[Leak] – Closeups

Die fünfköpfige Band [Leak] gründete sich 2014 in Nürnberg (Foto: Alexander Hill). 2017 haben sie ihre erste EP „Noise From The Void“ eingespielt . Mit ihrem reifen Indie-Electro-Post-Pop, aufbauend auf einem warmen und komplexen elektronischen Klangteppich und gefühlvollen Gitarren schafft das Quintett eine sehr emotionale, melancholische Stimmung, woran nicht zuletzt Rachels Vocals ihren Anteil haben. [Leak] veröffentlichen im Sommer ihre zweite EP. Die erste Single „Closeups“ unterstreicht ihren internationalen Anspruch. Sie ist mit einem sehenswerten animierte Video der britische Agentur „Ladybug Animation Studios“ (u.a. Mumford & Sons) verbunden.

Ellas – Running

„Was bedeutet Rennen für uns?“ hinterfragt Ellas (Pressefoto Mouthwatring Records) . Rennen wir, weil wir unseren Sorgen und Problemen zu entkommen versuchen und so Seelenfrieden suchen? Wollen wir neue Orte erreichen und probieren unbewusst, die Vergangenheit hinter uns lassen? Oder rennen wir schlicht, um Gedanken auszuschalten und im blossen Prozess der Bewegung Freiheit zu erlangen? «Running», ist die dritte Single der Aargauer Popband Ellas. Das Stück ist geprägt von sperrigen Drums und leidendem Gesang (Jorina Stamm), wirft ab der Hälfte des Songs jedoch allen Ballast ab und zelebriert regelrecht episch die Freiheit des Rennens mit kraftvollen Gitarren, Hall und drückendem Bass – bis zu einem finalen Effekt, welcher belegt: Am Ende ist ein Sprint auch nur ein vorübergehendes Phänomen und alles vermeintlich Vergangene kommt ohne Konfrontation irgendwann zurück in die Gegenwart.

Eclecta – Perfect Pictures

Die beiden schweizerischen Multiinstrumentalisten Marena Whitcher und Andrina Bollinger (Foto: Nicole Pfister) sammeln Klänge und erstellen daraus Samples und Beats, die als Rohstoffe für ihr Studioalbum „Open Other Doors“ dienen. Das Duo Eclecta bricht Wahrnehmung von Musik durch kunstvoll gestaltete Rhythmen und ihre Stimmen, die sich in ein Gesangsduell begeben. Jeder hat schon einmal erlebt, das ein perfekt gestaltetes Bild nicht als schön, sondern als langweilig empfunden wird. Erst kleine Fehler und Abweichungen machen ein Bild interessant. Genau das übersetzen Electa in Klänge mit absichtlichen Aufnahmefehler und elektronisch missbrauchten natürlichen Klängen. Durch die Brechung ist das Ergebnis unperfekt und höchst interessant.

Foto: Nicole Pfister

Everything Everything-Violent Sun

Everything Everything verschieben fünftes Studioalbum auf den 11.09. Adohr – Auf die Ohren bleibt dran

( Fotocredit: Everything Everything) Zum Release des fünften Studioalbums ‟Re-Animator” hat Adohr – Auf die Ohren ein Interview mit Jonathan Higgs, dem Frontmann von Everything Everything, der derzeit angesagten Art-Rockband aus UK geplant. Ende der letzten Woche gaben Everything Everything die Verschiebung des Release-Termins vom 21.08. auf den 11.09.2020 bekannt. Klar, dass die Band auf die zur Zeit nicht bestehenden Auftrittsmöglichkeiten reagiert. So liegt die Albumveröffentlichung näher an den Termine für ihre Tour durch Großbritannien, die im kommenden Frühjahr hoffentlich stattfinden kann. Aber Adohr – Auf die Ohren bleibt dran. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das Interview und die Albumbesprechung kommen entsprechend später. Versprochen.

