MIN t – Start Dancing

Die 27jährige polnische Künstlerin MIN t setzt beim Track „Start Dancing“ der unterkühlte Härte des Industrial-Rave ihre zupackend offensive aber warme Stimme entgegen, der man anhört, dass sie an Neo-Soul und Jazz geschult ist. Weil es so schön passt, zitiere ich hier wörtlich den „Waschzettel“ zur Single:

„Sie geht insofern also einen anderen, den entgegengesetzten Weg zu aktuellen Electropop-Großkünstlerinnen wie Billie Eilish, deren Reduktion und Introspektion sie aufbegehrenden Kampfgeist und ein Spiel mit Kontrasten entgegensetzt. The Prodigy, Nine Inch Nails, die mittleren Garbage und Moloko sind ebenso Namen, die einem in den Sinn kommen könnten, wie die Britney Spears der „Blackout“-Phase und die frühe Lady Gaga.“

„Start Dancing“ ist die erste Single aus dem kommenden Album „Shot To Pieces“, welches am 12. November 2021 erscheinen wird. Man darf gespannt sein.

(Foto: Alexander Labels)

LEYYA – LONGEST DAY OF MY LIFE (EP) VÖ 27.08.2021

Auseinandersetzung mit einer Erkrankung, die jeden treffen kann

Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihren negativen Gedanken befreien. Psychischen Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor mit  Tabus behaftet. „Jeder hat mal einen schlechten Tag!“, „Reiß Dich zusammen!“ Solche Reaktionen sind wenig hilfreich für Menschen, die depressiv sind und hindern sie womöglich, therapeutische Hilfe einzuholen.

Zentrales Anliegen von Leyyas neuem Werk „Longest Day Of My Life“ (VÖ 27.08.2021) ist lobenswerterweise die Enttabuisierung der Krankheit Depression. „Ordinary (der zweite Song auf der EP) ist die schmerzhafte Erinnerung an die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass es mir nicht gut geht. Musik und Text sind als Ventil immer ein Ausdrucksmittel des Inneren – und plötzlich habe ich das auch gehört,“ sagt Sophie Lindinger, der weibliche Teil des Duos, bei der selbst eine Depression diagnostiziert wurde.

Ordinary” war der Initialfunke für die  sechs Stücke umfassenden EP, die von den Schattenseiten der Erkrankung erzählen. Die sehr persönlichen Songs handeln von der mentale Überforderung (I’m Not Sure), von die Flucht in die Musik als letzten Anker (The Paper) und von durchtanzten Nächten auf der Suche nach Erlösung (Lately). Im Bewusstsein, dass die guten und die schlechten Tage kommen und gehen wie Wellen am Meer, entstand  „I’ve Been Down“. Am I Even Real? schließlich beschreibt das tiefe Loch, in das man auf dem Höhepunkt der Erkrankung fällt. Sophie geht offen mit dem  Thema Depression um, denn „irgendjemand muss beginnen, darüber zu sprechen.

Damit ist  die EP „Longest Day Of My Life“ im Prinzip ein kleines Konzeptalbum geworden, womit Leyya selbstbewusst neue kreative Pfade einschlagen. Ihrem typischen Indie/Electro-Pop-Sound erweitert Leyya um Pop-Noir-Einflüsse.

Sophies Gesundheitszustand ist mittlerweile besser und stabiler.

(Foto oben: Gabriel Hyden)

TYCHO UND BENJAMIN GIBBARD (DEATH CAB FOR CUTIE) -ONLY LOVE

Ben Gibbard ist den Freunden von Indie(tronic)-Musik bekannt als unverwechselbare Stimme von Death Cab for Cutie und The Postal Service. Der Elektronikkünstler Scott Hansen ist Mastermind des Musikprojektes Tycho und begeistert mit transzendentem Ambient und Chillwave. Es gibt auch eine Hand voll Tycho-Remixes von Songs anderer Künstler. Scott Hansen ist dabei sehr wählerisch. So gab es schon eimal eine Zusammenarbeit von Gibbard und Hansen im Jahr 2015. „Ich war schon lange ein Fan von Bens Arbeit, als ich 2015 die Chance hatte, einen Remix für den Track ‚The Ghosts of Beverly Drive‘ von Death Cab For Cutie zu machen. Bens Stimme war ein sehr inspirierendes Element, mit dem ich aus produktionstechnischer Sicht arbeiten konnte.“ erzählt Scott Hansen. Als nun für den „Only Love“ der Gesangspart fehlte, war es daher für ihn naheliegend Ben Gibbard hinzuzuziehen. Er schickte ein Demo an Gibbard und der nahm einige Vocals darüber auf. Mit Gibbards zutiefst humanistischer Lyrik ergab der ganze Song plötzlich einen Sinn und das Arrangement entwickelte sich daraus. 

