Greta Isaac – Like Me

Greta Isaac wurde in einer musikalischen Familie im ländlichen Wales geboren.  Derzeit lebt sie in London in einer Wohngemeinschaft mit der Musikerin dodie und dem Musiker Martin Luke Brown, der praktischerweise auch ihr Songwriting-Partner ist. Songwriting ist und die Songs selbst zu singen, ist  ihr Metier. Schon als Kind hat sie Lieder geschrieben, oft in ihrer walisischen Muttersprache. Für die Songs ihrer EP “Pessimist”, die irgendwann im Mai 2021 erscheinen wird hat sie sich viel Zeit genommen, die Welt um sie herum und all ihre Absurditäten  zu beobachten und was sie emotional berührt, wie in einem musikalischenTagebuch zu beschreiben. Im Song mit dem doppeldeutigen Titel „Like Me“ geht es natürlich um die sozialen Netzwerke und die Jagd nach Anerkennung dur Likes. „Like Me“ , also “ so wie ich “ ist in Bezug darauf aber auch ein Stück Selbstreflexion.

„Die Message ist wahrscheinlich ziemlich offensichtlich – ich will Bestätigung bei allem, was ich tue. Trotzdem soll es sich euphorisch anhören, es soll euch erleichtern. Ich könnte den Song stundenlang hören, ich liebe ihn!“

— Greta Isaac

Singlecover

Das von ihr selbstgedrehte Video ist in puncto Setting, Outfit und Choreografie ein Hingucker. Schaut es euch an. 

„Greta und ich haben das Design zusammen entworfen. Es sollte von Unterwäsche und Korsetts beeinflusst sein, aber auch aussehen, als wäre es aus dem Haus selbst geschneidert. Ein kleidgewordener Wunsch, mit der Umgebung zu verschmelzen, in der sie gefangen ist. Das Top und der Rock sind aus Sofabezügen gemacht, andere Teile aus Autoleder und dazu kommen noch ein paar Accessoires aus gefärbter Strumpfhose.“

Stylistin Suzie Walsh

Rostam – 4Runner

Rostam Batmanglij (Foto von Jason Stone) war Gründungsmitglied von Vampire Weekend und verdiente sich seine ersten Sporen als Produzent mit deren ersten drei Alben. 2016 verließ er Vampire Weekend, um eigene Projekt zu verfolgen. 2017 veröffentlichte Rostam sein vielbeachtetes Solodebüt „Half-Light“. Wenig später produzierte und schrieb er mit und für die amerikanische Sängerin Clairo Musik für deren Debütalbum „Immunity“. Aktuell ist Rostam für seine Produktion des aktuellen Albums der Band Haim, „Women in Music Pt. III“ für einen Grammy nominiert. Dazwischen fand Rostam in den letzten drei Jahren immer wieder Zeit neue Songs für sein kommendes Album „Changephobia“ zu schreiben und aufzunehmen. .Bereits heute erschien die erste Single „4Runner“ aus dem Album.

„Changephobia“ erscheint am 04. Juni 2021. Rostam, der schwul ist, sagte, dass Gender-Fragen für ihn beim Schreiben von „Changephobia“ allgegenwärtig waren.“Ich wollte über Liebe und zwischenmenschliche Verbindungen schreiben, aber diese Beziehungen nie in einen gegenderten Kontext setzen“, erzählt Rostam. Darum geht es auch in 4Runner, der vordergründig ein Road Trip Song ist. Der Songtext wird im Video eingeblendet

Middle Kids -Stacking Cars

Heute erscheint die letzte Single des australischen Trios Middle Kids vor der Veröffentlichung des neuen Albums „Today We’re The Greatest“, das am 19.03.2021 erscheint!
Mit „Stacking Chairs“ schenken sie uns einen weiteren Song, der unter die Haut geht!
„Stacking Chairs“ ist im Kern ein Liebeslied, das der Ehe von Sängerin und Songwriterin Hannah Joy mit ihrem Bandkollegen Tim Fitz gewidmet ist, aber wie alle von Joy geschriebenen Songs wird sowohl die schönet als auch die dunkle Seite beleuchtet. 

