Black Sea Dahu in der Pension Schmidt in Münster

 

Münster,  28.01.2019

Pressefoto Black Sea Dahu Paul Märki

Die  Pension Schmidt ist ein Café im Retro-Look in der Innenstadt von Münster. Sitzecken mit Plüschsofas laden zum gemütlichen Kaffeetrinken oder zu Bier und Snacks ein. Ab und zu wandelt sich das Café in einen Konzertsaal. Dann werden die Sofas und Stühle vor der kleinen Bühne aufgereiht. Man genießt die Darbietung im Sitzen. So auch an diesem  Montagabend. Rund 150 meist jüngere Menschen warteten geduldig auf Einlass. Die Pension Schmidt war restlos ausverkauft. Dem Kleidungsstil nach (soweit man es danach beurteilen kann, wenn man viele weite Pullover, weite Jeans, Cordhosen und Strickkleider sieht) handelte es sich wohl überwiegend um Studierende der Geisteswissenschaften, die so wie die von mir diesbezüglich befragten Sitznachbarn einem Musiktipp von 3Sat-Kulturzeit gefolgt waren oder ähnliche Informationsquellen hatten. Nach meinen Eindruck wusste das Publikum, wer da aus der Schweiz nach Westfalen gekommen ist und hatte entsprechend hohe Erwartungen, nicht enttäuscht wurden.

Gegen halb neun betrat Black Sea Dahu die enge Bühne. Im Mittelpunkt stand sowohl jetzt physisch auf der Bühne, als auch als präsenter musikalischer Mastermind der Band Janine Cathrein mit der akustischen Gitarre. Mit ihr waren ihre beiden Geschwister im Vordergrund. Links neben ihr wechselte ihre Schwester Vera  ab und an ihre elektrische Gitarre mit dem Instrument des hinter Ihr stehenden Bassisten. Rechts wurde als ungewöhnliches Instrument ein Cello vom Bruder Simon bedient. Im Hintergrund machte Ramon Ziegler mit einem Nord-Keyboard elektronische Effekte hörbar. Paul Märki am Bass und Nick Furrer an Schlagzeug und Perkussion bildeten die Rhythmus-Sektion der meist Down-Tempo dargebrachten folkigen Stücke, die aus dem neuen Longplayer „White Creatures“ stammten. Der Sound war gut gemixt und die Lautstärke der kleinen Location angepasst, sodass mein persönliches Problem, am Tag nach einem Live-Konzert nur noch eingeschränkt hören zu können, diesmal gar nicht auftrat.

 

,Das besondere an der Perfomance ist tatsächlich die dunkle, warme Stimme von Janine Cathrein. Nicht zu vergessen ist, dass ihre Schwester bei der Zweitstimme ebenfalls die tieferen Tonlagen beherrscht. Zusammen mit der atmosphärischen Musik sowie im Ohr bleibenden Riffs auf der E-Gitarre wir man magisch in den Bann gezogen. Daher gilt unbedingt die Empfehlung, sich das Album „White Creatures“ reinzuziehen. Beim Publikum kam die Live-Darbietung jedenfalls uneingeschränkt gut an. Der Funke sprang auch wohl über durch die dem Publikum zugewandten persönlichen Statements von Janine Cathrein. Zum Lied , durch das ich überhaupt auf Black Sea Dahu aufmerksam wurde, nämlich “Take Stock Of What I Have“, erzählte sie folgendes. Sie habe das Lied geschrieben, um aus einem Tiefpunkt heraus zu kommen. Es handele sich um eine Bestandsaufnahme von grundlegenden Fähigkeiten und Talenten, die sie habe. So nannte sie die Fähigkeit, eine Gitarre zu halten, bezeichnender Weise, um darauf Musik zu machen. Diese Erklärung kam ebenso glaubwürdig rüber, wie die Musik. An anderer Stelle berichtete sie darüber, wie sie sich gegen den Rat ihrer Freunde entschieden hat,  von der Musik als Beruf leben zu wollen. Man nahm die Authentizität wahr, insbesondere bei dem darauf folgenden inbrünstigen Solostück, bei dem die anderen Musiker die Bühne verließen. Insgesamt spürt man bei Black Sea Dahu, dass da was Größeres gewachsen ist. Das gönnt man der sympathischen Band natürlich. Andererseits befürchtet man, dass in größeren Sälen oder Musikhallen etwas verloren gehen könnte. Janine Cathrein sprach von der Magie, wenn die Grenze zwischen Bühne und Publikum verwischt. Der Verlust dieser an diesem Abend zu spürenden Magie könnte der Preis für den der Band zu wünschenden größeren Erfolg sein.

