AEIOU – Boomer

AEIOU, die Synthie Pop Band aus Bern verbringt den Lockdown im Studio und released mit „Boomer“ nach „Trigger“ bereits die zweite  Single in dieser speziellen Zeit. „Boomer“ ist ein tanzbarer Synth-Pop-Song, inspiriert vom „Ok Boomer“-Meme. Eine 80er-Synth-Melodie, ein tanzender Afro-Beat, ein  schreiender Babychor. „Boomer“ kommt lieblich daher, ist aber eine  Kritik am Lebensstil der Baby-Boomer-Generation. Der Song hält der  Generation mit ihren Einfamilienhäusern und den perfekt geschnittenen  
Hecken den Spiegel vor. 

Beholder – Disaster Movies

Schweizer Musikerin Daniela Weinmann steht hinter dem Electronica/Art Pop-Projekt Odd Beholder. In ihren Werken setzt setzt sich Weimann grundlegenden Themen von gesellschaftspolitischer Relevanz auseinander. Odd Beholders Debütalbum „All Reality Is Virtual“ drehte sich um die Digitalisierung. Mit  ihrem nun anstehenden  Zweitling „Sunny Bay“ beschäftigt sie sich  mit der Natur bzw. mit den romantischen Vorstellungen und der existenziellen Angst, die die Natur in uns auslöst. Die erste Single „Disaster Movies“  aus dem kommenden Album ist Weinmanns künstlerische Weiterführung ihres politischen Aktivismuses. Seit ihrem Debütalbum hat sie den Schweizer Ableger der internationalen Klimaschutz-Organisation „Music Declares Emergency“ mitbegründet. 

Weinmann über „Disaster Movies“: „Zwei Protagonist*innen erinnern sich an ihre pubertäre Nonchalance und daran, wie sie hofften, dass diese verdammte Kleinstadt endlich niederbrennen würde – während sie am  Schauplatz einer realen Katastrophe stehen. Jetzt, wo eine monströse Flut die ganze Stadt     verschluckt hat, fühlen sie keinen Funken Häme.Sie     ankern mit ihrem Boot vor den Ruinen des Stadthauses, als ob sie sich an ein System zu erinnern versuchten, das so gut zu funktionieren schien, bis es versagte. Es kommt ihnen plötzlich so vor, als fänden sie mitten in einem jener Apokalypse filmen wieder, die sie früher so oft geschaut hatten. Allerdings fühlt nichts daran sich heroisch an. Es ist öde und unpraktisch – und ziemlich beängstigend.

Søjus1 – BLAO

Single  aus dem Ambient-Album “ORWO” des Dresdner Duos

Dem Werk des Dresdner Bandprojekt Søjus1 nähert man sich am besten, wenn man es unter musikalisch-cineastischen  Blickwinkel betrachtet, wobei deutlich wird, wie einerseits Musik die visuelle Kraft des Films oder Videos unterstützt und ergänzt, andererseits aber auch eigenständig bestehen kann.  So handelt es sich bei dem Musikvideo zu “BLAO” um ein eigenständiges filmisches Werk mit dem Titel „TOURNEE“, welches von den Medienkünstlerinnen F & S Hoffmann gestaltet wurde. Das Video zeigt Bilder von Flug- und Eisenbahnreisen und ist eine Collage aus  Archiv- Filmmaterial vermischt mit Videoaufnahmen. Der Musik und dem Video ist damit gemein, dass Analoges (Schlagzeug, Bass- und E-Gitarre) und Digitales ( Synthesizer, Samples) kreativ gestaltet werden.

“BLAO” ist eine Auskopplung aus dem Album “ORWO” von Søjus1. Søjus1 sind  Ralf Müller-Hoffmann, der unter dem Pseudonym Sonorous als DJ um die Welt tourte uns Simon Arnold,  der als Jazz-Drummer in verschiedenen Combos gespielt hat (Foto oben: Frank Bessin). Auf dem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2015 ist übrigens als Sängerin Inéz Schaefer zu hören, die aktuell in dem Duo Ätna für Furore sorgt (Titel 030).