Karin Ann -babyboy

Mit Trap für gender equality

Als Generation Z werden die von 1997 bis 2012 geboren bezeichnet.  GenZ charakterisiert sich (angeblich) durch intuitiven Umgang mit digitalen Medien, weniger Mut und Anspruch im Berufsleben als GenY und starke Politisierung mit ebenso starker Polarisierung zwischen Kosmopoliten und Anhängern von Nationalpopulisten.

Die aufstrebende slowakische Sängerin und bildende Künstlerin Karin Ann wurde von der  Online-Ausgabe der angesehenen New York Times in einem kürzlich erschienenen Bericht über Gen Z erwähnt. In dem Artikel geht allerdings darum darum, wie Billie Eilish Gedanken die Vorstellungen von Sexappeal und Modestil der GenZ prägt. Karin Ann wurde als Eijish-Fan angeführt, die mit dem Star emotional und ästhetisch solidarisch gehlt. Wie Billie Eilish habe sie lange Zeit Zuflucht in weiten Hemden und Kapuzenpullis gesucht, noch  bis vor kurzem tendierte sie zu dunkelnt oder unscheinbaren Klmotten.“Ich wurde gemobbt“, erzählte Karin Ann dem New Yorker. „Die Leute haben versucht, mich dafür zu diskreditieren, dass ich jung bin oder manchmal nur ein Mädchen.“ In den letzten Monaten habe sie, so wird im Artikel berichtet, ihre düstere Tarnung zugunsten von bunten Trainingsanzügen und passenden Schuhen aufgegeben.

Zwar dient Kleidung seit jeher mit der auch dazu, gesellschaftliche Zugehörigkeit und  Einstellungen zum Ausdruck zu bringen. Billi Eilish und Karin Ann haben zurecht  damit gebrochen, dass Frauen Sexappeal in den Vordergrund stellen müssen, um anerkannt zuwerden. Karen Ann ist aber, insbesondere als Künstlerin, keine Kopie von Billie Eilish, auch wenn sie vielleicht  ihre Haarfarben in gleichem Maße wechselt. 

„Ich möchte als mehr als nur ein Sänger angesehen werden, weil es so viele Themen gibt, über die gesprochen werden muss.“

Karin Ann

Man wird ihr mit diesen Vergleichen nicht gerecht. Sie hat ihre eigenen Vorstellung, wie die Welt gestaltet sein soll, und setzt sich mit ihrer Musik dafür ein . So sind ihre Ziele u.a. gender equality und die Gleichstellung von LGBTQ. Dabei ist zu berücksichtigen, dass dies in ihren Heimatland schwerer ist, als anderswo. Die  Slowakei ist ein Land , in dem die katholische Kirche noch einen starken Einfluss hat und mit ihren Vorstellungen von der Rolle der Geschlechter und der Ablehnung von allem, was nicht unter binäre Sexualität fällt, die Gesellschaft prägt. In ihrem  Video “Babyboy” kehrt Karin das typische Diskriminierungsmuster um. Ein weißer Mann wird das Opfer von Sexismus und Rassismus.

“So sehr die Leute gerne sagen, dass sich die Welt im letzten Jahrhundert drastisch verändert hat und dass wir in einer Welt voller Chancengleichheit für alle leben, denke ich, dass 2020 uns wirklich gezeigt hat, wie viel Lüge das ist. Viel Gleichheit in dieser Welt ist nur zur Veranschaulichung, aber wenn es darauf ankommt, müssen wir uns immer noch mit der gleichen Diskriminierung auseinandersetzen, mit der wir uns schon immer befasst haben. Menschen werden immer noch aufgrund ihrer Rasse, sexuellen Orientierung, Religion oder ihres Geschlechts diskriminiert, und wir müssen dem ein Ende setzen. Ich glaube an eine Welt voller Liebe und Gleichheit und wir sind die einzigen, die eine solche Welt schaffen können.”

Karin Ann

Wolf Alice -The Last Man On Earth

Ellie Rowsell (Gesang, Gitarre) und ihre Band Joff Oddie (Gitarre, Gesang), Theo Ellis (Bass) und Joel Amey (Schlagzeug, Gesang) zählen als Wolf Alice seit ihrem  Debütalbum “My Love Is Cool” aus dem Jahr 2015 zu den hörenswertesten  Rock-Formationen Großbritanniens (Foto: Jordan Hemmingway). Ihr zweites Album “Visions Of A Life” wurde  2018 mit dem  Mercury Award dekoriert. Weltweit spielte die Band mit Visions Of A Life 187 Shows und erhielt  eine GRAMMY-Nominierung für die beste Rock-Performance.  Da ist es eine Herausforderung, mit dem 3. Album an diese Erfolge anzuknüpfen und die hohen Erwartungen zu erfüllen. Wolf Alice zogen sich ins ruhige  Somerset zurück, Ellie Rowsell schrieb Songs und es wurde Markus Dravs (Arcade Fire, Björk, Brian Eno, Florence + The Machine) als Produzent für die Aufnahmen in einer umgebauten Kirche engagiert.

