Phoebe Bridgers und Connor Oberst – Better Oblivion Community Center

Heute gab es einige Aufregung in den diversen Musikblogs im Netz, denn Connor Oberst, der Sänger von Bright Eyes, und Phoebe Bridgers haben sich unter dem Namen BetterOblivion Community Center zusammengetan und überraschend ein gleichnamiges Album auf den verschiedenen Streamingplattformen ( z.B. Spotify) bereit gestellt.  Mit einem Auftritt in der “Late Show With Stephen Colbert” machten sie ihr neues Projekt öffentlich und spielten den Titel “Dylan Thomas”.

 

Über Phoebe Bridgers habe ich schon mehrfach berichtet (hier). Neben Ryan Adams (Duett: Killer) nennt sie Connor Oberst als einen ihrer Entdecker und Förderer. Im letzten Jahr erregte Phoebe Bridgers zusammen mit Julien Baker und Lucy Dacus Aufmerksamkeit als Folk-Supergroup „boygenius“.

Better Oblivion Community Center zeigt sich als sehr abwechslungsreich. Es deckt die Palette ab, von melancholischen Folk-Balladen ( Didn’t Know What I Was In For, Service Road)   Indie-Rock ( Exaptation To The Rule),Folk-Rock (Big Black Heart) zu straightem Rock (Dylan Thomas),  bei dem die beiden zeigen, dass sie die E-Gitarren richtig krachen lassen können.

Die sanft verträumte Stimme von Phoebe Bridgers harmoniert gut mit der gebrochenen von Connor Oberst.

Cass McCombs – Sleeping Volcanoes

Cass McCombs ist ein kalifornischer Folk- und Alternative Rock-Musiker, der seit 2002 mehrere Alben veröffentlicht hat. Mit Sleeping Volcanoes kündigt sein neues Album Tip of the Sphere an, welches am 08.02.2019 erscheinen soll. Das Video zu dem Song wurde von dem Künstler und Designer Tahiti Pehrson gestaltet und ist eine Hommage an die Dreammachine-Leuchten von Brion Gysin.

Die kryptischen Lyrics erwähnen in den Strophen das als heidnisch bezeichnete Shambala, also den mythologische Ort im Buddhismus und Hinduismus. Darunter, also auf der irdischen Welt, schlafende Vulkane, die jederzeit explodieren können. Wir werden erinnert, dass wir überall auf der Welt Flüchtlinge sind und bald von Kindern zu alten Menschen werden. In einer Welt der Lüge leben wir in einen Wolkenkuckucksheim. Im Refrain wird Ruhe und Hilfe ausgerechnet im Armageddon, dem (dem Shambala entgegengesetzten) Weltuntergang der biblischen Apokalypse erhofft.

McCombs erklärte in The Fader, bei dem nachdenklichen Track gehe es um “people passing each other on the sidewalk unaware of the emotional volatility they are brushing past, like a sleeping volcano that could erupt at any moment.”

(„Menschen, die sich auf dem Bürgersteig begegnen, ohne sich bewusst zu sein, mit welcher emotionalen Explosivität sie sich aus dem Weg gehen, wie ein schlafender Vulkan, der jederzeit ausbrechen könnte“)

Auch wenn ich mich mit den Lyrics, die ich als misanthropisch deute, nicht so recht anfreunden kann, ergreift mich die Musik sofort. Der Song eröffnet mit einem verträumten Gitarren-Lick, der jedoch bald in einen dröhnenden Rock-Groove übergeht.

Valley Maker – Beautiful Birds Flying

Hinter dem Folk-Projekt Valley Maker steckt Austin Crane, ein in Seattle ansässiger Songwriter. Wer die Musik von „The War On Drugs“ gut findet, der wird auch Valley Maker mögen. Im Oktober 2018 veröffentliche Crane sein erst zweites Album „Rhododendron“. Der daraus stammende Song Beautyfull Birds Flying hat mich mit seinem Refrain mit den Backgroundstimmen gekriegt.

Wer so schöne Musik schreiben kann, muss ein empathischer Mensch sein. Austin Crane berichtete zur Enstehung des Songs selbst:

„Ich habe“ Beautiful Birds Flying „in Portland aufgenommen, Oregon mit Chaz Bear (Toro y Moi), den ich kenne, seit wir zusammen an der University of South Carolina ein College besucht haben. Es war das erste Lied, das wir für Rhododendron aufgenommen haben, und ich denke, dass die atmosphärischen Weite, die die Kernelemente des Songs umhüllt, den Rest des Aufnahmevorgangs beeinflusste. Ich habe vor einigen Jahren „Beautiful Birds Flying“ geschrieben, nachdem ich von dem schrecklichen Anschlag  auf die Emanuel-Kirche in Charleston, South Carolina, gehört hatte (einem Ort, den ich sehr liebe, in dessen Nähe ich aufgewachsen bin). Für mich verarbeitet das Lied den Kummer und die Schwere, an einem Ort und zu einer Zeit zu leben, an dem Ereignisse wie diese immer wieder vorkommen, und wirft die größere Frage auf, wie man in Bezug auf andere Menschen in diesem Umfeld am Leben bleibt. “

Laura Marling – Rambling Man

Laura Marlin war 2006, mit 16 Jahren , eine Mitbegründerin der Folkrock-Formation Noah And The Whale. Dort spielte sie verschiedene Instrumente und wer als Sängerin tätig. Schon 2007, kurz vor Erscheinen des Debüt-Albums „Peaceful The World Lays Me Down„, verließ sie die Band, weil ihre Liason mit dem Leadsänger Charlie Fink beendet war. Auf dem Album hört man sie in den Song „5 Years Time“ als Backgroundsängerin.

