a love machine in town

Foto Thomas Wolff

Love Machine am 23.11. im Sputnik Café in Münster

Wir schreiben das Jahr 2019, wir befinden uns in der westfälischen Provinz. Wenn man die Band oben der Bühne sieht mit langen Haaren, dicken Schnauzbärten oder langen Bärten und dazu die psychedelisch verzerrten Gitarren hört, könnte man meinen, es sei 1967 irgendwo im Süden der USA. Die Band, die da so aus der Zeit gefallen ist, kommt nicht aus Amerika, sondern aus Düsseldorf. Aber sie wollen wie die Hippies von Liebe verbreiten.

Das mit der Liebe sagt Marcel Rösche , der Sänger mit der sonoren Stimme. Sie tun das, und auch das gegen den Zeitgeist, auf männliche Art, ja sie zelebrieren Männlichkeit. Auftritt im Achselhemd, das im Laufe des abends ausgezogen wird, Hemden aufgeknöpft und Brusthaar raus, Duschen mit Bier, Rauchen auf der Bühne . Die schwulen Jungs in der ersten Reihe sind voll aus dem Häuschen und pogen, was das Zeug hält.

Mit Schellenkranz und Congas gibt Rösche den Schamanen. Drums und Bass (Richard Eisenach) treiben den Groove. Man kann gar nicht einordnen, was sie mit den beiden Gitarren (Hendrik Siems und Felix Wursthorn) zusammen bringen. Rock ’n‘ Roll mit Krautrock und Psychedelic, das ganze unglaublich laut. Egal, am Ende tanzt der ganze Club. Höhepunkt der Zugabe in ein gefühlt zehnminütiges Schlagzeugsolo von Noel Lardon.

Haim – Hallelujah

Es ist nicht mehr allzu lange bis Weihnachten. Nicht nur der Titel von Haims dritter Single aus dem kommenden Album ist weihnachtlich. Auch thematisch passt es. Weihnachten wird ja auch als Familienfest angesehen. Und um Familienbande geht es den drei Haim-Schwestern.

Danielle Haim über „Hallelujah“: „In meiner Strophe geht es um unsere Beziehung als Geschwister, das Gefühl, dass Du schon vorher weißt, was Deine Schwester gleich sagen oder tun wird bevor sie es macht. Uns verbindet eine Art Telepathie – das ist wirklich so!!!! Das war auch die Idee für das Konzept des Videos. Als wir uns mit Paul (dem Regisseur) trafen, wollten wir das im Video auch zeigen – wie es ist, wenn man Geschwister hat, die immer für einen da sind. Eine Art „Support System“. Außerdem ist dieser Song ein Dankeschön an alle Menschen, die Dich jeden Tag lieben und unterstützen.“ (Foto: Jasper Rischen)

Excelsior – In Silico

Unter dem Künstlernamen erkundet die Dänin Anja T. Lahrmann die Grenzen von Songwriting, Technologie und Körper.

Foto: Alexander Arnild Peitersen.

Nach fast dreijähriger Arbeit ist Excelsiors Debütalbum, O Horizon, fertig zur Veröffentlichung. O Horizon ist eine hypermoderne Mischung aus Avantgarde-Sound und Form-Experimenten. Pop-, Barock- und Renaissancemusik verschmelzen mit einer thematischen Faszination des Kampfes der Menschheit, mit einer sich immer weiter beschleunigenden Welt Schritt zu halten.

Mister Me am 19.11. im Sputnik Café in Münster

Seine Headliner-Tour begann Mister Me ausgerechnet an einem Dienstag, für mich glücklicherweise in meiner Heimatstadt Münster. Die Location war für einen Wochentag gut gewählt. Das Sputnik Café ist ein relativ kleiner Club neben der größeren Sputnikhalle. Mister Me erwartete selbst nicht  viele Besucher. So war der Club mit ca. 50 bis 60 erwartungsvolle Besuchern angenehm gut gefüllt.

Support erhielt Mister Me von Sophia Wahnschaffe aus Köln. Sie präsentierte zusammen mit einer Bassistin ihr Soloprojekt Wahnschaffe und sorgte mit ihrer R&B-lastige deutschsprachigen Musik für genau die richtige Eröffnung. Zu ihrer beeindruckenden Performance komme ich in einem besonderen Beitrag.

Mister Me und seine vierköpfige schon gut eingespielte Begleitband traten ganz in schwarz gekleidet auf. Gleich nach dem getragene  Eröffnungssong “Raum” aus dem neuen Album “Das Ende vom Hass” sprach Micha Meißner, wie Mister Me im wirklichen Leben heißt, das Publikum an und nahm es mit auf eine Reise in seine Gedankenwelt. Diese Kommunikation setzte sich jeweils zwischen den Songs fort, war wie wie seine Songs hochemotional und gesellschaftskritisch auf der Höhe der Zeit, also richtig Emo, was sehr  glaubwürdig rüber kam. Man nahm es ihm ab, das in jeder Aussage ein selbsterlebter Kern steckte.