Das Konzert endete wie im Flug mit einer unplugged Zugabe, bei der die Geschwister noch mal ihr gesangliches und ihr Können an den Instrumenten zeigten. Der Forderung des hochzufriedenen Publikums nach weiteren Zugaben konnte die Band in dem Lokal in der Innenstadt nicht nachkommen. Beim obligaten Erwerb einer CD mit Autogrammen am Merch-Stand, waren sie aber freundlich zu einem kurzen Gespräch bereit.

Um an Textzeile aus „White Creatures“ anzuschließen und diesen Artikel abzuschließen: I became, What I Have Deserve. Ich hatte einen schönen genussreichen Montagabend. Danke Black Sea Dahu

Desperate Journalist – Satellite

Desperate Journalist wurde 2012 im Norden von London von Jo Bevan (Gesang), Rob Hardy (Gitarre), Simon Drowner (Bass) und Caroline Helbert (Schlagzeug) gegründet. Der Name der Band leitet sich von „Desperate Journalist in Ongoing Meaningful Review Situation““ ab, einem Song von The Cure. Musikalisch tritt die Band unüberhörbar in die Fußstapfen eben von The Cure, The Smiths oder The Jesus And Mary Chain. Zur Zeit befinden sich Desperate Journalist auf Tour. Am Samstag den 11. Mai 2019 kann man zum Ausgehen die schwarzen Klamotten anziehen, denn dann werden sie einen Gig in Münster im Gleis 22 spielen.

Ihr dritten Albums, „In Search of the Miraculous“, wird im Februar 2019 erscheinen. Vorab gibt es daraus die Single Satellite.

Black Sea Dahu in der Pension Schmidt in Münster

Auf einer norwegischen Insel namens Giske, nahmen Black Sea Dahu  das Album „White Creatures“ auf.  Stellt man sich den hohen Norden in Verbindung mit dem Albumtitel vor, denkt man unweigerlich an alte archaische Wesen und Kräfte. Und genauso klingt die Musik von Frontfrau Janine Cathrein und ihre Kollegen. Folk wie diesen findet man nur noch selten. Ich freue mich auf die Live-Präsentation am 28.01.2019 in der Pension Schmidt in Münster.

Hundreds

Eine meiner erklärten Lieblingsbands aus dem Bereich elektronischer Musik sind Hundreds aus Hamburg. Hundreds, das sind die Geschwister Eva und Philipp Milner, bei Liveauftritten ist noch der Elektro-Drummer Tim Neuhaus dabei. Hundreds waren noch nie Garanten für fröhlichen Radio-Pop. Zugunsten eigenwilliger Beats und Breaks verzichten die Geschwister weitgehend auf  (gewollte) Hits und erweisen sich als ungeeignet für die Hot-Rotation im Mainstreamradio. Ich bin dennoch durch einen „ Radio-Hit“ auf Hundreds aufmerksam geworden , weil auf FluxFM ( nicht zu Unrecht: die Alternative im Radio) die Single-Auskopplung „Circus“ aus dem 2014 erschienenen Album„Aftermath“ rauf und runter lief. Im Grunde sind nahzu alle Tracks auf Aftermath Hits, besonders „Ten Headed Beast“, „FoamBorn“, „Rabbits on the Roof“ und „Beehive“. Der schönste,aus meiner Sicht, ist „Our Past“

