Lazy Lizzard Gang – Flugblätter feat. Alligatoah

Die Pandemie drückt alle anderen dringlichen Themen in den Hintergrund. Nicht damit abfinden wollen sich Og Kush Salamanda, Old dirty Waran, 1 Schuppenkriechtier, Lil Lizzy, Turnup Turtle, Crocodile Ganja, Killa Komodo und Fresh Gecko, bekannt als die Rap-Crew Lazy Lizzard Gang. Schon seit 2015 und so auch jetzt veröffentlicht das mixed-gender Rap-Kollektiv in den Echsen-Kostümen Tracks, die sich mit Nachhaltigkeit und Naturschutz befassen (Bild: Vincenz Neuhaus)

Das neue Album „Erde“ von der Lazy Lizzard Gang erscheint am 22. Januar 2021

Es geht um Vielfalt statt Überfluss, Verantwortung statt Macht, Kreisläufe statt (Einbahn-)Straßen. Oder wie reimen die Lizzards: 

"Ihr zieht alles aus der Erde und sie leidet, Millionen Jahre bis sie wieder heil ist, 
sei dir bewusst, was sie für dich bereit hält, die Einsicht, dass du ein Teil vom Kreis bist"
(aus dem Song Erde von LLG)

Für die zweite Single “Flugblätter” aus dem kommenden Album “ Erde” hat sich die Lazy Lizzard Gang, wie passend, mit Alligatoah zusammengetan. Dazu gibt es ein tolles animiertes Video, das den Kampf gegen die Betonwüsten mit Gießkannen und Pflanzensamen zeigt.

Grandson – We Did It

Grandson könnte dem einen oder anderen durch die neue deutsche Netflix Serie „Barbaren“ bekannt sein, wo seine bisher erfolgreichste Single „Blood // Water“ (über 200 Millionen Spotify Streams) im Trailer zu sehen ist. Grandson ist das Pseudonym des kanadisch-amerikanischen Alternative-Künstlers Jordan Benjamin. Er nimmt Elemente von Rock, Hip-Hop und Ansätze elektronischer Musik und kombiniert sie, um Geschichten davon zu erzählen, wie man die Kontrolle über sein eigenes Leben zurückgewinnt. Das Video zu der letzten Single „We Did It“ visualisiert genau dies trefflich.

„We Did It“ ist die jüngste Auskopplung aus den Debütalbum „Death of an Optimist„, welhes am 04. Dezember erscheint.

Alben der Woche (Teil 1)

Common – „A Beautiful Revolution Pt. 1.“

Foto: Armin Ramzy

In den USA treibt der politische Lagerkampf auf einen Höhepunkt zu. Bei der Präsidentschaftswahl am kommenden Dienstag geht es um nichts weniger als die Entscheidung, ob der liberale Teil der amerikanischen Gesellschaft  wieder die Oberhand gewinnt oder das Land noch tiefer in einen reaktionären Nationalismus, geprägt von weißen Männern, abrutscht. Sollten Trump/Pence an der Macht bleiben, ist nicht erkennbar, dass irgendwas geschieht, um die massive Benachteiligung von Minderheiten z. B. bei der Krankenversorgung oder durch Rassismus zu beseitigen. Gewinnen Biden/Harris besteht immerhin ein Funken Hoffnung auf Änderung.

„Beautiful Revolution Pt. 1. ist Bestätigung. Es ist Anerkennung. Es ist Erhebung. Es ist Musik, die zu einer Bewegung passt. Denn die Wahrheit ist, gibt es noch so viel zu tun. Unabhängig vom Wahlergebnis müssen wir sicherstellen, dass die Dinge nicht zum Status quo zurückkehren. Die Absicht der Musik ist es, all unseren Schmerz und unsere Empörung in etwas Produktives, Inspirierendes und Gutes zu lenken. Es soll helfen, eine Bewegung in unsere nächste Phase der zu erledigenden Arbeit zu führen.“

Common

Genau in dieser Situation kommt der Rapper Common, ein Hip Hop-Urgestein, Grammy-, Emmy- und Oscar-gekrönten Künstler, mit dem durch und durch politischen Album „A Beautiful Revolution Pt. 1. „. In sieben Tracks eingeraht von einem Intro und einem Outro beschreibt er die desolaten gesellschaftlichen Bedingungen für seine schwarze Community, aber auch ihre Forderungen und Hoffnungen. Musikalisch ist die Mischung aus Rap, Hip Hop, R&B und Jazz genau so hochkarätig, wie die Band, die er um sich geschart hat. Zur Band des Albums gehören Robert Glasper (Keyboards), Karriem Riggins (Schlagzeug), Burniss Travis (Bass), Isaiah Sharkey (Gitarre) und PJ (Gesang), sowie die Gäste Black Thought (The Roots) und Lenny Kravitz.

