SOBI – Home One Day

Foto: Laura Scheppers

SOBIs Debüt-EP erschien am 14.02.

Für die in London aufgewachsene Singer-Songwriterin SOBI war Musik schon immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. Musik ermöglichte es ihr, sich auszudrücken und ihre Schüchternheit zu überwinden. So begann sie im zarten Alter von 16 Jahren, eigene Songs zu schreiben und aufzuführen. Sie spielte seitdem mehrere Tourneen, um sich in Großbritannien und Deutschland einen Namen zu machen. SOBI erzählt in ihren Liedern emotionale Geschichten von Beziehungen, glückseligen und traurigen Erlebnissen, dunklen Zeiten und hoffnungsvollen Silberstreifen. Als Inspiration und Vorbilder gibt SOBI die New-Folk-Szene und Künstler wie Laura Marling und Noah and the Whale an. Wie bei Julien Baker kontrastiert ihr zarter Gesang zu der harten E- Gitarre, die sie spielt.

Seit dem 14.02. 2020 ist SOBIs Debüt-EP „Home One Day“ auf allen Plattformen anzuhören. Leitfaden der fünf Songs ist das Thema der Mental Health in aller Vielfalt. In „Devil“ und „Pull It Together“ geht es über Ängste, „Missing You“ hat den Liebeskummer im Fokus – während „Pearl“ den engen Mutterinstinkt und „Human“ die Vergebung und Empathie thematisieren. SOBI sagt dazu:

“The songs on this EP are some of the most personal songs I have written. The central theme is hope. I feel like we’re all constantly wrestling with our demons, but there’s this knowledge that something better is just beyond the horizon. That’s the hope we need to keep going. ” 

Home One Day markierte den Beginn eines neuen Kapitels für SOBI und ihre Musik. Nachdem sie ihre Songs jahrelang ganz alleine geschrieben und aufgeführt hatte, war es ein großer Schritt, das Team zu erweitern und mit dem Produzenten Helge Preuß zusammenzuarbeiten. Der größte Teil der EP wurde im Toolhouse Studio in Deutschland mit SOBIs Band aufgenommen, die seitdem ausgiebig mit ihr in ganz Deutschland tourte.

Swutscher geben ihren Senf dazu

Foto: Jonas Albrecht

Am 14.2. erscheint die EP „Senf“ von Swutscher aus Hamburg

Entschuldigung, der Titel dieses Beitrags hat sich einfach aufgedrängt. Ich mag deutschsprachige Pop- und Rockmusik. Als nativ nur deutsch sprechender Mensch bin ich gezwungen, z.B. englische Texte zu übersetzen. Englisch habe ich so leidlich in der Schule gelernt. Bei anderen Sprachen habe ich gar keine Chance. Musik hören findet aber mit dem Herzen statt, Übersetzen mit dem Kopf, in Wirklichkeit sind es wohl unterschiedliche Hirnhälften. Das Übersetzen bleibt daher oft auf der Strecke. An diesem Dilemma kommt man bei deutschen Texten vorbei. Was ist aber, wenn man das Getuschel alter Herren wie Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg trotz deutscher Texte nicht versteht, das sogenannte Songwriting von Mark Foster und Co peinlich bedeutungslos findet, oder beim Autotune-Gehabe von Bausa gleich abschalten muss? Hilft da abwarten und Tee trinken? Oder gleich Alkohol? Mitunter muss man ja 5 Jahre warten, bis Thees Uhlmann wieder singt und Sven Regener und seine Element of Crime veröffentlichen auch nicht ständig.

