SOBI -Devil

Foto: Laura Scheppers

Machmal hat man das unfaßbare Glück, dass man den Anfang eine Karriere mit bekommt. Genau das Gefühl habe ich, wenn ich den Song Devil der jungen in London aufgewachsenen und inzwischen in Hannover ( ja, tatsächlich Hannover) lebendem Folk-Sängerin Sobi höre. Devil ist ein kathartischer Song. Es geht um die Befreiung aus den Klauen des Teufels, der hier für einen dunklen Lebensabschnitt steht, hin zum Licht zu einem besseren Morgen. SOBI erklärt : “Devil is a song that means a lot to me because it’s one of my most personal songs and it came out of a really difficult time. Writing it was a bit like therapy for me! I love playing it live and seeing how people connect with it so I’m very excited to release it as a single! I hope people who listen and relate will be able to find comfort in this song.”

Die sehr akkurat produzierte Musik spiegelt diese Katharsis. Es beginnt mit SOBIs fast melancholischem Gesang, nur begleitet von einer Gitarre und steigert sich zum euphorischen Schluss mit Klavierklängen und Chor.

Als Inspiration gibt SOBI die englische New-Folk-Szene an. Laura Marling ist natürlich ein gutes und passendes Vorbild. Ich bin überzeugt, dass wir noch viel von SOBI hören werden. Im Frühjahr 2020 wird ihre EP Home One Day mit selbst geschriebenen, sehr persönlichen Songs erscheinen. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

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Marius Müller-Westernhagen – Mit 18

Mehr als vierzig Jahre ist es seit dem Erscheinen des Albums „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ her,  mit dem Marius Müller-Westernhagen 1978 seine Karriere begründete. Mit Pfefferminz… war purer deutscher Rock n’ Roll. Political Correctness war kein Thema, an dem Song “Dicke” hatten alle Spass, auch die Dicken. Mit Pfefferminz… funktioniert auch heute noch. Der Song ist partytauglich und füllt jede Tanzfläche.

Nun veröffentlicht der Sänger, Songwriter, Musiker und Produzent “Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)”. eine Neuaufnahme von “Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz”. “Mit 18” ist ein erster Vorbote des neuen Werks, das er gemeinsam mit dem Grammy-prämierten Produzenten und Multiinstrumentalisten Larry Campbell im legendären Dreamland Studio in Woodstock aufnahm. “Mit 18” feierte am Mittwoch Premiere.


Die Alben der Woche

YEAH BUT NO – Deamons

YEAH BUT No aus Berlin – das sind Douglas Greed und Fabian Kuss. Sie haben sich der elektronische Musik verschrieben. Dabei zielen sie weniger auf den Dancefloor als auf den genussvollen Hörgenuss, gerne auch unter Kopfhörern. Man merkt der Musik an, dass hier ein Techno-Produzent (Greed) und ein Sänger und Songschreiber (Kuss) zusammengefunden haben. Die 11 Stücke des neuen Albums „Demons“ kreisen um innere und äußere Konflikte und Gegensätze.  Musikalisch deutlich song-orientiert, beschäftigen sich Yeah But No mit Brüchen und zu überwindenden Widrigkeiten, mit Vergangenheit und alten Gewohnheiten – und wie man mehr darüber stolpert, statt daran zu wachsen. Aus einer persönlichen Perspektive kommentiert die Band globale Herausforderungen wie die Klimakrise (I Don’t Want To Know), die überall projizierte Angst oder die permanente Unruhe und Unzufriedenheit dieser Zeit, wie auch die ganz privaten Dämonen, die unser Leben bestimmen. 

Vagabon – Vagabon

Foto: Tonje Thilesen

Die in Kamerun geborene und in New York lebende Künstlerin Lætitia Tamko, die unter dem Namen Vagabon aufnimmt, hat ihr zweites Album veröffentlichen. Die LP sollte ursprünglich “All The Women In Me” heißen. Dies war ein Verweis auf einen Gedichtsband von Nayyirah Waheed. Die Poetin hat zwar sehr viele Follower auf Instagram, über ihre Biographie ist dennoch so gut wie nichts bekannt. Als Tamko erfuhr, dass Waheed es vorzog, nicht zitiert zu werden, änderte sie den Titel auf Vagabon. Was Waheed dazu bewogen hat, die Verwendung ihrer Gedichte zu verbieten, wissen wir nicht. Es dürfte nicht an der Qualität der zehn Songs liegen, denn Vagabon ist eine außerordentlich selbstbewusstes Werk gelungen, bei dem sie fast alle Songs selbst produziert hat. Es ist keine Genre eindeutig zuzuordnen. Sie probiert sich Folk-Sängerin, Popstar und Bedroom-Indie-Rockerin aus. Schimmernde Synthiesounds unterstützen Vagabon Stimme. Den Song Every Woman lässt Vagabon in den untersten Teil ihres Registers versinken, während sie Please Don’t Leave the Table mit einem entspannten Falsett schweben lässt. Water Me Down ist ein Hit.

