Desperate Jounalist – Fault

Die Londoner Post-Punker Desperate Journalist haben sich ihren Namen nach dem Song „Desperate Journalist in Ongoing Meaningful Review Situation“ ihrer Idole The Cure gegeben. Ihre erste EP „Cristina“- veröffentlichten sie noch in Eigenregie. Nachdem sie von Fierce Panda Records gesignt wurden folgte die LP „Desperate Journalist“ Ende 2014. Mit zwei weiteren Alben – 2017 „Grow Up“ und 2019 „In Search Of The Miraculous“ – und einer Bandtour durch Großbritannien und Europa schuf sich die Band eine große Fan-Base. Auf den Konzerten trifft man jede Menge Grunge-verliebter, schwarz gekleideter Menschen, was wohl an den shoegazigen Gitarrenwänden und der energetische Performance der Leadsängerin Jo Bevan liegt.

Nachdem Desperate Journalist im Oktober 2020 ein Lockdown-Cover von „The Fear“ von Pulp veröffentlichte, kündigen sie mit er Lead-Single ‚Fault‘ ihr 4. Album „Maximum Sorrow!“ an, das voraussichtlich am 2. July erscheinen wird. Konzerte können in der aktuellen Situation nicht geplant werden. Schade, schwarze Jeans, schwarzes Hemd und Kajal lägen bereit.

Desperate Journalist sind Caz Helbert (Schlagzeug), Simon Drowner (Bass), Jo Bevan (Gesang),´und Rob Hardy (Gitarre) (von links nach rechts).

Videopremiere: Alice Merton -Vertigo

Das Video geht heute um 21:00 Uhr online

Nach dem überraschenden Erfolg  ihres Debüt-Albums „MINT“ mit soche Hits wie „No Roots“ oder „Why So Serious„war etwas ruhiger um die Wahlberlinerin Alice Merton geworden. Deshalb freuen wir uns nun sehr über ein neues musikalisches Lebenszeichen von ihr. Mutig ist, dass sie nicht auf Nummer sicher geht und an ihr bekanntes Hitschema anküpft, sondern mit einer ruppigen von Gitarren getriebenen Nummer überrascht.  „Vertigo“ ist ein kraftvolles Indie-Pop-Arrangement mit verzerrte Gitarren und Bläser, das an British Invasion erinnert. Dazu gibt es ein dystopisch anmutendes Video. (Fotos von Paper Plane Records International)

Søjus1 – BLAO

Single  aus dem Ambient-Album “ORWO” des Dresdner Duos

Dem Werk des Dresdner Bandprojekt Søjus1 nähert man sich am besten, wenn man es unter musikalisch-cineastischen  Blickwinkel betrachtet, wobei deutlich wird, wie einerseits Musik die visuelle Kraft des Films oder Videos unterstützt und ergänzt, andererseits aber auch eigenständig bestehen kann.  So handelt es sich bei dem Musikvideo zu “BLAO” um ein eigenständiges filmisches Werk mit dem Titel „TOURNEE“, welches von den Medienkünstlerinnen F & S Hoffmann gestaltet wurde. Das Video zeigt Bilder von Flug- und Eisenbahnreisen und ist eine Collage aus  Archiv- Filmmaterial vermischt mit Videoaufnahmen. Der Musik und dem Video ist damit gemein, dass Analoges (Schlagzeug, Bass- und E-Gitarre) und Digitales ( Synthesizer, Samples) kreativ gestaltet werden.

“BLAO” ist eine Auskopplung aus dem Album “ORWO” von Søjus1. Søjus1 sind  Ralf Müller-Hoffmann, der unter dem Pseudonym Sonorous als DJ um die Welt tourte uns Simon Arnold,  der als Jazz-Drummer in verschiedenen Combos gespielt hat (Foto oben: Frank Bessin). Auf dem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2015 ist übrigens als Sängerin Inéz Schaefer zu hören, die aktuell in dem Duo Ätna für Furore sorgt (Titel 030).

