The Slow Show – Sharp Scratch

Es gibt Bands, da ist die Stimme mehr als nur ein Bestandteil des Ganzen, sondern das wichtigste und prägendste Instrument. Man denke da nur an die Editors mit Tom Smith oder The National mit Matt Berninger. In diese Reihe gehört auch The Slow Show aus Manchester, für die der Bariton von Rob Goodwin von zentraler Bedeutung ist. Mir ist noch der tolle Song Ordinary Lives aus dem Jahr 2016 im Ohr, danach war die Band allerdings vom Schirm.

Nun tauchen The Slow Show mit dem beeindruckenden Comeback-Track Sharp Scratch wieder auf. Und es gibt immer noch die Stimme Robert Goodwins, die einem Schauer über den Rücken laufen lässt. The Slow Show wissen, wie man ein Lied spannend aufbaut. Sharp Scratch beginnt recht langsam und steuert dann auf den Höhepunkt zu, um sanft auszuklingen.

2019 soll ein Album erscheinen.

Big Thief – U.F.O.F.

Big Thief kündigen ein neues Album „U.F.O.F.“ an und veröffentlicht eine erste gleichnamige Single. Aus den Anfangszeilen des Songs wird klar, dass UFOF für „Unidentified Flying Object Friend“ steht. Adrianne Lenker singt: „To my UFO friend / Goodbye, goodbye / Like a seed in the wind / She’s taking up root in the sky.“

Big Thief haben mit 2016 Masterpiece und 2017 Capacity einige meiner Lieblingsmusikstücke der letzten drei Jahre gemacht.

U.F.O.F. kommt am 3. Mai heraus.

Lucy Dacus – La Vie En Rose

Ein Song zum Valentinstag

Im Jahr 2017 ist Lucy Dacus besonders aufgefallen Zu Anfang der Jahres kam ihr hervorragende Album „Historian“ mit dem wunderbaren Track „Nightshift“ heraus. Dann erfolgte die Zusammenarbeit mit Julien Baker und Phoebe Bridgers als Supergroup „boygenius„.

Lucy Dacus hat sich entschlossen, 2018 kein neues Album zu veröffentlichen. Stattdessen hat sie eine neue Single-Serie mit gecoverten Liedern angekündigt. Das besondere ist, dass die Veröffentlichungen zu ausgesuchten Feiertagen erfolgen sollen, zum Muttertag, zum Unabhängigkeitstag, zu Halloween, zu Weihnachten und zu Neujahr. Auch der Geburtstag von Bruce Springsteen am 23. September soll bedacht werden.

Den Anfang der Reihe macht zum Valentinstag  Édith Piafs Erkennungslied „La Vie En Rose“. Es war das erste Lied , welches die Piaf selbst komponiert hat. Es wurde schon von vielen Künstlern gecovert . Im Ohr ist die Version von Grace Jones. Lucy Dacus verpackt das Valentinsgeschenk in eine minimalistisches Indie-Pop-Klarsichtfolie. Ihre fast geflüsterte Alt-Stimme steht im starken Kontrast zu Piafs überlebensgroßem Gesang und erzielt damit eine ganz neue überraschende Interpretation. Es funktioniert, je öfter man es hört.

Laura Stevenson – Livingroom NY

Um Laura Stevenson war seit der Veröffentlichung ihres Albums Cocksure 2015 ziemlich ruhig, bis sie im Dezember letzten Jahres zwei neue Songs herausbrachte. Jetz kündigt sie ein ein neues Album an, The Big Freeze, (VÖ 29.03.2013)

Das ist ein gewaltiger Titel für ein Album. Mit Big Freeze wird folgende Möglichkeit des Endes unseres Universums bezeichnet. Sei dem Urknall driftet das Universum auseinander. Wenn die Expansion irgendwann die Schwerkraft übersteigt, wird das Universumnkalt und leer sein – alles Licht, Wärme und Verbindungen werden verschwinden.