Mando Diao – Bang


,Mando Diao ist eine Band, die ähnlich wie die Strokes, die gerne als Referenz herangezogen werden, ihre großen Erfolge in den 00-Jahren hatte. Es ist schwierig für eine Band, sich über so lange Zeit immer neu zu erfinden und dabei die Fans nicht zu verlieren. Das ist Mando Diao nach dem Album “Give Me Fire” mit dem Überhit „Dance With Somebody“ nicht mehr so recht gelungen. Zudem musste die Trennung von Frontmann Gustaf Norén verwunden werden. Während aber die hochgelobten Strokes ihr letztes Album vor 6 ½ Jahren veröffentlicht haben, schaffen es die Schweden jetzt  mit Bang an glorreiche Zeiten anzuknüpfen. Catchy Rockriffs, tighte Drums, coole Basslinien und rotziger Gesang ergeben krachenden, tanzbaren Indie-Rock. Den Fans wird es gefallen. Den Verriss im Musikexpress muss man ja nicht lesen.

Yeah But No – I Still Keep Love For You

Morgen erscheint Demons, das zweite Album des Berliner Electro Pop / Wave – Duos YEAH BUT NO. Mehr Infos dazu gibt es am Wochenende unter der Rubrik „Alben der Woche“. Versprochen. Vorab sei aber schon einmal verraten, das auf dem Album gefühlvoller Elektro-Pop zu hören ist, der sich bestens als Soundtrack für emotionale Kurzfilme oder Dokumentationen eignen würde. So wundert es nicht, dass das Video zu der Albumauskopplung I Still Keep Love For You wie ein emotionsgeladener Kurzfilm daherkommt.

Yeah But No – „I Still Keep Love For You“ (official music video) VÖ 16.10.2019

Im Video von Regisseur Jacob Sauermilch wird ein Mann auf einem Roadtrip mit seiner Freundin an seine Beziehung zu seiner früheren Partnerin erinnert. In den Rückblenden wird ihm wieder gegenwärtig, was er verloren hat, und eine unbestimmte Sehnsucht nach vergangenen Zeiten erwacht. Die Gedanken, die ihn überwältigen, werden durch den zeitgenössischen Tanz repräsentiert, der zum Ende hin immer stärker und wilder wird.

LOVE MACHINE – EP: Mirrors & Money

Mirrors & Money Cover

Crooning beschreibt einen in den 1920er Jahren mit der Entwicklung des Mikrofons entstandenen Gesangsstil der populären Musik, dessen vorwiegend männliche Repräsentanten als Crooner bezeichnet werden. Das Crooning zeichnet sich durch die Intimität und Wärme der Stimme aus und wurde anfangs stark sexuell konnotiert (WIKIPEDIA). Ein Crooner kann also über Thunfischpizza, Träume von toten Katzen und Stripper sowieso singen, es klingt immer ohrenschmeichelnd und sexy. 

Die Düsseldorfer Band LOVE MACHINE hat mit Marcel Rösche einen solchen Crooner am Start, der mit sonoren Stimme die verschiedenen Musikstile zusammenhält, die LOVE MACHINE auf ihrer neuen EP Mirrors & Money darbieten. Die Band schafft den fließenden Übergang von einem pornös groovendem Soul Track wie ‚The Stripper’ hin zu Stücken, die wie ‚Mirrors & Money’ oder ‚Birdy Buddy’ nach Garage- und Punkrock klingen. Dazwischen taucht mit ‚Dead Cats Dream’ Psychedelic Rock auf. Der EP Opener ‚Valentino’ und der Schlusstrack ‚Starshine’ zeugen zudem davon, dass LOVE MACHINE auch Krautrock und  Alternative Rock beherrschen.

