Bevor die Akustik-EP „Blick ins Leise“ erscheint, veröffentlicht Jante die Single „Vielleicht“

Jante verbindet Indie-Folk mit eindringlichen deutschen Texten. Mit ihrer aktuellen EP „Blick ins Freie“ haben sie damit den Nerv getroffen und eine gehörige Hörerschar angesprochen. Auf die Ohren schrieb im April 2020: “Die  sechs Songs auf der EP versprühen ungemeine musikalische Leichtigkeit und vermitteln Vorfreude auf den Sommer (hoffentlich wieder mit vielen Konzerten).”

Aus den vielen Konzerten ist dann leider nicht geworden. Und Jante reagiert darauf. Jetzt, wo viele Menschen sich wetterbedingt und mangels kultureller Alternativen wieder in die eigenen vier Wände zurückziehen, veröffentlichen ihre gesamte EP unter dem Namen „Blick ins Leise“ noch einmal live und akustisch und mit komplett neuem Sound, sozusagen als Ersatz für das entgangene Live-Erlebnis.

Bei  der intimen Akustikversion von „Vielleicht“ haben Jante die ursprünglich stampfende Mitsing-Hymne in eine emotionale Klavierballade umgewandelt, die mit ihrer Intimität und Nähe besonders gut in die kalte Jahreszeit passt. Das zugehörige Video wurde bei schummrigem Licht in einer der schönsten Scheunen Mitteldeutschlands gedreht. 

Die Akustik EP „Blick ins Leise“erscheint am 12. Februar 2021.

Jante sind der Liedermacher Jan Thierfelder (Gesang, Gitarre, Mundharmonika) und seine musikalischen Mitstreiter Tim Bergelt (Gitarre, Ukulele, Mandoline), Margot Cichy (Schlagzeug) und Sebastian Rettig (Bass) aus Leipzig  und Chemnitz.  

„Vielleicht“in der Akustikversion ist auch auf der neuen Playlist Auf die Ohren – Ohrwurm.

Etaoin -Bedroom Walls

Etaoin Rowe, die junge Londonerin mit irischen Wurzel,  hat musikalisches Talent. Schon als Kind nahm sie an Wettbewerben in allen Bereichen irischer Musik teil. Mit zehn gewann sie in allen Erwachsenenkategorien.

Dass sie auch das Songwriting beherrscht, beweist ihr erster öffentlicher Song bei Soundcloud aus dem Jahr 2017.  Pale Damp Cheeks erinnert vom Fingerpicking der Gitarre bis zum Gesang an ihr Vorbild Tracy Chapman. Jetzt mit einem Vertrag bei Made Records in der Tasche, ist ihr Stil deutlich poppiger. Ihre erste Single, den Sad-Girl-Heartbreak-Song Bedroom Walls, hat sie selbst geschrieben. Weitere Singles und eine EP sollen folgen. Für mich  klingt  Bedroom Walls  wie ein Song von Ed Sheeran, was ja nicht das schlechteste ist. Aber warum soll ich hinkende Vergleiche ziehen. Hier ist der Song.

Alice Phoebe Lou – Dusk

Alice Phoebe Lou wurde in Südafrika geboren (Foto: Andrea Rojas).  Sie entschied sich schon in jungen Jahren  als Straßenmusikern durch Europa zu ziehen. Auch heute noch gibt sie Straßenkonzerte vor der UBahn Station Warschauer Straße in Berlin, obwohl sie nach den von der Kritik gefeierten Alben „ORBIT“ und besonders Paper Castles“ einen Status erreicht hat, der sie weltweit Konzertsäle hat füllen lassen. So spielte sie über 100 Shows auf vier Kontinenten und  baute dabei eine enorme, treue Fangemeinde auf, wozu ich mich auch zähle.

Anfang dieses Jahres veröffentlichte Alice zwei die Singles Witches“  und  „Touch“ , die sie auf einer 1-Zoll-Bandmaschine  analog aufnahm, mischte und masterte. Nun ist mit „Dusk“ der erste Vorgeschmack auf die kommende dritte Platte „Glow“ erschienen, das am 19. März 2021 veröffentlicht werden soll.

„Dusk“ ist inspiriert von der tiefen menschlichen Verbindung, die sich  Freundschaft nennt. Alice erklärt dazu: „Dusk ist eine Ode an die Freundschaft und das Gefühl der tiefsten Empfindung von Intimität und Fürsorge für eine andere Person. Die Art von Freundschaft, die nicht wettbewerbsfähig ist und auf gegenseitigem Respekt und Bewunderung beruht. Voller Abenteuer und Möglichkeiten.”

