We The Crooked – Villain

The Crooked gründete sich Anfang 2017 in der Musikszene Torontos, wo sie zunächst eine starke lokale Fangemeinde aufbauten. Hierzulande wurden sie 2019 durch ihre erste Europatournee mit zehn Konzerten in Deutschland bekannt. Ihr Cover von Grauzones Eisbär fand in ihrer Heimat, aber auch in Deutschland, großen Anklang. Eine geplante zweite Europatournee im Frühjahr 2020 musste die Band aus den bekannten Gründen absagen. Stattdessen verbrachte die Band das ganze Jahr damit, die eineSerie gecoverter Songs mit dem doppeldeutigen Namen „Crooked Covers“ zu veröffentlichen. In der anschließenden pandemiebedingten Zwangspause musste sich die Band damit auseinandersetzen, ob es weitergehen kann. Zum Glück starten sie nunmehr unter dem Namen We The Crooked wieder durch und wollen ihre Präsenz in Großbritannien und Deutschland vor einer Festivaltour im Jahr 2022 weiter ausbauen. Dabei hilft bestimmt die Single „Villain“ , weil punkiger Rock gerade in Deutschland und in GB einen Resonanzboden findet. „Villain“ befasst sich mit den menschlichen Abgründen, Wahn und bösen Gedanken.

PIPPA – Lifestream (EP) VÖ 24.09.

Vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlichte die in Wien lebende Schauspielerin, Sängerin und Songschreiberin Pippa Galli, die sich als Sängerin nur Pippa nennt, ihr zweites Albums „Idiotenparadies“. Das Album ham bei der Kritik sehr gut an. Die Single „Egal „war Nr. 1 in den Charts beim alternativen ORF- Radio FM4.

Eigentlich wollte Pippa mit den Songs von „Idiotenparadies“ auf eine ausgedehnte Tour zu gehen. Doch es erging ihr so, wie allen Künstler*innen. Während Corona ging gar nichts. Sie nutzt die Zeit, um zusammen mit Hans Wagner (von der Band Neuschnee), neue Musik für eine EP zu schreiben. Während des Lockdowns gab es Konzerte nur im Livestream. Daran angelehnt lautet der Titel von Pippas EP „Lifestream“ (mit f), also Lebensfluss.

Daraus sind bereits die Songs „Livestream“ (mit v), „Jeanne Dark“und „Die schönen Tage“ erschienen. Jetzt sind ja wieder Live Konzerte unter Auflagen möglich. Man kennt die Diskussionen um 2G und so. Jedenfalls gibt es solche beim beim renommierten Reeperbahn-Festival . Dort ist Pippa dabei. Unmittelbar nach ihrem Auftritt wird am 24.09. die Lifestream-EP erscheinen. Darauf sind neben den bekannten zwei neu Stücke. Von diesen beiden möchte ich euch „Maske“ ans Herz legen. Keine Angst, es geht nicht um die FFP2 -Maske, sonder um die Attitüden, unter denen wir uns wie unter einer Maske verbergen. Pippa singt zuckersüß zu einer wunderbaren elektronischen Melodie.

MUNA – Silk Chiffon feat. Phoebe Bridgers

Phoebe Bridgers ist für mich eine der großartigsten jungen Musikerinnen im derzeitigen Indie- Rock -Geschäft. Angefangen bei ihrem melancholischen Debütalbum „Strangers in the Alps“ und der Abrechnung mit Ryan Adams im Song „Motion Sickness“, über die Zusammenarbeit mit Julien Baker und Lucy Dacus als weibliche Supergroup „boygenius“ und die geniale Kollaboration mit Conor Oberst als „Better Oblivion Community Center“ bis zum schwarzhumorigen Langspieler „Punischer„, alles, was sie anpackt, ist einfach genial. Jetzt hat Phoebe Bridgers ihr eigenes Plattenlabel „Saddest Factory Records“ gegründet.

Dort hat nun das Trio MUNA aus Los Angeles unterschrieben . Bei der Single “Silk Chiffon” wird MUNA von der Label-Chefin persönlich unterstützt. MUNAs Pop-Hooks und Bridgers‘ Rockgitarrenriffs ergeben eine eingängige, queere Indie-Pop-Hymne. Produzentin und Gitarristin der Band Naomi McPherson erklärt dabei, dass “Silk Chiffon” “a song for kids to have their first gay kiss to” sei.

