Sébastien Tellier “Domesticated” – Das neue Album des französischen Songwriter mit ausgeprägtem Hang zu Synthies erscheint am 29.05.2020

Cover Sébastien Tellier „Domesticated“ – Record Makers/ Rough Trade

Zwei Jahrzehnten steht Sébastien Tellier mittlerweile  schon im Rampenlicht. Mit vielen hat er schon zusammengearbeitet, von Jean-Michel Jarre bis Mr. Oizo. Von The Weeknd wurde er gesamplet, sogar beim Eurovision Song Contest stahl er als prominenter Teilnehmer allen die Show. Musikalisch hat er immer wieder neue, exotische Ecken angesteuert, etwa den Dschungel Brasiliens (L’Aventura, 2014), imaginäre Filmwelten (Confection, 2013) oder spirituelle Trips (My God Is Blue, 2012). 

Dann veränderte sich die Welt des Sébastien Tellier . Er verliebte sich, Hochzeitsglocken läuteten, er wurde Ehemann und schließlich Vater. Aber Tellier wäre nicht Tellier, wenn er in diesem Leben, in dem Milch verschüttet wird, Elterntaxen früh aufbrechen, Böden geschrubbt und Nudeln gekocht werden müssen, in welchem also die neuen Lebensnotwendigkeiten das alte wilde Leben gezähmt haben, keine Inspiration für neue Songs gefunden hätte. “Domesticated” fühlt er sich und meint: “Domestizierung ist etwas Universelles, eine Erfahrung, die wir alle machen. Und das Leben ist toll! Ich fühle mich, als hätte ich erst angefangen zu leben – wirklich zu leben! Dass ich mehr bin als bloß dieser Wolf. Da ist jetzt so etwas Warmes… eine Bestimmung.“

Auf seinem sechsten Studioalbum, dem ersten seit fünf Jahren, widmet sich Tellier diesem Thema, diesen Veränderungen – und setzt dafür auf jene verträumten Lo-Fi-Sounds, die seine Fans so sehr lieben: Luftig, elektrifiziert, eklektisch und exzentrisch.

Als letzten Vorgeschmack auf das neue Album gibt es die Single “Stuck in a Summer Love” zusammen mit einem Video unter der Regie von Mrzyk & Moriceau („Look“, Justice, The Avalanches, Midnight Juggernauts) mit Animationen aus dem Studio L’Incroyable .

 Zuvor war schon der Eröffnungssong „A Ballet“ zu hören – im Französischen ein Wortspiel: Ballett und Besen zugleich.

Thom & The Wolves

Thom & The Wolves-Motor Entertainment- Coverbild von Sandro Kopp

Thom & The Wolves veröffentlicht am 29.05.2020 sein selbstbetiteltes Album

Seinen Gesang und sein Gitarrenspiel hat Thom (Thomas Bewernick) als Straßenmusiker geschult. Seine Stimme klingt schon besonders. Sie erinnert in ihrer Wärme an die von Damien Rice. Die Straßenmusik führte Thom durch Europa und die Vereinigten Staaten, bevor er sich in Berlin niederließ. Besonders seine Zeit in Los Angeles beeinflusste ihn, sodass auch sein als Thom & The Wolves aufgenommenes selbstbetitelten Zweiwerk – das Debütalbum „The Gold In Everything“ erschien 2018 – nach amerikanischen Indie-Folk-Rock klingt. Für das am 29.05.2020 erscheinende Album gelang es dem 27-jährigen Musiker und seiner Band in Berlin lebenden Producer Matteo Pavesi als Arrangeur zu gewinnen. Eine interessante Parallele, denn Pavesi ist auch Produzent von Alice Phoebe Lou, die ja ebenfalls als Straßenmusikerin begann. In Studios in Berlin und Hamburg entstanden 9 mid-tempo Indie-Rock und Folk Songs, welche in ihrer stilistischen Ausrichtung an Acts wie Radiohead, Jeff Buckley oder Big Thief erinnert.