ORWO – Ein Instrumental-Album zum Abheben

ORWO”  ist das zweite Album von Søjus1. Es beinhaltet eine Abwendung von Trip-Hop- und Popmusik-Spuren des Debütalbums und eröffnet eine cineastischen Atmosphäre. Tatsächlich hat ein Film und die Auseinandersetzung damit eine große Rolle gespielt, denn Ursprung war die Live-Vertonung des Stummfilms „Der Fuhrmann des Todes“ (Schweden, 1921, Regie: Victor Sjöström) für ein Programm-Kino. Schließlich überarbeitete  Søjus1 ihren Soundtrack so, dass er als reines Musikalbum wie bei einer Progrock-Band als von Anfang zum Ende durch zuhörendes Gesamtkunstwerk funktioniert. Impulsgeber könnten Bandsund Künstler wie Cinematic Orchestra, DJ Shadow, Massive Attack, aber auch Pink Floyd und Philip Glass sein, wobei Søjus1 dabei aber eine ganz neue Sprache entwickelt. Besonders sticht die Qualität des Schlagzeugs hervor, das in einigen Stücken eine dominante Rolle übernimmt. 

Aropos Sprache, Gesang findet auf „ORWO“ nicht statt und wird auch nicht vermisst,. Die Sprache von Ralf Müller-Hoffmann und Simon Arnold ist allein die instrumentale Musik.

Sympathisch ist die Authentizität der beiden Akteure, die, wie der Bandname zeigt, zu ihrer Jugendzeit in der DDR stehen, in der die Kosmonauten, die mit den Sojus-Raumkapsel, flogen Helden waren. Auch der Titel des Album hat sowohl einen Bezug zum Film, als auch zur DDR. Der Name ORWO kam mir sofort bekannt vor.  Als ich noch analog  fotografiert und die Filme selbst entwickelt habe, habe ich häufig das qualitativ gute Filmmaterial der Marke “Orwo” aus der DDR benutzt.

Luk Lookas – A single point – feat. Conor Graver

Luk Lookas (Lukas Mimlich)  aus der steirischen Landeshauptstadt Graz hat von der Pike auf  das Handwerk des  Tontechnikers erlernt und bereits mit namhafte Opern -und Filmregisseur*innen wie Josef Köpplinger, Florentine Klepper oder Henry Mason zusammen gearbeitet. An der Oper Graz  betreut er auch die Tanzkompanie von Darrel Toulon als Sounddesigner. Darüber hinaus ist Luk als Tontechniker bei  Pop-Acts wie dem Elektro-Swing DJ “dunkelbunt” oder den Austro-Rockern “Attwenger” gefragt.  Gleichzeitig ist der Mann, der in seinem Berufsleben immer für den guten Ton sorgt und die Frequenzen passend mischt, selbst Musiker und spielt Schlagzeug in verschiedenen Bandprojekten,  z.B. beim alternativen PEAL-Festival in Leutasch in der Steiermark, ein Festival, das er selbst  mitorganisiert hat. 

Luks Leidenschaft ist aber die Beschäftigung mit Musikprogrammen und Sequenzern. Zuhause vorm Computer entwickelt und produziert er clubtaugliche elektronische Musik. Jetzt sieht er den Zeitpunkt gekommen, mit seinem neuen Projekt „Luk Lookas“ durchzustarten und in  seinem Leben einen neuen Schwerpunkt zu setzen. Nämlich seine eigene Musik.

Die erste Single “A single point” entstand in kongenialer Zusammenarbeit mit dem in Graz lebenden irischen Sänger und Songschreiber, Gitarristen und Keyboarder Conor Graver. Beats und Baselines verschmelzen mit meditierenden Trance Sounds. Die Lyrics befassen mit der Dualität von Gegensätzen, die sich im Menschlichen vereinen, die Möglichkeiten sich mit jedem zu verbinden und die Einsamkeit, die Herausforderungen der  Gegenwart und die Sehnsucht nach dem Ursprung. Luk Lookas bezeichnet seine emotionale Mischung aus Melodic Techno, Trance und House als „TranscenTechno“. Ziel ist es, den Zuhörenden zu innerer Ruhe und transzendaler Kraft zu verhelfen.

Das hypnotische Video zu “A Single Point” wurde von Luk Lookas selbst produziert mit beinahe keinem Budget und wurde ausschließlich mit einem Handy gefilmt.

Der Song ist ab sofort Bestandteil Der Playlist „Auf die Ohren – Bassline“.

Zsüd – Player

Werfen wir noch einen Blick auf die ungarische elektronische Musikszene. Eine Aufsteigerin im Bereich Electronica ist Zsüd. Die  Produzentin, Sängerin und Songwriterin erlernte als Kind klassisches Klavierspiel. Nachdem sie ihr Studium mit einem Master in Ingenieurwissenschaften abschloss,  widmete sie sich wieder der Musik, allerdings unter dem Blickwinkel ihrer im Studium erworbenen technischen Kenntnisse. Zsüd studierte Musikproduktion und Sounddesign und ist jetzt Co-Leiterin von imPro, Budapester Schule für Musik und Technologie. Alle Lehrkräfte von imPro sind selbst als Musiker aktiv. Der Track Player stammt aus Zsüds erster LP REWIRING, die gerade erschienen ist. Die Protagonisten des Videos  sind übrigens trotz ihres jugendlichen Alters Großmeister*in bzw, Europameister in ihren Sportarten.