Im Doppelpack: Die Freunde Simon Frontzek und Rudi Maier produzieren gegenseitig ihre neuen Alben und veröffentlichen gleichzeitig

Burkini Beach – Best Western/ Sir Simon – Repeat Until Funny

Der Urlaub ist nun vorbei. Die Hoffnung,im Urlaub mehr Zeit um Schreiben im Blog zu finden, hat sich nicht erfüllt. Das Gegenteil war der Fall. Deswegen gibt es einiges nachzuholen. So wurde am 27.08.2021 bei Thees Uhlmanns Label Grand Hotel van Cleef zur gleichen Zeit die Alben Best Western von Burkini Beach und Repeat Until Funny von Sir Simon veröffentlicht. Und das nicht ohne Gründe.

Die beiden Musiker, Songwriter und Produzenten Simon Frontzek (aka Sir Simon) und Rudi Maier (Burkini Beach) haben gemeinsam das letzte Thees Uhlmann Album „Junkies und Scientologen“ co-produzierten und mitgeschrieben. Die beide sind auch Mitglieder in Uhlmanns Liveband. Darüber hinaus gibt es vom Humor bis zur Kreativität jede Menge Gemeinsamkeiten. So beschlossen beide Musikerfreunde, gegenseitig ihre Soloalben zu produzieren. Das Ergebnis sind zwei wundervolle, behutsame Indie-Rock-Platten die so gar nicht deutsch klingen. Vielmehr fühlt man sich an Musiker*innen aus den USA oder Kanada erinnert.

Burkini Beach – Best Western

Mein absoluter Lieblingssong auf “ Best Western “ ist „Crying At The Soundcheck“. Er beschreibt mit drastischen Woten die Leiden des Musikers während des Tourlebens. Im Kontrast zum negativen Text klingt die Gitarrenmelodie herlich nach cruisen auf einer amerikanischen Küstenstraße. Der Gesang könnte von Conor Oberst mit Phoebe Bridgers oder gar Lindsey Bucckigham mit Stevie Nicks kommen. Die zweite Stimme neben Rudi Maier stammt von der wunderbaren schwedischen Sängerin Emma Elisabeth. Überhaupt klingt das ganze Album wie eine fette Produktion aus einem Monsterstudio in L.A. und nicht nach einem Kreuzberger Hinterhofstudio.

Sir Simon – Repeat Until Funny

Auch bei Sir Simons Album möchte ich gleich auf einen meiner Lieblingstracks hinweisen. Der Song „A Little Less Bored“ macht gleich zu Beginn deutlich, wo der Hase lang läuft. Es erwartet uns bester Indie Pop/Rock mit weiten offenen Melodien. Die Song sind teils sehr flott, zum Teil aber auch durchaus romantisch arrangiert. Als Beispiel für das letztere mag mein weiteres Highlight „Say No“ gelten. Zusammen mit der zweiten Stimme von Maria Taylor schafft Sir Simons Gesang den perfekten  Death Cab For Cutie-Einschlag.

Gemeinsamer Song

Ein Beleg für die Freundschaft der beiden Künstler und die gemeinsame Arbeit ist der gemeinsame Song „Not Coming Home“, der sich jeweils als letzter auf beiden Platten befindet. Der Harmoniegesang von Rudi Maier und Simon Frontzek zu Akustikgitarren fügt sich wunderbar in die jeweiligen Werke ein.

BANKS – Skinnydipped

Powerfrau II

Anfang des Jahres begann BANKS mit „The Devil“ eine für sie neue Ära, in der sie  zum ersten Mal Musik unabhängig (über AWAL) veröffentlicht und jeden Track mit produziert.  Mit „Skinnydipped“ erschien nun der Nachfolger. Auch die neue Single wurde von BANKS selbst geschrieben und co-produziert und wird von einem offiziellen Musikvideo begleitet, bei dem BANKS und Michael Stine gemeinsam Regie geführt haben.

Das „Nacktbaden“ verbindet BANKS mit ihrer eigenen Philosophie und Verknüpfung zur homerschen Sagenwelt (wobei man die amerikanische Prüderie im Hinterkopf haben muss) . „Skinnydipped ist ein Song darüber, endlich etwas loszulassen, zu dem man schon oft zurückgekehrt ist. Es geht darum, seinen Wert zu erkennen und sich seiner Haut zu entledigen. Das Video soll Frauen als göttliche Kreaturen darstellen, wild in ihrem natürlichen Lebensraum, unberührt von den Konstrukten der Gesellschaft. “ sagt sie.