Heute Abend kündigten Wolf Alice ihr neues Album “Blue Weekend” für den 11. Juni 2021 an und teilten daraus die erste Single “The Last Man On Earth”. Es ist ein klasse Song , der schön sphärisch beginnt und zum Ende volle Wucht entwickelt. Wen die anderen Songs auf Blue Weekend ähnliche Qualität haben, dann sieht es gut aus, dass die Erwartugen erfüllt werden.

Ellie Rowsell erklärt, wer der titelgebende The Last Man on Earth ist: „Es geht um die Arroganz der Menschen. Ich hatte gerade Kurt Vonneguts Cat’s Cradle gelesen und die Zeile ‚Peculiar travel suggestions are dancing lessons from god‘ in meine Notizen geschrieben. Aber dann dachte ich: ‚Äh, dein merkwürdiger Reisevorschlag ist keine Tanzstunde von Gott, es ist nur ein Reisevorschlag! Warum muss alles immer etwas mehr bedeuten als es ist?'“

Sydney Sprague macht Musik für das Ende der Welt

Sydney Sprague macht Musik für das Ende der Welt.

Sydney Sprague gehört zu den jungen amerikanischen Singer / Songwriterinnen, die wie Phoebe Bridgers, Mitski, Eva Hendricks oder Soccer Mommy dem gitarren-verliebten Indie-Rock/ Indie-Folk eine weibliche Prägung geben. Die 28-jährige aus Phoenix, Arizona, wurde von ihren Eltern ermutigt, sich frühzeitig dem Songwriting zu widmen. Ihre  Jugendzeit verbrachte sie  damit, allein in ihrem Zimmer zu träumen (liebevoll dekoriert mit Britney Spears und * NSYNC-Postern) und unwissentlich ein Talent zu entwickeln, das letztendlich zu ihrer zukünftigen Musikkarriere führen würde. Mit ihren kraftvollen Debütalbum „maybe i will see you at the end of the world“ setzt sie jetzt eine Marke.

Auf der Basis von vertrauten, dennoch überraschenden Hooks und knallharten, aktuellen Texten entwickelt sich Spragues Songwriting. Große E-Gitarren und eine noch größere Stimme verleihen Sprague eine unverkennbare Ausstrahlung, mit der sie an weibliche Rock-  und  Popgrößen – von Hayley Williams bis Avril Lavigne – anknüpfen kann.

Für die  Produktion von „maybe i will see you at the end of the world“ gelang es ihr  Sam Rosson zu gewinnen, der auch schon Death Cab for Cutie produziert hat. Die Aufnahmen dann tatsächlich in der Hall of Justice (Seattle, WA), Chris Wallers Studio, statt. Das Album  hat zwar einen  apokalyptischen Titel. es ist aber  nicht in der Quarantäne von 2020 entstanden. Vielleicht hilft es aber, mit unserer neuen Realität umgehen können.

Ihre Debüt-LP, „maybe i will see you at the end of the world“  – mit den Singles „Steve“, „Quitter“ und „Object Permanence“ – wird am 26. Februar 2021 über Rude Records veröffentlicht. Mein Anspieltipp: „irefuse to die“

object permnence
steve
quitter
i refuse to di
staircase failure

Castillo – Lady Gasoline

Mit „Lady Gasoline“ zeigen sich die Hamburger Newcomer Castillo (Foto: chap@chap.caplin) als smarte und gewiefte Songwriter, die sich nicht vor dem ganz großen Refrain fürchten. Mit einer mächtigen Portion Soul Ist „Lady Gasoline“ ein vielversprechender Track des Duos.

