Lea Porcelain – Love Is Not An Empire

Bild: Peter Kaaden

Lea Porcelain entstand, nachdem sich Julien Bracht und Markus Nicolaus vor sechs Jahren zufällig in einem Nachtclub in Frankfurt getroffen haben. Ihr Debütalbum „Hymns to the Nights“ aus dem Jahr 2017 begeisterte die Medien Das englische Clash Magazine schrieb, das elektronisches Duo aus Frankfurt, hat einen dunklen, verdrehten, aber merkwürdig verlockenden Klang.Stereo Gum gefielen die vibrierenden Synthesizern und sanften Vocals. Killing Moon sah als Referenzen Joy Division vereint mit Echo & The Bunnymen, gepaart mit dem modernen Downbeat von The XX. Die Intro schließlich beschrieb die musikalische Melange des Duos als Mischung aus Krautrock, Post-Punk, Indie und Garage-Rock – überzogen mit einer geschmackvollen Schicht Melancholie.

An diesen Erfolg will Lea Porcelain 2019 anschließen. Im April waren sie wieder auf Tournee durch Europa. Sie werden demnächst weitere Showtermine bekannt geben – und noch im Sommer eine neue EP veröffentlichen. Eine erste Single „I Am Ok“ gabs schon im April. Jetzt legen Lea Porcelain legen mit „Love Is Not An Empire“ das zweite Puzzleteil ihrer kommenden EP vor.

Warum ist die Liebe kein Reich? Die Band beantwortet das so: “Geld verflüchtigt sich, Schönheit vergeht, Reiche fallen – das Einzige, das bleibt, ist eine unvergängliche Liebe. Sie kann nicht besessen, sondern nur sicher bewahrt werden.

Diese  Ambivalenz zwischen der Unvergänglichkeit und dem trotzdem immer drohenden Verlust der Liebe hat Lea Porcelain mit der ihren melancholischen Klanglandschaften eingefangen. Dazu gibt es ein bildgewaltiges Video.

Charly Bliss legen Video zum Titeltrack ihres aktuellen Albums „Young Enough“ vor

Das Power-Pop-Quartett Charly Bliss hat bei den bisherigen Singles ihres zweiten Albums Young Enough stets mit spektakulären Videos begeistern können, die ich hier auch schon abgefeiert habe. Auch beim Clip zur  Single-Auskopplung des Titeltracks lässt sich die Band aus Brooklyn nicht lumpen. Das Video zum epischen, fünfeinhalbminütigen Young Enough wartet unter anderem mit einigen eleganten versteckten Schnitten und Kamerafahrten in Hochgeschwindigkeit auf.

Im Fokus steht darin erneut die charismatische Frontfrau Eva Hendricks, die sich wie folgt zum Clip äußert: „Dieses Video ist so magisch und anders als alles, was wir jemals zuvor gemacht haben. Ich habe (Regisseur) Henry Kaplan gesagt, dass ich mich von dem Video zu Running Up That Hill von Kate Bush inspiriert gefühlt habe schön und einzigartig, filmisch und sentimental wie der Song. Trotz der Tatsache, dass dieses Video so traumhaft und heiter aussieht, war es sehr anstrengend zu machen. Die gesamte Crew und alle, die nicht in einer bestimmten Einstellung waren, mussten hinter den Steadicam-Operator sprinten, damit sie nicht gesehen werden und die Wirkung des riesigen offenen Feldes, auf dem wir gedreht haben, ruinieren. Aufgrund der Choreografie, dem Wettlauf um die Nutzung des verfügbaren Tageslichts, dem Beschleunigen und Verlangsamen des Bewegung, um die Zeitlupen- und Zeitraffereffekte zu erzielen, und dem Versuch, perfekte, vollständige Einstellungen zu erzielen, weil es so wenige Schnitte gibt, war dies ein äußerst herausfordernder Video-Dreh, aber aus diesem Grund ist es auch unser Favorit „.

Moyka- Bones

Foto Anne-Lise_Nygaard

Norwegen ist auch ein gutes Pflaster für elektronische Tanzmusik. Dies zeigen Musikacts wie  Royksopp, Highasakite und Aurora. Das sind genau die Idole, der die norwegische Newcomerin Moyka nacheifern wollte. Zweieinhalb Jahre ist es her, dass sich Moyka für ein Studium der Musikproduktion in Bergen einschrieb. Die Zeit nutzte sie, um durch die Arbeit mit Cubas, Soft-Synths und Samples ihr eigenes mystisches, synthie-basiertes Universum zu erschaffen. Mit ihrer Debütsingle “Colder” schaffte sie es ins norwegische Fernsehen Punkt. Ihre zweite Single Bones folgt den aktuellen Trend, auf die Musik der 80er Jahre Bezug zu nehmen.