ORWO – Ein Instrumental-Album zum Abheben

ORWO”  ist das zweite Album von Søjus1. Es beinhaltet eine Abwendung von Trip-Hop- und Popmusik-Spuren des Debütalbums und eröffnet eine cineastischen Atmosphäre. Tatsächlich hat ein Film und die Auseinandersetzung damit eine große Rolle gespielt, denn Ursprung war die Live-Vertonung des Stummfilms „Der Fuhrmann des Todes“ (Schweden, 1921, Regie: Victor Sjöström) für ein Programm-Kino. Schließlich überarbeitete  Søjus1 ihren Soundtrack so, dass er als reines Musikalbum wie bei einer Progrock-Band als von Anfang zum Ende durch zuhörendes Gesamtkunstwerk funktioniert. Impulsgeber könnten Bandsund Künstler wie Cinematic Orchestra, DJ Shadow, Massive Attack, aber auch Pink Floyd und Philip Glass sein, wobei Søjus1 dabei aber eine ganz neue Sprache entwickelt. Besonders sticht die Qualität des Schlagzeugs hervor, das in einigen Stücken eine dominante Rolle übernimmt. 

Aropos Sprache, Gesang findet auf „ORWO“ nicht statt und wird auch nicht vermisst,. Die Sprache von Ralf Müller-Hoffmann und Simon Arnold ist allein die instrumentale Musik.

Sympathisch ist die Authentizität der beiden Akteure, die, wie der Bandname zeigt, zu ihrer Jugendzeit in der DDR stehen, in der die Kosmonauten, die mit den Sojus-Raumkapsel, flogen Helden waren. Auch der Titel des Album hat sowohl einen Bezug zum Film, als auch zur DDR. Der Name ORWO kam mir sofort bekannt vor.  Als ich noch analog  fotografiert und die Filme selbst entwickelt habe, habe ich häufig das qualitativ gute Filmmaterial der Marke “Orwo” aus der DDR benutzt.

Fatoni & Edgar Wassers-11 Minuten

Vor drei Wochen erschien mit „11 Minuten“ die dritte Single von Fatoni & Edgar Wassers gemeinsamen Album „Delirium“. Unter sehr häufiger Verwendung eines „F Wortes“ wurde dem Mutterkomplex des Deutschraps auf feministische (?) Weise der Kampf angesagt (von den beiden Jungs). Dazu gibt es ein schönes Video im Stile der Sesamstraße. Aufgrund des Interesses des Nachwuchses an den Puppen, entschieden Fatoni & Edgar Wassers eine Clean Version zu veröffentlichen.

Hie gibt es natürlich beide Versionen zu sehen. Mir persönlich gefällt die saubere Version als Loblied auf Panna Cotta gut. Ich schätze, dass Kindern die Motherfucker-Version besser gefällt.

Luk Lookas – A single point – feat. Conor Graver

Luk Lookas (Lukas Mimlich)  aus der steirischen Landeshauptstadt Graz hat von der Pike auf  das Handwerk des  Tontechnikers erlernt und bereits mit namhafte Opern -und Filmregisseur*innen wie Josef Köpplinger, Florentine Klepper oder Henry Mason zusammen gearbeitet. An der Oper Graz  betreut er auch die Tanzkompanie von Darrel Toulon als Sounddesigner. Darüber hinaus ist Luk als Tontechniker bei  Pop-Acts wie dem Elektro-Swing DJ “dunkelbunt” oder den Austro-Rockern “Attwenger” gefragt.  Gleichzeitig ist der Mann, der in seinem Berufsleben immer für den guten Ton sorgt und die Frequenzen passend mischt, selbst Musiker und spielt Schlagzeug in verschiedenen Bandprojekten,  z.B. beim alternativen PEAL-Festival in Leutasch in der Steiermark, ein Festival, das er selbst  mitorganisiert hat. 

Luks Leidenschaft ist aber die Beschäftigung mit Musikprogrammen und Sequenzern. Zuhause vorm Computer entwickelt und produziert er clubtaugliche elektronische Musik. Jetzt sieht er den Zeitpunkt gekommen, mit seinem neuen Projekt „Luk Lookas“ durchzustarten und in  seinem Leben einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Nämlich seine eigene Musik.

Die erste Single “A single point” entstand in kongenialer Zusammenarbeit mit dem in Graz lebenden irischen Sänger und Songschreiber, Gitarristen und Keyboarder Conor Graver. Beats und Baselines verschmelzen mit meditierenden Trance Sounds. Die Lyrics befassen mit der Dualität von Gegensätzen, die sich im Menschlichen vereinen, die Möglichkeiten sich mit jedem zu verbinden und die Einsamkeit, die Herausforderungen der  Gegenwart und die Sehnsucht nach dem Ursprung. Luk Lookas bezeichnet seine emotionale Mischung aus Melodic Techno, Trance und House als „TranscenTechno“. Ziel ist es, den Zuhörenden zu innerer Ruhe und transzendaler Kraft zu verhelfen.