Laura Marling ist bestrebt, ihre künstlerische Tätigkeit soviel wie möglich selbst zu gestalten. Sie is Multi-Instrumentalistin. Schreibt ihre poetischen Texte selbst. Seit 2008 hat sie 6 Alben bisher produziert, die jeweils eine musikalische Weiterentwicklung zeigten.

Mein Lieblingssong „Rambling Man“ stammt aus dem 2010 erschienenen Album „I Speak Because I Can“ und erinnert im besten Sinne an Bob Dylan.

Julien Baker – Appointments

Dass die Dezember-Playlist so melancholisch ausfällt, liegt nicht nur an der dunklen Jahreszeit, sondern hauptsächlich daran, dass ich mich eingehend mit den Mitgliedern von boygenius  und deren Musik auseinandergesetzt habe. Sie haben nun einmal dunklere Themen zum Gegenstand ihrer musikalischen Auseinandersetzung gemacht. Nach Lucy Dacus und Phoebe Bridgers soll es nun um Julien Baker gehen. Bei Wikipedia steht über die junge Sängerin schlicht, Baker ist lesbisch und Christin. Was das für sie hieß, schilderte sie der Zeitung New Yorker. In  der christlichsten Gegenden   Memphis, Tennessee, wo sie aufwuchs, erlebte sie, wie einige ihrer Freunde entlassen oder aus der Kirchengemeinschaft vertrieben wurden, nachdem sie ihren strengen Normen nicht entsprachen. Ein Freund wurde sogar in ein jetzt aufgelöstes Lager gebracht, das dazu bestimmt war, Homosexuelle durch das Bibelstudium von seiner „Abwegigkeit“ zu reinigen. Dementsprechend groß war ihre Angst als Sie mit 17 ihr Coming Out hatte. Ihre Familie hielt aber zu ihr und kämpfte für ihre Anerkennung in der Gemeinde. Trotz ihrer Erfahrung oder vielleicht gerade wegen dieser trägt sie auf dem Arm ein Tattoo „God exist“. Ein Standpunkt, den sie stimmgewaltig in dem Song „Rejoice“ verkündet. 

Standhaft verlässt sie auch die konservativen Südstaaten nicht. (Zur Erinnerung, Staaten  Texas, Alabama, Wisconsin, West Virginia, Tennessee, Oklahoma, Louisiana, Utah und Georgia wehrten sich per Klage gegen Anordnung von Präsident  Obama, Transsexuellen an allen Schulen die Nutzung von Toiletten zu erlauben, die ihrer Geschlechtsidentität entsprechen)  Bakers Argument, wenn alle gehen, wird sich nichts ändern.

In ihrer Musik lässt die Gitarristin und Singer-Songwriterin hingegen ihre Verletzlichkeit und Verletzungen spüren. Das 2016 Album hieß „Sprained Ankel“ worin es nicht nur um Knöchelverletzungen, sondern um die verletzte Seele(Depression, Drogensucht) ging.

Ich habe hier den Song Appointments aus dem 2017 erschienenen Album „Turn Out The Lights“ ausgesucht.

In dieser Ballade  über eine gescheiterte Beziehung legt Julien Baker ihre  Hoffnungen und Selbstzweifel offen.

Black Sea Dahu-Take Stock Of What I Have

Musiker aus der Schweiz kennt man hierzulande nicht allzu viele. Mir fallen Sophie Hunger, Valeska Steiner von dem Deutsch-Schweizer Duo BOY und Faber ein. Als Vorgruppe bei einem Konzert meiner Lieblingsband Hundreds in Osnabrück durfte ich mal das schweizer Elektopop-Duo Odd Beholder erleben. Damit erschöpfen sich meine Kenntnisse über die Schweizer Musikszene. Deshalb war es eine Offenbarung, als ich heute Mittag auf dem besten Radiosender der Republik FluxFM  „Take Stock Of What I Have“ von Black Sea Dahu gehört habe.  Der intensive Gesang hat mich sofort gepackt. Das Gitarrenriff im Chorus bleibt im Ohr.

Black Sea Dahu ist eine schon seit 2012 bestehende Band  um Leaderin und Songwriterin Janine Cathrein. Der Song stammt aus dem in diesem Jahr erschienenen Album zweites Album “White Creatures”. In Deutschland werden sie wie Hundreds und Odd Beholder vom Plattenlabel Sinnbus promotet. So schließen sich Kreise.