Musikalisch ging richtig die Post ab. Nicht nur an seinen Bewegungen merkte man, das Mister Me seine Wurzel im Hip-Hop hat. Der Mann weiß auch um den Flow seiner Rhymes. Und er war ständig in Bewegung, keine Sekunde Stillstand, der Schweiß floss in Strömen. Das übertrug sich von Beginn an auf das Publikum. Es wurde getanzt in Münster. Überhaupt das Publikum, es war überraschend textsicher. Klar, erste Reihe wurde von einer weiblichen Fanbase beherrscht, die ein paar hundert Kilometer Anreise auf sich genommen hatten.

Die Setlist war gut gemischt aus älteren Stücken und denen vom aktuellen Album. Für mich am schönste der Song “Grace” mit dem wundervollen Sample von Super 700 und “Utopie” bei dem die Band zum Ende  frei los jammte.

Im persönlichen  Gespräch am Merch erwies sich Micha Meißner als sehr sympathisch.

So radelte ich nach einem wundervollen Konzert am sehr späten Dienstagabend beglückt durch den münsteraner Regen nach Hause.

Odd Beholder, das Projekt der Schweizer Musikerin Daniela Weinmann kommt am 02.12. nach Münster in die Pension Schmidt

Vorstellung und Ticketverlosung

Ich freue mich, Odd Beholder  vorstellen und zwei von sinnbus zur Verfügung gestellte Tickets für das Konzert in der Pension Schmidt am 02.12. 2019 an eine Leserin oder  einen Leser verlosen zu dürfen. Wie du gewinnen kannst, erfährst du unten.

Odd Beholder ist das Projekt der in Zürich lebenden Musikerin Daniela Weinmann. Ihre Musik klingt, als flöge man leicht berauscht dem pastellfarbenen Horizont entgegen. Nur um mitten in den zarten Klangwolken auf dem harten Boden der Tatsachen aufzuschlagen. In der präzisen, unprätentiösen Musik, in ihrer Version umarmender Electronica und melancholischer Popmusik befasst sich Odd Beholder mit den unangenehmen Wahrheiten, spendet Trost und ermutigt digitale Eskapist*innen, real zu bleiben. Auf dem Debütalbum “All Reality Is Virtual” dreht sich alles um Digitalisierung – um das unheimliche Sammeln unserer Daten, aber auch um die spirituelle Wichtigkeit des Aushaltens von Einsamkeit. Es erzählt von Momenten ohne Vernetzung und von der Stärke, die eben daraus erwächst, sich den Herausforderungen im physischen Leben zu stellen. 

Odd Beholders Musik ist filmisch. Die Arbeiten für die dazu gehörigen Videos sind sorgsam gewählt. Der von den Berliner Filmern Grambow & Kirchknopf in Aserbaidschan in Zusammenarbeit mit der Azerbaijan Social & Modern Dance Association gedrehte Videoclip zur Single „Landscape Escape“ gewann den Jurypreis der „Best Swiss Video Clip“-Awards 2017. Das Stück wurde außerdem im Film „Mario“ verwendet, der sich mit dem schwierigen Umgang mit Homosexualität im Fußball auseinandersetzt. Odd Beholder wurden vom Hamburger Electropop-Duo Hundreds wie auch aktuell von Bodi Bill explizit gebeten, deren jeweilige Tour zu begleiten.Momentan tourt Weinmann mit ihrem Produzenten und Multiinstrumentalisten Martin Schenker durch Deutschland und wird anschließend weiter an der Musik für das zweite Album arbeiten, das 2020 erscheinen wird.

Jüngst hat Odd Beholder die Single Transatlantic Flight aus dem neuen Album veröfffentlicht.

Wer unbedingt eine Schublade braucht, um die Musik von Odd Beholder einzuordnen, bitteschön: dream-pop-indie-ambient-synth-pop.

Ich denke jeder der die Musik von London Grammar, Hundreds, Say Lou Lou, Beach House, Japanese Breakfast, The XX mag oder einfach eine starke Musikerin auf der Bühne erleben will, wird das Konzert genießen.

Um 1×2 Tickets für das Konzert von Odd Beholder  zu gewinnen, kannst du wie folgt an der Verlosung teilnehmen

Like die  Facebookseite Adohr Auf die Ohren und kommentiere das dort befindliche  Gewinnspielfoto.

Teilnahmeschluss ist Mittwoch , der 27.11.2019.