(Foto: Williams + Hirakawa)

Und weiter: „Die Sirenen sind magisch, kraftvoll, in Frieden und miteinander verbunden. Sie zelebrieren Schwesternschaft und Frauen in allen Stadien. Es war ein ganz besonderer Moment für mich, dieses Video mit all meinen besten Freundinnen zu drehen, die die Göttinnen darstellen, die ich in ihnen sehe. Meine Freundin Jaclynn, die eine der Sirenen spielt, hat vor kurzem entbunden. Dass sie in diesem Video ihre wunderschöne Tochter Benny im Arm hält, ist ein Geschenk. In dem Video geht es darum, sich selbst zu erkennen zu geben, wer man ist, die Vergangenheit loszulassen und sich stolz in seiner reinsten Form zu fühlen, nackt und in der Natur.“

LEYYA – LONGEST DAY OF MY LIFE (EP) VÖ 27.08.2021

Auseinandersetzung mit einer Erkrankung, die jeden treffen kann

Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihren negativen Gedanken befreien. Psychischen Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor mit  Tabus behaftet. „Jeder hat mal einen schlechten Tag!“, „Reiß Dich zusammen!“ Solche Reaktionen sind wenig hilfreich für Menschen, die depressiv sind und hindern sie womöglich, therapeutische Hilfe einzuholen.

Zentrales Anliegen von Leyyas neuem Werk „Longest Day Of My Life“ (VÖ 27.08.2021) ist lobenswerterweise die Enttabuisierung der Krankheit Depression. „Ordinary (der zweite Song auf der EP) ist die schmerzhafte Erinnerung an die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass es mir nicht gut geht. Musik und Text sind als Ventil immer ein Ausdrucksmittel des Inneren – und plötzlich habe ich das auch gehört,“ sagt Sophie Lindinger, der weibliche Teil des Duos, bei der selbst eine Depression diagnostiziert wurde.

Ordinary” war der Initialfunke für die  sechs Stücke umfassenden EP, die von den Schattenseiten der Erkrankung erzählen. Die sehr persönlichen Songs handeln von der mentale Überforderung (I’m Not Sure), von die Flucht in die Musik als letzten Anker (The Paper) und von durchtanzten Nächten auf der Suche nach Erlösung (Lately). Im Bewusstsein, dass die guten und die schlechten Tage kommen und gehen wie Wellen am Meer, entstand  „I’ve Been Down“. Am I Even Real? schließlich beschreibt das tiefe Loch, in das man auf dem Höhepunkt der Erkrankung fällt. Sophie geht offen mit dem  Thema Depression um, denn „irgendjemand muss beginnen, darüber zu sprechen.

Damit ist  die EP „Longest Day Of My Life“ im Prinzip ein kleines Konzeptalbum geworden, womit Leyya selbstbewusst neue kreative Pfade einschlagen. Ihrem typischen Indie/Electro-Pop-Sound erweitert Leyya um Pop-Noir-Einflüsse.

Sophies Gesundheitszustand ist mittlerweile besser und stabiler.

(Foto oben: Gabriel Hyden)

Evelinn Trouble – Just Wanna Vibe

Nomen est Omen.

Evelinn Trouble (sprich: Evelinn in Schwierigkeiten) ist eine Sängerin, Songschreiberin, Produzentin und bildende Künstlerin. Sie wurde in Zürich geboren. Musik gehörte zu ihrer Kindheit; ihre Mutter ist eine professionelle Jazzsängerin und Gesangslehrerin. Trotzdem: In der Hausbesetzerszene Zürichs war Evelinn als Sängerin in lauten Industrial-Rock-Bands unterwegs, mit fatalen Folgen für ihre Stimme, die nach einem Jahrzehnt intensiven musikalischen Outputs ( 5 Alben und 3 EPs) zerstört und auf ein Flüstern reduziert war. Es dauerte insgesamt zwei Jahre, um die Stimme mit Achtsamkeit und der richtigen Technik und wieder aufzubauen. Dies war aber nicht der einzige Trouble, in den sie sich hineinmanövrierte. Am nach einem Konzert am 8. Juli 2012 sprang Evelinn im Bahnhof Zürich auf das Dach eines einfahrenden Zuges und geriet in einen 10.000 Volt Lichtbogen, der sich zwischen ihrem Körper und der Fahrleitung bildete. Die Verbrennungen hat sie heute gut überstanden. Evelinn lebte und arbeitete in London , dann in Berlin, wobei jede dieser Städte einen deutlichen Einfluss auf ihre Arbeit hatte. Sie ist derzeit wieder in Zürich zu Hause.

