hat die Idee, dass sie sterben wird, wenn das letzte Blatt gefallen ist. Die Blätter fallen Tag für Tag, aber ein letztes einzelnes Blatt bleibt. Die junge Frau wird wieder gesund. Am Ende der Geschichte erfahren wir, dass der alte Künstler im gegenüberliegenden Haus, der immer ein Meisterwerk malen wollte, aber nie Erfolg hatte, eine  ganze Nacht damit verbracht hat, mit großem Realismus das Blatt an die Wand zu malen. Wie es sich für eine dramatische Geschichte gehört bleibt große Happy End aus, denn der alte Maler  stirbt selbst an einer Lungenentzündung, die er sich in der nassen, kalten Nacht zugezogen hat.

LAMILA greifen die Beziehungsdynamik der Geschichte auf. The Last Leaf hat eine klare Message: Jeder braucht manchmal Menschen, die das Leben in Farbe tunken und einem die Schönheit des Lebens wieder vor Augen führen (all the colors you revived). Jedoch muss man auch bereit sein, diese Hilfe anzunehmen (but I want you to know I’m the one who can see what your paintings truly mean).

LAMILA: Zwischen akustischem Folk und Indie-Pop

LAMILA ist eine Wiener Folk-Pop-Band um die Singer-Songwriterin Camilla Thurner. Gemeinsam mit dem Gitarristen Alexander Hoffmann und der Kontrabassistin Ines Fuchs hat sie LAMILA 2019 als ursprünglich rein akustisches Folk-Trio gegründet. Bereits bei der Debütsingle Dandelion Crown im Sommer 2020 wurde jedoch deutlich, dass sie sich von diesem engen Rahmen nicht halten lassen. Zwischen zeitgenössischem Indie-Pop Marke Fleet Foxes oder First Aid Kit, dem Folk der Summer of Love-Ära, aber auch Jazz bewegt sich der Sound der Band eklektisch, aber wie aus einem Guss.

Das Gitarrenspiel ist beeinflusst von Folk- und Pop-Größen der 1960er Jahre wie etwa Simon & Garfunkel oder Nick Drake. Der Kontrabass verspricht mit rhythmischen Licks aus dem Handgelenk oder elegisch-brummenden Bogenstrichen die viszerale Unmittelbarkeit des Jazz. Harmonische Background-Chöre tauchen alles in ein warmes Licht und erzeugen ein Gefühl zwischen sanftmütiger Leichtigkeit und (manchmal melancholischer) Nostalgie.

(Alle Fotos von Susanne Hassler Schmidt)

Milliarden -Schuldig sein

Frida Kahlo, Michael Jordan, Steve Jobs und Josef Stalin alle in einem Musikvideo? Zu sehen im neuen Musikvideo von Milliarden zu ihrer neuen Single „Schuldig sein“ (Foto.Christoph Voy). Der Song wird auf dem neuen Album der Berliner Rockband zu hören sein. „Schuldig“ erscheint am 05. Februar 2021. Am selben Tag spielt die Band ein aufwändiges Release-Konzert, das ins Internet übertragen wird. Ich freue mich drauf.

Hier gibt es Tickets für die Show : https://www.club100-bremen.de/milliardentickets

und hier das Video

Cassia mit neuer EP „Powerlines“

Schon mal was von der Stadt Macclesfield gehört. Sie liegt ca. 26 Kilometer südlich von Manchester. Zu den berühmten Söhnen der Stadt zählen der Bluesmusiker John Mayall und Stephen Morris, der Schlagzeuger der Musikgruppen Joy Division und New Order. Demnächt wird Wikipedia auch den Gitarristen und Sänger Rob Ellis, den Bassisten und Sänger Lou Cotterill und den Drummer und Sänger Jacob Lef zu Macclesfields Celebrities hinzu zählen. Dabei handelt es sich um  die aufstrebende Indie Pop-Kapelle Cassia. Ihr Debütalbum „Replica“ wurde 2019 zu einem echten Indie-Triumph und hat den Grundstein für ausverkaufte Headliner-Shows in Großbritannien und Europa und eine Nominierung für den besten Live-Act bei den Association of Independent Music Awards gelegt. Wie so viele musste auch Cassia hinnehmen, dass die Pandemie alle Live-Acts gestoppt und so die Karriere der jungen Band  etwas ausgebremst hat.