Bonnie Parker – Volle Kraft voraus

Bonnie Parker (Foto: Thommy Mardo) heißt die aufstrebende, junge Künstlerin, die sich vorgenommen hat, ihre eigene Farbe in die Deutschpop Szene zu bringen. „Die heutige Zeit ist geprägt von Autotune und Photoshop, Menschen streben einem unwirklichen Idealbild hinterher und vergessen dabei völlig, wer sie wirklich sind. Das ist ein Trend, der sich ungesund auf uns und nachkommende Generationen auswirkt und gegen den ich ankämpfen möchte“, antwortet die bodenständige Mannheimerin auf die Frage nach ihrer Motivation.

Besinnung auf den rockigen Deutschpop der frühen 2000er Jahre

Bonnie Parker setzt auf ihre Natürlichkeit und ihre unverfälschte Stimme. Ihre Debüt- Single “ Volle Kraft voraus“ vermittelt mit Mut machenden Lyrics ein positives Lebensgefühlt und ermöglicht eine kleine Flucht aus dem Alltag. Musikalisch geht es mit krachenden Gitarrren ebenso optimistisch zur Sache. Den Fans von rockigem Deutschrock à la „Juli“ oder „Wir sind Helden“ wird es gefallen.

Die Akustik Version von „Volle Kraft voraus“ konnte auf Youtube innerhalb von 2 Monaten und ohne große Promo fast 650 Klicks erreicht und somit auf dem YouTube-Kanal Pinestatesessions die Höchstmarke setzen.

Studioversion

Aktuell arbeitet Bonnie an weiteren Veröffentlichungen für kommendes Jahr. Wir sind gespannt, was da noch kommen wird.

Wahnschaffe – Courage (EP)

Am 19.11.2019, zu diesem Zeitpunkt wusste noch keiner was das Coronavirus ist und niemand hatte eine Vorstellung davon, welche Auswirkungen eine Pandemie hat, besuchten wir das Sputnik Café in Münster, um ein Konzert von Mister Me zu genießen. Vor seinem Auftritt spielten als Vorband Wahnschaffe.

Auf der Bühne waren Sophia Wahnschaffe und die Bassistin Hanna Von Tottleben (Foto: Thomas Wolff). Sophia sang und spielte Gitarre. Schon damals gefiel uns Wahnschaffes  R&B mit intelligenten deutschen Texten. Die Performance war beeindruckend. Auf der Bühne standen zwei Frauen, deren Herzblut in ihrer Musik steckt. 

Souliger Pop mit deutschen Texten

Kopf des Musikprojekts Wahnschaffe ist Sophia Wahnschaffe. Ihre Bio zeigt, dass es offenbar immer ihr Ziel war, als Musikerin durchs Leben zu kommen. Erste DIY – CD mit 17, danach in Bands gespielt und  Konzerte organisiert. Der Besuch eines  Pop-Kurses  in Hamburg führte zu dem Entschluss, das Solo-Projekt Wahnschaffe auf die Beine zu stellen. Wahnschaffe mischt Pop mit Soul, filigrane Gitarren mit ausgefeilten Synthie-Arrangements, organischer Percussion mit elektronischen Beats zu komplexen durchdachten Klangarchitekturen. Ihre deutschsprachigen Texte sind selbstbewusst und zeitkritisch. Wahnschaffe hat unzählige Live-Konzerte gespielt, als es noch ging. Morgen am 18.12. 2020 erscheint die erste EP von Wahnschaffe mit dem passenden Titel Courage.

Beatsteaks – In The Presence Of (EP)

Die Beatsteaks  gehören mittlerweile zu den Urgesteinen der deutschen alternativen Rock und Punk-Szene mit einer riesigen Fangemeinde. Die 1995 gegründete Band, die ihre ersten Konzerte im  Kreuzberger Club SO36 absolvierte, hat sich mit acht Alben und etlichen Konzerten in die Herzen der Fans und  bis nach oben in die Charts gespielt. Nebenbei engagieren sich die Beatsteaks, was sie sehr sympathisch macht, für ganz viele gesellschaftspolitische  Anliegen. Sie unterstützen „iCHANCE“, eine Initiative zur Alphabetisierung, rufen mit dem Verein Junge Helden zur Organspende auf, sammeln bei ihren Konzerten für die Wasserinitiative Viva con Agua und die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. 2014 unterstützten die Beatsteaks den Aufruf von Dresden Nazifrei, die Naziaufmärsche am 13. und 19. Februar zu verhindern. (Beitragsfoto: Beatsteaks Band -Selfie)

