Phoam -Cold Blood

Emotionale Klänge und ein beeindruckendes Video aus der Schweiz.

Die vierköpfige Basler Pop- Formation Phoam (Richard Wipf – Vocals, Jeroen van Vulpen – Keys, Luca Schürch – Guitar und Sanjiv Channa – Drums) bezeichnet ihren vielschichtigen, düsteren und energetisch mitreißenden Musikstil selber gerne als «Cold Pop». Zu ihrer ersten Single ”Cold Blood” hat Phoam in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Brigitte Fässler ein Musikvideo realisiert, das menschlichem Versagen & Einsamkeit thematisier Mit einer eindrucksvoller choreografischen Leistung stellt der Sänger von Phoam, Richard, zwei Persönlichkeiten dar, die im ein und demselben Körper leben. 

Charli Adams – Cheer Captain

Mit Nashville verbindet man unweigerlich Country Music und diese Musik ist für viele ein Synonym  für das erzkonservative Amerika. Aktuell bildet sich aber  in Nashville eine veritable Indie- und Alternativ Musik-Szene. Junge Bands und Künstler*innen, die nichts mehr mit Western- Gitarre und Banjo am Hut haben, nutzen die dortigen exzellenten  Aufnahmemöglichkeiten. In den Studios erklingen Synthesiser anstatt Country Yodeling. Im Prinzip schon Urväter des neuen Nashville sind  die Die Kings Of Leon, die sich dort  gründeten oder Jack White  oder die Black Keys, die es dort hinzog. Manche sagen, Nashville sei das neue Seattle.  

Kein Wunder also, dass  Nashville auch Zufluchtsort für die junge Sängerin Charli Adams wurde, als sie jüngst aus ihrem sehr konservativen Familienumfeld ausbrach und ihr Leben zwischen  Cheerleaderin und Bibel aufgab. (Foto oben: Slater Goodson, Dawson Waters)

Für den Titel des Debütalbums stand Bon Ivers Dartscheibe Pate

In Nashville hat man die Chance, in einer Kneipe Justin Vernon (Bon Iver) beim Dartspielen zu treffen. Das passierte Charli Adams und der verlieh ihr den Nickname „Bullseye“, die Bezeichnung für den Mittelpunkt der Dartscheibe, also Volltreffer. (Hat tolle Vergleiche drauf, dieser Justin Vernon). Damit stand dann auch der Titel für das Debütalbum „Bullseye“ fest. In Nashville traf Charli auch die Produzenten Dan Grech (Lana Del Rey) und Brian Kierulf (Lady Gaga), die die Produktion in die Hand nahmen. Gemischt wurde das Album  von Patrick Dillett (St. Vincent).

Über Cheer Captain die erste Single aus „Bullseye“ , gleichzeitig die Abrechnung mit ihren alten Leben, berichtet Charli Adams:Cheer Captain ist ein grimmiges  und anklagendes Lied über den Kampf mit meinem Helferkomplex als People Pleaser für Jedermann. Ich wollte unbedingt alles für jeden sein, also wurde ich ein anpassbarer Mensch, das ging oft gegen alles, was ich eigentlich bin. Es fühlt sich immer wie ein Studienprojekt an an, wenn ich meine Beziehung zur Religion, zu meinen Eltern und zu Männern anspreche“ und weiter: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich mit meiner Identität zu kämpfen hatte, tatsächlich habe ich das alles so sehr gehasst.“

Es handelt sich also um ein sehr persönlich gefärbtes Songwriting, das viel vom psychischen Befinden und der Identität preisgegibt. Wir kennen dies von Künstlerinnen wie Julien Baker, Phoebe Bridgers oder Marie Ulven (Girl In Red), neben denen sich Charli Adams ihren Platz erobern wird.

Indra Bahía – Giveaway

“Hi, my name is Indra Bahía, I’m a singer, musician, creative director and Berliner. Yes, German / Cosmopolitan / Out of this world!” So stellt sich Indra Bahía in ihren Youtube Channel vor. Die Berlinerin und Nachkommin mongolischer Nomaden hat die längere Zeit an verschiedenen Orten in Europa, Nordafrika, Nordamerika, Asien und Australien verbrachte. Ihr Musikstil ist eine erwachsene Mischung aus Pop, Jazz, Soul und R&B. 

Indra Bahía erfreut uns mit ihrer neuen Single „Giveaway“, ein Lied über Liebe und Mitgefühl. „Love wasn’t put in your heart to stay, love isn’t love until you give it away“, stelltdie 32- Jährige fest. 

Der selbstgemachte Clip ist ein stimmiger Hybrid aus Musik- und Lyric-Video in Schwarz-Weiß. 

Die Single ist ein Vorbote ihre Albums „Closer to the Ocean“, das schon bald am 14.05.2021 erscheinen soll.

CHVRCHES – He Said She Said

CHVRCHES veröffentlichten gestern ihre neue Single „He Said She Said“. Die Single feierte als Annie Macs ‚Hottest Record‘ bei BBC Radio 1 Premiere.

