Queerness in der Popmusik

Das Wort  queer wurde oder wird immer noch im englischen Sprachraum – ebenso wie das Wort schwul im deutschen – als Schimpfwort gebraucht. Im Laufe der 1980er und 1990er Jahre gelang es jeddoch, den Begriff politisch positiv zu besetzen. Queer steht heute für die Betonung der eigenen, von der Heteronormativität abweichenden Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität bzw. Lebensweise. Zur queeren Bewegung zählen nicht nur Schwule und Lesben, sondern auch bisexuelle, intersexuelle, Transgender-, pansexuelle, asexuellen  und auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren. Alle verbindet die Forderung, dass der angenommene Zwang zur Heteronormativität aufgelöst werden muss und alle Menschen ihr Leben mit unterschiedlichen Vorstellungen, sexuellen Identitäten und Geschlechtsidentitäten in Frieden leben zu dürfen. In dem öffentlichen Diskurs hat die Popmusik von je her eine bedeutende Rolle gespielt, indem Künstler  ihre  abweichende  sexuelle Identität offenbarten oder sich mit einer solchen darstellten. Denkt man an  Beispiele aus den 80′ und 90′ Jahren zurück, fällt einem die Androgynität von David Bowie, Annie Lennox, Grace Jones oder Boy George ein oder der das gegen alle gesellschaftlichen Widerstände Bekennen zur Homosexualität von Jimmy Summerville (Cry Boy, Cry), den Petshop-Boys oder Marc Almond. Ebenso das bewusste zur Schau stellen der Homosexualität, wie bei Frankie Goes to Hollywoods oder den Village People. Jedenfalls bietet die Popmusik solchen Künstlern die  ideale Projektionsfläche und hilft damit auf dem Weg zur gesellschaftlichen Akzeptanz. Andersherum braucht die Popmusik offenbar nicht nur das Musikalische, sondern Persönlichkeiten, die sich von der Lebensweise der Normalbürger abheben.(Von einem Normalo im Paillettenjacket erwartet man allenfalls Schlager à la Roland Kaiser.) Diese Facetten des Leben können queere Künstler eben neben guter Musik bieten. Es mag zwar, wie Macklemore & Ryan Lewis meinen, „The Same Love „sein, aber alles andere Leben ist anders.

Nouvelle Vague -Dance with Me

Nouvelle Vague wurde im Jahr 2003 von den beiden Produzenten Marc Collin und Olivier Libaux. gegründet. Sie arbeiteten mit unterschiedliche Sängerinnen – unter anderem Camille,  Mélanie Pain, und Phoebe Killdeer zusammen. Sie wurden damit berühmt, Klassiker der Achtziger Jahre  im Bossa-Nova-Stil neu zu interpretieren.Bossa Nova heißt aus dem Portugiesischen übersetzt  neue Welle, so wie der Name der Band aus dem Französischen. Nouvelle Vague   ist auch eine Stilrichtung des französischen Films. Einer der prägenden Filme dieser Stilrichtung ist „Bande à part“, (Die Außenseiterbande) von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1964. Darin gibt es folgende Tanzszene

Hier schließt sich der Kreis. Denn das im Jahr 2006 von Nouvelle Vague veröffentliche Album „Bande à part“  enthält als dritten Track der Song „Dance with Me“ gesungen von Mélanie Pain und dazu gibt es dieses schöne Video.

Das Original geht übrigens so

Zwei starke Stimmen: Cat Power zusammen mit Lana Del Rey

Charlyn Marie „Chan“ Marshall ist besser bekannt als Cat Power. Nach 6 Jahren Pause, in der Zeit hat sie Krankheiten, Alkoholprobleme und schwierige Beziehungen verarbeitet und ein Kind bekommen, hat die Singer/Songwriterin ein neues Album „Wanderer“ veröffentlicht. Darauf befindet sich der Track „Woman“ . Chens Freundin  Lana Del Rey hilft dabei als Backgroundsängerin aus, auch wenn man sie im Video nicht sieht.. Die Stimmen passen gut zueinander

Aurora – Queendom

Running With The Wolves“ kann man aus dem TV-Spot  des Telekom-Konzerns kennen. Aurora Aksnes heißt  die Sängerin, die unter ihrem Vornamen auftritt. Sie stammt aus Bergen in Norwegen. „Aurora weckt mit ihrem teils zarten, teils kraftvollen Gesang die Vorstellung von norwegischen Wäldern, Fjorden und Naturschauspielen zum Leben“(laut.de).

Anna of the North – Oslo

Electro-Pop-aus Norwegen. Als wir mit Freunden im letzten Jahr beim Oslo-Marathon gestartet sind, war uns Annas Song über ihre wunderschöne Stadt ein musikalischer Begleiter.