Video zum Titeltrack

Aber sie sind nun bei dem wichtigen Indie Radiosendern  bekannt und heiß geliebt und haben Airplays bei BBC 1 oder bei FLuxFM. Einen Großteil des letzten Jahres haben Cassia dann damit verbracht, in Berlin neue Songs zu schreiben. Die wunderschöne  EP “Powerlines”, ist seit vorgestern auf allen Streaming-Kanälen zu erhalten. Zum Titeltrack gibts auch ein Video in Form eines Road- Movies.

Im letzten Jahr veröffentlichte die Band bereits die übrigen groovigen Tracks der EP – darunter „Don’t Make A Scene„, der als Annie Mac’s Hottest Record debütierte.

Olympya – Drohne

Deutscher Hip Hop geht auch politisch

Olympya kombinieren bitterironische Schärfe, und politischen Biss.  In ihrer neuen Single “Drohne”, klagen sie das Militär und die Absurdität der entmenschlichten Kriegsführung an. Die Kriegsführung mit „Drohnen“ ermöglicht den vermeintlichen Gegner aus sicherer Entfernung und relativ emotionslos zu töten und macht Krieg zu einen Ego Shooter Computerspiel, Kollateralschäden bei der Zivilbevölkerng inbegriffen.

SOUKOU – lucky to be alive

SOUKOU stammt aus Bochum und macht seit über 18 Jahren Musik. Gestartet ist sie mit Gospel und Hip Hop, um dann ab 2007 mit zarten 19 Jahren die Clubs von Berlin als Ena Wild mit Techno und Elektrobeats zu erobern. Ihre erster Single unter ihrem echten Namen (Ena) Soukou nennt sie „lucky to be alive“. Getragen von SOUKOUs souliger Stimme ist „lucky to be alive“ eine sophisticated Synthpop-Hymne und eine wahre Liebeserklärung an das Leben, mit allen Höhen und Tiefen und nichz zuletzt ein absoluter Ohrwurm.

Links

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„Lo Vas A Olvidar“ von Billie Eilish und Rosalía

Über Billie Eilish und ihren  Bruder Finneas muss man nicht mehr viel sagen. Eilishs Debütalbum „When We All Sleep, Where Do We Go?“, welches 2019 erschienen war, das sie zusammen mit mit Finneas produziert hat, war zurecht im Indie-Bereich als auch im Mainstream sehr erfolgreich. Das gilt auch für die nachfolgenden Singles, wobei mein Highlight nach wie vor “everything i wanted” ist. Man kann sagen, dass Billi Eilish inzwischen weltweit den Status einer Ikone erreicht hat.

Eine Ikone ist auch Rosalía, allerdings in ihrer Heimat Spanien als Flamenco- und Latin-Pop-Sängerin. International zog sie mit ihrem Debütalbum Los Ángeles 2017 Aufmerksamkeit auf sich. Das Album brachte  ihr eine Latin Grammy-Nominierung als beste neue Künstlerin ein.Rosalía beschäftigt sie sich mit traditioneller Musik, Hip-Hop, Soul und Pop. Sie hat mit J Pharrell (De Madrugá), James Blake (Barefoot in the park) und The Weeknd „Blinding Lights“ kollaboriert. Ein großer Erfolg war ihr Video “Malamente”.

Billie Eilish und Rosalía haben den Track „Lo Vas A Olvidar“ veröffentlicht. Der von Eilishs Bruder Finneas produzierte Song ist Teil des Soundtracks einer Sonderfolge der Fernsehserie „Euphoria“( auf Sky). 