Um ihren Fans die verlängerte Wartezeit auf das Album, wie es so schön heißt, zu versüßen, haben Everything Everything nun mit „Violent Sun“ eine weitere Vorab-Single und auch wieder ein imposantes Video (Regie: Jonathan Higgs) rausgehauen. Genau wie die beiden vorigen Singles „Planets“ und „Arch Enemy“ feierte auch „Violent Sun“  seine Premiere am Dienstagabend in der Kultsendung von Annie Mac auf BBC 1. Der Song geht unwahrscheinlich nach vorn, so dass man ihn sich gut bei Live-Konzerten oder auf der Tanzfläche vorstellen kann. Mit seinem abrupten Ende bildet er übrigens den krönenden Abschluss des Albums „Re-Animator“.

Neuigkeiten von Little Dragon

FKJ, GARANT FÜR ENTSPANNTE GROOVES, REMIXT LITTLE DRAGON’S ALBUM-CLOSER „WATER“

Unsere Lieblinge , die schwedische Band Little Dragon, veröffentlichten Anfang des Jahres auf Ninja Tune  das großartige Album New Me, Same Us, welches von Medien wie dem SZ Magazin, Jazzthing, Faze, Kulturnews, der Berliner Zeitung oder Rolling Stone, Musikexpress und Adohr-Auf die Ohren sowie international von der New York Times, NPR, Pitchfork, dem Guardian, Mixmag, Crack Magazine  über den grünen Klee gelobt wurde. „Water“ – das Abschlussstück des Albums, „New Me, Same Us“ – verkörpert das Gefühl, nach einer langen Reise nach Hause zurückzukehren, „wie ein Tropfen, der endlich den Ozean erreicht“, wie es Little Dragon selbst beschreiben. Ein langjähriger Fan der Band ist der französische Produzent FKJ, der zuvor bereits mit Künstler*innen wie Jordan Rakei, Masego und Tom Misch zusammengearbeitet hat. Sein Remix baut auf dem versunkenen Vibe des Originals auf und verleiht dem entspannten Groove mit einer tiefen Bassline und zackiger Percussion ein Gefühl der Dringlichkeit, das Yukimis unverwechselbaren Gesang umrahmt.

Live-Auftritte werden schmerzlich vermisst

Anfang der Monat veröffentlichte Little Dragon auch ein neues Video zu ihrem Song „Where You Belong“, um während des anhaltenden Konzert-Lock-Downs an ihre Live-Auftritte und die Energie ihrer Shows zu erinnern. Es enthält über zehn Jahre altes und noch nie gesehenes Filmmaterial, das unterwegs aufgenommen und mit einem neuen Live-Auftritt zusammengeschnitten wurde, den sie ebenfalls in ihren Göteborger Studios aufnehmen ließen.

Also, einfach mal wieder „New Me, Same Us“ durchhören.

Herr Rauch – Sportlehrer aus Leidenschaft (VÖ: 31.07.2020)

Solange die Sonne scheint und der Wein uns schmeckt,
ist noch kein Musikant verreckt.(Leider Wein)

Seit Jahren hält das Kneipensterben an. Menschen trinken weniger Bier, arme Leute verdienen weniger Geld und junge Menschen verleben ihre Freizeit anders. Zum Glück gibt es sie aber immer noch, diese Horte der Feierabendgemütlichkeit. Dabei sind uns Musikliebhabern selbstverständlich solche Lokale besonders ans Herz gewachsen, wo man die Verköstigung von Bier mit dem Genuss von Live-Musik verbinden kann. In einem solchen Biotop wurde Herr Rauch geboren, wobei Herr Rauch kein einzelner Mensch ist, sondern das Quintett Stefan Rauch (Gesang und Gitarre), Moritz Moroff (Schlagzeug), Simon Reitschuster und Tibor Lampe (Gitarren) sowie Matthias Stadter (Trompete). Herrn Rauchs erste Auftritte als Kneipenband fanden auf einer kleinen offenen Bühne im mittelfränkischen Weißenburg statt und führte zum Langspieler „Revolution am Tresen“. Damit wurde Herrn Rauchs Kneipencharme als Markenzeichen wahrgenommen, denn dieser wurde von der Kulturzeitschrift „Carpe Diem“ anlässlich der Rezession der Platte mit „kantig, kratzig, leicht besoffen“ attestiert. Der Lebensmittelpunkt der Band wurde zwar inzwischen von der Provinz in die Metropole München verlegt. Das angestammte Habitat bleibt aber die Kneipe.