Anna Lotterud geboren in Gjøvik, wo immer das in Norwegen liegen mag, nennt sich Anna of the North. Sie lebt in der norwegischen Hauptstadt. Während eines Studiums in Melbourne (Australien) lernte den neuseeländischen Produzenten Brady Daniell-Smith  kennen und nahm  mit ihm über Skype ihre erste Single „Sway“ auf. So funktioniert Pop-Musik in Zeiten des Internets.

Sängerinnen mit asiatischen Wurzeln 3

Fortsetzung von 1 und 2.

„Ich kann nicht mehr schweigen! Lasst es heraus!“ Die amerikanische Sängerin mit chinesische Eltern Connie Lim alias Milck schrieb den Song „Quiet“, um damit ihre Essstörung,  Missbraucherfahrungen durch ihren Partner und ihre Depression zu verarbeiten. Als Kind bekam sie oft zu hören, sie solle sich anpassen und „quiet“ sein, ruhig. Das Schweigen über diese Erfahrungen hat ihr fast die Stimme geraubt.

„Quiet“ wurde die Hymne zum Anti-Trump-Protest. Auf dem Women’s March begannen Lim und 25 Mitstreiterinnen inmitten der Menschenmenge plötzlich zu singen, alle pink bemützt.

Der Flashmob ging um die Welt.

Sängerinnen mit asiatischen Wurzeln 2

Der vorige Beitrag zum Thema endete mit Yukimi Nagano von Little Dragon. Auch Mitski Miyawaki hat eine japanische Mutter. Sie wurde in Japan geboren und hat einen amerikanischen Vater. Ihre Kariere als Singer/Songwriterin  und Indie-Musikerin startete sie in Amerika unter ihrem Vornamen Mitski . Inzwischen hat sie ihr fünftes Album „Be The Cowboy“ veröffentlicht. Byte FM meint dazu: „Unter all den Knallfarben und Disco-Drums versteckt sie tiefe Traurigkeit. Dabei gelingt ihr auch ein großes Kunststück: Mit diesen traurigen wie euphorischen Pop-Songs lässt Mitski diese lähmenden Gefühle leichtfüßig erscheinen. Selten ließ sich so gut zur Einsamkeit tanzen wie auf diesem Album“

Wird fortgesetzt mit Milk.

Mann Frau Duette 2

Im ersten Teil haben wir uns mit Nick Cave/ Kylie Minogue und July Talk beschäftigt. Das Motto war hart und zart. Bei Alex Cameron und Angel Olsen hat nach meinem Gefühl die Frau den dominierenden Part. Der Song Stranger’s Kiss hat mich mit der treibende Gitarre, dem explosive Saxophon und und den Drums sofort gekriegt. Die Frau im Video ist übrigens nicht Angel Olsen, sondern die Regisseurin des Videos Jemima Kirke.

Ein besonderes Duett ist das  folgende. Angus & Julia Stone sind ein Geschwister-Duo aus  Australien.  Ich finde, das sich Stimmen von Geschwistern besonders gut ergänzen.  Ihr drittes selbst-betiteltes  Album wurde von der Producer-Koryphäe Rick Rubin produziert. Mein Lieblingssong von den beiden ist aber Big Jet Plane aus der  Indie-Zeit davor

Sängerinnen mit asiatischen Wurzeln

Bereits am 11. Mai 2018 habe ich mir im Cafe Sputnik , dem kleineren Veranstaltungsraum der Sputnikhalle in Münster, ein Konzert von Michelle Zauners Band  Japanese Breakfast angehört. Sie hat auf ihrer Tour, die sie in Deutschland nach Hamburg, Berlin und eben Münster führte, ihr aktuelles Album SOFT SOUNDS FROM ANOTHER PLANET  vorgestellt. Nun gut, in Münster war derzeit der kath. Kirchentag mit vielen kostenlosen Musikveranstaltungen als Konkurrenz, mich hat dennoch verwundert, wie wenig das ohnehin kleine Sputnikcafe gefüllt war. Man muss mal vergleichen, wie viele begeisterte Fans Japanese Breakfast bei ihren Auftritt beim Pitchfork Music Festival 2018 in Chicago erreicht haben.

Ich war jedenfalls verliebt in den einfühlsamen Dreampop der quirligen Amerikanerin aus Philadelphia und ihren Mannen. Michelle Zauners Vater  ist Amerikaner, ihre Mutter stammt aus Korea. Damit steht sie in der Reihe der starken weiblichen Persönlichkeiten des Musikgeschäfts der letzten Zeit. Hier könnte ein neuer Trend entstehen, starke Sängerinnen mit asiatischen Wurzeln.

Für steht in der Reihe zuerst  die  exzentrische schwedisch-japanischen Sängerin Yukimi Nagano der schwedischen Synthpopband Little Dragon. Unschwer erkennbar spielt der Bandname auf die fernöstliche Herkunft der Frontfrau an. Yukimi Nagano ist auch durch ihr Feature   bei den Gorillaz bekannt ( Empire Ants ) 

Hier eines meiner Lieblingsstücke.

(Wird fortgesetzt mit Mitsky, Milk, )