LOVE MASCHINE sind auf Tour und kommen am 23. 11. ins Sputnik Café, Münster

Bodi Bill – Better Than Reality

Foto: Katia Wik

Wer auf elektronische Indie-Mukke steht, sollte das Berliner Trio Bodi Bill im Auge behalten. Bodi Bill waren Vorreiter eines modernen musikalischen Eklektizismus aus Techno, Folk und Indie, haben dann aber 7 Jahre nichts mehr zusammen gemacht, sondern sich jeweils eigenen musikalische Projekten gewidmet. Jetzt sind sie allerdings mit einer neuen Single ( die dritte in kurzer Zeit ) und einer Tour wieder da.

/// Bodi Bill – Hands-On Tour
20.10.2019 – DE – Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld* 
21.10.2019 – DE – München, Ampere*
22.10.2019 – DE – Nürnberg, Stereo*
24.10.2019 – DE – Frankfurt, Horst*
25.10.2019 – DE – Hannover, Musikzentrum*
26.10.2019 – DE – Dresden, Scheune
27.10.2019 – DE – Jena, Kassablanca
28.10.2019 – DE – Dortmund, FZW Club*
29.10.2019 – DE – Bremen, Lagerhaus*
31.10.2019 – DE – Hamburg, Mojo Club*
02.11.2019 – DE – Berlin, Säälchen – sold out!*
04.11.2019 – DE – Berlin, Säälchen – sold out!**

* mit Odd Beholder
**  mit Albertine Sarges & The Sticky Fingers

June Cocó – Ready For Love

Foto: Jörg Singer

Die in Leipzig beheimatete Sängerin und Pianistin June Cocó veröffentlicht am 29.11. ihr zweites Album „Fantasies & Fine Lines“ . Wie es sich für eine Pianistin gehört, wird auf dem Album das Klavier als Hauptinstrument zu hören sein. Als Appetitanreger erschien bereits am Freitag der Titel Ready For Love  als zweite Auskopplung ihres Albums Fantasies & Fine LinesJune Cocó will das Lied als Aufforderung verstanden wissen, sich auch einmal zu großen Gefühlen und echter Liebe zu bekennen. Für einen Menschen, aber auch zu sich selbst – oder vielleicht auch für das liebste Instrument: „Das klingt groß, aber ich würde wirklich sagen, dass das Klavier die Liebe meines Lebens ist. Seit ich als Kind bei einer Freundin hörte, wie jemand darauf ‚Für Elise‘ spielt, wollte ich das auch können.“ Auf alle Fälle ist ihr ein sehr schöner poppiger Song gelungen, mit großem Refrain, einem fantastischen Chor und schönen Pianomelodien.

Start ihrer Europatour

Nachdem June Cocó gerade eine Reihe Konzerte in Schweden und Litauen absolviert hat, wird sie auch in den nächsten Monaten ausgiebig durch Deutschland und Europa unterwegs sein, darunter auch ein Konzert in Münster :

18.10.19 FR-Paris – MaMA Festival
01.11.19 CZ-Prag – Palac Akropolis
09.11.19 Leipzig – naTo
13.11.19 Erfurt – Museumskeller
15.11.19 Plauen – Malzfabrik
18.11.19 Jena – Paradies Cafe
19.11.19 München – Orangehouse
20.11.19 Dresden – Jazzclub Tonne
21.11.19 Schwabach – Bürgerhaus
22.11.19 Greiz – Alte Papierfabrik
23.11.19 Altenburg – Paul-Gustavus-Haus
26.11.19 Münster – Jovel
27.11.19 Marburg – Q
28.11.19 Köln – Lichtung
29.11.19 Hamburg – Hebebühne
30.11.19 Berlin – Privatclub
26.02.20 Göttingen – Apex
27.02.20 Magdeburg – Moritzhof
28.02.20 Rostock – Helgas Stadtpalast
02.03.20 Mainz – Schick & Schön
04.03.20 Tübingen – Sudhaus
05.03.20 Stuttgart – Club Cann
06.03.20 Heidelberg – Karlstorbahnhof
07.03.20 Bonn – Waschsalon