Hier trifft Herr Rauch auf die Menschen, von denen er liebevoll und treffend in den fünf Songs des neuesten Werks „Sportlehrer aus Leidenschaft“ berichtet. Hier begegnet er dem Angestellten, dessen Leben in der alltäglichen Büroroutine versinkt (Kaffee Schwarz), dem Paar, welches ihr zu liebe den Urlaub in südliche Gefilden verbringt, er aber lieber in Stockholm wäre (Salz in der Luft), der Ballettschülerin aus gutem Hause, die in der Adoleszenz den Punk entdeckt (Pogo und Ballett), dem einsamen Alten, der in der Erinnerung an seine Jugend lebt (Wann Wurde Ich Alt) und dem Typen, der nicht trinken darf, weil er nach durchfeierter Nacht alle nach Hause fahren muss (Leider Wein).

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle 
über sein Leben verloren.“ (Karl Lagerfeld)

Und wo ist der titelgebende Sportlehrer, fragt man sich. Der einzige, der eine Jogginghose am Arbeitsplatz trägt. Der eher anweisende, als vorführende Pädagoge. Nicht unbedingt ein Bild von Mann, bierbäuchig-rauchend, aber ehrlich und lebensnah. Der es geschafft hat, in eine der entspanntesten Daseinsformen jenseits vom Nirwana zu schlüpfen. Und doch – oder gerade deswegen – einen Hauch von Melancholie in sich trägt. Er ist offensichtlich das zwischen zwei Schlucken Bier seine Beobachtungen machende Alter Ego von Herrn Rauch.

Wer nun angesichts der Alltagspoesie fingergepickten Folk erwartet, liegt falsch. Auf „Sportlehrer aus Leidenschaft“ findet man ordentlich Rock und Blues, etwas Reggae und Dank der Trompete von Matthias Stadter auch eine Prise Balkan-Pop. Schmissige Musik würde der Sportlehrer sagen.

Kamaal Williams – Wu Hen

Album der Woche II

Der Tasteninstrumentalist und Produzent Kamaal Williams (Foto: Glauco Canalis) aus Südostlondon gilt als eine der aktivsten Figuren der jungen Szene des UK-Jazz. Sein neues Werk „Wu Hen“ (nach dem Spitzname, den seine taiwanesische Großmutter ihm gab) groovt zwischen Jazz, Funk, Rap und R&B. Allein schon wegen der Instrumentierung mit Harfe und Streichern lohnt sich ein Einlassen auf diese ungewöhnliche und schöne Produktion. Zu den Musikern auf dieser Platte gehören Greg Paul (vom Kalayst Collective) am Schlagzeug, Rick Leon James am Bass, Quinn Mason am Saxophon und an der Harfe Alina Bzhezhinska. Das Multitalent Miguel Atwood-Ferguson (der bereits mit Ray Charles, Flying Lotus, Dr. Dre, Mary J. Blige und Seu Jorge zusammengearbeitet hat) steuert die Streicher bei. Kamaal Williams beschreibt, ganz bescheiden, sein Album so:

„Dies ist eine Revolution des Geistes. Eine spirituelle Rebellion: Um neue Höhen zu erreichen, müssen wir uns von der materiellen Welt trennen und Kraft in dem finden, was nicht greifbar ist. Dafür ist Musik und Kunst da – ob es sich um eine primitive Emotion oder etwas Tiefes handelt, Sie spüren es. Und es gibt ein unterschwelliges Element, das in meiner Arbeit mitschwingt. Wenn du malst, malst du was du dabei fühlst. Und die Person, die sich dieses Kunstwerk ansieht oder diese Musik hört, kann es auch fühlen, weil es aufrichtig ist. „

