Áslaug – Timezone

Áslaug Vigfúsdóttir heißt die vielversprechende isländisch-niederländische Künstlerin und Songwriterin. Unter ihrem Vornamen Áslaug startete sie 2019 mit ihrer Debütsingle „Take From Me“ ihre Karriere und erlangte besonders in den Niederlanden Anerkennung (einer der beliebtesten Acts von Popronde, 3FM Talent). Die niederländisch-norwegischen Indie- Elektroniker von Klangstof haben einen wunderbaren Remix von“Take From Me“ erstellt. Leider wurden Áslaugs geplanten Live-Auftritte durch Corona gestoppt. Jetzt startet sie mit dem elektronischen, minimalistischen Popsong „Timezone“ neu durch.

In „Timezone“ geht es darum, in einer Partnerschaft Konflikte zu vermeiden und sich in die eigene Gedankenwelt zurückzuziehen. Für die Kommunikation stellt gestörte Kommunikation einen zentralen erzählerischen Aspekt dar. „Andere glauben lassen, dass sie Recht haben und in einem unerwarteten Moment mit voller Überzeugung das Gegenteil beweisen“, beschreibt die Isländerin den Inhalt ihres Songs.

Video Premiere: Nicolas Godin – Another Side

Nicolas Godin, Gründer des Popduos Air hatte Anfang 2020 sein zweites Studio-Soloalbum „Concrete and Glass“ veröffentlicht. Das Konzeptalbum ist eine musikalisch Homage an architektonische Meisterleistungen, z. B. Richard Neutras VDL House in L.A. oder der Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe. Godin ist studierter Architekt. Ursprünglich schrieb er die Musik als Soundtrack für die Architekturausstellung eines Freundes. Am 25. Juni‘ erschein nun eine Expanded Edition von „Concrete and Glass“, die sechs Bonustracks enthält.

Die ‚Expanded Edition‘ wird heute mit dem neuen Song „Another Side“ vorgestellt, bei dem das Grammy-nominierte Alternative-R&B-Duo We Are KING mitwirkt. „Another Side“ wird zusammen mit einem Video veröffentlicht.

( Alle Fotos: Marion Berrin)

Das Video stellt den Song in den Kontext eines Computerspiels, in dem die Hauptfigur Amber The Brave und ihr Hund Rio The Dalmatian eine Reihe von Orten auf der ganzen Welt erkunden. So wie das Album von all die besonderen Bauwerke inspiriert ist und den Hörer dort hin entführt, reist Amber The Brave zwischen virtuellen Wundern.

Oneohtrix Point Never & ROSALÍA – Nothing’s Special

Einen weiteren Track für die Electronica-Playlist „Auf die Ohren-Bassline“ schenkt uns der Soundtüftler Oneohtrix Point Never aus Brooklyn. Der Track „Nothing’s Special“ erschien zuerst als Schlusstrack auf dem selbsbetitelten Magic Oneohtrix Point Never Album im Oktober 2020. An diesem Wochenende erschien der Song nochmal, aber mit der spanischen Sängerin ROSALÍA. ROSALÍA kennen wir . Zuletzt kam ihr „Lo Vas a Olvidarmit Billie Eilish sehr gut an.

Gaspard Augé -Hey!