Beatsteaks verneigen sich mit Coverversionen vor verehrten Sängerinnen

Nach dem letzten Album “Yours” war es um die Beatsteaks etwas ruhiger geworden. Nach dreijähriger Schaffenspause, gibt es aber  wieder neues und besonderes Material. Seit gut 3 Wochen versorgen sie uns mit Coverversionen. Zuerst nahmen sie sich “Monotonie” von Ideal, einen  der größten Hit der neuen deutschen Welle aus den 80ern, vor. Es folgte der wunderbare Song “Glory Box” der britischen TripHopper Portishead.  Mit der Neuinterpretation von Hildegard Knefs „Von nun an ging’s bergab“ würdigen sie die Ausnahmekünstlerin.

Seit Freitag gibt dann endlich die EP „In The Presence Of“. Die beinhaltet insgesamt sechs Coverversionen. Das besondere ist, dass die Originale allesamt von Frauen gesungen werden. Außer von Annette Humpe, Beth Gibbons und Hildegard Knef interpretiren die Beatsteaks Songs  von Maureen Tucker (Velvet Underground -“After Hours”), Lesley Gore (“You Don’t Own Me”) und Jennifer Finch (L7- “Shitlist”). Produziert wurde die EP, wie schon die letzten Erfolgsalben, von Moses Schneider. Das Cover der EP (oben) wurde von dem bekannten Berliner Künstler Jonas Burgert gemalt und heißt „BEISEIN“.

Steiner & Madlaina kündigen für das nächste Jahr ein Album und eine Tour im Herbst an

„Wünsch mir Glück“ erscheit im Januar (VÖ 29.01)

Wir müssen uns unbedingt mit Nora Steiner und Madlaina Pollina befassen. Die beiden Musikerinnen aus der Schweiz sind die Gesichter, Köpfe und kreativen Geister der Band Steiner & Madlainer. Die Feststellung, dass Steiner & Madlainer eine Band ist, zu der der Schlagzeuger Leonardo Guadarrama, der Bassist Nico Sörensen und Gitarrist (E-Gitarre) Max Kämmerling gehören, ist wichtig, weil tatsächlich der Sound und die Wucht einer Band rüber kommen.  Nora und Madlaina singen, wobei der zweistimmige Gesang die Signatur von Steiner & Madlainer ausmacht, spielen Gitarre und Piano. Ihre Musikrichtung bezeichnen sie als alternativen Pop.

Nora und Madlaina kennen  sich seit  Schulzeiten und sind in Sachen Musik schon seit ihrer Jugend eine kreative Einheit. Zwar schreiben die beiden ihre Songtexte jeweils alleine, aber Themen und Texte werden miteinander besprochen und die andere übernimmt auch immer die erste Qualitätskontrolle. Ihr erstes Album “Cheers” erschien 2018 und enthielt englische, deutsche, und schweizerdeutsche Songtexte.

(Alle Fotos: Tim Wettstein)

Warum müssen wir uns mit Steiner & Madlainer befassen? Weil Ende Januar (ab dem 29.01.2021) ihr zweites Album „Wünsch mir Glück“ in den Plattenläden stehen und bei allen gängigen Streamingdiensten abzuhören sein wird. Die Scheibe, im wesentlichen live im Studio eingespielt und von Produzent Alex Sprave abgemischt wird richtig gut. Dies kann man schon erahnen, wenn man sich die bisher daraus erschienenen Singles anhört.

Da wäre zunächst das  feministische „Wenn ich ein Junge wäre (ich will nicht lächeln)“, geschrieben und gesungen von Nora, die sich mit mit wuchtigen Drums und breitkreuzig klingenden Gitarren gegen das immer noch übliche  Mansplaining zur Wehr setzt: „Wenn ich ein Junge wäre, würde man mir mehr zutrauen? Wer bestimmt das Rollenbild der Frauen? Wenn ich ein Junge wäre eine ganze Woche lang, wüsste ich, ob man Dinge schneller ändern kann?“

Dann ist da das sophisticated Trinklied „Prost, mein Schatz“, in dem Madlaina, die den Song geschrieben hat und singt, das Ende ihrer Beziehung verarbeitet. Dazu gehört die zutreffende Frststellung, dass am Anfang und am Ende einer Beziehung da meiste getrunken wird. Wer übrigens  mehr über das Songwriting von Steiner & Madlainer erfahren möchte, der sollte sich die Podcastreihe Tracks & Tracis zu Gemüte führen. Im letzten Podcast beschreiben Nora un Madlainer Schritt für Schritt die Entstehung des Songs. Den Link gibt es hier.