Das Cover-Bild von A Beautiful Revolution Pt. 1’s“ (s.o.) basiert auf der Fotografie des Ghanaischen Fotografen und Künstlers Derrick Boateng

Common ruft nicht zur blutigen Revolution auf. „A beautiful Revolutiom“ findet im Innern statt, beginnt mit Veränderungen des Denkens und der Einstellungen und kommt ohne Gewalt aus, wie er im Outro deutlich macht. Der Track “A Place In This World“ ist Teil von Michelle Obama’s Initiative “When We All Vote”, in der sie zur teinahme an der Wahl aufruft. Die früheren First Lady hebt dies auf Instagran hervor: https://bit.ly/2HFI8KB

SHARKTANK – Washed Up

Hier kommt ein schönes Stück Musik aus Österreich. Was kann man als Hintergrundinfo zu dem neuen Projekt Sharktank (Foto von Aaron Hader) berichten? Marco Kleebauer ist eine Hälfte des österreichischen Elektropop-Duos Leyya (zusammen mit Sophie Lindinger) Marco ist auch als Produzent tätig, nicht nur für Leyya, sondern auch für Bilderbuch und die fantastischen Newcomer Oehl. Ein weiterer Protagonist ist der Grazer Rapper Mile. Mile war für Aufnahmen zu einem Soloprojekt Gast im Studio bei Marco Kleebauer und es stand die Idee, etwas gemeinsam als band zu machen. Was fehlte war Gesangsstimme und so kommt als Dritte Katrin Paucz ins Spiel. Die gerade zwanzigjährige Katrin singt in der Liveband von Oehl. Sie ist ein herausragendes Talent und stellt hier gleich beeindruckend unter Beweis, dass sie nicht nur am Instrument, sondern auch mit Text und Gesang ein „Händchen“ besitzt

Videopremiere

Bluthund – Bye bye Irokesengang

Bluthund sein teilt heute sein Video zu „Bye bye Irokesengang“

„Die Quarantäne killt dein‘ vibe? Hier der Soundtrack für den Lockdown“, so kündigte die Newcomer-Band BLUTHUND aus Berlin ihre grandiose Debut-Single „VIBEKILLAHan und erfanden gleich das passende neue Genre dazu: Stromgitarrenwut-Rap. Jetzt kommt der Nachfolger „BYE BYE IROKESENGANG„, eine Hommage an Pussy Riot und Refused, gemischt mit Deutschrap. BLUTHUND entladen ihre aufgestaute Wut. Putin köpft Pussy Riot und keinen juckt’s – denn – Zitat – „uns jehts doch jut im deutschen Land“. 

Hier ist ganz frisch das Video

Album der Woche

Run The Jewels – RTJ4

„Ich habe nichts Positives zu sagen“, verkündete Michael Render (Killer Mike) am 29. Mai bei einer Pressekonferenz in Atlanta, drei Tage nachdem ein weißer Polizist neun Minuten lang sein Knie auf den Hals des kurz darauf verstorbenen George Floyd gestemmt hatte. „Er starb wie ein Zebra in der Umklammerung eines Löwenkiefers“, sagte der riesige Render weiter unter Tränen. Er sei „höllisch wütend“ und es sei an der Zeit, das „ganze System, das systemischen Rassismus ermöglicht, in Grund und Boden zu brennen“.

Foto: Tim Saccenti

Der insgesamt elf Songs in 40 Minuten umfassende Longplayer mit dem schlichten Namen „RTJ4“ sollte am 05. Juni via Jewel Runners/ RBC/ BMG erscheinen. Aufgrund der aktuellen „Black Lives Matter“- Proteste nach dem Tod von George Floyd durch weiße Polizeigewalt haben Killer Mike und Jaime Meline (El-P) von Run The Jewels am 03. Juni folgendes erklärt: “Fuck it, why wait? The world is infested with bullshit so here’s something raw to listen to while you deal with it all. We hope it brings you some joy. Stay safe and hopeful out there and thank you for giving 2 friends the chance to be heard and do what they love. With sincere love and gratitude, Jaime and Mike.” und das Album ab sofort auf ihrer Website zum Gratisdownload angeboten.  Beim Gratisdownload hat man die Möglichkeit freiwillig an den „National Lawyers Guild Mass Defense Fund“ zu spenden, der Demonstranten und Aktivisten zu Gute kommt. 

https://uk-preorder.runthejewels.com/collections/rtj4

Hochkarätige Allstar-Gäste

Auf RTJ4 ist eine Riege namhafter hochkarätiger Gäste, wie Pharrell Williams, Mavis Staples, 2 Chainz, Zack de la Rocha, Josh Homme, DJ Premier und Greg Nice zu hören. Zwischen all diesen Gastauftritten überbieten sich El-P und Killer Mike mit sprachgewaltigen Rhymes, einer Portion Galgenhumor und einer Menge Wut und Verzweiflung, beide jeweils aus ihrer weißen und schwarzen Perspektive.