Gaspard Augé, am besten bekannt als eine Hälfte von Justice ( zusammen mit Xavier de Rosnay) , dem Duo, das Mitte der 2000er Jahre Rock und Rave vereinte, hat sein bevorstehendes Solo-Debütalbum „Escapades“ für den 25. Juni angekündigt. Mit der Veröffentlichung seiner neuen Single „Hey!” erscheint heute ein weiterer Vorgeschmack darauf. Augé und de Rosnay gelten als Meister der elektronischen Musik. Beim Solo von Augé gibt einige Elemente, die mit Justice übereinstimmen – das Knirschen und Surren der Synthesizer, das Cineastische des Ganzen. Escapades soll wie ein barockes Meisterwerk klingen, das die europäische klassische Musik für das 21. Jahrhundert neu interpretiert. Die neue Single „Hey!“ ist wiederum mit einem in der Türkei gefilmten Video unter der Regie von Filip Nilsson versehen, das den atemberaubenden Stunt einer Person zeigt, die den Geigenpart des Songs spielt, während sie in voller Montur auf einem Pferd durch die Steppe prescht. „Das ist das erste, was mir beim Aufnehmen des Tracks in den Sinn kam“, sagt Augé, „ein mongolischer Reiter, der in der Steppe Geige spielt, ein epischer Ritt mit Fernost-Feeling. Filip Nilsson und der fantastische Reiter Metin Yılmaz haben diesen Traum wahr werden lassen.“ So Gaspard über den Song und das Video. (Foto oben: Jasper J. Spanning)

AEIOU – Boomer

AEIOU, die Synthie Pop Band aus Bern verbringt den Lockdown im Studio und released mit „Boomer“ nach „Trigger“ bereits die zweite  Single in dieser speziellen Zeit. „Boomer“ ist ein tanzbarer Synth-Pop-Song, inspiriert vom „Ok Boomer“-Meme. Eine 80er-Synth-Melodie, ein tanzender Afro-Beat, ein  schreiender Babychor. „Boomer“ kommt lieblich daher, ist aber eine  Kritik am Lebensstil der Baby-Boomer-Generation. Der Song hält der  Generation mit ihren Einfamilienhäusern und den perfekt geschnittenen  
Hecken den Spiegel vor. 

Odd Beholder – Disaster Movies

Die Schweizer Musikerin Daniela Weinmann steht hinter dem Electronica/Art Pop-Projekt Odd Beholder. In ihren Werken setzt setzt sich Weimann grundlegenden Themen von gesellschaftspolitischer Relevanz auseinander. Odd Beholders Debütalbum „All Reality Is Virtual“ drehte sich um die Digitalisierung. Mit  ihrem nun anstehenden  Zweitling „Sunny Bay“ beschäftigt sie sich  mit der Natur bzw. mit den romantischen Vorstellungen und der existenziellen Angst, die die Natur in uns auslöst. Die erste Single „Disaster Movies“  aus dem kommenden Album ist Weinmanns künstlerische Weiterführung ihres politischen Aktivismuses. Seit ihrem Debütalbum hat sie den Schweizer Ableger der internationalen Klimaschutz-Organisation „Music Declares Emergency“ mitbegründet. 

Weinmann über „Disaster Movies“: „Zwei Protagonist*innen erinnern sich an ihre pubertäre Nonchalance und daran, wie sie hofften, dass diese verdammte Kleinstadt endlich niederbrennen würde – während sie am  Schauplatz einer realen Katastrophe stehen. Jetzt, wo eine monströse Flut die ganze Stadt     verschluckt hat, fühlen sie keinen Funken Häme.Sie     ankern mit ihrem Boot vor den Ruinen des Stadthauses, als ob sie sich an ein System zu erinnern versuchten, das so gut zu funktionieren schien, bis es versagte. Es kommt ihnen plötzlich so vor, als fänden sie mitten in einem jener Apokalypse filmen wieder, die sie früher so oft geschaut hatten. Allerdings fühlt nichts daran sich heroisch an. Es ist öde und unpraktisch – und ziemlich beängstigend.

Søjus1 – BLAO

Single  aus dem Ambient-Album “ORWO” des Dresdner Duos

Dem Werk des Dresdner Bandprojekt Søjus1 nähert man sich am besten, wenn man es unter musikalisch-cineastischen  Blickwinkel betrachtet, wobei deutlich wird, wie einerseits Musik die visuelle Kraft des Films oder Videos unterstützt und ergänzt, andererseits aber auch eigenständig bestehen kann.  So handelt es sich bei dem Musikvideo zu “BLAO” um ein eigenständiges filmisches Werk mit dem Titel „TOURNEE“, welches von den Medienkünstlerinnen F & S Hoffmann gestaltet wurde. Das Video zeigt Bilder von Flug- und Eisenbahnreisen und ist eine Collage aus  Archiv- Filmmaterial vermischt mit Videoaufnahmen. Der Musik und dem Video ist damit gemein, dass Analoges (Schlagzeug, Bass- und E-Gitarre) und Digitales ( Synthesizer, Samples) kreativ gestaltet werden.