Vor kurzem ist dann noch „Denk was Du willst“ als  letzte Single vor der Albumveröffentlichung erschienen. In dem im Vergleich zu den anderen sanften Song, ebenfalls von Madleiner geschrieben und gesungen, geht es schlicht um Sex.

Ankündigung einer Tour

Alle Welt redet gerade vom bevorstehenden harten Lockdown. Steiner & Madlainer haben hoffnungsvoll ein große Tour für den Herbst angekündigt. Ich wünsche von Herzen, dass das klappt. Münster ist auch dabei. Ich wäre so froh, mal wieder einen Konzertbericht schreiben zu dürfen.

Hier die Tourdaten:

02.11.21 Stuttgart – Im Wizemann Club

03.11.21 München – Ampere

05.11.21 Magdeburg – Moritzhof

06.11.21 Dresden – Beatpol

08.11.21 Hamburg – Knust

09.11.21 Bremen – Tower

10.11.21 Münster – Gleis 22

11.11.21 Essen – Zeche Carl

12.11.21 Köln – Gebäude 9

17.11.21 Freiburg – Jazzhaus

19.11.21 AT-Wien – Chelsea

20.11.21 Nürnberg – Korns

22.11.21 Wiesbaden – Schlachthof

23.11.21 Hannover – Musikzentrum

25.11.21 Leipzig – Täubchenthal

26.11.21 Erfurt – HsD

27.11.21 Berlin – Hole44

Frida Blomberg – Waterfall

Frida Blomberg ist eine aufstrebende Songwriterin / Produzentin aus Norwegen (Foto: Isabelle Edsmyr).  Sie begann im Alter von 12 Jahren mit dem Klavierspielen. Schon als Teenager schrieb sie ihre eigenen Lieder. Während ihres der Musik- und Tontechnik-Studiums in Trondheim beschäftigte sie sich mit experimenteller, improvisierter Musik und trat in allen nordischen Ländern auf. Dieses Jahr hat Frida damit verbracht, viele Songs zu schreiben und zu produzieren. Beeinflusst fühlt sie sich von eher ruhigen Vertretern der Klassik und der populären Musik, wie Chopin,  Ane Brun, FINNEAS oder James Blake.  Für 2021 plant sie,  eine EP zu veröffentlichen. Daraus sind schon die Singles “Closer” und der gefühlvolle song “Still Right Here” erschienen  und brachten ihr Aufmerksamkeit in einigen bedeutenden Playlists (New Music Friday Norway, Fresh Finds Pop und Morning Coffee) und Airplays im norwegischen Radio sowie auch bei Radio Fritz ein.

Norwegische Newcomerin überzeugt mit ätherischen Vocals

Mit der neuesten Single “Waterfall” landet Frida Blomberg in der Playlist von ”Auf die Ohren”. Der Song, von ihr selbst produziert und gemischt, handelt von Verletzlichkeit und Unsicherheit in unüberschaubaren Zeiten; über Emotionen, die wie ein Wasserfall den Geist durchströmen. Synth-Arps und elektronischen Beats schaffen dabei das Fundament für Fridas ätherischen Gesang. 

Phoebe Bridgers -Saviour Complex

Phoebe Bridgers (Foto: Frank Ockenfels)hat von ihrem Song „Saviour Complex“ein neues Musikvideo  geteilt. „Saviour Complex“ stammt aus  Bridgers letztem Studioalbum Punisher. Das Video wurde Phoebe Waller-Bridge gedreht. Der Name Phoebe Waller-Bridge ist momentan in aller Munde. Die junge englische Drehbuchautorin produzierte die Serie „Fleabag“ (läuft in Deutschland auf Amazon Prime), die ihr sechs Emmys einbrachte. Dem Video ging in Quarantäne ein intensiver E-Mail Austauscht der beiden Phoebes voraus. Man sagt die Hauptrolle im Video spielt Serien-Schauspieler Paul Mescal (Normal People).  Das sind aber Fake-News, denn die  Hauptrolle ist mit einem kleinen, großäugigen Hund besetzt.  Schaut euch das Video zu „Savior Complex“ auf Facebook an.