Das hypnotische Video zu “A Single Point” wurde von Luk Lookas selbst produziert mit beinahe keinem Budget und wurde ausschließlich mit einem Handy gefilmt.

Der Song ist ab sofort Bestandteil Der Playlist „Auf die Ohren – Bassline“.

Charity Children – We Loved

Charity Children ist eine in Berlin ansässige alternative Popband, bestehend aus Filmemacher*innen / Musiker*innen Chloë Lewer und Elliott McKee, die beide ursprünglich aus Neuseeland stammen und als  Paar miteinander verbandelt  waren. Charity Children begann 2011 als Straßenkunst-Projekt in Berlin, wuchs im Laufe der Jahre schnell, spielte auf vielen großen europäischen Festivals und  tourte durch Europa. Ihr erstes Album “The Autum Came” aus dem Jahr 2013 enthielt die Knaller-Songs “Elizabeth” und “Empty Vicious Nights”. 2016 haben sie ihr zweites wundervolles Album “Fabel” veröffentlicht, wobei  mir die Tracks „Whispering Still“ ,„Holy War“ und “Butterflies” besonders gut gefallen haben. Dann wurde es plötzlich still um Charity Children. Konzerte wurden abgesagt. Chloë Lewer startete als BOKEH eine Solo-karriere. Zum Glück melden sich Charity Children nun mitder brandneuen Single „We Loved“ und einem zugehörigen Musikvideo zurück.

Neue Single, Neuer Sound, Neue LP nach 5 Jahren Pause

Chloë und Elliot sind mittlerweile Ex-Liebhaber, sie “funktionieren” aber  immer noch musikalisch sehr gut zusammen. Schließlich sind sie noch befreundet und das ist auch gut so, denn für Hund Amy, die im Video mitspielt, haben sie das gemeinsame Sorgerecht. Ihre Trennung verarbeiten sie in ihrer humorvoll, melancholischen neuen Single ”We Loved”.

Bei Charity Children hat sich nicht nur in der  persönlich Beziehung, sondern auch musikalisch einiges verändert. Chloë Lewer hat diesen Weg mit ihrem Soloprojekt BOKEH bereits vorgezeichnet. Auf ihrer neuen Single „We Loved“ wechselte das Duo von ihrem Indie-Folk-Sound zu groovigen Alternative Pop. 

Die neue Single ist auch der erste Vorgeschmack auf ihr bevorstehendes Album „Almost Young„, das später in diesem Jahr herauskommt.

Auf die Ohren – Playlists

Folge „Auf die Ohren“ auf Spotify mit einem Klick

Indie Love

Öffentlich-rechtliche und private Radiostationen unterscheiden sich in ihrer Musikauswahl so gut wie gar nicht. In der Rotation wiederholen sich nur Hits der Majorlabels. Hier kannst du andere Musik von Alternative-Rock bis Indie-Pop genießen. „Indie Love

Ohrwurm

Abseits des Mainstreams gibt sehr viel gute deutsch gesungene Musik. Viel Vergnügen mit “Ohrwurm”. Hier gibt es ständig aktuelle Musik von Deutsch-Pop bis zu deutschem Hip-Hop.

Bassline

Gib mir Bass. Bass schont den Gehörgang, den er wird mit dem ganzen Körper gehört. „Bassline“ bietet alles von Electronia bis R&B. Haptsache der Bass groovt.

Debüt-EP von CoppiCat aus Berlin

Hörempfehlung für Freunde deutscher Indie-Rock-Klänge

Rafael Triebel aka CoppiCat (Foto: Valerie Euler) hat eine mit seiner EP, die auch CoppiCat heißt,  eine Song-Trilogie nostalgischer Lieder veröffentlicht. Gemeint ist mit Nostalgie in diesem Falle nicht eine musikalische Rückwendung. Ganz im Gegenteil hören wir hier Indie-Rock mit deutschen Texten auf der Höhe der Zeit. Die zeitgemäße Abmischung der Song garantierte an den Reglern Tom Hessler, sonst Produzent und Sänger der Band Fotos. Die spannenden Videos dazu, wurden von Sophie Euler umgesetzt. 