Dazu haben Castillo auch noch eine wichtige Message. Hier in den Worten der Band:

„Wer heute noch „Pussy“ als Schimpfwort benutzt, hat ein Problem – und ist leider doch in guter Gesellschaft. Weil es hier nur zwei Bilder gibt und alle, die da nicht hineinpassen, zu Märtyrer*innen werden müssen, um sie selbst zu sein. Wir haben das so satt. Wir wollen neue Bilder. Bilder, die nicht konstruieren, sondern inspirieren. Bilder, die Raum geben. Bilder, die frei machen und zeigen, dass Ich-Sein nicht die Bürde eines/einer Einzelnen, sondern das Privileg unserer Gesellschaft ist.

Der Aphorismus, der Max Leßmann, Autor, Podcaster und guter Freund der Band dazu einfiel, ist auch nicht schlecht: „Zu leben, als gebe es nur eine Art zu lieben, ist zu leben, als gäbe es nur eine Art von Blumen und ich habe rote Rosen nie gemocht.“ 

Alice Phoebe Lou – Dirty Mouth

Alice Phoebe Lou mit zweitem Song aus dem neuen Album „Glow“ (VÖ: 19.03.21)

Ich freue mich wahnsinnig auf das neue Album von Alice Phoebe Lou, mit dem die ehemalige Straßensängerin nach „ORBIT“ und Paper Castles ihre Erfogsgeschichte fortsetzt. Seit ich sie live auf der Bühne erlebt habe, bin ich Fan.Am Freitag präsentierte Alice Phoebe Lou ihre wundervolle neue Single „Dirty Mouth“.

Den Track beschreibt Alice am besten mit eigenen Worten :„‘Dirty Mouth‘ ist ein Upbeat-Punk-Banger mit einer Badass-Attitüde, der dich anfleht, nackt in deinem Zimmer zu tanzen und herauszuschreien, was du wirklich fühlst. Die Worte stammen aus einem ungehemmten Teil von mir, den ich oft durch Manieren, Freundlichkeiten und Höflichkeit verstecke. Es ist ein großer, lächelnder Mittelfinger an die Männer, die mich runtergezogen, benutzt und auf eine Weise verletzt haben, die mich Jahre gekostet hat, zu heilen. Ich frage nach dem, was ich will. Sage, wie ich mich fühle. Halte mich nicht zurück. „

Das schöne, selbstgemachte Video hat Alice in ihrer Heimatstadt Kommetjie, Südafrika gedreht.

AEIOU – Trigger

Unter einem Trigger versteht man in der Psychologie einen Auslöser, der eine Empfindung oder einen Affekt auslösen kann. Jeder weiß, wie es sich anfühlt, von einem Ereignis oder von einer Person getriggert zu werden. Das Herz setzt einen Moment aus, die Kontrolle geht verloren.

AEIOU, die Synthie Pop Band aus der Schweiz, bestehend aus  Keyboarder Oli Kuster, Sängerin Karin Ospelt und Drummer Kevin Chesham, verbringen den Lockdown im Studio. Was dabei entstanden ist, hört man in der neuen Single „Trigger“: 

„And now it’s already dark.“

Trigger beginnt in der Atmosphäre warmer, harmonischer Synthesizer, bevor die erste  Gesangslinie mit unendlichen Reverbs in depressive Gedanken eintaucht. Ein dumpfen Beat folgt diskret und bringt den Song in eine dunkle Stimmung. 

Aloa Input – Make It Rain

Heute kam mit “Make it Rain” die zweite Single nach „Desert Something“ aus dem kommenden Album von Aloa Input heraus. Aloa Input ist sowas, wie die Münchener Supergroup des Krautpops. Ihre Mitglieder kommen aus den bekannten und wegweisenden Bands bajuwarischen Bands  “The Notwist” (Cico Beck), “Angela Aux” (Florian Kreier) und “Missent To Denmark” (Markus Grassl).

In “Make It Rain” erzählt eine anonyme Protagonistin von ihrer Umwandlung zu einem Fisch. Der Song nimmt gleichermaßen Bezug auf Kafkas „Die Verwandlung“ und Donna Haraways Konzept “des sich-verwandt-machens”. Eine sanfte Mischung aus Grunge und Folk, mit wunderschönen Mellotron-Streichern und einer comic-artigen Hangover-Stimmung am Ende. Den harmonischen Gesang kriegt Damon Albarn nicht besser hin.

Das Album wird „Devil ́s Diamond Memory Collection“ heißen.