„Als ich 2014 das Buch „This Changes Everything: Capitalism & The Climate“ von Naomi Klein las, stieß ich auf ein Zitat der Ziegenzüchterin und Umweltschützerin Alexis Bonogofsky aus Montana, das mich sehr bewegte.“, erklärt wiederum Gibbard„Als sie über den Kampf um den Schutz der öffentlich zugänglichen Ländereien im Südosten Montanas vor dem Bergbauunternehmen Arch Coal sprach, sagte sie: ‚Die Verbindung zu diesem Ort und die Liebe, die die Menschen für ihn empfinden, das ist es, was Arch Coal nicht versteht. Sie unterschätzen das. Und das ist es, was diesen Ort am Ende retten wird. Nicht der Hass auf die Kohleunternehmen oder die Wut, sondern die Liebe wird diesen Ort retten.’
Als dann Scott mir die Musik für ‚Only Love‘ schickte schien sie perfekt für diese Aussage zu sein. Seit ich Alexis‘ Worte gelesen habe, trage ich sie als eine universelle Wahrheit mit mir herum; dass wir die Menschen, Orte oder Dinge, die uns am Herzen liegen, nur mit Liebe und nicht mit Hass bewahren können. Das ist natürlich oft leichter gesagt als getan. Aber ich ertappe mich dabei, wie ich auf ihre Aussage zurückkomme, als wäre es ein Mantra.“


Odd Beholder – Accept Nature

Beim  Electronica / Art Pop Projekt Odd Beholder der Schweizer Musikerin Daniela Weinmann ist die visuelle Umsetzung oft ebenso kunstvoll, wie die Musik. So auch bei diesen Video. „Accept Nature“ ist ein Stück über Obsessionen, die hervorgerufen werden durch permanent unrealistische und oft sinnlose Arbeitsziele.

Weinmann sagt über den Track und über das Video: „Accept Nature“ erzählt die Geschichte einer Schlaflosen, die sich nachts lustige Tiervideos auf ihrem Handy ansieht. Sie ist chronisch gestresst, weil sie das Gefühl hat, bei der Arbeit mit Maschinen konkurrieren zu müssen. Also wünscht sie sich, entweder auch eine Maschine zu werden oder wie ein Tier in der Wildnis zu leben und überleben, wo ihre Instinkte und Gefühle ein Vorteil statt ein Nachteil wären. Im Videoclip hat die Protagonistin das Trauma ihres chronischen Stresses in ein kathartisches Liebesobjekt verwandelt. Sie verliebt sich in ihr Trainingsgerät. Um ihre Beziehung oder ihren Kink zu leben, muss sie nachts in ein Fitnessstudio einbrechen. Ironischerweise lässt der Wunsch, sich in ein gnadenlos konkurrenzbetontes Arbeitsumfeld einzufügen, sie letztlich aus dem Mainstream (der Sexualität) aussteigen. Sie erkundet eine Leidenschaft, die interessanter ist als Produktivität und Konformität. Und diese aufregende Erkundung hilft ihr, mit der Unruhe umzugehen, die sie jede Nacht verspürt. Wenn man sowieso nicht schlafen kann, kann man genauso gut in ein Fitnessstudio einbrechen und ein Fitnessgerät verführen, oder?