Bärensprung – Was dir fehlt

“Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!”, singt Pippi Langstrumpf. Die Idee von Astrid Lindgren, Kindern eine phantasievolle starke Persönlichkeit als Identifikationsfigur anzubieten, ist ohne Frage pädagogisch wertvoll. Als Erwachsener seine eigene alternative Wahrheit zu stricken, ist mindestens ambivalent. Denke ich an meine Frau, meine ich, sie sei die schönste der Welt. Dieses einem Realitätscheck zu unterziehen, ist in unserem Fall ebenso unangebracht, wie unnötig. Der Beweis dafür ist, dass unsere Beziehung schon so lange besteht. Bei toxischen Paarbindungen hingegen, ist so eine romantische Überhöhung geradezu gefährlich. 

Ein Gesamtkunstwerk

In dieses gedankliche  Spannungsfeld gerät man unweigerlich, wenn man sich  den Song “Was dir fehlt” von Bärensprung bewusst anhört. Der elektronische Sound gibt Raum, über die Lyrik nachzudenken. Wie immer bei Bärensprung bilden Musik und visuelle Umsetzung  ein  Gesamtkunstwerk. Hervorzuheben ist die Schauspielkunst der Theaterschauspielerin Alexa Golfinger, die hier einen maskierten Mann umschwärmt. Wie gut das Gesicht des Mannes nach der Demaskierung aussehen muss, erkennt man nur an ihrem Gesichtsausdruck. Klasse gemacht.

RⱯHM – semiautomatical

Der erste Review des Jahres 2021 gehört dem in Indiana lebende Sänger, Songwriter und Produzent Rahm Silverglade alias RⱯHM. Genau am Neujahrstag veröffentlicht er seinen Track „semiautomatical“. Es ist überhaupt erst seine 3. Single.

Heisenbergsche Unschärferelation

Pumpende Beats und elektronische Impulse haben eine hypnotische Wirkung . Dazu kommt der Gesang oder besser die verschiedenen Stimmen , die sich nicht mehr auf einen Ort festlegen lassen und das ganze Hirn durchfluten. RⱯHMs Absicht: „diese ganze sache wo ich sehr ruhig singe und mich selbst 5 mal über mich drüber lege bis ich dieses omnipräsente flüstern aus penetranter flüstriger omnipräsenz werde. ich liebe einen einfachen vocaltake, aber ich liebe auch diese überallheit. vielleicht weil ich meine eigenen gedanken auch nicht an einem einzigen ort des stereospektrums höre. die stimme meiner gedanken ist irgendwo und ich kann sie deutlich hören, aber ich würde nicht sagen, sie ist in der mitte. versteht ihr, was ich meine? irgendwie überall.“

Aus Sicht der Quantenmechanik ist das völlig normal. Ebensowenig wie es nicht möglich ist, die Dauer und die Frequenz einer Schallwelle gleichzeitig exakt zu bestimmen, ist es unmöglich gleichzeitig Ort und Impuls von Gedanken zu betrachten. Sie sind also überall und nirgends. Denk mal daüber nach. Auf die Ohren Wüscht ein glückliches neues Jahr.

Tripping with Nils Frahm

Die Vorweihnachtszeit die Zeit im Jahr, die man nutzen sollte, alles etwas langsamer anzugehen, um zur Besinnung zu zukommen. Sich bloß nicht in den Konsumwahn hinein zwingen lassen, der alljährlich zum Weihnachtsfest hin ausbricht. In diesem Jahr braucht man keine Geschenke, weil man die Verwandtenbesuche ohne schlechtes Gewissen ausfallen lassen kann, um den R-Wert zu senken. Man findet also die innere Ruhe, sich zurückzuziehen, den Kopfhörer aufzusetzen und gute Musik zu hören. Weil man Zeit und Muße hat, darf es ruhig etwas anspruchsvoller in Albumlänge sein. Genau dafür findet ihr bei “Auf die Ohren” ab sofort ein paar Vorschläge. Keine Angst, es ist keine Weihnachts-Compilation dabei.

