neu & gut: The Dove & The Wolf – Queens

The Dove & The Wolf ist ein alternatives Folk-Pop-Projekt der beiden Französinnen Paloma Gil und Lou Hayat, die schon als Teenager in Paris zusammen musizierten. Zunächst coverten sie ihre Lieblingsbands Muse oder System of a Down. Doch schon bald schrieben sie eigene Musik und brachten 2012 ihre erste selbstbetitelte EP als The Dove & The Wolf heraus. Der Name ergibt sich aus einer annähernden mehrsprachigen Übersetzung ihrer Vornamen. Die Taube wird in Spanien Paloma genannt und Lou klingt fast so wie das französische Wort Loup für Wolf.

2014 tourten die beiden Frauen durch die USA. Sie erkoren Philadelphia zu ihrer Wahlheimat. Dort ließen sie sich nieder, um ihre zweiten EP (The Words You Said) fertigzustellen. Das Duo musste jedoch zunächst nach Paris zurückkehren, weil ihr Visum Mitte 2015 auslief. Es dauerte einige Monate bis ein neues Visum ausgestellt wurde und so bekamen sie die Terroranschläge von Paris im November 2015 mit. Diese Tragödie beeinflusste das Songwriting für ihre nächste EP mit dem Titel „I Don’t Know What to Feel„, die sie in Philadelphia aufnahmen im März 2017 veröffentlichten.

Am 3. Mai 2019 werden The Dove & The Wolf ihr Debüt-Album mit dem Titel „Conversations heraus bringen. Vorab erschien nun die Singel Queens, wobei nicht Königinnen, sondern der Stadtteil New Yorks gemeint ist. Paloma Gil und Lou Hayat verschlingen darin ihr Gitarren-Spiel und ihre Vocal-Harmonien zu einem luziden Dream-Pop.

Bei den Aufnahmen erhielten sie prominente Unterstützung. Das Album wurde, wie auch schon die EP „I Don’t Know What to Feel“, wieder von Dave Hartley, dem Bassisten von „The War On Drugs“ produziert. Die Basslinie in Queens könnte auch in einen Stück von WOD bestehen, was daran liegt, dass Dave Hartley auch den Bass bedient. Mit von der Partie waren ebenfalls WOD-Mitglied Charlie Hall (Percussion) und am Schlagzeug Craig Hendrix, der als Producer und Schlagzeuger bei „Japanese Breakfast“ genügend Erfahrung mit dem Genre Dreampop hat.

In dem Video zu Queens werden Wohnlandschaften gezeigt, in die sich die beiden Sängerinnen zwar mit ihrer farblich perfekt abgestimmten Kleidung harmonisch einfügen, aber sukzessive immer mehr Chaos verbreiten. Dies mag ein Bild dafür sein, dass in dem Nomadenleben der beiden, nie lange an einem Ort, ständig pendelnd zwischen Paris, New York und Philadelphia kein Platz für eine allzu heimelige Wohnung ist.

Alice Phoebe Lou-Something Holy

Die junge Sängerin und Songschreiberin Alice Phoebe Lou mit südafrikanischen Wurzeln (geb. 1993 in Kapstadt) zog es schon früh in die Welt hinaus. Mit 18 verließ sie ihre Heimat Richtung Europa, zunächst nach Amsterdam. Dort lebte sie als Straßenkünstlerin und verdiente ihr Geld mit Feuertanz. Bald verschlug es sie, wie so viele Künstler, in den Hotspot Berlin. Sie besann sich auf ihr Talent als Singer/Songwreiterin. Gitarre und Piano hatte sie sich autodidaktisch beigebracht. Mit akkubetriebenen Verstärker für Gitarre und Mikrofon konnte man Lou an der U-Bahn Station Warschauer-Straße bei Straßenkonzerten zuhören. 2016 erschien ihr Debüt-Album „Orbit“, welches sie selbst finanzierte. Bewusst  entschied sie sich gegen Angebote einiger namhafter Plattenfirmen für das  kleine  Label „MOTORMUSIC“ und gegen einen festen Plattenvertrag, weil sie gegen die Kommerzialisierung ihrer Musik ist.  Mit „Something Holy“ gelingt Alice Phoebe Lou ein zartes, auch textlich wunderbares Liebeslied, welches leicht jazzig rüber kommt.