„Sei erfolgreich, aber nur so, wie wir es von dir wollen. Sprich für Dich selbst, aber nicht so laut, dass Du den Männern den Rang abläufst. Sei attraktiv, aber nur zur Freude der Männer, und sei auf keinen Fall eitel. Strebe danach, das ‚heiße traurige Mädchen‘ zu sein, aber sei nicht wirklich traurig, so dass du andere belastet. Sei schlau, aber nicht schlau genug, um mehr zu verlangen, als dir gegeben wird.“ Das sind Erwartungshaltungen, die immer noch gegenüber Frauen formuliert werden. Lauren Mayberry, Sängerin von CHVRCHES hat zusammen mit ihren beiden Bandkollegen darüber einen Song geschrieben und sagt selbstkritisch.:  „He Said She Said» ist meine Art der Abrechnung mit Dingen, die ich akzeptiert habe, von denen ich weiß, dass ich sie nicht hätte haben sollen.“ und führt weiter aus „Alle Verse sind ironische oder paraphrasierte Versionen von Dingen, die mir tatsächlich von Männern in meinem Leben gesagt wurden. Eine Frau zu sein, ist verdammt anstrengend und es fühlte sich besser an, es in einen Popsong zu schreien, als es in die Leere zu schreien. Nach dem vergangenen Jahr können wir alle das Gefühl nachvollziehen, wenn man glaubt, den Verstand zu verlieren.“

Photo Credit: Sebastian Mlynarski & Kevin J Thomson

Leyya – Am I Even Real?

Music made in Austria. Der Dark Mode Sound von Leyya ist längst zur eigenen Trademark geworden. Diesem dunkelen Klang behalten Sophie Lindinger und Marco Kleebauer auch auf „Am I Even Real?“ bei, auf dem sich Leyya intensiv mit dem Selbst und dem leidig präsenten Thema der mentalen Gesundheit auseinandersetzen. Sophie Lindinger sagt: „Am I Even Real? ist ein Song über den Verlust des Realitätssinns. Er handelt vom Punkt, an dem man Fiktion vom wirklichen Leben nicht mehr zu unterscheiden vermag; vom Gefühl, ständig auf einem schmalen Pfad ohne Ausweg zu wandern; in der Angst, ohne Wiederkehr hinunterzufallen.“

Die Magie in Leyyas Musik liegt aber darin, dasss sie trotz eines düsteren Schleiers imstande ist, einen Hoffnungsschimmer zu verbreiten.

Foto Credit: Gabriel Hyden

Kalina – In My Nature

“Frei zu sein, liegt in meiner Natur” lautet der  Refrain. Zwar heißt es zunächst noch, “Zerrissen zu sein, liegt in meiner Natur”, zerrissen zwischen dem einen, der ihr Sicherheit gibt, für den  aber nur eine kleine  Flamme brennt und dem anderen, der das Feuer in ihr entfacht, wofür sie frei sein muss. Aber sie geht, stolpernd zwar, aber sie löst sich von den unerwünschten Geistern der Vergangenheit . “Ich soll bleiben wie du mich haben willst, aber ich bin nicht dein Eigentum” hält sie ihm entgegen. 

Pressefoto: Kalina (Credit: Tim Cavadini)

In My Nature„,dieser Song über Befreiung, Selbstbestimmung  und Selbstachtung ist die neue Single von Kalina. Kalina ist eine Singer-Songwriterin aus Wien mit vielfältigen Wurzeln. In Madrid geboren und in Oberösterreich aufgewachsen, zog sie 2010 nach London, um Music Performance und Production zu studieren. Nach ihrem Studium arbeitete sie in verschiedenen Studios und trat in London und ganz Europa auf. Ihre Debüt-EP Debüt-EP „Gold to Grey“ liegt schon vier Jahre zurück. Ein persönlicher Schiksalsschlag zwang sie, zu pausieren. Ihre musikalische Wiedergeburt ist inspiriert von ihrem multikulturellen Hintergrund und starken weiblichen Ikonen, wie Lauryn Hill Und Etta James, die ihren eigenen Weg gegangen sind, begibt sich Kalina auf neues musikalisches Terrain mit dem Produzenten und Schlagzeuger Andreas Lettner, der ihren Soul- und R&B-Einflüssen eine moderne Note verleiht.

Wolf Alice – Smile

Wolf Alice, eine der besten Bands Großbritanniens, veröffentlichte heute eine neue kompromisslose , hochenergetische Rocknummer mit dem Titel „Smile„. Es ist nach „The Last Man On Earth“ die zweite Single aus ihrem mit Spannung erwarteten dritten Album „Blue Weekend“. Leadsängerin Ellie Rowsell erklärte: „Dies ist einer der Songs, die wir mit dem Gedanken geschrieben haben, ihn live zu spielen. Ich vermisse dieses Gefühl, auf der Bühne zu singen. Es ist, als würde man in ein Kissen schreien oder so – man kann einfach fieser sein. Da ist ein ganz anderer Teil von mir, der fehlt.“

Foto: Jordan Hemmingway

John Moods- Talk To Me (Single und Video)

So Sweet (EP)

John Moods heißt eigentlich Jonathan Jarzyna und wohnt in Berlin (Foto: JJ Weihl) Er war Mitglied der Berliner Band Fenster. Unter dem Namen seines Soloprojekts John Mood hat er ein neues Video raus gebracht, in welchem er als Yuppie durch New York läuft. “Talk To Me” ist eine weitere Single von der am Freitag erscheinenden EP „So Sweet“.