Howling – Colure

Alben der Woche I

Der australische Folk-Sänger Ry Cuming aka Ry X und Frank Wiedemann, Mitbegründer des einflussreichen Berliner Labels Innervisions und eine Hälfte des Produzenten-Duos Âme,  haben ihr gemeinsames Musikunternehmen Howling wieder aufleben lassen, und präsentieren „Colure„, die zweite Platte und Fortsetzung ihres erfolgreichen Debüts „Sacred Ground“, auf dem damals der namensgebende Hit „Howling“ enthalten war. Auch Colure zeigt wieder gut die Zusammenarbeit der beiden läuft. Es geht ihnen darum, verschiedene musikalische Sphären miteinander in Kontakt zu bringen und die dadurch entstandenen neuen Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus einer Differenz ergeben können.  Mit „Colure“ wollte das ungleiche Paar dort anknüpfen, wo sie mit ihrer letzten Platte aufgehört haben und die wichtigsten Zutaten darauf destillieren, um sie zu verbessern. „Wir wollten, dass die Leute sofort merken: ‚Das ist ein Howling-Track!‘“, erklärt Wiedemann.

BRONSON – ‚KEEP MOVING‘

Das Us-amerikanische EDM- Duo ODESZA australische Produzent Tom Stell aka Golden Features haben sich zu einem neuen Projekt mit dem Namen BRONSON zusammengeschlossen . Bevor am 07.08.2020 das erste Album der Kollaboration, welches schlicht BRONSON heißt, erschien am 21.07. die Single KEEP MOVING mit einem irren Video.

Das Video, bei dem das schwedische Kollektiv Stylewar Regie führte, besteht vollständig aus Archivmaterial, das einen Arbeitsplatz in einem Unternehmen zeigt und auf satirische Weise bearbeitet wurde, um die Basslinien und den Marschrhythmus des Stücks zu ergänzen. Nachdem Stylewar aus Tausenden von Stunden Film das Basismaterial ausgewählt hatte, manipulierten, bearbeiteten und verwendeten sie VFX, um die Handlung zum Leben zu erwecken und ein Video mit verzerrter Realität zu schaffen.

Luis Ake – Zeit (EP)

Luis Ake  hat am Freitag seine neue EP „Zeit“ veröffentlicht. Drei großartige Singles daraus (Lilith, Kiew und Zeit) waren schon draußen, nun ist das Paket mit der Single „Deine Welt“ komplett. Ähnlich wie die  Sangeskollegen Drangsal oder Dagobert hat der Stuttgarter keine Angst vor deutschen Texten,  die ganz intim daher kommen und ganz  persönliche Befindlichkeiten beschreiben, anstatt sich mit den großen Problemen des gesellschaftliche Lebens zu befassen. Schnell ist der Künstler dann in der Kategorie „Schlagermusik“ verortet. In einer Art Vorwärtsverteidigung bezeichnet Luis Ake seine Musik selbst als „Contemporary Schlager“ .Allerdings meint Luis Ake seinen Genrebegriff eher liebevoll,

denn eine Verteidigung hat er nicht nötig. Unter dem Begriff Schlager findet man zu oft ein immer nach dem gleichen Strickmuster erstelltes Massenprodukt.  Das gilt leider auch für die  Lieder die in solchen Sendungen wie „Sing meinen Song (Vox)“ untereinander von den dort vertretenen Künstlern getauscht werden, eben weil sie so austauschbar sind. Das gilt in keiner Weise für den Sound, mit dem Luis Ake  seine Texte, die immer auch poetische Erzählungen von Begegnungen, Orten und Gefühlen sind, unterlegt. Er ist sozialisiert mit den  Elektro -Beats der 80er, mit Techno, House und Club-Musik.  Diese Einflüsse werden auf den 4 Stücken der EP hörbar,

wenn pumpende Bässe  und glasklare Synthesizer mit Luis unverwechselbarem Falsett-Gesang verschmelzen. Apropos 80er, wenn im zweiten Teil von „Zeit“ die Frauenstimme auf französisch singt , dann kommen Erinnerungen Midge Ure (Visage) hoch.

Der Closer der EP „Deine Welt“ ist ein Feature mit John Moods. Der Track ist weniger wavelastigen als die übrigen Stücke und zeigt die Vielfältigkeit von Luis Ake. Das Sück hätte auch in einem Jazz-Keller Bestand.

Hier geht es zum EP-Stream auf den verschiedenen Plattformen.