Live konnten wir Hundreds dann am 19.12.2014 mit einem grandiosen Auftritt in der Sputnikhalle in Münster erleben. Einige Fans der ersten Stunde kannte sie schon von ihrer Variations-Tour aus dem Jahr 2011. Damals sind sie noch in dem wesentlich kleineren Gleis22 aufgetreten. Seit „Aftermath“ bin auch ich Fan. Ich mag die sphärischen Klängen und dem insgesamt eher ruhigen Flow, der sich durch die Alben zieht. Philipps trickreiche Arrangements und Evas charismatische Stimme ergänzen sich geradezu symbiotisch. Trotz aller elektronischen Experimente ist die Musik melodiös,stellenweise lupenreiner Pop.

Das 2016 erschienene Album „Wilderness“ war weniger hitlastig, aber als musikalisches Gesamtpaket nochmal eine Steigerung. Bezeichnenderweise gab es keine Auskopplungen, obwohl mir die Tracks„Spotless“ und „Un-Unify“ durchaus geeignet erscheinen.

Hundreds sind sehr fleißig auf Tour. Jedem Album folgt eine ausgedehnte Europa-Tournee. Anlässlich der Widerness-Tour konnten wir Hundreds am 21.03.2017 zusammen mit dem Schweizer Elktropop-Duo Odd Beholder in der Lagerhalle in Osnabrück sehen und hören.

Nach der lauten Elektronik-Tour starten Hundreds immer eine ruhigere Elektro Akustik Tour. Die Stücke werden teils mit akustischen Instrumenten neu arrangiert. Aus diesem Anlass haben sie Hundredshaben ein fantastisches und akustisches Bon Iver Cover veröffentlicht. Gemeinsam mit Wallis BIRD und Missincat coverten sie“Flume” von Bon Ivers Debütalbum “For Emma, Forever Ago”. Ihr Cover erschien am 17.11.2017 auf der Akustik-Edition von“Wilderness” auf Vinyl.

Diskografie

Alben

2010:Hundreds (CD/LP, Sinnbus)

2011:Variations (CD/LP,Sinnbus)

2014:Aftermath (CD/LP, Sinnbus)

2016:Wilderness (CD/LP, Sinnbus)

EPs

2014:Aftermath Remixes (KrakatauRecords)

2015:Tame the Noise (Sinnbus)

2017:Hundres- ELEKTROAKUSTIK EP (Vinyl, (Krakatau Records)

Singles

2010:Happy Virus (Sinnbus)

2010:Solace (Sinnbus)

2010:Let’s Write The Streets (Sinnbus)

2011:Grab The Sunset (Sinnbus)

2014:Circus (Sinnbus)

2014:Our Past (Sinnbus)

2015:Ten-headed Beast (Sinnbus)

Sängerinnen mit asiatischen Wurzeln

Bereits am 11. Mai 2018 habe ich mir im Cafe Sputnik , dem kleineren Veranstaltungsraum der Sputnikhalle in Münster, ein Konzert von Michelle Zauners Band  Japanese Breakfast angehört. Sie hat auf ihrer Tour, die sie in Deutschland nach Hamburg, Berlin und eben Münster führte, ihr aktuelles Album SOFT SOUNDS FROM ANOTHER PLANET  vorgestellt. Nun gut, in Münster war derzeit der kath. Kirchentag mit vielen kostenlosen Musikveranstaltungen als Konkurrenz, mich hat dennoch verwundert, wie wenig das ohnehin kleine Sputnikcafe gefüllt war. Man muss mal vergleichen, wie viele begeisterte Fans Japanese Breakfast bei ihren Auftritt beim Pitchfork Music Festival 2018 in Chicago erreicht haben.