Foto: Kat Huber

Just Wanna Vibe“ ist die dritte Single des kommenden Albums „Longing Fever“ von Evelinn Trouble. Der Song mit seinen kleinen fliegenden Synth-Noten, wackeligen Percussions und einer schimmernden Hook nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Das Intro wird bald von einem verzerrten Shuffle-Beat zerquetscht, während die Lyrics ein Szenario mit zwei Liebende erstellen, die in einem Katz-und-Maus-Spiel gefangen sind. „Ich will deine Eltern nicht kennenlernen, ich will nicht wissen, was für ein Sternbild du bist, ich will nur Vibe“ – singt Evelinn schelmisch.


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Blond – Du und Ich

Begleitend zur Single initiieren Blond gemeinsam mit Kosmos Chemnitz und Wildwasser e.V. die Ausstellung „Die Hütte der sexualisierten Gewalt“

Chemnitz: Wieder geht es um Frauenpower aus der Metropole des es Freistaates Sachsen. Nachdem Auf die Ohren sich zuletzt mit der Band Power Plush befasst hat, geht es heute um die Band Blond (Foto: Anja Jurleit), über die wir auch schon berichtet haben (hier und hier). Die beiden Bands mit mehrheitlicher weiblicher Besetzung sind gut miteinander vernetzt.

Blond haben sich mit ihrem neuesten Song und Video eines wichtigen Themas angenommen. Damit die Botschaft getreu vermittelt wird, soll hie der Pressetext zitiert werden:

Sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es wird viel zu oft mit einem Achselzucken akzeptiert, einfach weil man ständig und überall damit konfrontiert wird. Sexualisierte Gewalt ist alltäglich, das sollte sie aber nicht sein. Es gehört nicht zum normalen Leben dazu, dass man im Club an den Hintern gefasst und auf dem Nachhauseweg verfolgt wird oder einem in der Straßenbahn Kussgeräusche aufgenötigt werden und Autos im Vorbeifahren hupen. Es gehört auch nicht zum normalen Leben, dass man selbst in Beziehungen bedrängt wird und am Ende ein „Nein“ nicht reicht.“

Der Pressetext geht weiter: „Die Band Blond aus Chemnitz hat sich in ihrem neuen Song „Du und Ich“ mit diesem Thema beschäftigt und gemeinsam mit dem Wildwasser e.V. und dem Kosmos Chemnitz passend dazu die „Hütte der sexualisierten Gewalt“ erdacht. Die Eröffnung der „Hütte der sexualisierten Gewalt“ findet am 30.07. statt, zeitgleich zur Single-Veröffentlichung von „Du und Ich“ der Band Blond. Die Mitglieder:innen der Band eröffnen die Veranstaltung. Kosmos Chemnitz und Wildwasser e.V. werden an diesem Tag anwesend sein. Die Ausstellung ist täglich geöffnet. Am 08.08. findet die Abschlussveranstaltung statt, das Rahmenprogramm dazu wird der Wildwasser e.V. in Kooperation mit dem Kosmos Chemnitz gestalten.

Wildwasser e.V. ist ein Verein, der sich zum einen als Beratungsstelle für Betroffene sexualisierter Gewalt versteht, zum anderen aber auch mit Hilfe von Kinderschutzprojekten präventiv arbeitet. Der Verein agiert im Raum Chemnitz/Erzgebirge und hilft jährlich ca. 200 Betroffenen und deren Angehörigen in ca. 400 – 500 Beratungsgesprächen, wobei die Mehrheit mehr als einmal kommt. Diese Zahl zeigt, wie groß das Problem ist.

Die Plattform Kosmos Chemnitz stellt sich schwerpunktmäßig der Frage, wie wir in Zukunft in unserer Gesellschaft miteinander leben wollen.


Innerhalb der Ausstellung „Hütte der sexualisierten Gewalt“ können die Besucher:innen anonymisierte Erfahrungsberichte von Betroffenen sexualisierter Gewalt lesen. Das Häuschen wird gut sichtbar an zentraler Stelle in der Chemnitzer Innenstadt zu finden sein, denn das Problem sexualisierter Gewalt existiert ebenfalls mitten in unserer Gesellschaft.