Bones is about that urge to create, and feeling like that is taken away,” sagt sie. “When I wrote it in 2017, it felt like I couldn’t quite get anything right, I was trying really hard and it all turned out bad. I was saying, ‚I’ve got this big love for you and it seems like you’re disappearing…‘”

Tame Impala – Borderline

Nach Patience haben Tame Impala ein weiteres neues Lied namens Borderline veröffentlicht. Borderline und Patience sind die ersten neuen Titel seit dem 2015er Album Currents. Kevin Parker geht mit Borderline einen weiteren Schritt Richtung tanzbarer Musik. Man kann sich gut einen etwas schnelleren Remix von Borderline für die Disco vorstellen.

Georgia – About Work the Dancefloor

Die in London lebende Songwriterin und Produzentin Georgia Barnes begann ihre Karriere als Session-Drummerin. Ihr 2015 veröffentlichte selbstbetiteltes Debütalbum enthielt eine Sammlung nicht besonders eingängiger experimenteller Popsongs. Aber im letzten November kam sie mit der Hit-Single „Started Out “ heraus, die den Electro-Pop von CHVRCHES mit groovigen House-Basslines zusammenbringt.

Musik zum Tanz in den Mai

Georgias neue Single „About Work the Dancefloor“ bewegt sich zwischen Clubmusik und Pop. Der pochende Synth-Pop erinnert an die schwedische  Elektropop-Queen Robyn. Das ist nich die schlechteste Referenz.

Titel und Text des Songs sind grammatisch unlogisch: „Ich habe gerade darüber nachgedacht, über die Tanzfläche zu arbeiten.“ Möglicherweise ergibt sich der Sinn daraus, dass die Logik der Gedanken schwindet, wenn auf der Tanzfläche die Beats durch den Körper strömen. (So jedenfalls die Deutung von Michelle Kim von Pitchfork).

Das ist genau die richtige Musik zum Tanz in den Mai und damit ein würdiger Abschluss füe die April-Playlist.

Japanese Breakfast – Essentially

Musiker, gerade die noch nicht den Superstar-Status haben, müssen sich strecken, wenn sie von ihrer Kunst leben wollen. Dies gilt besonders in der heutigen Zeit, in der mit CD-Verkäufen nichts zu holen ist, weil alle streamen und Spotify, Apple un Co. den Künstlern zu wenig zahlen. Da ist es zu begrüßen, wenn die Hotel-Kette W-Hotels (u.a. Marriott-Hotels) aufstrebende Künstler fördert, indem sie ihnen in Hotel-Suiten Aufnahmeequipment zur Verfügung stellt und auf dem eigenen im Jahr 2018 gegründete Boutique-Plattenlabel W Records veröffentlicht. Eine klare Win-Win-Geschichte. Die Musiker können unter guten Bedingungen aufnehmen und W Hotels verschafft sich ein hippes Image. Diesen Deal sind schon die RnB-Sängerin Amber Mark, der Singer/Songwriter Mike Hadreas aka Perfume Gemius und der Kölner DJ Marius Lauber aka Roosevelt eingegangen.

Auch Japanese Breakfast haben die Möglichkeit genutzt und melden sich nun mit einer neuen Single namens „Essentially“zurück. Die one-off Single ist Teil eines Samplers für W Records. Aufgenommen in der W Sound Suite von W Bali, begibt sich der Song in die gleiche Soundwelt wie ihr 2017er Album „Soft Sounds From Another Planet“, nämlich Synthie-intensiver Dance-Pop.

„Ich wollte ursprünglich ein anderes Lied aufnehmen, entschied mich aber, gleich nach meiner Ankunft in Bali etwas zu schreiben“, teilte Songwriterin Michelle Zauner in einer Pressemitteilung mit. „Ich mag die Herausforderung, manchmal schnell und intuitiv zu schreiben und zu arrangieren, und ich hatte mir gerade eine Native Instruments Maschine gekauft und wollte viele der enthaltenen Sample-Bibliotheken erkunden und an den im Studio vorhandenen Synthies arbeiten. Es war ein sehr idyllischer Ort zum Arbeiten.“

Mark Ronson – Late Night Feelings ft. Lykke Li

Mark Ronson hat es drauf, wenn es darum geht, Musik zu produzieren, die einerseits zwar Retro-Charme hat, andererseits dennoch zeitgemäß ist. Beispiele dafür sind natürlich seine Produktionen mit Amy Winehouse, mit ihr wurde die Retro-Welle praktisch los getreten, oder Bruno Mars, der mit seinem nach Rappers Delight klingenden Uptown Funk erwachsen geworden ist. Auch Miley Cyrus „Nothing Breaks Like A Heart“ ist noch gut im Ohr. Gleiches gelingt ihm nun mit der schwedischen Sängerin Lykke Li. In dem Video Late Night Feelings wird sie zur Dico-Queen und damit das Thema Dicso wieder en vogue.