“BLAO” ist eine Auskopplung aus dem Album “ORWO” von Søjus1. Søjus1 sind  Ralf Müller-Hoffmann, der unter dem Pseudonym Sonorous als DJ um die Welt tourte uns Simon Arnold,  der als Jazz-Drummer in verschiedenen Combos gespielt hat (Foto oben: Frank Bessin). Auf dem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2015 ist übrigens als Sängerin Inéz Schaefer zu hören, die aktuell in dem Duo Ätna für Furore sorgt (Titel 030).

ORWO – Ein Instrumental-Album zum Abheben

ORWO”  ist das zweite Album von Søjus1. Es beinhaltet eine Abwendung von Trip-Hop- und Popmusik-Spuren des Debütalbums und eröffnet eine cineastischen Atmosphäre. Tatsächlich hat ein Film und die Auseinandersetzung damit eine große Rolle gespielt, denn Ursprung war die Live-Vertonung des Stummfilms „Der Fuhrmann des Todes“ (Schweden, 1921, Regie: Victor Sjöström) für ein Programm-Kino. Schließlich überarbeitete  Søjus1 ihren Soundtrack so, dass er als reines Musikalbum wie bei einer Progrock-Band als von Anfang zum Ende durch zuhörendes Gesamtkunstwerk funktioniert. Impulsgeber könnten Bandsund Künstler wie Cinematic Orchestra, DJ Shadow, Massive Attack, aber auch Pink Floyd und Philip Glass sein, wobei Søjus1 dabei aber eine ganz neue Sprache entwickelt. Besonders sticht die Qualität des Schlagzeugs hervor, das in einigen Stücken eine dominante Rolle übernimmt. 

Aropos Sprache, Gesang findet auf „ORWO“ nicht statt und wird auch nicht vermisst,. Die Sprache von Ralf Müller-Hoffmann und Simon Arnold ist allein die instrumentale Musik.

Sympathisch ist die Authentizität der beiden Akteure, die, wie der Bandname zeigt, zu ihrer Jugendzeit in der DDR stehen, in der die Kosmonauten, die mit den Sojus-Raumkapsel, flogen Helden waren. Auch der Titel des Album hat sowohl einen Bezug zum Film, als auch zur DDR. Der Name ORWO kam mir sofort bekannt vor.  Als ich noch analog  fotografiert und die Filme selbst entwickelt habe, habe ich häufig das qualitativ gute Filmmaterial der Marke “Orwo” aus der DDR benutzt.

Luk Lookas – A single point – feat. Conor Graver

Luk Lookas (Lukas Mimlich)  aus der steirischen Landeshauptstadt Graz hat von der Pike auf  das Handwerk des  Tontechnikers erlernt und bereits mit namhafte Opern -und Filmregisseur*innen wie Josef Köpplinger, Florentine Klepper oder Henry Mason zusammen gearbeitet. An der Oper Graz  betreut er auch die Tanzkompanie von Darrel Toulon als Sounddesigner. Darüber hinaus ist Luk als Tontechniker bei  Pop-Acts wie dem Elektro-Swing DJ “dunkelbunt” oder den Austro-Rockern “Attwenger” gefragt.  Gleichzeitig ist der Mann, der in seinem Berufsleben immer für den guten Ton sorgt und die Frequenzen passend mischt, selbst Musiker und spielt Schlagzeug in verschiedenen Bandprojekten,  z.B. beim alternativen PEAL-Festival in Leutasch in der Steiermark, ein Festival, das er selbst  mitorganisiert hat. 