Für das oben abgebildete Cover reiste Thom nach London und ließ sein Auge durch den Künstler Sandro Kopp portraitieren. In einigen Stunden entstand hier ein Gemälde, welches einen intimen Blick auf Thom’s Seele und sein Schaffen ermöglicht.

The Howl & The Hum veröffentlicht am 29.05.2020 sein Debütalbum „Human Contact“

Sam Griffiths von The Howl & The Hum – Foto: Netty Hurley

Das aus dem britischen York stammende junge Indie-Quartett The Howl & The Hum um Frontmann Sam Griffiths veröffentlicht am 29.05.2020 unter dem Titel „Human Contact“ sein Debütalbum. Die Indie-Band befasst sich darin mit den Themen Einsamkeit und Entfremdung im digitalen Zeitalter, also damit , dass wir den unmittelbaren menschliche Kontakt vermissen. Da die Aufnahmen bereits im im September 2019 in den Big Jelly Studios in Kent stattfanden, kann man der Band insoweit seherische Fähigkeiten zusprechen.

Sam Griffiths zeigt in den in den insgesamt 13 Tracks Gespür für epische Pop-Melodien und ein Faible für den Post-Punk der Achtzigerjahre. Da gibt es temporeiche Nummern wie Don’t Shoot The Storm oder Hynmen wie Portrait I und Godmanchester Chinese Bridge.

Ein Schlüsseltrack von „Human Contact“ ist der von pulsierenden Electro-Beats und flächigen Synthies geprägte Song „27“: Er verströmt dank der sehnsuchtsvollen Vocals des Frontmanns Sam Griffiths eine intensive Melancholie.

Das von sanften 80s-Vibes untermalten I Found A Rose stellt die Stimme von Sänger Sam Griffiths in den Vordergrund.

The Howl & The Hum sind Sam Griffiths, Bradley Blackwell, Conor Hirons und
Jack Williams

Foto: Tess Janssen

Das Moped – Erstaunlich klar

Das Moped Pressefoto: Sahra Knüpfer

Seit Freitag ist das Debüt der Indie-Pop-Newcomer zu haben. Zum Album erscheinen zahlreiche Videos in den nächsten Wochen

Der Beitrag könnte jetzt etwa so beginnen: Das Moped, die deutsche Antwort auf Bilderbuch. Der Beginn könnte ebenso lauten : Das Moped, die deutschen Wanda. Beides ist irgendwie richtig und beides natürlich auch zu kurz gegriffen. Man kann mit gutem Gewissen Das Moped als Synthese beider Austro-Popbands bezeichnen “ So bleibt „Erstaunlich Klar“ (Epic d/Sony Music) einfach ein Album, dem man anhört, dass das Trio die Vorbilder sehr aufmerksam studiert hat. Das Ergebnis will ein bisschen hymnischer sein als Bilderbuch – und ein wenig pomadenfrisierter als Wanda. Natürlich ist es beides damit nicht wirklich. Aber es ist relativ nah dran“, urteilt Jakob Biazza in der Rubrik „Alben der Woche“ in der Süddeutschen Zeitung.

„Erstaunlich Klar“ heißt das Debütalbum von Das Moped

Die in Wien erfolgte Aufnahme des Debüt-Langspielers leitete Paul Gallister, der unter anderem bereits für Wanda hinter den Reglern saß. Zum zum Titeltrack „Erstaunlich Klar“ gibt es auch ein gut gemachtes Video.

Apropos Videos. Unter den derzeit gegebenen Umständen wurden natürlich die Tourpläne von Das Moped  schwer beeinträchtigt. Deshalb hat sich die Band etwas einfallen lassen: Zu jedem Song des Albums wird es audiovisuelle Umsetzungen geben, die innerhalb der nächsten Wochen erscheinen werden.

Moyka -Violet

„Violet“ ist die dritte Single aus Moykas zweiter EP Spaces, die im Juni erscheint. Die eine saftige Elektropeitsche ist tatsächlich ein Break-Up Song. “Es sind nur Emotionen,” überlegt Moyka. “Und es ist ok, immer noch gute Gefühle für jemanden zu haben, gute Energie.“ Die guten Energien gibt es im Song, auch wenn er traurig ist. Feiert alleine oder auf dem Dancefloor, wie immer geht bei Moyka ja beides.