Auf ihrer neuen Single Living Room, NY geht es jedenfalls um fehlende menschliche Wärme. Sie beschäftigt sich mit der Distanz zwischen zwei Personen, sowohl geografisch als auch emotional. „Ich möchte, dass du dich unruhig fühlst / Ich möchte davon aufwachen / Ich möchte, dass du die Decken anstarrst, bis du wieder einschlafen kannst“, singt sie, trauert
um die versäumten, selbst kleinsten Momente in einer Fernbeziehung.

New Video – Better Oblivion Community Center – Dylan Thomas

For all readers in the US, I write this post in English, especially for Michelle Zauner and Phoebe Bridgers or their Lable managers.

After Phoebe Bridgers and Conor Oberst surprisingly announced a collaboration and released an album as Better Oblivion Community Center, they announced the new tour of the project (including 2 dates in Germany: on May 5 in Berlin – Columbia Theater and on 6 May in Cologne – Kantine). There is also a brand new music video for the song „Dylan Thomas“. The song is about amusement and drunkenness, which also destroyed the Welsh poet Dylan Thomas. He has drunk to death in the age of 39 years.

In the video, we follow Oberst and Bridgers to the Better Oblivion Community Center. Here some people evidently indulge in a candlelit occultist ritual that has been transformed into a V.R. Party.

Today, Michelle Zauner shared on Facebook that she has directed the video shoot. With this, Zauner, who heads the band project Japanese Breakfast, proved her creativity in yet another field.

Michelle Zauner has never made a secret of the fact that she finds the songwriting of Phoebe Bridgers pretty good. Also in today’s statement she explains:

Phoebe Bridgers and Conor Oberst are two of my favorite songwriters and lyricists of our time, so it was an honor to get to work with them on the visuals for their new project together. As always I worked with Adam Kolodny, my DP and creative collaborator to bring this cross between an Eyes Wide Shut LA mansion party and the Great Northern Hotel to life.”

Phoebe Bridgers has shown by doing boygenius and now Better Oblivion Community Center that she enjoys collaborating. A musical collaboration of Phoebe Bridgers and Michelle Zauner would be awesome. Please Michelle and Phoebe, do it …. for all your fans.

Bear’s Den – Fuel On The Fire / Blankets Of Sorrow

Above the Clouds of Pompeii war einer der schönsten, weil ergreifendsten Folksongs der letzten Jahre. Aus Anlass einer Besichtigung von Pompeii spricht der Sohn mit seinem Vater über den zu frühen Tod der Mutter. Der Song stammt aus dem 2014 erschienenen Debüt- Album der Londoner Band Bear’s Den. Textzeilen wie „You’ll lie patient by her side With roses red come lilies white” sind einfach hoch emotional und zeigen das persönlich gefärbte Songwriting von Bandgründer und Texter Andrew Davie.

2014 war Bear’s Den noch ein Trio, das mit Mumford & Sons auf Tour zog. Bei dem zwei Jahre später folgenden ebenfalls hörenswerten Album „Red Earth & Pouring Rain“ war aus dem Trio ein Duo geworden (Andrew Davie und Kevin Jones). Musikalisch ging Bears Deneinen ähnliche Weg wie Mumford & Sons. Zwar noch am Folk orientiert, hört man aber statt Trommeln, Banjos und Dobros mehr E-Gitarren und Drum-Computer. Die jetzt vorab veröffentlichten Songs, das pochende Fuel On The Fire und das ruhigere Blankets Of Sorrow, weisen darauf hin, dass es mit dem für den 26.04.2019 angekündigten Album “So that you might hear me” ähnlich weitergeht.