Leyya – I’m Not Sure

Es gilt ein kleines Comeback zu feiern. Das österreichische Duo Leyya ist wieder da (Foto: Gabriel Hyden).  2018 sorgte ihr gelungenes Album  “Sauna” für viel Aufmerksamkeit. Nach 2 Jahren Leyya-Abstinenz erschien im Oktober des letzten Jahres der Song “The Paper, in dem die akustische Gitarre eine gewichtige Rolle spielte. Jetzt gibt es den Song „I’m Not Sure„, der die derzeitigen Verunsicherung thematisiert. Hier setzen elektronische Drums und Synthesizer die Akzente. Ein typischer Leyya-Stilwechsel wieder. In den zwei Jahren ohne Leyya waren Sophie Lindinger und Marco Kleebauer nicht unproduktiv. Vielmehr sind sie ein wichtiger Bestandteil der Indie-Szene der Alpenrepublik.

Marco Kleebauer war an der Soundproduktion der letzten Bilderbuch-Alben beteiligt, hat das östereichish/isländische Duo Oehl produziert und war mit  seiner neuen Band Sharktank erfolgreich. Sophie Lindinger hat im vergangenen Jahr die Supergroup My Ugly Clementine aus der Taufe gehoben.

South of France – Sidewalk

Beim Gedanken an eine Reise in den  Süden Frankreichs entstehen  im Kopf Bilder von sonnendurchfluteten Landschaften. Diesen Gedanken muss auch der in Denver  beheimatete Songwriter Jeff Cormack nachgehangen haben als er sein Ein-Mann- Bandprojekt “South of France” genannt hat. Cormack sonst Komponist und  Boss des Plattenlabels Staycation, stand als South of France schon  mit  The Flaming Lips, Portugal. The Man, T.V. On the Radio, Two Door Cinema Club, Jimmy Eat World, Edward Sharpe and The Magnetic Zeros, Real Estate und vielen anderen  auf der Bühne. (Fotos oben Garret Reed) (Foto links: Heather Rotar)

Schon die erste Single “Comme Ca“ vom kommenden Debütalbum „Remember That Cool Thing We Did“ zeigte das der Name “South of France” Programm ist, sonniger Indie-Gitarrenrock, der das Gefühl einer Urlaubsreise aufkommen lässt, wobei Südfrankreich aus dem Blickwinkel der USA-Ostküste schon irgendwie Exotisch ist. In diesem Sinn geht die neue Single „Sidewalk“ mit seiner catchy Hook noch einen Schritt weiter.

Album kommt am 26. Februar

Die Idee des Songs ist sehr schön. Du gehst daher und blickst plötzlich einer Person in die Augen, die dir gefällt. Und während du weitergehst, will dir der Flirt nicht aus dem Kopf. Als Multiinstrumentalist spielt Cormack alle Instrumente auf dem Track selbst. Lediglich das  Schlagzeug übernahm sein Freund  Nate Barnes. Dessen Beat erinnert an Father John Mistys „Hollywood Forever Cemetery“

Dies ist die letzte Single, bevor das gesamte Album am 26. Februar erscheint.

Videopremiere: MEINE ZEIT • DIE GUTEN GEWINNEN

Mal ehrlich, unsere Lieblingsfilme haben doch  immer die gleiche Struktur. Der Held oder die Heldin muss gegen allerlei Unbill ankämpfen und vielerlei Rückschläge hinnehmen, hinfallen, um wieder aufzustehen, schwach werden, um Stärke zu zeigen und am Ende siegt das Gute über das Böse. Damit können wir uns identifizieren, denn die Guten sind wir.

Die Guten werden die Gewinner sein 
Müssen uns nur von den schlechten Dingen befreien

DIE GUTEN GEWINNEN  handelt genau davon davon, denn es ist nichts Schlechtes daran, gute Vorbilder zu haben, die  nach dem Hinfallen mit neuer Kraft wieder aufzustehen. Und nicht vergessen, dass man als Gruppe zusammenhalten muss, um etwas zu erreichen. Der Song ist der dritte neue Song aus dem Jahr 2020 ( VÖ 04.12.2020) von MEINE ZEIT, der aufstrebenden Band aus Wesel in NRW. Epochale Drums, flächendeckende Pianosounds und treibender Chorgesang machen die Nummer zur eingängigen Hymne. Dazu gibt es nun das passende Video (Premiere 22.01. um 12:00Uhr).

DIE GUTEN GEWINNEN hat auch Aufnahme in die neue Deutschpop-Playlist Auf die Ohren – Ohrwurm gefunden.