Das dänische Schwesterntrio Velvet Volume veröffentlicht am 29.05.2019 ihr zweites Album “ Ego’s Need“

Wer Infos zu Velvet Volume im Internet sucht, sollte in die Suchmaschine den Zusatz „Band“ eingeben, sonst erhält man jede Menge Informationen zu Wimperntusche. In gewisser Weise passt dieses aber zur Band, denn Mascara gehört auf alle Fälle zu deren stilvollen Auftritten. Velvet Volume besteht aus den drei Schwestern Noa, Naomi und Nataja Lachmi. Die Zwillinge Noa und Naomi singen, Noa spielt Gitarre und Naomi  Bass. Die jüngere Schwester Nataja ist die Drummerin des Trios ist. Die Drei kommen aus der aus der dänischen Stadt Aarhus. Der Rolling Stone zählte Velvet Volume zu den „besten neuen Bands 2018“ und sieht in ihnen „drei junge Krawallfrauen, irgendwo zwischen den Run­aways, Blondie und Sleater-Kinney, Riot Grrrls mit Benzin im Blut!“.

Nach dem Debüt „Look Look Look!“ aus dem Jahr 2017 veröffentlicht Velvet Volume am 29.05.2020 mit „Ego’s Need“ ihr zweites Album. Die Zwischenzeit hat die Band erkennbar genutzt, um mit ihrem Sound und ihrem Songwriting zu experimentieren und sich so künstlerisch weiterzuentwickeln. So klingen Velvet Volume  auf ihrem Zweitwerk deutlich verspielter und reichhaltiger –  sowie herausfordernder und grenzüberschreitender als zuvor. Dies stellte bereits die erste Vorabsingle von „Ego’s Need“ namens „Lonely Rider“ unter Beweis, die bereits Ende Februar veröffentlicht wurde

Auch im deutschen Fernsehen waren Velvet Volume schon zu sehen – und zwar im legendären Rockpalast.  Das gesamte Konzert kann man über den offiziellen „Rockpalast-Kanal“ sehen (hier der Link). Unter den insgesamt elf Songs befinden sich auch die fünf neuen Titel „Blunt Knife“, „Sunny LA“, „Congratulations“, „Lonely Rider“ und der Titeltrack „Ego`s Need“. Ebenfalls auf dem Album befindet sich der melodische Rocksong Carry, der hier schon besprochen wurde. Insgesamt umfasst das Album 10 gitarrenlastige Tracks, die durch des Wechselgesang der Zwillingsschwestern einen besonderen Drive bekommen. Mein Anspieltipp lautet „Young in Love Again“ ( VÖ 29.05.2020)

Jada – Nudes

JADA- Foto von Sarah Stenfeldt

Es lohnt sich immer wieder, einen Blick nach Skandinavien zu werfen, denn unsere nördlichen Nachbarn verfügen über einen nahezu unerschöpflichen Pool an kreativen Musikern. In den aktuellen dänischen Airplay-Charts (Chartwoche 19/2020) steht schon in der 7. Woche auf Platz 1 die Dänin Jada mit ihrem Titel Nudes.

Mit Body Positivity auf Platz 1 der Charts in Dänemark

Jada erläutert die Lyrics von „Nudes“: „Das Lied handelt von einer romantischen sexuellen Beziehung, in der eine Person die andere Person ghosted, und welche Gefühle eine solche Situation verursachen kann. Es kann so peinlich sein, in jemanden verliebt zu sein und ganz ehrlich zu sein und zu glauben, dass es zurückgezahlt wird, aber dann zu erkennen, dass es nicht ist. Dieses Lied ist für solche Situationen. “

Das Video zu „Nudes“ zeigt eine Zusammenstellung von kurzen Nacktvideos junger Menschen, die Jada ihre ganz persönlichen „nudes“ für diesen Musikclip zur Verfügung gestellt haben.