We Are The City – Song In My Head

Sänger/Keyboarder Cayne McKenzie, Schlagzeuger Andrew Huculiak und Gitarrist David Menzel gründeten die kanadische Progressive-Rock-Band We Are The City als Teenager. Seitdem haben sie das Projekt als Ventil für ihre wildesten kreativen Launen genutzt. In ihrem Portfolio gehören neben EPs und Alben auch Soundtracks zu abgefahrenen norwegischen und Kanaduíschen Filmen. Das 2018 erschienene Album „AT NIGHT“ war das erste von zwei sehr unterschiedlich konzipierten und abgeschlossenen Alben, die die Band kurz nacheinander veröffentlichen wollte. Das zweite Album mit dem Titel RIP wird Anfang 2020 veröffentlicht. Als Vorgeschmack gibt es ein neues Videos „Song In My Head“ 

B O K E H – Options

In dem Dance-Pop- Track trifft Atmosphäre auf packende Synthies gepaart mit einer starken Stimme der Sängerin. Das musikalische Wirken von Chloë Lewer gefällt uns schon, seit die aus Südafrika stammende, in Neuseeland aufgewachsene und nun in Berlin lebende Sängerin zusammen mit den Neuseeländer Elliott McKee in den Berliner Straßenmusikprojekt Charity Children mit feinstem Indie-Folk verzauberte. Auf der Facebookseite von Charity Children sieht man, dass die beiden wieder imStudio sind und ich hoffe, dass bald was neues zu hören sein wird.

Als Solokünstlerin ist Chloë Lewer vielseitig tätig. Ihr Musikprojekt trägt den Namen BOKEH. Außerdem wirkt sie als professionelle Songwriterin und Musikerin, als auch als Filmemacherin, Schauspielerin und Regisseurin. Über das Musikvideo zu Options führte sie selbst Regie.

Im Musikvideo durchlebt der Darsteller (Daniel Asamoah) einen Findungsprozess. Er versteckt seine wahre Leidenschaft, das Tanzen sowie seine Sexualität. Einmal in der Woche mietet er sich ein Tanzstudio, um dort alleine mit sich selbst um seine Identität, seinen Gender und um seine Sexualität zu ringen. Letztendlich verliert er seine Hemmungen und Ängste und entdeckt sich selbst neu. 

Die Alben der Woche

Big Thief Two Hands

Big Thief haben einem Lauf. Es ist erst ein paar Monate her, dass Big Thief  mit U.F.O.F. ihr letztes Album vorlegten. Die Alben sind als gegensätzlich Zwillinge anzuhören. Während U.F.O.F. überwiegend mit fein gepicktem Folk-Minimalismus das Luftige präsentierte, dominiert auf TWO HANDS das Erdige, die Enge und das Bedrückende. Elektrische Gitarren ergänzen sich mit Adrianne Lenkers Stimme, die immer wieder schafft, uns an ihren Emotion teilhaben zu lassen, als wäre man in einem dunklen Wald in einer engen Hütte eingesperrt.

Mister Me – Das Ende vom Hass

Foto. Tamara Eder

Wer rettet sie denn jetzt eigentlich, die deutschsprachige Popmusik? An dem einen Ende brechen HipHop-Acts Streaming-Rekorde, am anderen dudeln Schnulzen-Songwriter. Dazwischen findet Mister Me seine Nische und macht alles richtig. Lese die ausführliche Beschreibung hier.

Elbow – Giants of All Sizes

Wer sich ein neues Album von Peter Gabriel erhofft, der sollte sich das das neue Album Giants of All Sizes von Elbow anhören ( und die sieben Vorgänger ebenso). Es ist nicht nur die Stimme von Frontmann Guy Garvey, die stark an die des jungen Peter Gabriel erinnert. Es sind der Aufbau und die Dynamik jeden einzelnen Song, mit teils unerwarteten Wendungen, aber auch des gesamten Albums, die den Vergleich zum Altmeister erlauben. Die neun Titel von Giants of All Sizes wechseln zwischen laut, rau, schnell, dunkel und weich, sanft, langsam, hell. Man findet orchestrale Passagen, sägende E-Gitarren und Streicher, die einen warmen melancholischen Schimmer verleihen. Das verbindende Element is Garveys Stimme. Gewiss, es fehlen radiotaugliche Tracks oder markanter Einzelstücke. Allein der Opener Dexter & Sinister ist mit sieben Minuten viel zu lang fürs Radio. Vielleicht ist aber Elbow die Band, die das Albumformat rettet.