Sigur Rós – Odin’s Raven Magic

Auf die Ohren – Zwischen den Jahren

Mit dem 1. Advent beginnt die Weihnachtszeit. Es ist eine Zeit im Jahr, die man nutzen sollte, alles etwas langsamer anzugehen, um zur Besinnung zu zukommen. Sich bloß nicht in den Konsumwahn hinein zwingen lassen, der alljährlich zum Weihnachtsfest hin ausbricht. In diesem Jahr braucht man keine Geschenke, weil man die Verwandtenbesuche ohne schlechtes Gewissen ausfallen lassen kann, um den R-Wert zu senken. Man findet also die innere Ruhe, sich zurückzuziehen, den Kopfhörer aufzusetzen und gute Musik zu hören. Weil man Zeit und Muße hat, darf es ruhig etwas anspruchsvoller in Albumlänge sein. Genau dafür findet ihr bei “Auf die Ohren” ab sofort ein paar Vorschläge. Keine Angst, es ist keine Weihnachts-Compilation dabei.

Foto: Eva Vermandel

Die erste Empfehlung geht an die Isländer von Sigur Rós um den umtriebigen Frontmann Jónsi, die am Freitag mit „Odin’s Raven Magic“ ein neues Album veröffentlichen. Die Imagination von Island ist immer mit Mythologie der Edda, den altnordischen Götter- und Heldenlieder verbunden. Die nordische Mythologie ist zwar verbrannt, weil die Nazies sie zu ihrem Kult erhoben haben. Dennoch berührt sie als vorchristliche Kultur unsere Wurzeln. Man sollte sich mit ihr beschäftigen und sie nicht den rechten Spinnern überlassen, sei es auch nur, um zu verstehen, woher Tolkien die ganzen Vorlagen für seinen Herr der Ringe her hat. Es gibt eine Erzählungen in der Edda, denen man Bedeutung auch für die heutige Zeit zu messen kann. In „Hrafnagaldur Óðins“ (Odins Rabenmagie) schickt Göttervater Odin zwei Raben los, die Welt zu erkunden. Ihm schwant Böses. Die zurückgekehrte gefiederten Kundschafter haben auch keine guten Nachrichten. Bei einem Festmahl in Asengard , dem Götterwohnsitz, berichten sie von unheilvollen Zeichen, die das Ende der Welt, sowohl der Götter als auch der Menschen, ankündigen. Heute würden die Raben wohl nichts anderes berichten können. Hilmar Örn Hilmarsson, Islands Musiklegende und geweihter „Chef Goði“ der heidnischen nordischen Religion Ásatrúarfélagið, ist fasziniert von dieser Erzählung. Auch er schlägt die Brücke zur Gegenwart und sagt: ”Es ist ein sehr visuelles Gedicht mit Bildern über eine Welt, die von Norden nach Süden gefriert. Es war eine apokalyptische Warnung. Vielleicht fühlten es die Menschen der damaligen Zeit am eigenen Leib. Island befasst sich heute natürlich mit Umweltproblemen im Zusammenhang mit Wasserkraft und der Zerstörung des Hochlands. Wir werden wieder gewarnt.

Odins Raven Magic ist eine Zusammenarbeit zwischen Sigur Rós und Hilmar Örn Hilmarsson sowie Steindór Andersen, einem Fischer und einer von Islands angesehensten traditionellen Kantoren. Die Orchester- und Chorarrangements übernahmen Sigur Rós’ ehemaliges Mitglied und Arrangeur Kjartan Sveinsson und Maria Huld Markan Sigfúsdóttir von der Band amiina. Zu hören (und unten im Video zusehen)  ist auch eine einzigartige Marimba mit fünf Oktaven, die von dem Bildhauer Páll Guðmundsson aus grob behauenen Steinstücken gebaut wurde.

Das Werk Odins Raven Magic wurde 2002 für das Reykjavik Arts Festival konzipiert und nur wenige Male aufgeführt. Bislang gab es nur bruchstückhafte Aufnahmen. Mit der Veröffentlichung am 0410.2020 liegt erstmals eine Aufnahme des gesamten Werks vor. Es handelt sich um eine Live-Aufnahme der 70-minütigen Partitur aus der Grande Halle de la Villette in Paris.

Also ab aufs Sofa, CD einlegen oder streamen und nochmal anfangen, den Herr der Ringe zu lesen.