Eines Nachts wird sie von einer Reinigungskraft entdeckt. Diese Frau beobachtet sie in aller Ruhe und mischt sich eine ganze Weile nicht ein. Wie die Tänzerin bricht auch sie ein paar Regeln: Sie bringt ihren Hund mit zur Arbeit und sie verbringt die Nacht im Fitnessstudio, um den intimen Moment zwischen der Frau und dem Trainingsgerät zu beobachten. Als sie sich schließlich entschließt, vorzutreten und das Licht einzuschalten, schmeißt sie sie nicht raus. Stattdessen signalisiert sie, dass sie gerne mitmachen würde. Ich interpretiere dies als einen zweiten Schritt in der persönlichen Entwicklung der beiden Frauen: Nachdem sie sich auf der Suche nach Liebe, Trost und Wärme an Hunde und Maschinen gewandt haben, sehen sie sich endlich gegenseitig. Sie entdecken endlich Solidarität und werden neugierig aufeinander. Happy End: Die gestresste und ausgegrenzte Mitarbeiterin findet eine unerwartete Verbündete, nachdem sie sich getraut hat, ihre wildesten und schrägsten Gefühle auszuleben. „

Leyya – Lately

Die neue Single des ein österreichischen Elektropop-Duos Leyya  ist ein melancholisches Tanzstück mit treibendem Beat, wie gemacht für schweißtreibende Nächte im Club (das gab es mal). „Lately ist eine Flucht aus dem Kopf in den Körper“, meint Sophie Lindinger, der weibliche Teil des Duos. Tanzen als notwendiger Eskapismus, um die Sorgen für eine Nacht zu vergessen:  „And stay up til I met the sun“, wie es im Text heißt. Ein sprichwörtliches „Dance away the tears“. Es geht um den Faktor Erholung oder gar Erlösung. „Lately“ reiht sich in den Songzyklus der kommenden EP „Longest Day Of My Life“ (VÖ: 27.08.21) ein, der sich mit dem Thema mentale Gesundheit auseinandersetzen wird.

(Foto oben: Gabriel Hyden)

Lucy Dreams – Dreamland

K.I. hält Einzug in die Pop-Musik

Lucy Dreams sind ein Dreampop-Trio aus Wien, bestehend aus  David Reiterer und Philipp Prückl und Lucy. Lucy ist ein kugelförmiges eigenständiges System aus digitalen und analogen Effekten, welches David und Philipp spezifisch für ihre Musikproduktion entwickelt haben. Lucy kann eigene Klangwelten und wie ein Chat-Bot selbstständig Lyrics entwickeln, wenn sie mit entsprechenden Vorlagen gefüttert wird . Lucy ist in diesem Sinne eine auf Klangerzeugung getrimmte künstliche Intelligenz (K.I.). David und Philipp gehen soweit, dass sie Lucy ein künstliches Bandmitglied betrachten.

Wer nun wen das inspiriert, die Maschine die Musiker, oder umgekehrt, lassen David und Philipp letztlich ungeklärt . Das ist aber auch ziemlich egal, denn es zählt das Produkt und das ist feinster Dreampop. Lucy Dreams träumt von der Schönheit der Welt, die es zu erhalten gilt, weil wir keine zweite haben. Als musikalische Paten sind ein bisschen Empire of the Sun erkennbar.

Novaa -I’m Hungry

Antonia Rug ist eine Electropop-Sängerin, Songwriterin und Produzentin aus Berlin. Als Künstlerin nennt sie sich Novaa. Mit   ihrer neuer Single „I’m Hungry“ gibt die junge Künstlerin Einblick in ihr Seelenleben und thematisiert ein leidvolles Problem vieler junger Mädchen. Hier Novaas eigenen Worte: „Oft gibt es ein Bild von Essstörungen, das einen schädlichen und falschen Glamour in sich birgt. Zum Beispiel Schilderungen, dass Menschen eine Essstörung haben, weil sie dünn sein wollen, weil sie einem bestimmten Stereotyp entsprechen wollen, was der Fall sein kann, aber meistens steckt sehr viel mehr dahinter. Als ich etwa 14 oder 15 war, entwickelte ich eine Essstörung. Ich habe lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass ich diese habe, und noch länger, um zu entscheiden, dass ich mich davon heilen will. Manchmal, wenn wir Dinge nicht verstehen, uns selbst, das Leben, die Art und Weise, wie die Menschen mit uns und der Welt umgehen, wenn wir das Gefühl haben, keine Kontrolle über sie zu haben, neigen wir dazu, einfache Lösungen zu suchen. Lösungen, die uns das Gefühl geben, die Kontrolle zu haben. Ich habe die Kontrolle darin gefunden, meinen Körper, mich selbst so zu behandeln, wie ich es wollte, auf eine Weise, die schädlich war. Das war offensichtlich eine Illusion, aber zu dieser Zeit eine sehr überzeugende für mich. Ich bin noch immer und ständig dabei, daraus zu lernen und davon heilen, und ‚I’m Hungry‘ ist ein Teil meines Lern-, meines Heilungsprozesses. Wenn Du mit etwas Ähnlichem kämpfst – ich sehe dich, ich fühle mit dir, you got this.“