Sklavenhalter auf Dollarscheinen

Nun könnte man annehmen, das Album sei schnell zusammengeschrieben worden, um auf auf die aktuellen Unruhen in den USA zu reagieren. Dem ist aber nicht so. RTJ 4 ist das Ergebnis von zwei intensiven Jahren Songwriting. Killer Mike und El-P reflektieren die Welt wie sie ist und nehmen wahr, dass der Rassismus, der sich nicht zum ersten Mal in besonders widerwärtiger Gewalt offenbarte, eine traurige Kontinuität hat. So lassen sie in „JU$TPharell Williams und den zorndurchtränkten Rage-Against-The-Machine-Sänger Zack de la Rocha sich abwechselnd dazu auffordern, mal all die Sklavenhalter auf den Dollarscheinen anzusehen.

Liberale Twitter-Rants reichen nicht

Dass es mit der Ablösung des ersten schwarzen Präsidenten Barak Obama durch den unsäglichen Trump nicht besser wird, war absehbar. Die politisch denkenden RTJ weisen aber auf den Missstand hin, dass Rassismus strukturell in der Gesellschaft angelegt ist. Auf „Walking In The Snow“ regt sich El-P über den weißen Trump-Wähler aus der Unterschicht auf. Und Killer Mike hält ihm dafür den Spiegel vor – auf weiße Liberale wie ihn sei am Ende schließlich auch kein Verlass: „You so numb you watch the cops choke out a man like me / Until my voice goes from a shriek to a whispered ‚I can’t breathe‘ / And you sit there, in house, on couch, and watch it on TV / The most you give’s a Twitter rant and call it a tragedy.“

Auch ohne die die aktuellen Ereignisse hätte man konstatiert, dass Run The Juwels ein gutes wütendes , aber humorvolles Album gemacht haben, das auch Menschen anspricht, die sonst keine ausgesprochenen Hip-Hop -Fans sind. Angesicht der Situation kommt man an dem Album nicht vorbei.

Der Wiener Rapper Edwin veröffentlicht sein Debütalbum „SLEBEN“

Edwin – Foto: Katrin Schmirler

Um den Trap von Edwin einordnen zu können, muss man seine Wurzeln kennen. Er ist geboren und aufgewachsen im 21. Wiener Gemeindebezirk. Die Stadt prägt sein kreatives Schaffen. Nach Edwins ersten EP 2017 mit der Homage an seine Heimatstadt „In dir“ folgte 2018 das „Bahoe Tape“ und brachte die Single „Schmäh Olé“ in die FM4-Rotation. Fruchtbar war auch die Kollaboration „Allegro“ mit Freund und Labelkollegen (FutureFuture) Jugo Ürdens, der ebenfalls in Wien aufwuchs.

Auf seinen am 05.06. erschienenen Debüt-Album SLeben rappt Edwin über die schleppenden Rhythmen und tiefen  808 Bassdrums des Produzententeams Food 4 Thoughts mit viel Wiener Schmäh und lässig eingestreuten Anglizismen. So wie s Leben ist, gehts um Substanzen, langer Nächte und filmreife Rendezvous.

Neues Video: LASS SIE REDEN feat. HUNNEY PIMP

Neben der Ende 2019 veröffentlichten Single „6 Gänge Menü“ und der von Anfang 2020 „Aquarium“,  enthält SLeben die grandiose Zusammenarbeit mit der Dialekt-Rapperin und Wahl-Wienerin HUNNEY PIMP. Das Video zu „Lass sie reden“ ist seit den 04.06. auf Youtube zu bestaunen .

RUN THE JEWELS – OOH LA LA

Vorsicht, nach diesem Video-Clip hat man bestimmt einen Ohrwurm, den man tagelang nicht los wird (OOH LA LA, Ah, Qui Qui). Run The Jewels veröffentlichen mit dem Clip zu ihrer aktuellen Single „Ooh La La (feat. Greg Nice & DJ Premier)“ das erste Musikvideo aus ihrem neuen Album „RTJ4“. Das Video wurde Anfang März kurz vor dem Lockdown als beißende Kapitalismuskritik gedreht. Mit Cameos von den beiden Hiphop-Legenden Greg Nice und DJ Premier sowie Rage Against The Machine-Frontmann Zack de la Rocha. 

