Allison Ponthier – Faking My Own Death (Single + Video + EP)

Allison Ponthier rechnet auf ihrer Debüt-EP mit ihren Ängsten und ihrer konservativen Heimat ab

​​„Ich möchte nur im Voraus sagen, dass es mir leid tut
Zähle auf mich wie ein Uhrwerk
Es wird nicht funktionieren
as einzige Versprechen, das ich geben kann“


So beginnen die ersten Zeilen des neuen Songs der 25-jährigen Singer/Songwriterin Allison Ponthier. Das ist keine zuversichtliche Aussage, wenn es darum geht, seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Der Song ist das Titelstück von Allisons Debüt-EP „Faking My Own Death“. „Faking My Own Death“ ist ein einnehmenderder Track voller winziger Wendungen, die Allisons kristallklare Stimme ins Rampenlicht rücken. Die Begleitinstrumente scheinen nur dafür da zu sein, das Storytelling hervorzuheben. Eine Geschichte, die makaber witzig von Selbstzweifeln erzählt. Wie alle ihre Singles wird „Faking My Own Death“ von einem extravaganten Video begleitet. 

So auch beim Song „Harshest Critic“. Welche Emotionen begleiten eine Künstlerin, die zum ersten Mal die Bühne betreten wird? Subtil verstärkt durch die Backing-Vocals, gesteht sie die lähmende Angst ein, die die aufkeimende Karriere begleitet. „Was wäre, wenn all meine Ängste zur Schau gestellt würden?“, fragt sich Allison, bevor sie später zugibt: „Ich habe Angst / Vor der Art und Weise, wie ich durch die Augen von Fremden erscheine“. Ebenso behandelt die vorangegangene Single  In deHell Is A Crowded Roomdas Thema Angst und Sozialphobie, vor allem, „wenn diese sich auch körperlich bemerkbar macht“, so Allison Ponthier selbst über den Song. „Ich habe mich selbst immer gefragt, warum eine schüchterne Person wie ich, sich für das Künstlerdasein entschieden hat, wo man ständig damit konfrontiert wird, vor Menschen aufzutreten und ich glaube, „Hell Is A Crowded Room“ ist die Antwort darauf. Durch die Pandemie hat sich die Situation noch verschärft, aber es ist ein Song für alle, die sich in größeren Menschenansammlungen unwohl fühlen und alles daran setzen, mit der Situation umzugehen.“

Flucht nach New York

Allison Ponthier ist im ultra-konservativen Texas aufgewachsen . Sie träumte schon immer davon, in New York City zu leben. Im Bible-Belt war jeder Radiosender entweder christlich, Country oder beides. Ponthier war noch nicht in der Lage oder bereit, ihre queere Identität anzunehmen, und dachte, jedes Problem in ihrem Leben würde sich auf magische Weise von selbst lösen, sobald sie in Bushwick landete, dem Stadtteil Brooklyns, den sie seit ihrem 20. Lebensjahr ihr Zuhause nennt. Der Song “Cowboy” handelt von ihrem anders sein und ihrem Coming Out.

Track Listing – “Faking My Own Death”

  1. Cowboy
  2. Paid For
  3. Harshest Critic
  4. Hell Is A Crowded Room
  5. Faking My Own Death
  6. Tornado Country

„Faking My Own Death“ bei Spotify

Gregor McEwan – Summer Breeze (EP)

Wenn man will, kann man viele Einflüsse heraushören, wenn die vier Songs der Summer-Breeze-EP von Gregor McEwan (Foto oben: Kati von Schwerin) aus dem Lautsprecher tönen. “The Kooks meets The Beach Boys”, sagt Greg selber. Für Bernd Begemann klingt es wie Jack Johnson trifft The Cure am Baggersee. Stimmt! Wer würde Bernd Begemann widersprechen wollen? Man könnnte noch Tom Petty hinzufügen. Die EP vereint auch Emotionen wie Fernweh und Heimweh, Spaß und Melancholie, Sommerfreude und Summer-Blues. Gregor McEwan beherrscht hier alle Farben des Indie Folks.

Nachdem bereits die Songs “THE BEAT OF YOUR DRUM”, “SUMMER BREEZE”,  RE: (NO SUBJECT)” erschienenen sind, komplettiert nun der vierte Song “THE ROYAL BLUES” die EP. Auch dazu gibt es wieder ein liebevoll gestaltetes Video im Super8-Film-Vintage-Look.

Gregor McEwan widmet eine ganze EP-Serie den vier Jahreszeiten, vier EPs mit jeweils vier Songs. Die bisher erschienenen Spring Forward ( Frühling), Autumn Falls und jetzt

Summer Breeze (Spotify-Link)

sind so gut gemacht, dass man schon erwartungsfroh gespannt ist, was der Winter bringen wird.