Klangkarussell – Home

Klangkarussell veröffentlicht ihr neues Video zu ihrer aktuellen Single „Home“

Das österreichische DJ-Duo „Klangkarussell“ begeistert uns seit ihrem Track Sonnentanz“, der vor einigen Jahren einigen Jahren zum weltweiten Chart-Hit wurde. So ein Charterfolg hat den Nachteil, dass – insbesondere wenn die Künstler*innen vertraglich an ein Musiklabel gebunden sind – ein Recycling des erfolgreichen Produkts erwartet wird und die eigenen Visionen und Entwicklungen hinten angestellt werden müssen. Die beiden langjährigen Schulfreunde haben daraus ihre Konsequenzen gezogen und die Zügel mit ihrem eigenen Label „Bias Beach“ selbst in die Hand genommen. Das funktioniert durchaus erfolgreich, wie z.B. die Singles Ghostkeeper feat. GIVVENsowie fünf weitere Veröffentlichungen seit September 2019 zeigen

.(Foto oben: Bella Lieberberg)

Zu ihrem neuesten Track „Home“ gibt jetzt ein Video von Regisseur Rupert Höller (Leyya, Oehl, Lisa Pac). Höller ist bekannt dafür, dass er die Emotionen des Songs in minimalistischen, aber ergreifenden Bildern umsetzt.

„Home“ handelt davon, dass  auch wenn wir viel unterwegs und frei sein wollen, trotzdem der Wunsch in uns wohnt, die eine besondere Person finden will, für die man alles aufgeben würden. Der Song handelt von dem Augenblick in dem man genau das erstmals realisiert.

HEMES – BREATHE

Dark-Pop Ode an die Mutter

Hemes ist eine junge aufstrebende britisch-arabische Künstlerin. Sie lebt in Südwales und wurde als Kind arabischer Eltern geboren. In ihren Songs thematisiert sie persönlichen Erfahrungen des Erwachsenwerdens, der psychischen Gesundheit und der Selbstfindung. Die neue Single „Breathe“ folgt auf ihre erste Veröffentlichung „Who Needs Love“, die auf der A-Liste von BBC Radio Wales landete. Hemes dunkler Elektro-Pop ist genau das richtige für Fans von Julia Michaels (Issues), Mimi Webb (Reasons), Griff (Good Stuff) oder Greta Isaac.

„Ich wollte, dass Breathe das Gefühl für diese eine Person in deinem Leben einfängt, die deine Ängste abbauen kann, für mich ist es meine Mutter“, sagt Hemes. “ Die Leute sollen an die Person denken können, mit der sie sich besser fühlen, sei es ein Familienmitglied, ein Liebhaber oder ein Freund.“

Breathe ist die erste Single ihrer Debüt-EP „Matters of the Mind“, die vom BBC Horizons Wales Launchpad-Programm und dem Help Musicians Do it Differently-Programm finanziert wird und noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Chaos Ark – Fire

CHAOS ARK ist eine neue Band mit Musikern, die aus der Schweiz, Liechtenstein und Österreich kommen. Michael Schatzmann, Roger Szedalik und Karin Ospelt haben ihr musikalisches Talent in schon verschieden Bands und Kollaborationen eingebracht.  Die Bandbreite geht vom  exzentrischen Pop der Ankathie Koi über  House, Disco und Funk bei Wavetest oder AEIOU bis zu romantischem Americana- Folk bei Suzie Candell. 

Bei CHAOS ARK beteiligen sich alle drei am Schreiben und Produzieren und verbinden so ihre unterschiedlichen Einflüsse. Herausgekommen ist mit der Single “Fire” ein  Crossover, das sommerleichten Neo-Soul mit schmeichelnden jazzigen Vocals und dem sanften Flow des frühen Hip Hops zu einem geschmeidigen Hörvergnügen mischt. Der Soundtrack für die kommende Jahreszeit.