„Der Clip entstand nur wenige Wochen bevor die Pandemie alles lahm legte und sich noch nicht im Geringsten abzeichnete, was die Folgen wären. Die Tatsache, dass wir die Chance bekamen, ist rückblickend ein echtes Wunder“, so das Duo. „Als wir uns gemeinsam mit unseren Freunden Brian und Vanessa Beletic eine Handlung überlegten, stellten wir uns die Welt an dem Tag vor, an dem dieser seit Ewigkeiten andauernde Klassenkampf endlich sein Ende findet. Ein Tag, an dem Menschlichkeit, Mitgefühl und Zusammenhalt über die menschengemachten Kräfte eines rücksichtslosen Systems siegen würden, die uns trennen.“

Der besagte Ohrwurm ist übrigens ein Sample aus Gang Starrs „DWYCK“ von 1994, in dem die Rap-Duo-Vorgänger Nice & Smooth von Run The Jewels zu sehen waren. Darin rapt Nice die Line “Ooohh la la, ah oui oui, I say Muhammad Ali.”

Gestatten: Der SILK MOB

SILK MOB rollen mit ihrem selbstbetitelten Album einen optimal entschleunigten Soundteppich aus (VÖ: 27.03.2020)

Man könnte meinen SILK MOB seinen Propheten, denn sie   liefern den perfekten Soundtrack für die aktuelle Quarantäne-Zeit. „Heute ned“ fordert dazu auf, einfach mal alles abzusagen, daheim zu bleiben und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Auch die zweite Single „Fenster zu“ widmet sich dem Innehalten und Zuhause bleiben, „Ich sitze fest, ich geh nicht raus, die Türe zu, die Fenster auch“, lautet das Motto, das jetzt überraschend zutreffend die Lage der Welt beschreibt.

„Der Silk Mob, den man getrost als Untergrund-Supergroup No.1 beschreiben kann, (…) setzt auf Entspannung und hält wenig von Hektik, egal ob in den Lyrics oder im Beat.“

Juice

SILK MOB, das sind fünf talentierte Künstler aus Wien, die mit dem üblichen Deutschrap -Zeug aus der Hitparade nichts zu tun haben. Die neue Supergroup aus Austria setzt sich aus den Untergrund-Ikonen Donvtello und Opti Mane, Wiens Harmonien-Champion Jamin und den über jeden Zweifel erhabenen Producern Lex Lugner und Fid Mella zusammen. Am Freitag (27.03.2020) wird ihr selbstbetiteltes Album erscheinen. Uns erwarten fünf Tracks mit analog eingespielte Gitarren, Keys und Drums und Lyrics, die vom guten Leben, ausuferndem Genuss und Chill-Hideouts fernab aller Hektik erzählen.

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Antilopen Gang – Bang Bang

Wenn ein Rap-Track Bang Bang heißt, dann weiß man gleich worum es geht. Sex ist im Rap meistens genau wie Geld oder Ruhm nur ein weiteres Instrument, die eigene Krassheit unter Beweis zu stellen oder andere zu erniedrigen. Zwar das ist nicht nur im Rap so, sondern eigentlich überall. Für so machen männlichen Rapper zieht aber, dass man sich als hypermaskuline, perfekt funktionierende Potenzmaschine inszenieren kann.

Außerdem kann man so schön politisch unkorrekt texten. Je häufiger man als sexistisch gebrandmarkt wird, umso besser. Ganz nach dem Motto, viel Feind viel Ehre. Rapper schaffen somit einen eigenen Frame, in dem das gesellschaftlich nicht (mehr) Tolerierte (oder Kaschierte) zur Norm erhoben und von den Fans gutgeheißen wird. Zum Glück gibt es da auch Gegenbewegungen sowie viele starke Frauen, die auch die Rap-Szene immer stärker bestimmen. Auf die eigene Weise unkorrekt gegen den den beschriebenen Rap-Codex verhalten sich die Rapper der Antilopen Gang. Die neue Antilopen Gang-Single „Bang Bang“ berichtet lässig, aber überraschend und explizit von

Antilopen Gang schwimmt gegen den Strom

den Problemen und Unsicherheiten, die sich aus dem komplexen Geflecht erster sexueller Erfahrungen, Geschlechterrollen und den Erwartungshaltungen in der Clique zwangsläufig ergeben.

Die heute erschienene Single Bang Bang ist die nächste starke Auskoppelung, mit der die Antilopen ihr kommendes Album teasen. Das neue Antilopen Gang-Album „Abbruch Abbruch“ erscheint am 24. Januar 2020.