Senf Cover – La Pochette Surprise Records

Da hilft es , sich bei jungen alternativen deutschsprachigen Rockbands umzuschauen und stößt auf die hamburgische Band Swutscher. Während ihr Debütalbum „Wilde Deutsche Prärie“ sich nach alternativer Country-Musik mit deutsch Texten anhörte, etwa das betrunkene (und bessere) Gegenstück von Truck Stop, kann man bei bei den vier Stücken der am Freitag raus kommenden EP „Senf“ eine Erweiterung des Spektrums erfahren. „Affenkönig“ lässt Erinnerungen an Ton Steine Scherben wach werden, nicht zuletzt , weil der Text sozialkritisch verstanden werden kann. Der Affenkönig bringt die Welt an den Rand des Abgrundes. Für Affenkönig kann nach Belieben den Name eines Staatsoberhauptes, welches aus unerfindlichen Gründen gewählt wurde (Trump, Johnson, Erdoğan) oder eines ungewählten Despoten einsetzen. Oder ist der Affenkönig gar das wilde Tier, das in uns regiert und giert.

Auf Achse“ befasst sich zwar mit dem in der Countrymusik beliebten Thema „Trucker-Romantik“, wird aber hier mit einer Punk-Attitüde dargebracht, wie es seinerzeit die Nina Hagen Band (Ich Glotz TV) vermocht hatte. Die A1 ist eben nicht die Route 66, sondern Stau bei Bremen Brinkum und Sanifair-Toiletten. Im kurzen Track „Schuften“ (01:51) kehren die Jungs von Swutscher wieder die norddeutschen Countryboys heraus. Sie steigern das Bruttosozialprodukt unterlegt mit einen ordentlichen Trainbeat, wie bei einem Johnny Cash- Song.

Das schönste Stück auf der EP is zugleich das letzte. „Nimmersatt“ glänzt durch ein wunderschönes irgendwie altmodisch vertraut klingendes Gitarrenriff. Es fühlt sich wie eine staubige Veranda bei Sonnenuntergang im kalifornisch-mexikanischen Grenzgebiet an. Der Gesang von Sascha Utech könnte ebenso gut in die Fernsehserie Berlin-Babylon gehören. Das fantastische dabei ist, das alles so gut zusammenpasst.

Fazit: Swutscher ist der norddeutsche Ausdruck für jemanden, der ein liederliches Leben führt. Ihren Stiel nennen Swutscher Alkofolkpop. Auf einer EP mit nur vier Stücken so eine musikalische Bandbreite vorzulegen, zeugt nach meine Ansicht aber weniger von hohem Alkoholkonsum, sondern von vielmehr von hoher Professionalität.

Auf der Swutscher-Tour mag es sein, das sich Alkoholkonsum und hohe Professionalität einander nicht ausschließen. Gewiss schmeckt Bier (Astra?) zu der Musik vorzüglich. Deshalb hier die

Tourdaten

13.02. Hamburg – Komet (Release-Show I)
14.02. Hamburg – Komet (Release-Show II)

31.03. Köln – Bumann & Sohn
01.04. Nürnberg – MUZ Club
03.04. Stuttgart – ClubCANN
04.04. München -Heppel & Ettlich
06.04. AT-Wien – Rhiz
07.04. Dresden – GrooveStation
08.04 Leipzig – Naumanns
09.04. Würzburg – CAIRO
10.04. Solingen – Waldmeister 
11.04. Düsseldorf – Ritus

Robert Glasper-Fuck Yo Feelings

Robert Glasper hatte als Sohn einer Jazz- und Blues-Sängerin und Kirchenchorleiterin schon seit frühester Kindheit eine Verbindung zu Jazz, Blues und Gospel. Er studierte Jazz an einem Konservatorium in New-York und spielte als Jazz-Pianist mit verschiedenen Jazz-Größen zusammen. 2015 war er zudem als Produzent, Komponist und Arrangeur an dem 2015 erschienen Miles Davis-Biopic „Miles Ahead“ beteiligt.

Am 07.02. erscheint Robert Glasper „Fuck Yo Feelings“ in physische Version (CD/LP)

Schon während des Studium in New -York, durch die Freundschaft zum Neo-Soul-Sänger Bilal, kam Robert Glasper mit der HipHop-Szene in Kontakt. Daraus resultierten ein Netzwerk und zahlreiche Kollaborationen mit namhaften MusikerInnen des Genres, darunter Mos Def, Kendrick Lamar, Jay-Z, Kanye West und Talib Kweli. (Fotos rechts und unten links: Samantha J.)