Auf die Ohren – Zwischen den Jahren

Eine unbedingte Empfehlung zum vertieften Hören ist Tripping with Nils Frahm. Der in Hamburg geborenen Nils Frahm hat sich schon in früher Kindheit mit Werken klassischer und zeitgenössischen Komponisten befasst, zumal er von einem namhaften russischen Pianisten am Klavier ausgebildet wurde. Jetzt hat er sein Quartier in Berlin aufgeschlagen und im Wedding sein Studio Durton gegründet. Seine dort produzierte Kombination aus Elementen der Neoklassik und minimalistischen Elektroklängen findet inzwischen weltweite Anerkennung. Nicht nur seine Studioalben kommen an. Wenn Frahm mit Orchester und seinen vielen elektronischen Instrumente auf Tour geht, dann sind die großen Konzertsäle im Sydney Opera House, in der Disney Hall in Los Angeles, im Barbican in London oder  in der Elbphilharmonie ruck zuck ausverkauft. Besonders geeignet für Frahms transzendentale Liveshow ist aufgrund seiner Akustik der Saal 1 des alten Funkhauses Berlin. Als er im Rahmen seiner All Melody Tournee zu vier Konzerten im Funkhaus einlud, waren die Tickets binnen Stunden vergriffen. Frahms langjähriger Freund und Filmemacher Benoit Toulemonde hielt die Abende an diesem geschichtsträchtigen Ort mit einem siebenköpfigen Kamerateam fest. Sowohl der Live-Mitschnitt auf dem entstandenen Album als auch der Film Tripping with Nils Frahm sind Dokumente von  Frahms vielfach gepriesenen Fähigkeiten als Komponist und passionierter Live-Musiker. Die besondere Stimmung und Atmosphäre seiner legendären Funkhaus-Shows wird grandios eingefangen. Der Konzertfilm Tripping with Nils Frahm ist auf der kuratierten Streaming-Plattform MUBI anzuschauen.

Wooden Peak – Point

Wooden Peak ist ein Indie / Electronica-Duett aus Leipzig. Üblicherweise mit Gitarre, Schlagzeug, Gesang und elektronischen Begleitern erkunden Sebastian Bode und Jonas Wolter  permanent die musikalischen  Grenzen. Ihr letztes Album “Yellow Walls” erschien 2019. Nun meldet sich Wooden Peak mit der neuen Single Point” zurück. Aus der Duo ist ein Quartett geworden. Verstärkung kommt von Wencke Wollny (Karl die Große, Fatoni) und Antonia Hausmann (Karl die Große, Suntje, Clueso). Sie ergänzen Wooden Peaks Electronica mit BassKlarinette, Posaune und ihrem Gesang. 

Mit der Single Point” kündigt Wooden Peak sein im Februar 2021 erscheinendes fünftes  Album mit dem Titel“Electric Versions”​an.

Jonas und Sebastian erklären ihr neues Werk:

“Die Idee hinter dem Album war die Einfachheit – die Stücke nicht laut, mit leichten Beats und Samples neu zu erfinden und kleinster Besetzung live zu spielen. Während der Studioarbeit entschlossen wir uns, Synthesizer-Melodien und auch Unisono-Parts mit echten Instrumenten einspielen zu lassen. Zu unserer Herzensinstrumentierung gehören schon immer Klarinette und Posaune, wie schon zu hören auf der ​polygon EP ​von 2015 und so wir klopften wieder bei Antonia (Posaune) und Wencke (diesmal mit Bassklarinette) an. Beim Arrangieren und dem Recording wurde sofort klar, dass wir wieder im Ensemble zusammenkommen wollen.”

WOODEN PEAK live Studio alle Bilder vom Felix Kammerer

TELESKOP

Sebastian Bode und Jonas Wolter sind nicht nur  als Musiker mit  Wooden Peak unterwegs. Mit TELESKOP verfolgen Sie ein Gesamtkonzept  aus Studio, Label und Sammelbecken für besondere Musik. 

Negative Youth -„Run to the Bahn“ und „Sons & Daughters“

Johnny Neon ist ein Musikproduzent aus Berlin, der ursprünglich aus Kapstadt stammt. Er macht unter dem Namen Negative Youth Musik, die er als als Darkwave Electronic Music oder als Synthwave bezeichnet . Negative Youth haben zwei Singles veröffentlicht, die mich in ihrer Soundästhetik voll gepackt haben „Run to the Bahn“ und „Sons & Daughters“ mit der südafrikanischen Sängerin Eve Rakow . (Beitragsbild: Nicolaas Kotzé)