Gregor McEwan – The Beat Of Your Drum

Bei Gregor McEwan geht es Schlag auf Schlag weiter in Richtung Sommer-EP. „Beat Of Your Drum“ ist eine lockere, sommerliche Indie-Folk Nummer, welche als recht luftiger Folk Song beginnt, aber gegen Ende vom einsetzenden Drum-Beat und der E-Gitarre mehr und mehr übernommen wird. The Beat Of Your Drum erscheint zusammen mit einem wunderbaren Lyric Video. 

Kings of Convenience -Rocky Trail

Wenn sich ein Duo selbst als Könige der Bequemlichkeit bezeichnet, darf es sich durchaus 12 Jahre Zeit nehmen, um ein neues Album zu veröffentlichen. Kings of Convenience sind  Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye aus dem norwegischen Bergen, die schon als Teenager zusammen Musik gemacht haben. Das Indie-Folk Duo wird geschätzt für ihren sanften Akustikgitarren-Sound. Das sie sich über ein Jahrzehnt dem süßen Nichtstun hingegeben haben, stimmt natürlich nicht. Eirik ist als Schriftsteller in Bergen geblieben und war auch musikalisch mit der Band Kommode unterwegs. Erlend war zunächst in Bergen als Produzent unter anderem für die Indie-Pop-Band Kakkmaddafakka aktiv. Er zog nach Berlin und war Mitglied der der Berliner Band The Whitest Boy Alive, bevor es ihn nach Syrakus/Sizilien verschlug. Jetzt gingen Øye und Bøe für ihr viertes Album zusammen ins Studio. Da die beiden Perfektionisten sind, hat der Aufnahmeprozess für „PEACE OR LOVE“ (VÖ 18.06.) auf fünf Jahre gestreckt . Das Album ist in fünf verschiedene Städte entstanden. Vorab gibt es schon mal die Single „Rocky Trail„.

Das Video ist ein Genuss, nicht nur für Freunde des melodischen Harmonie-Gesangs und akustischen Gitarrenklängen, sondern auch für Liebhaber des skandinavischen Wohnstils.

LAMILA – THE LAST LEAF

The Last Leaf ist die dritte Single einer vierteiligen Konzeptreihe der Indie-Folk Band LAMILA. Nach Dandelion Crown (Sommer) und Mammoth Tree (Herbst) spiegelt  The Last Leaf die Kälte des Winters. Um die Inspiration für LAMILAs Vido zu erfassen ist es hilfreich, die amerikanische  Kurzgeschichte von Henry O. (eigentlich William Sydney Porter, † 5. Juni 1910 mit nur 47 Jahren) “The Last Leaf – Das letzte Blatt” zu kennen. Sie soll daher hier kurz nacherzählt werden. 

Short-Story aus dem Jahr 1907

Die Geschichte spielt in Greenwich Village während einer Lungenentzündungsepidemie. Eine jungen Künstlerin in dem Künstlerort leidet auch an einer  Lungenentzündung. Sie hat bereits ihren Lebenswillen aufgegeben. Durch ihr Fenster kann sie an der gegenüberliegenden Hauswand  eine alte Efeu-Pflanze sehen, die allmählich ihre Blätter abwirft, als der Herbst in den Winter übergeht. Sie hat die Idee, dass sie sterben wird, wenn das letzte Blatt gefallen ist. Die Blätter fallen Tag für Tag, aber ein letztes einzelnes Blatt bleibt. Die junge Frau wird wieder gesund. Am Ende der Geschichte erfahren wir, dass der alte Künstler im gegenüberliegenden Haus, der immer ein Meisterwerk malen wollte, aber nie Erfolg hatte, eine  ganze Nacht damit verbracht hat, mit großem Realismus das Blatt an die Wand zu malen. Wie es sich für eine dramatische Geschichte gehört bleibt große Happy End aus, denn der alte Maler  stirbt selbst an einer Lungenentzündung, die er sich in der nassen, kalten Nacht zugezogen hat.

LAMILA greifen die Beziehungsdynamik der Geschichte auf. The Last Leaf hat eine klare Message: Jeder braucht manchmal Menschen, die das Leben in Farbe tunken und einem die Schönheit des Lebens wieder vor Augen führen (all the colors you revived). Jedoch muss man auch bereit sein, diese Hilfe anzunehmen (but I want you to know I’m the one who can see what your paintings truly mean).