Black Sea Dahu in der Pension Schmidt in Münster

 

Münster,  28.01.2019

Pressefoto Black Sea Dahu Paul Märki

Die  Pension Schmidt ist ein Café im Retro-Look in der Innenstadt von Münster. Sitzecken mit Plüschsofas laden zum gemütlichen Kaffeetrinken oder zu Bier und Snacks ein. Ab und zu wandelt sich das Café in einen Konzertsaal. Dann werden die Sofas und Stühle vor der kleinen Bühne aufgereiht. Man genießt die Darbietung im Sitzen. So auch an diesem  Montagabend. Rund 150 meist jüngere Menschen warteten geduldig auf Einlass. Die Pension Schmidt war restlos ausverkauft. Dem Kleidungsstil nach (soweit man es danach beurteilen kann, wenn man viele weite Pullover, weite Jeans, Cordhosen und Strickkleider sieht) handelte es sich wohl überwiegend um Studierende der Geisteswissenschaften, die so wie die von mir diesbezüglich befragten Sitznachbarn einem Musiktipp von 3Sat-Kulturzeit gefolgt waren oder ähnliche Informationsquellen hatten. Nach meinen Eindruck wusste das Publikum, wer da aus der Schweiz nach Westfalen gekommen ist und hatte entsprechend hohe Erwartungen, nicht enttäuscht wurden.

Gegen halb neun betrat Black Sea Dahu die enge Bühne. Im Mittelpunkt stand sowohl jetzt physisch auf der Bühne, als auch als präsenter musikalischer Mastermind der Band Janine Cathrein mit der akustischen Gitarre. Mit ihr waren ihre beiden Geschwister im Vordergrund. Links neben ihr wechselte ihre Schwester Vera  ab und an ihre elektrische Gitarre mit dem Instrument des hinter Ihr stehenden Bassisten. Rechts wurde als ungewöhnliches Instrument ein Cello vom Bruder Simon bedient. Im Hintergrund machte Ramon Ziegler mit einem Nord-Keyboard elektronische Effekte hörbar. Paul Märki am Bass und Nick Furrer an Schlagzeug und Perkussion bildeten die Rhythmus-Sektion der meist Down-Tempo dargebrachten folkigen Stücke, die aus dem neuen Longplayer „White Creatures“ stammten. Der Sound war gut gemixt und die Lautstärke der kleinen Location angepasst, sodass mein persönliches Problem, am Tag nach einem Live-Konzert nur noch eingeschränkt hören zu können, diesmal gar nicht auftrat.

 

,Das besondere an der Perfomance ist tatsächlich die dunkle, warme Stimme von Janine Cathrein. Nicht zu vergessen ist, dass ihre Schwester bei der Zweitstimme ebenfalls die tieferen Tonlagen beherrscht. Zusammen mit der atmosphärischen Musik sowie im Ohr bleibenden Riffs auf der E-Gitarre wir man magisch in den Bann gezogen. Daher gilt unbedingt die Empfehlung, sich das Album „White Creatures“ reinzuziehen. Beim Publikum kam die Live-Darbietung jedenfalls uneingeschränkt gut an. Der Funke sprang auch wohl über durch die dem Publikum zugewandten persönlichen Statements von Janine Cathrein. Zum Lied , durch das ich überhaupt auf Black Sea Dahu aufmerksam wurde, nämlich “Take Stock Of What I Have“, erzählte sie folgendes. Sie habe das Lied geschrieben, um aus einem Tiefpunkt heraus zu kommen. Es handele sich um eine Bestandsaufnahme von grundlegenden Fähigkeiten und Talenten, die sie habe. So nannte sie die Fähigkeit, eine Gitarre zu halten, bezeichnender Weise, um darauf Musik zu machen. Diese Erklärung kam ebenso glaubwürdig rüber, wie die Musik. An anderer Stelle berichtete sie darüber, wie sie sich gegen den Rat ihrer Freunde entschieden hat,  von der Musik als Beruf leben zu wollen. Man nahm die Authentizität wahr, insbesondere bei dem darauf folgenden inbrünstigen Solostück, bei dem die anderen Musiker die Bühne verließen. Insgesamt spürt man bei Black Sea Dahu, dass da was Größeres gewachsen ist. Das gönnt man der sympathischen Band natürlich. Andererseits befürchtet man, dass in größeren Sälen oder Musikhallen etwas verloren gehen könnte. Janine Cathrein sprach von der Magie, wenn die Grenze zwischen Bühne und Publikum verwischt. Der Verlust dieser an diesem Abend zu spürenden Magie könnte der Preis für den der Band zu wünschenden größeren Erfolg sein.