Ich war jedenfalls verliebt in den einfühlsamen Dreampop der quirligen Amerikanerin aus Philadelphia und ihren Mannen. Michelle Zauners Vater  ist Amerikaner, ihre Mutter stammt aus Korea. Damit steht sie in der Reihe der starken weiblichen Persönlichkeiten des Musikgeschäfts der letzten Zeit. Hier könnte ein neuer Trend entstehen, starke Sängerinnen mit asiatischen Wurzeln.

Für steht in der Reihe zuerst  die  exzentrische schwedisch-japanischen Sängerin Yukimi Nagano der schwedischen Synthpopband Little Dragon. Unschwer erkennbar spielt der Bandname auf die fernöstliche Herkunft der Frontfrau an. Yukimi Nagano ist auch durch ihr Feature   bei den Gorillaz bekannt ( Empire Ants ) 

Hier eines meiner Lieblingsstücke.

(Wird fortgesetzt mit Mitsky, Milk, )

Ätna – Live im Gleis 22, Münster

Samstag, 27.10.2018

Die Bühne im  Gleis 22  wird dominiert von einer großen schwarzen Scheibe vor einem hellen Vorhang. Man fühlt sich an die schwarze Mondscheibe vor der Sonne bei einer totalen Sonnenfinsternis erinnert. Hinter dem Vorhang leuchtet ab und an das farbige Licht einer reduzierten Lichtshow auf. Ätna sind auf Promo-Tour zu ihrer neuen EP ÄTNA – EP im Gleis in Münster gelandet. Rechts und links im Halbdunkel sitzen, ganz in schwarz gekleidet, die beiden Akteure hinter ihren Instrumenten, Inez hinter ihrem schwarzen Keyboard und Demian hinter den Drums. Sie schauen nicht ins Publikum, sondern sind einander zugewandt. Dies schafft eine Intimität zwischen den beiden, welche der hypnotischen Musik zugute kommt. Der Wechsel zwischen ruhigen Keyboardmelodien mit minimalistischen Beats fesselt das Publikum vom den ersten Tönen an und saugt es förmlich in den Fluss der Melodien. Oft setzt das Keybord aus, um den Drums Raum zu schaffen und anders herum. Das Duo ist sehr gut aufeinander eingespielt. Wir sind halt eine Band, wird Inez später im Gespräch wie selbstverständlich feststellen und meint damit nicht nur ihren Drummer, sondern auch den Mann am Mischpult, der auch heute Abend für den richtigen Sound sorgt, und den Mann an den Lichtreglern. Prägend für das ganze musikalische Geschehen ist Inez markante Stimme, die sie, mal leise und dann wieder in kraftvollen Eruptionen, hin und wieder mit einem Effektgerät verändert, wie ein Musikinstrument einsetzt. Ihre ganze Körperspannung legt sie in diese Stimme. Oft ist es, als wolle sie mit Händen den Gesang festhalten, um ihn dann wieder in den Raum zu entlassen. Man kann sich dem Zauber nicht entziehen, Gefühl pur. In den Zwischenansagen wenden sich die beiden dem Publikum zu . Im familiären Tonfall, fast etwas schüchtern berichten sie von ihrer Heimatstadt Dresden und von ihren Reisen, bei denen auch die tollen Musikvideos entstanden sind. So erfährt man die Geschichte von der russischen Stehauf-Puppe, die Demian im folgenden Sück als Rassel einsetzt.

Als Support kam zuvor die junge Band One Oak zum Einsatz. Sie hatte offenbar ihre mitsingende Fanbase dabei unnd sorgten schonmal für gute Stimmung Die drei Dortmunder Jungs ( Keyboard, Gitarre, Schlagzeug) bildeten mit tanzbaren Indie-Pop und mit ihrem quirligen Keyboarder (Nerd am Nord) und Sänger den weniger porofessionellen aber hoch ambitionierten Kontrast zu dem, was dann folgte.

Fazit: Ein wundervoller Abend, auch wenn das Gleis 22 etwas voller hätte sein können. Ätna hat mit Sicherheit den Erfolg noch vor sich. Wenn sie demnächst wieder im Gleis Station machen, wird sich das auch in Münster herumgesprochen haben.