LAMILA: Zwischen akustischem Folk und Indie-Pop

LAMILA ist eine Wiener Folk-Pop-Band um die Singer-Songwriterin Camilla Thurner. Gemeinsam mit dem Gitarristen Alexander Hoffmann und der Kontrabassistin Ines Fuchs hat sie LAMILA 2019 als ursprünglich rein akustisches Folk-Trio gegründet. Bereits bei der Debütsingle Dandelion Crown im Sommer 2020 wurde jedoch deutlich, dass sie sich von diesem engen Rahmen nicht halten lassen. Zwischen zeitgenössischem Indie-Pop Marke Fleet Foxes oder First Aid Kit, dem Folk der Summer of Love-Ära, aber auch Jazz bewegt sich der Sound der Band eklektisch, aber wie aus einem Guss.

Das Gitarrenspiel ist beeinflusst von Folk- und Pop-Größen der 1960er Jahre wie etwa Simon & Garfunkel oder Nick Drake. Der Kontrabass verspricht mit rhythmischen Licks aus dem Handgelenk oder elegisch-brummenden Bogenstrichen die viszerale Unmittelbarkeit des Jazz. Harmonische Background-Chöre tauchen alles in ein warmes Licht und erzeugen ein Gefühl zwischen sanftmütiger Leichtigkeit und (manchmal melancholischer) Nostalgie.

(Alle Fotos von Susanne Hassler Schmidt)

Vagabon feat. Courtney Barnett- Reason to Believe

Lætitia Tamko alias Vagabon ist uns schon mit ihre ersten selbstbetitelten Album und ihrem Hit „Water Me Down“ wegen ihrer hervorragenden Stimme aufgefallen. Die aus Kamerun stammende und in New York City lebende Musikerin lässt sich auf kein Genre festlegen und hat auch keine Angst vor Americana und Folk-Songs ihrer Wahlheimat. Für die Coverversion des Folksongsongs „Reason to Believe“ von Karen Dalton aus dem Jahr 1966 (ursprünglich von Tim Hardin), hat sie sich mit der australischen Sängerin und Gitarristin Courtney Barnett zusammen getan.

„Ich habe kürzlich zum ersten Mal die Karen Dalton-Version von ‚Reason to Believe‘ entdeckt“, sagte Lætitia in einer bei Pitchfork bekannt gegebenen Pressemitteilung. „Ich war besessen und einige Tage danach nahm ich ein Cover davon in meiner Garage auf. Die Entscheidung, Courtney mit mir singen zu lassen, kam, nachdem wir es am Valentinstag 2020, einen Monat vor dem Lockdown, live im Palace Theatre in Los Angeles aufgeführt hatten. Courtney kam kurz nach der Show vorbei und wir nahmen ihre Parts auf.“ Courtney Barnett fügte hinzu: „Ich bin ein großer Fan von Vagabon und Karen Dalton, also war dies ein Traum. Sie haben beide eine Stimme, die mich absolut aus dem Konzept bringt. Ich bewundere Lætitia wirklich und bin ständig von ihrem Songwriting, ihrer Produktion und unseren sporadischen FaceTime-Chats inspiriert.“

Und hier zum Vergleich die Karen Dalton-Version.

Julien Baker – „Faith Healer“

Julien Baker, eine meiner Lieblingssongschreiberinnen, hat ihr neues Album angekündigt (Foto: Alysse Gafkjen). Der Nachfolger von „Turn Out the Lights“ aus dem Jahr 2017 heißt „Little Oblivions“ und wird am 26. Februar erscheinen. Der erste Vorgeschmack auf das neue Album ist ein Song namens „Faith Healer“, der mit einem Video daher kommt. Baker sagte über das neue Lied:

„Am einfachsten ausgedrückt denke ich, dass „Faith Healer“ ein Lied über Laster ist, sowohl die offensichtlichen als auch die heimtückischeren Arten, wie sie sich in der menschlichen Erfahrung zeigen. Ich habe vor 2 Jahren angefangen, dieses Lied zu schreiben, und es begann als eine sehr wörtliche Untersuchung der Sucht. Für eine Weile hatte ich nur den ersten Vers, der nur eine wirklich offene Konfrontation der kognitiven Dissonanz ist, die eine Person, die mit Drogenmissbrauch zu kämpfen hat, fühlen kann – der überwältigende Beweis, dass diese Substanz dir schadet, und das kontraintuitive, aber sehr reale Verlangen nach dem Erleichterung bietet es. Als ich das Lied noch einmal hörte, begann ich über die Parallelen zwischen dem Eskapismus des Drogenmissbrauchs und den anderen verschiedenen Mitteln des Eskapismus nachzudenken, die einen ähnlichen, wenn auch weniger leicht identifizierbaren Raum in meiner Psyche eingenommen hatten.