Die Ermittlung des Gewinners erfolgt per Zufall. Der Preis wird nur innerhalb Deutschlands verschickt und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Preisausschreiben ist unabhängig von Facebook.

Viel Erfolg!

Agnes Obel – Island Of Doom

Mit Island Of Doom kündigt Agnes Obel ihr neues Album an. Das wird den Titel „Myopia“ tragen und am 21.02.2020 erscheinen. Es wird veröffentlicht beim renommierten Klassik- und Jazzlabel Deutsche Grammophon. Man kann sich gut vorstellen, dass die minimalistischen Klaviermelodie in ihrer schlichten Schönheit auch bei Klassik- und Jazzliebhabern gefallen findet. Bei der Aufname hat Agnes Obel ihre eigene Stimme verfremdet, sodass wundervolle Gesangsharmonien entstehen.

Die Dänin Agnes Obel lebt in Berlin. Seit frühester Kidheit spielt sie Klavier. Als musikalische Einflüsse nennt sie  Roy Orbison und die französischen Komponisten Claude Debussy, Maurice Ravel und Erik Satie.

Die Alben der Woche

CLOSE TALKER – How Do We Stay Here? IMMERSION Live Album

Die Aufnahmen zum Livealbum How Do We Stay Here? wurden bei den IMMERSION Konzerte mitgeschnitten. Dabei handelte es sich um sehr spezielle Konzerte, die Close Talker in ihrer Heimat Kanada in Kunstgalerien, Studios und anderen einzigartigen Orten spielten, bei denen für das Publikum mit Kopfhörern ein immersives 360-Grad-Erlebnis geschaffen wurde. Mehr Infos gibt es h i e r.

Pumarosa – Devastation

Wer ist Pumarosa? Die Londoner Postunk- Band besteht aus Sängerin Isabel Muñoz-Newsome, Bassist Henry Brown, Drummer Nicholas Owen, Gitarrist Jamie Neville und Multiinstumentalist Tomoya Sukuzi (Saxofon, Keyboards). Im Jahr 2017 fielen sie mit dem Album „Witches“ und dem Hit Priestess auf. Schwere Gitarren gepaart mit der Stimme vom Isabel. Das neue Album Devastation ist weniger gitarrenlastig und elektronischer. Spannend sind diel vielfältigen Variationen der Eletrobeat von dunkel bedrohlich (Fall Apart) bis hypnotiisch tanzbar (Heaven)

BJRG – Skin Deep

Hier entstehen die Intrumente im Kopf des Hörers. Es ist kaum zu glauben. Man hört keine Elektronik und eine Musikinstrumente. Tatsächlich nur mit der nackten Stimme, zwei Mikrofonen, einem Delay-Pedal und einer Loopstation erschafft BJRG eine komplexe Musik, in die man tief eintauchen kann. Mehr dazu h i e r.

Mando Diao – Don’t Tell Me

Aus dem vor fast einem Monat  veröffentlichten Album BANG der schwedischen Rocker erschien nun das Video zum Track Don’t Tell Me. Wie auch schon in dem Video zu „Long Long Way“ wird auch diesmal eine kleine Geschichte erzählt.

Ein wenig nackte Haut im neuen Video

Es geht um eine Art Sekte um einen dominanten Sex-Guru und ihre Riten. Parallel dazu wird der Sektenführer von einer TV-Journalistin interviewt und leugnet,  in bester Trump & Co. Manier, alles was sie ihn fragt, bis das ganze eskaliert.

Der Regisseur Gustav Hugo Olsson und Mando Diao geben dazu folgendes Statement ab:

”We wanted to explore the absurdity, danger, and madness that occurs when a group of people gathers and together blindly devote themselves to a specific belief system that is preached by a hypocritical leader. This can be political, religious and social.”

Director Gustav Hugo Olsson & Mando Diao

Recht haben sie.

Was zusätzlich auffällt, ist dass das Video auf YouTube nur mit Altersbeschränkung zu sehen ist. In dem Beitrag auf der Auf die Ohren Facebookseite wird von FB die Einbettung des YouTube Videos unterbunden. Das hat nichts mit Jugendschutz zu tun, sondern ist einfach nur prüde.

Mando Diao 2019
Mando Diao 2019 by GUSTAF ELIAS

Grimes – So Heavy I Fell Through the Earth

Heute gab es die Veröffentlichung eines neuen Songs vom Grimes. Den Song So Heavy I Fell Through the Earth gibt es gleich in mehreren Versionen, den sechseinhalbminütigen vollständigen „Art-Mix“ und den kürzeren und den kürzeren „Algorithm Mix“ gibt es auf Spotify zu hören. Auf YouTube gibt es einen sechsminütigen Visualizer. Die Lyrics sind einfach gehalten. Es dreht sich um die Zeilen “So heavy I fell through the earth/ Cus I’m full of love for you.” Das wesentliche ist der Sound. Grimes präsentiert ein ein dunkles und gleichzeitig luftiges Klagelied. Grimes weist darauf hin, dass man den Song am besten unter einem Kopfhörer oder mit einem guten Soundsystem hören soll, weil der Bass wesentlich ist.