Luks Leidenschaft ist aber die Beschäftigung mit Musikprogrammen und Sequenzern. Zuhause vorm Computer entwickelt und produziert er clubtaugliche elektronische Musik. Jetzt sieht er den Zeitpunkt gekommen, mit seinem neuen Projekt „Luk Lookas“ durchzustarten und in  seinem Leben einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Nämlich seine eigene Musik.

Die erste Single “A single point” entstand in kongenialer Zusammenarbeit mit dem in Graz lebenden irischen Sänger und Songschreiber, Gitarristen und Keyboarder Conor Graver. Beats und Baselines verschmelzen mit meditierenden Trance Sounds. Die Lyrics befassen mit der Dualität von Gegensätzen, die sich im Menschlichen vereinen, die Möglichkeiten sich mit jedem zu verbinden und die Einsamkeit, die Herausforderungen der  Gegenwart und die Sehnsucht nach dem Ursprung. Luk Lookas bezeichnet seine emotionale Mischung aus Melodic Techno, Trance und House als „TranscenTechno“. Ziel ist es, den Zuhörenden zu innerer Ruhe und transzendaler Kraft zu verhelfen.

Das hypnotische Video zu “A Single Point” wurde von Luk Lookas selbst produziert mit beinahe keinem Budget und wurde ausschließlich mit einem Handy gefilmt.

Der Song ist ab sofort Bestandteil Der Playlist „Auf die Ohren – Bassline“.

Zsüd – Player

Werfen wir noch einen Blick auf die ungarische elektronische Musikszene. Eine Aufsteigerin im Bereich Electronica ist Zsüd. Die  Produzentin, Sängerin und Songwriterin erlernte als Kind klassisches Klavierspiel. Nachdem sie ihr Studium mit einem Master in Ingenieurwissenschaften abschloss,  widmete sie sich wieder der Musik, allerdings unter dem Blickwinkel ihrer im Studium erworbenen technischen Kenntnisse. Zsüd studierte Musikproduktion und Sounddesign und ist jetzt Co-Leiterin von imPro, Budapester Schule für Musik und Technologie. Alle Lehrkräfte von imPro sind selbst als Musiker aktiv. Der Track Player stammt aus Zsüds erster LP REWIRING, die gerade erschienen ist. Die Protagonisten des Videos  sind übrigens trotz ihres jugendlichen Alters Großmeister*in bzw, Europameister in ihren Sportarten.

Bärensprung – Was dir fehlt

“Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!”, singt Pippi Langstrumpf. Die Idee von Astrid Lindgren, Kindern eine phantasievolle starke Persönlichkeit als Identifikationsfigur anzubieten, ist ohne Frage pädagogisch wertvoll. Als Erwachsener seine eigene alternative Wahrheit zu stricken, ist mindestens ambivalent. Denke ich an meine Frau, meine ich, sie sei die schönste der Welt. Dieses einem Realitätscheck zu unterziehen, ist in unserem Fall ebenso unangebracht, wie unnötig. Der Beweis dafür ist, dass unsere Beziehung schon so lange besteht. Bei toxischen Paarbindungen hingegen, ist so eine romantische Überhöhung geradezu gefährlich. 

Ein Gesamtkunstwerk

In dieses gedankliche  Spannungsfeld gerät man unweigerlich, wenn man sich  den Song “Was dir fehlt” von Bärensprung bewusst anhört. Der elektronische Sound gibt Raum, über die Lyrik nachzudenken. Wie immer bei Bärensprung bilden Musik und visuelle Umsetzung  ein  Gesamtkunstwerk. Hervorzuheben ist die Schauspielkunst der Theaterschauspielerin Alexa Golfinger, die hier einen maskierten Mann umschwärmt. Wie gut das Gesicht des Mannes nach der Demaskierung aussehen muss, erkennt man nur an ihrem Gesichtsausdruck. Klasse gemacht.