John Moods  erzählt zum Video: „In diesem Video darf ich ausleben, was ich als meine „suit-guy fantasy bezeichne. Ein junger, ungerührter Investmentbanker, ein Yuppie, der Held der romantischen Komödien der 1990er Jahre, schreitet mit schnellen Schritten durch die Straßen von Lower Manhattan, während der Kaffee dampft, die Brezeln heiß sind und Rauch aus den Abwasserkanälen weht, als Erinnerung daran, was sich unter der hypernormalisierten Welt der Finanzen verbirgt. Am Ende des Videos erreicht der Protagonist das Büro, in dem er ganz allein in einem toten und verfallenden Gebäude arbeitet, noch immer ahnungslos oder unfähig zu sehen, was ihn wirklich umgibt. Das Video spielt in einer Art Fantasy-Version des New Yorks der 90er Jahre, wobei Teile offensichtlich nicht in New York, sondern in der heutigen Zeit gedreht wurden. Es spiegelt die Zeit wider, die vergangen ist, seit das Found Footage gefilmt wurde, und wie komisch es manchmal ist, so weit von Amerika entfernt zu sein, aber gleichzeitig sehr stark von dessen Kultur, Glaubenssystemen und Träumen beeinflusst zu sein.“

 „So Sweet“ (EP) – 6 Indiepop Songs für bessere Laune

So wie das Video vergangene Zeiten zitiert, leben die sechs Songs der am Freitag erschienenen EP “So Sweet” davon, dass, wie das Magazin Spex richtig feststellt, sich Jarzyna “vom psychedelischen bis jazzigen Folk-Sound der späten Sechziger und Siebziger, bis zum AOR-Yacht-Rock der Achtziger mit seiner mediterranen Sehnsucht … die reifsten Kirschen herausgepickt” hat. Im August erscheint dann die zweite EP „So Nice“, Die Zweiteilung des Projekts ist dem Gedanken geschuldet, dass unserer Welt notwendigerweise aus Binaritäten und Dualitäten besteht, um diese als Dyaden zu begreifen und sich in den undurchsichtigen Räumen dazwischen wohlzufühlen. Jede Hälfte kontrastiert die andere, akzentuiert divergierende Aspekte eines einzigen Ganzen. 

Japanese Breakfast – Posing In Bondage

In der Rubrik neu & gut geht es diesmal  ausschließlich um  Songs aus Frauenhand, die just am  heutigen Freitag erschienen sind. Nicht etwa, weil heute Weltfrauentag wäre oder sowas, sondern weil heute zufällig mehrere  starke Neuerscheinungen von Sängerinnen auf dem Redaktionstisch gelandet sind.

Jetzt mogel ich ein wenig, weil der Song aus der letzten Woche stammt. Er ist aber saustark und soll nicht unerwähnt bleiben. Japanese Breakfast, das musikalische Projekt der vielseitig beschäftigten Michelle Zauner, veröffentlichte -wie gesagt schon letzten Freitag- mit “Posing In Bondage” einen weiteren Vorgeschmack auf ihr neues Album “Jubilee” (VÖ: 04.06. ) – für das zugehörige Musikvideo führte Zauner selbst Regie. Als Ballade über Einsamkeit und Sehnsucht erzählt “Posing In Bondage” von zwei Menschen, die trotz aller Mühe und Willen es nicht schaffen, eine Verbindung zueinander aufzubauen. “No place felt lonelier than an empty grocery at 1 AM“ erzählt Zauner. „The video is actually an epilogue to the one that will accompany our next single, here presented out of order.”

Bae.con -Wouldn’t Know

In der Rubrik neu & gut geht es diesmal  ausschließlich um  Songs aus Frauenhand, die just am  heutigen Freitag erschienen sind. Nicht etwa, weil heute Weltfrauentag wäre oder sowas, sondern weil heute zufällig mehrere  starke Neuerscheinungen von Sängerinnen auf dem Redaktionstisch gelandet sind.

“Why you wanna act like you know me? I don’t even know myself,” singt die Berliner Künstlerin Bae.con im Refrain ihrer neue Single “Wouldn’t Know”. Sie wehrt sich gegen voreilige Urteile, die sie durch ihr unverwechselbares Auftreten provoziert. Der stechend scharfe Sound, der sich aus Trap-, Pop- und Alternative-Elementen zusammensetzt, ist ein bedrohlich wirkender Mix aus depressiver Melancholie und eiskalter Coolness.