B O K E H – Options

In dem Dance-Pop- Track trifft Atmosphäre auf packende Synthies gepaart mit einer starken Stimme der Sängerin. Das musikalische Wirken von Chloë Lewer gefällt uns schon, seit die aus Südafrika stammende, in Neuseeland aufgewachsene und nun in Berlin lebende Sängerin zusammen mit den Neuseeländer Elliott McKee in den Berliner Straßenmusikprojekt Charity Children mit feinstem Indie-Folk verzauberte. Auf der Facebookseite von Charity Children sieht man, dass die beiden wieder imStudio sind und ich hoffe, dass bald was neues zu hören sein wird.

Als Solokünstlerin ist Chloë Lewer vielseitig tätig. Ihr Musikprojekt trägt den Namen BOKEH. Außerdem wirkt sie als professionelle Songwriterin und Musikerin, als auch als Filmemacherin, Schauspielerin und Regisseurin. Über das Musikvideo zu Options führte sie selbst Regie.

Im Musikvideo durchlebt der Darsteller (Daniel Asamoah) einen Findungsprozess. Er versteckt seine wahre Leidenschaft, das Tanzen sowie seine Sexualität. Einmal in der Woche mietet er sich ein Tanzstudio, um dort alleine mit sich selbst um seine Identität, seinen Gender und um seine Sexualität zu ringen. Letztendlich verliert er seine Hemmungen und Ängste und entdeckt sich selbst neu. 

Sleater-Kinney – The Future Is Here

Sleater-Kinney ist eine amerikanische Rockband, die 1994 in Olympia, Washington, gegründet wurde. Sleater-Kinney ist ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Indie-Rock-Szene. Die Band ist für ihre feministischen und linksgerichteten Lyrics bekannt, besetzt also Themem der feministische Undergroud-Punk-Bewegung, die man Riot Grrrl nennt. Die aktuelle Besetzung besteht aus den Songschreiberrinnen und Ex-Geliebten Corin Tucker (Gesang und Gitarre) und Carrie Brownstein (Gitarre und Gesang).Die langjährige Schlagzeugin Janet Weiss schied im Juli aus.

Der hier vorgestellte Song The Future Is Here gehört zum neuen Album The Center Won’t Hold (Spotify-Link), welches fünf Jahre nach der letzten LP „No Cities To Love“ (2014) gestern auf den Markt gebracht wurde. Das Album wurde von St. Vincent produzierten.

Neues Sleater-Kinney- Album „The Center Won’t Hold“ von St. Vincent produziert

Zur Entstehung des Songs The Future Is Here erklärte Corin Tucker im Podcast „Song Exploder“, dass sie vom experimentellen Opernsänger Joseph Keckler inspiriert wurde. Sie hatte eine seiner Shows besucht und dort sein Lied zum Thema Internet gehört. Ursprünglich wollte sie ein Duett mit einem Sänger, doch St. Vincent schlug vor, beide Stimmen selbst zu singen. „Es gibt so viele verschiedene Stimmen, die ein Songwriter erforschen kann und die in keiner Weise an Ihr eigenes Geschlecht oder Ihren eigenen Körper gebunden sein müssen“, sagt Corin Tucker. „Das ist ein wirklich befreiendes Element des Schreibens.“

Als Ladies lernen die Roit Grrrls Pop und verlieren ihre Drummerin

The Center Won’t Hold merkt man den Einfluss von St. Vincent deutlich an. Trotz deprimierter Texte zeigen Chorgesänge in den Refrains Funken von Hoffnung, so wie die Politiesierung der Jugend durch die Fridays for Future Bewegung hoffen lässt, auf die Bedrohung durch die Umweltzerstörung künftig anders zu reagieren. Insgesamt ist das Album der Mitt-Vierziger etwas weniger Punk und mehr Pop, was in meinen Ohren gut klingt. Diese Entwicklung der Band gefällt nicht allen. Am 1. Juli verkündete die Schlagzeugerin Janet Weiss auf Twitter: „ … with heavy sadness, I have decided to leave Sleater-Kinnney. The Band is heading in a new direction and it is time for me to move on.“

Clairo – Sofia

Die junge Künstlerin Claire Cotrell,die sich Clairo nennt, wenn es auf dem Bühne geht, hat im Jahr 2017 große virale Erfolge mit dem Song Pretty Girl gefeiert. Ähnlich wie bei Billie Eilish handelt es sich um eine die die DIY-Produktion, gerne auch als Bedroom Produktion bezeichnet. Anders als Billie Eilish konzentriert sich Clairo jedoch auf Songwriting und hat sich für die Produktion ihres Albums Infinity professionelle Hilfe von Rostam (Vampires Weeknd) geholt. Zudem gibt es einen Querverweis zu Danielle Haim, die an den Drums ausgeholfen und wohl auch sonst mit Tipps zur Seite stand.