Feat. – Yasiin Bey, Herbie Hancock, Andra Day, YBN Cordae, Terrace Martin, Baby Rose, Bilal, Buddy, Denzel Curry, Mick Jenicks, SiR, Rapsody uvm.

In dem derzeitig gesellschaftlich angespannten Klima in den USA, in dem People of Color wieder verstärkt um ihre Rechte kämpfen müssen, fühlte sich Glasper aufgerufen, sein Netzwerk zu nutzen, um ein Zeichen zu setzen. Ende Mai 2019 buchte Glasper für zwei Tage die Henson Studios in Los Angeles. Er rief Drummer Chris Dave, Bassist Derrick Hodge und DJ Jahi Sundance an, vorbeizuschauen und zu jammen, lud Fotografen, Freunde, Familie, Musiker, Sänger, Rapper und Dichter ein, um abzuhängen und zu sehen, was passiert. Durch die Zusammenarbeit mit diesen verschiedenen gleichgesinnten Künstlern entstand in der kurzen Zeit ein Kunstwerk kreativer Improvisation.  Fuck Yo Feelings Mixtape musste nur fertig gemischt werden. Im Oktober letzten Jahres erschien die digitale Version des Mixtapes von Robert Glasper, nun folgen die physischen Versionen.

Robert Glasper – Fuck Yo Feelings Trailer

Glasper beschreibt die Entstehung der Mixtapes so. Er habe sein Netzwerk als Plattform nutzen wollen, um therapeutisch Frustration durch Kunst zu kanalisieren. Während sie jammten, habe SiR Songs geschrieben, andere hätten etwas ergänzt, einen bestimmten Groove. Er habe etwas dazu geschrieben.

Es sei wirklich unglaublich gewesen, wie alles passierte sei. Affion Crocket habe sofort das Intro mit dem gesprochenen Worten verfasst. Der Jazz-Gigant Herbie Hancock habe mehrere Songs gespielt, darunter einen mit YBN Cordae (der Rapper habe, während er an der Bar im Studio saß, zuhörte und seinen Drink nippte, seinen Vers geschrieben). West Memphis-Sängerin Yebba sei in der Gegend gewesen und habe schließlich am Titelsong mitgearbeitet, und die Multiinstrumentalistin Terrace Martin habe Synthesizer für „This Changes Everything“ gespielt. Endergebnis, das auch Beiträge von Bilal, der Dichterin Staceyann Chin, Yasiin Bey, Andra Day, Denzel Curry und vielem mehr enthalte, sei kein Jazz-Album – es gebe Elemente von R&B, Hip-Hop und experimenteller Musik – und doch verkörpere es den reinsten Geist des Jazz. Es fühle sich unmittelbar, tiefgründig, lebendig und wichtig an.

Bei der Herstellung von Fuck Yo Feelings wurden keine Gefühle gefährdeter Schildkröten verletzt

Weiter sagt er: “I always say I feel like black music is a big house, and I just like to go room to room. I’m gracious and I’m honored that so many amazing artists rock with me.”uck Yo Feelings is really just an acknowledgement of the struggle that’s not yours, and putting your feelings aside. It’s like, this is what I’m going through. Fuck your feelings, this is real. And fuck your feelings, this is real for us.” (And from the lawyers: No endangered turtle’s feelings were hurt in the making of Fuck Yo Feelings.)

Robert Glasper – F*ck Yo Feelings (feat. Yebba)

WE ARE THE CITY – RIP

Album Cover (sinnbus)

Das kanadische Art Rock Trio WE ARE THE CITY hat mit „RIP“ heute sein neues, inzwischen fünftes Album veröffentlicht. „RIP“ ist ein emotionales Prog-Pop-Opus voller Hymnen, wie auch intime Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit geworden.