Das Konzert endete wie im Flug mit einer unplugged Zugabe, bei der die Geschwister noch mal ihr gesangliches und ihr Können an den Instrumenten zeigten. Der Forderung des hochzufriedenen Publikums nach weiteren Zugaben konnte die Band in dem Lokal in der Innenstadt nicht nachkommen. Beim obligaten Erwerb einer CD mit Autogrammen am Merch-Stand, waren sie aber freundlich zu einem kurzen Gespräch bereit.

Um an Textzeile aus „White Creatures“ anzuschließen und diesen Artikel abzuschließen: I became, What I Have Deserve. Ich hatte einen schönen genussreichen Montagabend. Danke Black Sea Dahu

Sharon Van Etten – Seventeen

Sharon Van Etten  ist eine US-amerikanische Sängerin und Songwriterin, die mehrere Instrumente beherrscht (Gitarre, Klavier, Violine und Klarinette). Die Musik ihrer bisher erschienenen 4 Alben kann als eine Mischung aus Folk, Rock, Indie-Pop und dezenten Country-Einflüssen bezeichnet werden. Thematisch geht es bei ihr um die Schattenseiten der Liebe, um Zurückweisung, Verlustangst und emotionalen Missbrauch, sodass sie regelmäßig mit Cat PowerSt. Vincent oder Feist verglichen wird.

Das nunmehr erschienene 5. Album Remind Me Tomorrow geht  Van Etten elektronischere Wege. Sie setzt verstärkt auf Synthesizer und wuchtig-treibende elektronische Beats. In Seventeen erinnert sie sich an die schwierige Gefühlswelt ihre eigenen pubertäre Phase. Die Vergangenheitsbewältigung gelingt ihr als erwachsene Frau auf eine selbstbewusste Art und Weise, die musikalische Vergleich mit Bruce Springsteen aufkommen lassen.

Phoebe Bridgers und Connor Oberst – Better Oblivion Community Center

Heute gab es einige Aufregung in den diversen Musikblogs im Netz, denn Connor Oberst, der Sänger von Bright Eyes, und Phoebe Bridgers haben sich unter dem Namen BetterOblivion Community Center zusammengetan und überraschend ein gleichnamiges Album auf den verschiedenen Streamingplattformen ( z.B. Spotify) bereit gestellt.  Mit einem Auftritt in der “Late Show With Stephen Colbert” machten sie ihr neues Projekt öffentlich und spielten den Titel “Dylan Thomas”.

 

Über Phoebe Bridgers habe ich schon mehrfach berichtet (hier). Neben Ryan Adams (Duett: Killer) nennt sie Connor Oberst als einen ihrer Entdecker und Förderer. Im letzten Jahr erregte Phoebe Bridgers zusammen mit Julien Baker und Lucy Dacus Aufmerksamkeit als Folk-Supergroup „boygenius“.

Better Oblivion Community Center zeigt sich als sehr abwechslungsreich. Es deckt die Palette ab, von melancholischen Folk-Balladen ( Didn’t Know What I Was In For, Service Road)   Indie-Rock ( Exaptation To The Rule),Folk-Rock (Big Black Heart) zu straightem Rock (Dylan Thomas),  bei dem die beiden zeigen, dass sie die E-Gitarren richtig krachen lassen können.

Die sanft verträumte Stimme von Phoebe Bridgers harmoniert gut mit der gebrochenen von Connor Oberst.