Der Song Sofia ist sehr tanzbar. Der Rhythmus erinnert an Robbyns Dancing On My Own. Mit den Textzeilen:

„I think we could do it if we tried

If only to say, you’re mine

Sofia, know that you and I

Shouldn’t feel like a crime“ 

fordert Clairo ihr Recht ein, ihre sexuelle Orientierung nicht zu verurteilen.

Hayley Kiyoko – I Wish

Über Hayley Kiyoko wurde hier anlässlich ihrer Single Curiosity schon Mal berichtet. Die japanischstämmige  Schauspielerin und Sängerin geht offen mit ihrer Homosexualität um und unterstützt die LGTB-Community. Ein Jahr nach ihren erfolgreichen Longplayer  hat sie ihre neueste Single „I Wish“ zusammen mit einem selbst gedrehten Musikvideo veröffentlicht. Das Video benutzt das Genre der unzähligen Collagefilme und – Serien, in denen es um übernatürliche Verschwörungen und Hexerei geht für eine Tanzperformance.

Kiyokos neuester Song ist energetisch und verträumt zugleich, kämpferisch und sehnsuchtsvoll. „Wir geben uns Kopfnüsse / Du schenkst mir keine Aufmerksamkeit / Und du bist egoistisch mit deiner Zuneigung“, beschwert sich Kiyoko bitter unterlegt mit einen schnellen, schweren Beat im Eröffnungsvers. Aber der Refrain klingt nach Sehnsucht und klettert eine Oktave hoch  in einen verletzlicheren Raum: „Ich wünschte, ich wünschte, ich wünschte, ich hätte die Liebe gefunden“, singt sie zweimal. “ Weil ich morgens aufwache und niemand hier an meiner Seite ist.“

SOAK – Déjà-vu

SOAK ist ein Akronym aus den Worten Soul und Folk. Obwohl ihr Musikstil weder in die eine, noch in die andere Schublade passt, hat sich die erst 23-jährige nordirischen Singer-Songwriterin Bridie Monds-Watson diesen Künstlernamen gegeben. SOAK fällt dadurch auf, dass sie einen Tomboy-Style fährt und auch damit nicht in gängige Schubladen passt.

Der Song Déjàvu beschreibt die irreale Situation und Hoffnungslosikeit , wenn ein Unglück eintritt, das man genau so erwartet hat.

„No heaven in front of me
A neon light catastrophe
No unexpected emergency
Nothing’s new, déjà vu, déjà vu, déjà vu, déjà vu“

Der im Retro-Style aufgenommene Song Déjà Vu ist eine Auskopplung aus SOAKs neuem Album Grim Town, welches am 26. April auf Rough Trade Records erscheinen wird.

The Japanese House – Lilo

Auf diesen Act bin ich durch den empfehlenswerten Blog Bedroomdisco aufmerksam geworden. Danke dafür.

Es geht um die Band The Japanese House und ihren Kopf, die noch junge Amber Bain. Bedroomdisco schreiben:

„Doch während sich die mittlerweile 23-jährige Londonerin seit langem einer aufstrebenden Karriere erfreuen kann, entstand und thematisiert ihr am 1.3. via Caroline International erscheinendes Debüt  Good At Falling eher dunkle private Momente der Musikerin. So geht es schon in der ersten Single Lilo um den Zerfall ihrer Beziehung zur Musik-Kollegin Marika Hackmann, die auch im Video zu sehen ist. Bain beschreibt es so: ‚To me, her every movement – paired with her approach to life – seemed as serene as the image of a lilo floating across a swimming pool…I seem quite helpless in the lyrics. I could definitely tell that I was losing her. I knew, I just knew, that something was ending.‘

Doch aus dem Ende der Beziehung hat Bain zumindest ein kraftvolles Werk geschaffen, dass noch mal neuen Schwung in ihr Schaffen bringt  – wir sind gespannt auf dieses Debütalbum und sagen: Behaltet The Japanese House in 2019 unbedingt auf dem Radar!“

Dem schließe ich mich gerne an.