Öffnungszeiten „Hütte der sexualisierten Gewalt“:
30.07.2021: 12:00 – 19:00 Uhr
31.07.2021 – 08.08.2021: täglich von 16:00 – 19:00 Uhr
Abschlussveranstaltung: 08.08.2021 – 16:00 Uhr

Interview mit der Band glu: zur Veröffentlichung ihrer ersten EP „Fireflies“ am 30.07.2021

glu: nennt sich ein im Jahr 2020 gegründetes Quartett aus Leipzig. Der Name ist Lautschrift und bedeutet Leim. Sängerin Charlotte (Lotti) Vogel , Max Schäfer (Git/Synth), Tim Schönherr (Bass) und Philipp Berger (Drums) legten schnell ihre ersten Singles „WYAR“ und „Circles“ vor. In den vergangenen 12 Monaten entstanden drei weitere Songs samt Videos. Liebevoll in Eigenregie produzierter Pop mit 80’s Patina. Nun gehen die Vier mit ihrer ersten EP „Fireflies“ an den Start. Im Interview erzählen sie uns, wie sie zusammen gekommen sind und beschreiben, wie ihre Musik entstanden ist.

Adohr: Hallo Lotti, Max, Tim, Philipp, am Freitag erscheint eure erste EP „Fireflies“. Wir wollen natürlich wissen, wer hinter glu: steckt und uns mit diesen schönen Melodien beglückt. Wie seid ihr zur Musik gekommen und was ist der Leim, der glu: zusammenhält, also wie habt ihr zueinander gefunden?

Lotti: Ich habe damals ein Gesuch auf Facebook gestellt und dann hat sich auch gleich Max gemeldet. Max und Tim machten schon vorher zusammen Musik und idealerweise war ein Proberaum schon vorhanden. So ging alles recht schnell und die Kennlernprobe verlief so gut, dass wir entschieden weiter Musik zu machen.

Tim: Max und ich suchten nach unserem vorherigen Projekt Flynn nach neuem musikalischen Input und dann hat sich das mit Lotti super schnell ergeben und direkt gefunkt. Als für uns feststand, dass wir das gern gemeinsam probieren wollten, stand eine erste Live-Gelegenheit in Form eines Tocotronic-Cover-Konzerts im Ilses Erika Leipzig an. Dafür haben wir dann noch jemanden am Schlagzeug gesucht und Max kam auf seinen alten Schulkameraden Philipp.

Max: Der hatte glücklicherweise Lust und die ersten Proben, die eigentlich ausschließlich für das Cover-Konzert sein sollten, liefen so, dass wir Philipp gefragt haben, ob er denn nicht dauerhaft mit uns Musik machen will.

Adohr: Mit Lotti als Sängerin und Max, Tim und Phillip an den Instrumenten habt ihr eine Besetzung, wie man sie auch bei London Grammar oder Wolf Alice findet. Was sind eure musikalischen Vorbilder und Einflüsse? Ihr habt ja auch ein tolles Cover von Don Henleys 80erJahre-Hit „Boys of Summer gemacht.

Lotti: Wir alle haben denke ich verschiedene Einflüsse. Max vor allem Roosevelt, Tim hat die alten Platten seiner Mama neu zu schätzen gelernt und ich habe schon immer viel Yazoo und Stevie Nicks gehört. Der 80s Sound kommt aber auch einfach wieder. Wir versuchen den alten Sound in einem modernen Gewand zu präsentieren.

Philipp: Wir nutzen auch einige der Synthesizer aus der Zeit im Songwriting-Prozess und das beeinflusst natürlich auch den Sound, der dann dabei rauskommt.

Adohr: Wie entstehen eure Songs? Gibt es jemanden, der den Hut beim Schreiben auf hat oder entstehen die Songs im Kollektiv?

Lotti: Es ist eigentlich immer eine gemeinsame Arbeit aber mit einem unterschiedlichen Anfang. Bei ‘No Tears’ haben wir zum Beispiel einen alten Song von meiner Singer Songwriter Vergangenheit genommen und den neu interpretiert. Im Gegensatz dazu stand bei ‘Porch’ vorher das Instrumental, welches Max noch von 2018 rumliegen hatte. Dann bringt jeder seine Ideen ein und wirkt so am Ergebnis mit.

Adohr: Die EP „Fireflies“ besteht aus 5 sauber abgemischten Songs und zu jedem Song gibt es schön anzuschauendes Video. Wer euch bei den hochwertigen Produktionen zur Seite gestanden?

Lotti: haha ja danke! … Max der Meister-Mischer hat eigentlich das Meiste an Arbeit gehabt, da er unsere Songs produziert und mischt.