„RIP“ Hymnisches Album von WE ARE THE CITY erschien heute

Der Titel des Albums ist eine Reminiszenz an Kyle Tubbs von der Band Fields of Green, einem gemeinsamen Freund aus Kindertagen. Zu der Zeit der Arbeit am Album verstarb Kyle Tubbs plötzlich. Sein früher Tod beeinflusste insgesamt die Arbeit – wann immer We Are The City Musik schrieben, fragten sie sich: „Was würde Kyle tun?“

Der schmerzende Titeltrack RIP ist eine so bittersüße Reflextion über die verlorene Freundschaft, auf dem eine improvisierte One-Take-Aufnahme von Sänger Cayne McKenzie zu hören ist, nur wenige Tage nach Bekanntwerden des plötzlichen Todes seines Freundes.

„Was würde Kyle tun?“

Letztendlich hat die Emotionalität den Aufnahmen gut getan. Mehr als seine Vorgänger ist „RIP“ ein eingängiges Album geworden. Der Opener „Killer B-Side Music“ kontrastiert den Elektrosoul der Strophen mit aggressiven Gitarren im Refrain, die Vorabsingle „Song in my Head“ bekennt sich vorbehaltlos zu ihrer Hookline, „You’re so clean“ klingt wie ein Blur-Klassiker in zeitgemäß, und bei „Me + Me“ lassen sie sich von atmosphärischem HipHop inspirieren.

Bandinfo:
Sänger und Keyboarder Cayne McKenzie, Schlagzeuger Andrew Huculiak und Gitarrist David Menzel gründeten We Are The City schon als Teenager und im folgenden Jahrzehnt nutzen sie das Projekt als Ventil für ihre wildesten, kreativen Launen. Sie haben sich maskierte Alter-Egos geschaffen (High School EP 2011), ein Album mit dazugehörigem norwegischsprachigen Spielfilm (Violent 2013) produziert und einen falschen Live-Stream ihrer Aufnahmesessions inszeniert (Above Club 2015). „Ash“, ein neuer Spielfilm, wiederum unter der Regie von Huculiak, feierte gerade seine Weltpremiere auf dem Vancouver International Film Festival. Obwohl „Ash“ nicht direkt mit „RIP“ in der gleichen Art und Weise verbunden ist, wie es „Violent“ war, verfolgt er ähnlich unnachgiebig die Auseinandersetzung mit moralischen Ambiguitäten und menschlichen Fehlern. Er wurde in der Region Okanagan in British Columbia während der verheerenden Waldbrände von 2017 gedreht und enthält wiederum einen Original-Soundtrack von Cayne McKenzie.


Tourdatem:

19.02.2020 – DE – Dresden – Ostpol
20.02.2020 – AT – Wien – B72
21.02.2020 – AT – Steyr – Roeda
22.02.2020 – AT – Weyer – Bertholdsaal
24.02.2020 – DE – München – Milla
26.02.2020 – CZ – Praha – Palác Akropolis
28.02.2020 – CH – Baden – Werkk
29.02.2020 – DE – Mainz – Schon Schön
01.03.2020 – NL – Utrecht – Club 9
02.03.2020 – UK – London – The Grace
04.03.2020 – BE – Antwerpen – Trix
05.03.2020 – DE – Dortmund – Tyde Studios
06.03.2020 – DE – Hamburg – Hafenklang
07.03.2020 – DK – Kopenhagen – Vega
08.03.2020 – DE – Berlin – Musik & Frieden

BALBINA – PUNKT.