Es gibt so viele Kanäle und Verhaltensweisen, die wir verwenden, um Beschwerden ungesund zu mildern, die außerhalb der formalen Definition von Sucht existieren. Ich (und so viele andere Menschen) sind bereit zu glauben, wem auch immer – einem politischen Experten, einem Prediger, einem Drogendealer, einem Energieheiler – wenn sie Heilung zu versprechen, auch wenn diese Bereitschaft, so echt sie auch sein mag, die Heilung tatsächlich behindern könnte.“

Gregor McEwan -Forever Ago

Es war einmal … ein märchenhafter neuer Song unseres Lieblingsbarden

Seit heute gibt es eine brandneue Single von Gregor McEwan. „Forever Ago“ ist eine orchestrale Indie-Pop Nummer. Zu hören sind Cello , Flöte, Violine, Kontrabass, Piano, Schlagzeug, Flügelhorn, Trompete, Akustikgitarre, E-Gitarre, Pfeifenorgel, Mellotron, Synthesizer, Bass und Percussion. Dazu singt Gregor mit glockenklarer Stimme einen strahlenden Chorus.

Schmelzt alle Waffen ein, baut Gitarren

Plötzlich ändern sich die Akkorde und es unterbricht eine düster-gruselige Bridge, um den folgenden Chorus umso mehr erstrahlen zu lassen. Meine Lieblingszeile in dem düsteren Teil lautet:





„Melt all weapons, build guitars“

Eine herrliche Forderung. Was sollte man als Musiker auch mit einem Pflug anfangen. Das dazu gehörender Video setzt den Wechsel zwischen Helligkeit und Düsternis gekonnt um und entführt uns in ein märchenhaftes Gruselfimszenario à la Sleepy Hollow.

Gregor McEwan – Halloween Costume

Gregor McEwan hat eine brandneue Single und dazu ein Video veröffentlicht, in welchem er lauter Superheld*innen und Superschurken aus dem Marvel-Kosmos einen auftreten lässt. Von Gregor erwartet man ja folkige Songs. Das besondere an diesem ist der wirklich grandiose Schluss.

„… Während sich Halloween Costume immer weiter steigert und aufbaut… um nicht zu sagen aufbäumt, mit immer neuen Instrumenten und Klangfarben versehen seinem dramatischen Ende entgegen schreitet, ereilt das Audi(o)torium dann irgendwann mitten im hymnischen Refrain die Erkenntnis, dass Flügelhörner tatsächlich einen fantastischen Klang und eine dramaturgische Daseinsberechtigung haben und dass Auto-Tune sparsam und sinnvoll eingesetzt auch richtig cool sein kann. Und nachdem all dies schlussendlich die Hände von der Gurgel genommen hat und man die Gänsehaut entdeckt, die sich beinahe unbemerkt gebildet hat, fällt alles wieder in sich zusammen… die Muskeln im Ohr entspannen sich schlagartig und man bekommt eine Middle 8 lang die Zeit zugestanden, sich an The Mountain Goats und Okkervil River erinnert zu fühlen, ehe ein Metallica meets Van Halen Staccato/Tapping/Double Bass-Part das Finale Furioso einleitet und der Song fast schon überraschend endet. Aber wirklich nur fast! Denn wenn ich das alles noch mal Revue passieren lasse, frage ich mich sowieso, wie dieser Typ all diese Feelings in nur knapp über 3 Minuten gepackt bekommt…“sagt Jörkk Mechenbier

Also, das Video geniesen und unbedingt de Schlussakkord abwarten.

Mainfelt – Be Alright

Folkrock aus Südtirol. MAINFELT mit dem Feel-Good -Song „Be Alright“ 

Eine markante Stimme und treibende Akustikgitarre ( Bandgründer, Sänger und Gitarrist Patrick Strobl) , dazu scheppernden Banjo-Riffs ( Banjo- Ivan Miglioranza) unterstützt von Bass und Drums (Bass-Klaus Telfser und Drums-Manuel Gschnitzer) , unwiderstehliche hymnische Refrains und ein gewisser an endlose Roadtrips erinnernder Hobo-Charme. All das ist kennzeichnend Folkrock-Band aus Brixen.  Mainfelt haben sich so diesseits und jenseits des Brenners durch viele Konzerte ihre Fangemeinde aufgebaut. ,“Handcrafted und heartmade“ bezeichnen sie selbst ihre Musik.

Für ihre neuen Single „Be Alright“ haben Mainfelt das Banjo zugunsten der E-Gitarre zur Seite gestellt Die Südtiroler haben einen wunderschönen „Feel Good“ – Song, welcher unsere derzeit doch so triste Situation ein bisschen besser durchhalten lässt. Nach „Royal Rover“ ist „Be Alright“ die zweite Single aus dem kommenden Album ebenfalls mit dem Titel „Royal Rover„.