Anna of the North – Used To Be

Und nochmal Musik aus Skandinavien. Warum ich Anna of the North besonders mag und mit einem Reiseerlebnis nach Oslo verbinde, habe ich ich an andere Stelle (hier) berichtet. In ihrem neuesten Musikstück Use To Be befasst sich Anna Lotterud, wie Anna of the North im wirklichen Leben heist, mit den Ablenkungen, die die heutige Zeit bietet, welche Gift für eine Beziehung sein können.

Now you’re spending all your money on the things you don’t need
When all that really makes you happy are the things you can’t see
Our shit, it shouldn’t be this hard, you know that love is for free
So come and spend a little time on me
Remember how we used to be
Remember how we used to be

Die Melodie bleibt in den Ohren und beim Video kann schon deshalb nichts schiefgehen, weil niedliche Hunde drin vorkommen.

KEØMA – Lovers

Neues von der umtriebigen Kat Frankie . Die australische Wahlberlinerin ist Teil des Indie-Pop Duos KEØMA (nur echt mit dänischem Ø !), benannt nach einem klassischen Italowestern aus den 1970er Jahren. Gegenpart ist der Kölner Rockmusiker Chris Klopfer. Kat Frankie ist die Produzentin von KEØMA. Auf ihrer Website heben sie hervor, dass weibliche Producer selten im Popbetrieb sind und Kat Frankie auch als Producerin mit ihrem sprichwörtlichen Perfektionismus und Herzblut zugange ist, so dass KEØMA zu keinem Moment wie das Nebenprojekt zweier ansonsten ohnehin gut ausgelasteten KünstlerInnen klingt, sondern ausgereift und perfekt arrangiert, im besten Sinne erwachsene Musik voller Ideen und Erfahrung.

KEØMA nahmen 2016 am ESC-Vorentscheid Unser Lied für Stockholm mit dem Titel Protected teil. Sie belegten nur Platz 8 von 10 Teilnehmern. In meinen Augen ist das ein Qualitätsmerkmal. In diesem Jahr zeigt das Abschneiden von Lilly Among Clouds, dass gute MusikerInnen für den ESC eben nicht gewählt werden.

Mit der Singel Lover kündigen Kat und Chris übrigen ihr zweitees Albunm mit dem Titel Saudade an (VÖ 07. Juni 2019) Saudade ist portugiesisch und lässt sich mit „Traurigkeit“, „Wehmut“, „Sehnsucht“, „Fernweh“ oder „sanfte Melancholie“ annähernd übersetzen.

WEYES BLOOD – Neues Album: Titanic Rising

EVERYDAY – Wes Craven lässt im Video grüßen

Eine Melodie, wie aus einem Song der Kinks. Eine Stimme, die an Karen Carpenter erinnert. Jedoch im Gegensatz zu den Carpenters, deren Songs sich mit Liebesbeziehungen und Trennungsschmerz befassten, explodiert Natalie Mering vor Begierde , wenn sie für sich wahre Liebe an jeden Tag fordert. Wenn sie „I need a love everyday, I need“ singt, hat man keine Zweifel, wonach sie sich sehnt. Dazu ein schwarzhumoriges Video, das sich an den Scream-Filmen von Wes Craven orientiert. Das sind die Zutaten, die Natalie Mering bei dem Track Everyday gekonnt zusammen gefügt hat.

Als Künstlerin nennt sich Natalie Mering WEYES BLOOD. 2011 veröffentlichte sie ihr Debütalbum The Outside Room. Seitdem hat sie drei Alben veröffentlicht.

Everyday ist der lebhaftesten Track auf ihrer vierten LP Titanic Rising. Typischer für das Werk der elegische Track Movies, den Natalie Mering in einem Video präsentiert, bei dem sie selbst Regie geführt hat.

WEYES BLOOD — MOVIES

Die 10 Songs sind eine Hommage an den schönen und großartigen Pop der 70er Jahre, große Arrangements, Streicher, Dramatik, Sentimentalität. Trotzdem ist es ein moderner Sound aus den hier und jetzt. Bei allem Weltschmerz versprechen die Harmonien Hoffnung. Der Titel sagt es aus. Nach der Katastrophe der Titanic folgt ihr Aufstieg. Ein großartiges Album.