Julien Baker – Appointments

Dass die Dezember-Playlist so melancholisch ausfällt, liegt nicht nur an der dunklen Jahreszeit, sondern hauptsächlich daran, dass ich mich eingehend mit den Mitgliedern von boygenius  und deren Musik auseinandergesetzt habe. Sie haben nun einmal dunklere Themen zum Gegenstand ihrer musikalischen Auseinandersetzung gemacht. Nach Lucy Dacus und Phoebe Bridgers soll es nun um Julien Baker gehen. Bei Wikipedia steht über die junge Sängerin schlicht, Baker ist lesbisch und Christin. Was das für sie hieß, schilderte sie der Zeitung New Yorker. In  der christlichsten Gegenden   Memphis, Tennessee, wo sie aufwuchs, erlebte sie, wie einige ihrer Freunde entlassen oder aus der Kirchengemeinschaft vertrieben wurden, nachdem sie ihren strengen Normen nicht entsprachen. Ein Freund wurde sogar in ein jetzt aufgelöstes Lager gebracht, das dazu bestimmt war, Homosexuelle durch das Bibelstudium von seiner „Abwegigkeit“ zu reinigen. Dementsprechend groß war ihre Angst als Sie mit 17 ihr Coming Out hatte. Ihre Familie hielt aber zu ihr und kämpfte für ihre Anerkennung in der Gemeinde. Trotz ihrer Erfahrung oder vielleicht gerade wegen dieser trägt sie auf dem Arm ein Tattoo „God exist“. Ein Standpunkt, den sie stimmgewaltig in dem Song „Rejoice“ verkündet. 

Standhaft verlässt sie auch die konservativen Südstaaten nicht. (Zur Erinnerung, Staaten  Texas, Alabama, Wisconsin, West Virginia, Tennessee, Oklahoma, Louisiana, Utah und Georgia wehrten sich per Klage gegen Anordnung von Präsident  Obama, Transsexuellen an allen Schulen die Nutzung von Toiletten zu erlauben, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen)  Bakers Argument, wenn alle gehen, wird sich nichts ändern.

In ihrer Musik lässt die Gitarristin und Singer-Songwriterin hingegen ihre Verletzlichkeit und Verletzungen spüren. Das 2016 Album hieß „Sprained Ankel“ worin es nicht nur um Knöchelverletzungen, sondern um die verletzte Seele(Depression, Drogensucht) ging.

Ich habe hier den Song Appointments aus dem 2017 erschienenen Album „Turn Out The Lights“ ausgesucht.

In dieser Ballade  über eine gescheiterte Beziehung legt Julien Baker ihre  Hoffnungen und Selbstzweifel offen.

Lucy Dacus – Nightshift

Es ist schon starkes Songwriting, wenn ein Lied so anfängt, „Das erste Mal, als ich den Speichel von  jemand anderem probierte, hatte ich einen Hustenanfall. “ Dazwischen heißt es , „Du verdienst nicht, was Du nicht respektierst. Verdienst nicht, was du liebst und dann vernachlässigst / Was war der Plan? Vergebe dir deine Schuld und gebe dir die Hand?“ Es endet dann mit den mehrfach wiederholten Zeilen,  “ Du arbeitest von 9 bis 5, also übernehme ich die Nachtschicht und ich werde dich nie wieder sehen, wenn ich damit helfen kann. In fünf Jahren hoffe ich, dass sich dieses  Lied wie Cover anfühlt, einem neuen Liebhaber gewidmet.“

Es ist ein Song über eine Trennung aus eine Beziehung, die nicht gut tat. Es ist ein befreiende Song, sozusagen mit kathartischer Wirkung. Es ist ein eigenartiger Song. Es sind zwei Songs in einen. Er beginnt mit Gesang und folkiger Gitarre. Erst nach 2 Minuten setzt das Schlagzeug ein. Nach 4 Minuten verwandeln elektrische Gitarren alles in einen Indie-Rockballade. Die amerikanische  Singer -Songwriterin Lucy Dacus ist erst 23 Jahre alt. Night-Shft ist der Eröffnungssong auf ihren zweiten -Album Historian, welches Anfang diesen Jahres erschien. Mit  Phoebe Bridgers und Julien Baker hat sie sich zu  boygenius. zusammen getan. Ein Projekt, dass man im Auge behalten sollte. Julien Baker und Lucy Dacus werden der LGBT-Szene zugerechnet.

Qeer: Hayley Kiyoko -Curious

Wenn man sich die 80′ und 90′ Jahre im Hinblick auf queere Künstler anschaut, fällt eine Dominanz von Männern auf. Das ändert sich derzeit.

Die japanischstämmige Schauspielerin Hayley stammt aus Los Angeles. In Amerika wurde sie schon in jungen Jahren durch Fernsehproduktionen bekannt. Seit 2013 ist sie auch Sägerin und hat 3 EPs, sowie 2018 das Album Expectations veröffentlicht. In ihren Texten und Videos bringt die LGBT-Aktivistin offen ihrer Homosexualität zum Ausdruck.