Bilderbuch- Mea Culpa

Gestern erreichte mich auf Facebook die Nachricht, dass Bilderbuch unerwartet ein neues Album veröffentlicht haben, Mea Culpa habe ich  sogleich auf Spotify durchgehört. Es ist tatsächlich eine gelungene Fortsetzung des Sound, der für Bilderbuch steht. Falco mit Auotune, Gitarrengegniedel  a`la Dire Straits und immer wieder schaut Prince um die Ecke. Das wird aber nicht langweilig, weil den Jungs immer wieder neue Variationen einfallen. Die Texte befassen sich  wieder mit Sex, viel Drogen, Suche nach der Liebe sowie Internet. Den Themen fehlt etwas Dringlichkeit. Ob das für alle Zukunft reicht, bleibt abzuwarten. Aber bei Bilderbuch zählt eh mehr die tanzbare Musik und der Schmäh. Davon gibt es auf der Platte reichlich. Gut haben mir die Intros der Stücke gefallen, die irgendwie immer auf den vorige Track Bezug nehmen und  zum nahtlosen Durchhören des Albums anregen. Auf diese Weise übergeht man auch nicht das wunderbar jazzige Instrumentalstück „Emotion“. Also Shuffle-Modus beim streamen abstellen.

Mir gefällt am besten der Track Memory Card.

Razorlight – Carry Yourself

Razorleight sind zurück, das bedeutet in diesem Fall, Nullerjahre-Nostalgie mit Gute-Laune-Garantie. Der größte Erfolg der englischen Band Razorlight um den Frontmann Johnny Borrell  war der Song „America“ aus dem Jahr 2006. Nunmehr hat egozentrische Borell die Band mit neuen 

Leuten wieder erweckt. Am  26.10. 2018 erschien das Album „Olympus Sleeping„. Wenn das keine Selbstironie ist, im Prolog darf Adam Green  als Aladdin einen Wunsch vortragen: „Genie? This is Aladdin / Print me a Razorlight album that doesn’t totally suck!“

Ich habe die fröhliche Vorab-Single „Carry Yourself“ ausgewählt. Diese erregt spätestens dann volle Aufmerksamkeit , wenn in der Mitte ( bei etwa 2:20) ein Gitarren-Riff von James Bay erklingt.

Big Thief- NPR Music Tiny Desk Concert

Da wir bei   The War On Drugs schon bei elegischer Gitarrenmusik waren, die Band Big Thief besticht Big Thief durch das Gitarrenspiel ebenso wie durch die  der atemberaubenden Stimme von Adrianne Lenker. „Masterpiece“ ist das erste Lied in diesem Tiny Desk Concert sowie das bekannteste Stück von Big Thief.

Tiny Desk Concerts ist eine Videoserie von Live-Konzerten, die von NPR Music am Schreibtisch von All Songs Considered Moderator Bob Boilen in Washington, D.C. aufgenommen werden. Die Reihe ist eine Quelle hörenswerter Musik.

The War On Drugs – Thinking Of A Place

Mal angenommen, du hast eine lange Autofahrt vor dir und keine Lust mehr, wieder deine Bob Dylan -, Neil Young- , Tom Petty- oder Bruce Springsteen-CDs zu hören, dann ist das 2017 erschienene Album A Deeper Understanding jetzt genau der richtige Stoff für dich. Die Band The War On Drugs wurde 2005 von Adam Granduciel und Kurt Vile gegründet. Der musikalische Stil der Band ist mehr traditioneller Rock als Alternative, passt aber trotzdem in die heutige Zeit.  Auf den ersten Höreindruck altbacken offenbart „A Deeper Understanding“ mit jedem Durchlauf Details, die man dieser Art von Musik nicht zugetraut hätte (Yan Vogel , laut.de). Das schöne melancholische Stück “ Thinking of a place“ ist fast 12 Minuten lang. Da kommt man nachts auf der Autobahn schon einige Kilometer weit.