Foto: Christoph Kassette

Balbina veröffentlichte am 10. Januar 2020 ihr neues Studioalbum „Punkt.“

Die Tochter polnischer Einwanderer nutzt ihre durch die Gründung des eigenen Labels Polkadot gewonnen Freiheit, um eine neue musikalische Vielfältigkeit zu präsentieren. Balbinas Alleinstellungsmerkmale in der deutschen Musiklandschaft sind zum einen ihre besondere Stimme mit dem dunklen Timbre, die aber auch in höhere Gefilde aufschwingen kann. Diese besondere Art des Gesang ist wohl der Grund , dass Rezensoren sie mit Björk vergleichen (Spiegel). Das andere Merkmal sind ihre lyrischen Texte, die für ihr letztes Studioalbum „Fragen über Fragen“ den Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie „Text Pop“ eingebracht haben. Auch auf dem neuen Werk sind die Texte schon etwas Besonderes. Wenn sie etwa zum Ende der Platte hin in den Songs „Punkt.“ und „kein Ende“ (dessen Rhythmus im Gegensatz zum Titel unaufhaltsam zum endlichen Schlussakkord treibt) über das Ende des Satzes, der Gegenwart, des Lebens und über die Sterblichkeit philosophiert, hat dies schon was Existenzialistischen. Zudem nutzt Balbina die Worte und die Sprache um die Melodien zu unterstützen. Richtigerweise muss man diesmal den Plural verwenden, denn Balbina wechselt spielerisch zwischen deutsch und englisch, wenn es der Klang erfordert. Die Vielfalt , in die sich Balbina freigeschwommen hat, zeigt sich auf Punkt. aber im Musikalischen. Balbina wechselt zwischen den Genres und lässt sich nicht festlegen. Eröffnet wird mit dem gothicartigen Track „Hinter der Welt“, was sehr gut zu ihren schwarzen Outfit auf dem Plattencover und ihrer dunklen Stimme passt. Gothic ist auch das Rammstein-Cover „Sonne“.

In Balbinas Interpretation wird klar, dass der Sonnenaufgang für Wesen der Nacht sehr bedrohlich ist. Es geht aber auch anders . Bei „Weit weg“, in dem Balbina ihre insichgekehrte Gefühlswelt beschreibt, bestimmen tief pochende Synthesizer den Rhythmus. Zum Ende gibt es eine Rap-Einlage von Ebow. „Wanderlust“ ist ein astreines Soulstück mit Temptation-Sampels. Balbina singt, als hätte sie dies in einen Gospelchor gelernt. „Blue Note“ ist klassischer Soul-Jazz, bei dem sie sich eben dieser Blue Notes bedient. In „Langeweile“ singt Balbina die Tonleiter hoch, dass es alles andere als langweilig wird. Zum Schluss gibt es mit „Machen“ noch etwas Dance-Hall . In den Song steigt ein deutscher Sänger ein, den man ebenfalls sofort an seiner Stimme und seinen vertrackten Texten erkennt. Herbert Grönemeyer singt mit, zum Glück ohne den Song dominieren zu wollen, was bei Balbinas stimmliche Präsenz auch schwer fallen würde. An ganz vielen Stellen entwickelt die Komposition auf Punkt. eine orchestrale Wucht, dass man sich vorstellen kann, wie gut dies zusammen mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg klingen wird. Eine solche Aufführung gibt es am 24. April 2020, wenn Balbina mit ihrer Band und dem Deutschen Filmorchester Babelsberg das neue Album „Punkt.“ live im Admiralspalast in Berlin aufführen wird.

Das Album der Woche

Uthlande vom Turbostaat

Das Album der Woche ist das siebte Studioalbum der Flensburger Postpunker von Turbostaat. Die fünf ursprünglich aus Husum stammenden Bandmitglieder, Jan, Rollo, Tobert, Peter und Marten haben sich schon 1999 zusammen getan. Die Band besteht somit schon 21 Jahre.

Uthlande, das ist eine LP mit Heimatklängen, aber in der ureigenen Art von Turbostaat. Dabei geht es natürlich nicht etwa um norddeutsche Shanties. Auch nicht um die raue norddeutsche Landschaft, Deiche und Schafe. Es geht um die Menschen und gesellschaftliche Zustände auf dem platten Land und in den Kleinstädten. Selten hat ein Albumtitel so gut gepasst. Uthlande ist der Begriff für die Inseln und Halligen vor der Norddeutschen Küste, also jenen Landschaften, die außerhalb liegen. Und so befasst sich Turbostaat mit den Außenseitern der Gesellschaft , wie Stine, Luzie oder Stormi. Als Punks selbst außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stehend, gelingt ihnen ein treffender Blick auf Fehlentwicklungen in der Gesellschaft, wie in „Rattenlinie Nord“, wo die Enkel nichts mehr von den Naziverbrechen der alten Generation wissen wollen. Nicht immer sind die Texte so klar verständlich wie Rattenlinie. So schöne Textzeilen wie