Max: Die gehen dann noch für das Master an Flo Siller nach Hamburg. Mit ihm haben wir nun schon länger zusammengearbeitet und seine Ergebnisse waren immer top.

Lotti: Bei ‘Circles’ ‘WYAR’ und ‘Porch’ haben wir die Videos auch selber gestaltet. ‘No Tears’ hingegen wurde von Johannes Beese gedreht, der hat ein echtes Händchen für Ästhetik.

Tim: Unsere Fotos macht alle unser guter Freund Christian und so bleibt das eben alles noch nah bei uns, so dass wir auch guten Einfluss darauf haben können und es eben so wird, wie wir uns das vorstellen.

Adohr: Wir Musikkonsumenten haben unglaublich die Konzerte vermisst, mit anderen gemeinsam Bands und Solist:innen live zu erleben. Wie ist es euch in der Pandemie ergangen? Ihr konntet ein Konzert in den Cammerspielen Leipzig geben.

Philipp: Wir haben die Pandemie hauptsächlich fürs Songwriting genutzt. Da lief dann neben den regulären Proben in den Phasen mit etwas gelockerten Bestimmungen auch viel über Microsoft Teams und Zooms ab. Umso mehr haben wir uns dann über die Gigs bei den Cammerspielen und dem DRAN Fest, ein Konzert von unserem Label, gefreut. Und natürlich freuen wir uns nun auch auf das, was noch so ansteht.

Adohr: Eure EP ist ja nun fertig gestellt. Was sind Eure nächsten Pläne?

Lotti: Bei uns stehen noch ein, zwei Konzerte auf dem Plan, zum Beispiel am 26.07.2021 als Support-Act für KARO LYNN auf der Sommerbühne der Moritzbastei Leipzig. Da es nun hoffentlich zunehmend wieder mehr möglich sein wird, freuen wir uns auch auf noch mehr Konzerte in der Zukunft!

Und hier sind die fünf Tracks der der EP „Fireflies“

Eine schöne Mischung aus Verträumtheit, Pep, Melancholie, Swing und Glamour.

Fireflies (live)

WYAR
No Tears
Porch

Power Plush-Smth Cool

Indie-Pop aus Chemnitz

Ich will nicht nach Berlin„, sang die Band Kraftklub aus Chemnitz. Zwar erscheint Berlin als ein Mekka der Indie Musik hierzulande, egal ob von nationalen oder internationalen Künstlern, die sich in der Hauptstadt niedergelassen haben. Jedoch wird auch anderenorts sehr gute Musik produziert . Dass dieses gerade auch in Chemnitz passiert, daran hat die Familie von Kraftklub-Frontmann Kummer erheblichen Anteil. Auch seine Schwestern sind als Band Blond erfolgreich unterwegs, sie betreiben zudem das eigenes Plattenlabel „Beton Klunker Tonträger„. Bei ihnen unter Vertrag ist die Chemnitzer Band Power Plush. Das sind drei Frontfrauen, die von einem Schlagzeuger unterstützt werden. Kennzeichnend ist ihr mehrstimmiger Gesang mit wunderbaren Harmonien, ständig in der Balance zwischen Stärke und Softness. Als Vorboten ihrer im Herbst erscheinenden EP „Vomiting Emotions“ haben die vier jüngst die Single „Smth Cool“ vorgelegt.

Power-Plüsch-Pop der Generation Lost

Power Plush zu Smth Cool: „Der Song versucht Gefühle und Wünsche der unserer Generation widerzuspiegeln, welche auf ihre eigene Weise verloren zu sein scheint (Generation ‚Lost‘). ….  Ewiges wachbleiben, verschwendete Zeit an unseren Smartphones – wir fühlen uns überwältigt und verwirrt. Der Versuch mit allen, die uns wichtig sind in Kontakt zu bleiben endet häufig doch in einem tagelangen Vergessen eine Antwort zu formulieren.Stress und Überforderung in sozialen Beziehungen bestimmen den Alltag. Der Druck es weit zu bringen ist eine Konstante, welche sich durch unser Leben zieht.Mit denWorten ‚I wanna do something cool‘ zeigt der Chorus auf eine banale Art und Weise wie wir uns neben all der Ungewissheit und Verwirrung in unseren Leben eigentlich nur wünschen,dass etwas cooles passiert und wir endlich unbeschwert und glücklich alle Worries in unseren Köpfen hinter uns lassen können