Song-Trilogie gegen Gentrifizierung

Nostalgie ist hierzu verstehen im Sinne eines Unbehagen mit gegenwärtigen Zuständen, welches zu einer unbestimmten Verklärung der Vergangenheit führt.  Ob damals in den 90er Jahren im Berlin seiner Jugend, über das Triebel in „An der Stelle, an der die Mauer stand“ singt, alles besser war, sei dahin gestellt.  Es ist wie bei einer alten Liebe, die sich nicht mehr so anfühlt, wie sie früher war und man weiß, dass es nie wieder so sein wird. Es ist von CoppiCat im Song Unsere alte Liebefein erzählt, wie die  Veränderungen der Stadt um ihn herum in einen Kontext zu seinem Beziehungsleben gestellt werden. Das Unbehagen, welches Triebel umtreibt, hat einen ganz konkreten Grund. Es ist  die Gentrifizierung seiner Heimatstadt Berlin. Hiervon war er unmittelbar betroffen. Dreizehn Jahre lang arbeitete er in seinem selbst ausgebauten Musikstudio in Berlin Lichtenberg, als er vom Vermieter eiskalt vor die Tür gesetzt wurde, um ein Laden für Tauchausrüstung Platz zu machen. da schlägt die Nostalgie in Gesellschaftskritik um. Es ist kein Platz mehr für uns“, heißt es im Song „In der Coppistraße“. „Wir müssen uns geschlagen geben!“ Damit meint CoppiCat nicht nur sich selbst und die vielen befreundeten Musiker*innen, die bei ihm ein und aus gingen, sondern auch alle anderen, vornehmlich finanziell weniger gut gestellte  Menschen, die „lernen müssen loszulassen“

Danger Dan- Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt

Habt ihr auch so die Schnauze voll von Typen wie  diesem Verleger Götz Kubitschek, der Strategien entwickelt, die Nazi-Ideologie zu verharmlosen, um sie in die bürgerliche Mitte zu bringen, oder solchen wie Alexander Gauland, Jörg Meuthen, Bernd Höcke und den anderen AfD-Fuzzies, die durch ständige sprachliche Grenzüberschreitungen es sogar geschafft haben, das neu-rechte Gedankengut bis in die deutschen Parlamente zu tragen (und damit genau nach Kubitscheks Stratedie handeln). Dann ist die nagelneue Solo- Single von Danger Dan, Mitglied der Antilopen Gang, genau das richtige Labsal für euch. Danger Dan nutzt, nur begleitet von seinem Keyboard, auf höchst künstlerische, humorvolle Weise das Mittel des Bogen-Überspannens, also genau das Mittel der identifizierten Gegner, um klar zu machen, ein Nazi bleibt ein Nazi, egal welche bürgerliche Maske er trägt. Mit diesem Song schließt Danger Dan an die Kunst des politischen Liedes eines Konstantin Wecker, Hannes Wader oder Dieter Syverkrüp an. (Foto oben: Jao Suffner)

Jürgen Elsässer ist Antisemit 
Kubitschek hat Glück, dass ich nicht Bogen schieß‘
An Reptilienmenschen glaubt nur der, der wahnsinnig ist
Gauland wirkt auch eher wie ein Nationalsozialist
Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein
Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt
Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
Weil der Verfassungsschutz den NSU mit aufgebaut hat
Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war
Weil sie Oury Jalloh gefesselt und angezündet hab’n
Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst
Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz
(Danger Dan in "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt)

Das er den Bogen nicht überspannt, weiß Danger Dan genau, und erklärt den von ihm gedissten Neurechten spöttisch:

„Juristisch wär die Grauzone erreicht. Doch vor Gericht machte ich es mir wieder leicht./ Zeig mich an und ich öffne einen Sekt./ Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.“   

Please Madame – Shadows

Je größer das Feuer, desto länger der Schatten

Mit ihrem neuen Song “Shadows” wendet sich  die Salzburger Band Please Madame (Foto: Arne Müseler) gegen die Schattenseiten der modernen Gesellschaft, sprich Demagogie und Xenophobie. Die Botschaft ist klar und einfach, weg damit:

“And set them on fire / Let’s bury Shadows”

Damit ist nicht etwa gemeint die Vergangenheit zu begraben oder Unrecht auf sich beruhen zu lassen, sondern vielmehr den Demagog*innen einen Riegel vorzuschieben.

Trotz ihrer Kritik an der Gesellschaft klingen Please Madame nicht etwa verbissen griesgrämig. Sie verpacken ihre Botschaft in positiv klingenden, gefühlvollem Indie-Rock mit breiten, melodiösen  Gitarrenflächen und, satten Synthesizern einem treibenden Drumbeat und eingängigen Vocallines und Chören.