Zugleich gab Grimes auf allen zur Verfügung stehenden sozialen Netzwerken bekannt, dass ihr sechstes Studioalbum „Miss Anthropocene“ 21. Februar 2020 auf 4AD veröffentlicht wird.

BJRG – Skin Deep

Heute rscheint Skin Deep, das Debütalbum des italienischen Experimental/Pop – Projektes BJRG.

DieseAufnahme ist etwas besonderes. Es ist kaum zu glauben. Man hört keine Elektronik und eine Musikinstrumente. Tatsächlich nur mit der nackten Stimme, zwei Mikrofonen, einem Delay-Pedal und einer Loopstation erschafft BJRG eine komplexe Musik, in die man tief eintauchen kann.

BJRG ist ein reines Solo-Stimmenprojekt.

Hinter BJRG verbirgt sich der Experimental-Musiker Luca Nistler. Nistler ist auch Voice-Sound Designer und bildender Künstler innerhalb der Performance Gruppe ‚I Figli di Marla‘. Im April 2019 traten sie beim DO DISTURB Festival im Palais de Tokyo in Paris auf, zusammen mit Künstler*innen von Tate Modern, Moma, Biennale Venezia.

Das Konzept

Die Reihenfolge der Stücke nicht zufällig. Jeder Titel eines jeden Songs nimmt ein Wort aus dem vorherigen mit und erkundet es. So ergibt sich aus den Stücken auf dem Album der Satz:

– out in the flesh nothing but skin is unseen firework –

Eine Referenz zur Quantenphysik, nach der wir nie ewtas wirklich berühren. Was wir als Berührung empfinden, ist einfach nur eine elektromagnetische Abstoßung der Elektronen unserer Hautzellen.

Das erste Stück des Albums heißt „out“ und nimmt das Wort „out“ aus dem letzten Song der vorangegangenen EP „Solastalgia“. 

Der zweite Song „in the“ handelt vom elektromagnetischen Feld zwischen den Atomkernen unserer Haut. Tastsinn ist eine Illusion. Aber macht es das weniger schön? Die Musik von „in the“ ist gekennzeichnet durch Stimmen-Funken: „Quantenklänge“, Stimmpartikel. Diese Stimmfunken sind über das gesamte Album verteilt. 

„flesh“ ist ein sehr nacktes Lied darüber, dass unsere Haut in erster Linie ein natürlicher und grundlegender Genussrezeptor ist. Straight, queer? No fear.

„nothing“ ist dieses kleine, unberührte Vakuum zwischen zwei Atomkernen. Dieses Lied ist auch eine Ode daran, nichts zu tun gegen die hoch funktionale Angst.

„but“ ist in der englischen Grammatik definiert als eine ‚adversative conjunction‘. In diesem Song geht es um den südafrikanischen Helden Steve Biko. Biko war eine extrem intelligente, lustige und sanfte Seele. Er hat nicht GEGEN etwas gekämpft. Er kämpfte FÜR die meisten, um seinen eigenen Leuten das Gefühl der Unterlegenheit zu nehmen. Das ist seine Herausforderung. Deshalb wurde seine Slogen „black ist beautiful“ in den 70er Jahren so populär. Warum nun aber der Titel „but“? Denn er lebte in Verbindung (conjunction) mit seinen Leuten, und führte sie in eine sanfte, aber gegensätzliche (adversative) Richtung: die der Abschaffung der Apartheid.

„skin“ ist ein Lied gegen den politischen Nihilismus, es spielt mit John Lennons ‚Working Class Hero‘. Die Wahrheit ist, dass irgendwo etwas verloren gegangen ist. Die Menschen verloren den Kontakt zueinander. Aber es gibt unglaublich schöne Ausnahmen: Amerikanische Kriegsveteranen zum Beispiel, die sich dem Kampf gegen den Bau einer Ölpipeline Seite an Seite mit den Native Americans im Reservat der Standing Rock Sioux anschließen. 

„is“ ist es ein wildes digitales Tier, es ist das Akronym für Infraschall.

Bei „unseen“ geht es darum, sich unsichtbar zu fühlen und den Kontakt zum eigenen Selbst zu verlieren.

„firework“ schließlich ist der letzte Song des Albums und beschreibt, wie schön es sich anfühlt, verliebt zu sein, obwohl manchmal Gefühle nicht zurückgegeben werden. Liebe kann auch einfach bedeuten, aus der eigenen Haut zu kommen: „I stopped being mine“.