„Wer den Schnee umarmt, wird die Kälte
akzeptieren“

(Brockengeist)

lassen Raum für eigene Gedanken. Passend zum Außenseitertum haben Turbostaaat ihre Punk -Attitüde wieder aufgegriffen. Die meisten der live im Studio eigespielten Track sind heftig und schnell gespielt und laut gesungen, ja fast geschrien.

Das letzte Stück „Stomi“ nimmt den Refrain von „Lucie“ auf, allerdings mit einem Chor gesungen. Man kann lebhaft das Gänsehautgefühl beim Konzert vorstellen, wenn alle mitsingen. Apropos Konzert, Turbostaat beschließen ihre Rattenlinie Nord Tour am 31.10.2020 in der Sputnikhalle in Münster. Hier die übrigen Termine:

Rattenline Nord Tournee:
13.02.2020 Jena, Kassablanca
14.02.2020 Köln, Kantine
15.02.2020 Mainz, KuZ Kulturzentrum Mainz
19.02.2020 Hamburg, Markthalle
20.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg (Ausverkauft)
22.02.2020 Dresden, Tante Ju
03.04.2020 Bremen, Schlachthof
04.04.2020 Düsseldorf, Zakk
05.04.2020 Aschaffenburg, Colos Saal
07.04.2020 Marburg, KFZ
08.04.2020 AT-Wien, Werk
10.04.2020 Leipzig, Conne Island
11.04.2020 Rostock, M.A.U. Club
30.10.2020 Hannover, Capitol
31.10.2020 Münster, Sputnikhalle

Alben der Woche

The Big Moon – Walking Like We Do

The Big Moon, die vierköpfige Londoner Frauen-Band um Juliette Jackson, sorgte Anfang 2017 mit ihrem punkigen Debütalbum „Love In The 4th Dimension“ für viel Aufsehen in der internationalen Indie-Rock-Szene. Ihr Zweitwerk Walking Like We Do ist nicht so gitarrenlastig, vielmehr schafft Songschreiberin Juliette Jackson mit Klavierakkorden und sprudelnden Synth-Noten einen optimistischen neuen Sound.

Fat Freddy’s DropSpecial Edition Part 1

Neuseelands Groove Monster Fat Freddy’s Drop spielen seit mehr als 15 Jahren zusammen auf und sind die international erfolgreichste Bands Neuseelands. Sie gelten als eine der besten Live-Bands der Welt. Ihr Name kommt nicht von ungefähr. Der One Drop gehört zu populärsten Schlagzeugrhythmen des Reggaes.Und den spielen Fat Freddy’s Drop richtig fett. Auf dem Album setzen sie den Bläsersatz aber auch richtig funky ein, jedoch nicht hektisch, sondern immer schön entspannt

GEORGIA – Seeking Thrills 

Mit Seeking Thrills beweist die Londonerin, dass sie zurecht in der BBC Sound of 2020 longlist der heißesten neuen Künstler für das kommende Jahr nominiert wurde. Ausführliche Beschreibung h i e r.

Seeking Thrills – GEORGIAs neues Album erscheint heute

“It’s just about finding this feeling that makes you want to jump out and fuck it all and go seek a thrill” –

Georgia

GEORGIA weiß, was sie will und sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Sie ist ist auf der Suche nach Nervenkitzel und den findet sie auf der Tanzfläche. Das neue Album der Sängerin, Songschreiberin, Schlagzeugerin, Multiinstrumentalistin ist gefüllt mit grooviger House-Musik. Mit Seeking Thrills beweist die Londonerin, dass sie zurecht in der BBC Sound of 2020 longlist der heißesten neuen Künstler für das kommende Jahr nominiert wurde. Textlich dreht sich das Album um Hedonismus, Selbstfindung und vor allem der transzendentalen Kraft der Tanzfläche.

In Started Out, der ersten Single, die Georgia von Seeking Thrills veröffentlicht hat, verarbeitet sie den dunklen stampfenden Rhythmus des Instrumentalstücks ‚Can You Feel It‘ von Mr. Fingers und verziert ihm mit fröhlichem Gesang, fast als könnte man ihr Lächeln hören.

About Work The Dancefloor, ist ein Synth-geladener, robyniesker Pop-Song mit einer eingängigen Hookline.

Es finden sich 13 starke Dance-Tracks auf dem Album

Seeking Thrills ist voller Leichtigkeit, Spaß und sprudelnden Melodien. Eine Party mit Elektro-Pop und R&B,  die weiblich ist ohne süß zu sein. Grüblerische Reflexionen tragen durch Euphorie, Kummer und Melancholie und enden doch immer mit der Erinnerung an die guten Zeiten. 
Seeking Thrills hat seine Wurzeln im Chicago House und Detroit Techno der frühen 80er Jahre und verschmilzt analoge Clubsounds mit solidem Pop-Songwriting. Und es zeigt Georgias Affinität zu den Drums.

Zum Abschluss hier nochmal der für mich schönste Dance Track auf dem Album: Never Let You Go

June Cocó – Fantasies and Fine Lines

Album Cover

Heute veröffentlicht die in Leipzig beheimatete Sängerin und Pianistin June Cocó ihr zweites Album Fantasies & Fine Lines.

Für June Cocó ist Fantasies & Fine Lines  eine Liebeserklärung an ihr liebstes Instrument, das Klavier: „Das klingt groß, aber ich würde wirklich sagen, dass das Klavier die Liebe meines Lebens ist. Seit ich als Kind bei einer Freundin hörte, wie jemand darauf ‚Für Elise‘ spielt, wollte ich das auch können und habe dann schon früh Unterricht genommen. Ich habe in letzter Zeit viele Solokonzerte nur mit Klavier spielt und habe dadurch wieder und noch deutlicher gemerkt, wie wichtig es mir ist.“ 

(Foto: Jörg Singer)

Weil das Klavier für sie so wichtig , wurden die Songs hörbar auf dem Klavier komponiert und für das Klavier arrangiert. Ob mit mit dezenten Streichern instrumentier oder sanfter Elektronik unterlegt, das Klavier bleibt das Hauptinstrument. Da drängen sich natürlich Vergleiche mit internationalen Größen wie Regina Spektor oder Amanda Palmer auf, die June Cocó aber nicht scheuen muss, zumal sie sich auf ihre ausgebildete Stimme und auf die Erfahrung vieler Konzerte verlassen kann

Der Albumtitel ist gut gewählt. Mit feine Linien werden Fantasiewelten, wie etwa das Reich von Neptun’s Daughter unter Wasser gezeichnet. In meiner Fantasie tauchten beim ersten Abhören Bilder alter schwarz-weiß Filme auf.

(Foto: Jörg Singer)

Das Album enthält bei aller Romantik aber auch andere Facetten, wie etwa geheimnisvoll dunkle Arrangements bei Letter . Ready for Love ein gut im Ohr bleibender Popsong.

Excelsior – In Silico

Unter dem Künstlernamen erkundet die Dänin Anja T. Lahrmann die Grenzen von Songwriting, Technologie und Körper.

Foto: Alexander Arnild Peitersen.

Nach fast dreijähriger Arbeit ist Excelsiors Debütalbum, O Horizon, fertig zur Veröffentlichung. O Horizon ist eine hypermoderne Mischung aus Avantgarde-Sound und Form-Experimenten. Pop-, Barock- und Renaissancemusik verschmelzen mit einer thematischen Faszination des Kampfes der Menschheit, mit einer sich immer weiter beschleunigenden Welt Schritt zu halten.