Biffy Clyro – The Myth of the Happily Ever After

Das schottische Trio veröffentlichen am 22. Oktober 2021 sein neues Album

Die drei Herren von Biffy Clyro überraschen uns mit einem neuen Album. „The Myth of the Happily Ever After erscheint nur rund 14 Monate nach ihrem letzten Langspieler „A Celebration Of Endings„. Die Band versteht ihr neues Werk als quasi geerdetes Gegenstück zum Vorgänger. „Es ist ganz klar unsere Reaktion auf A Celebration of Endings“, kommentiert Simon Neil (Gesang, Gitarre). „In dem neuen Album steckt eine richtige Reise: All die Gedanken, Gefühle und Stimmungen, die wir in den letzten 18 Monaten hatten, kollidieren in diesen Stücken. A Celebration hatte diese innere Kraft, aber dieses Mal geht es uns vielmehr um Verletzlichkeit: wie verwundbar wir als Band und als Menschen doch sind in dieser schrägen Phase unseres Lebens. Sogar der Titel ist das exakte Gegenteil. Darin steckt die Frage: Legen wir uns diese Narrative einfach nur selbst zurecht, um uns etwas sicherer zu fühlen – obwohl ja doch keiner von uns sagen kann, was uns letzten Endes erwartet?“ Die Selbstbesinnung hängt vielleicht auch damit zusammen, dass Biffy Clyro das Album aufgrund des Lockdowns zwangsläufig ihrer der Heimat an der rauen schottischen Westküste aufnehmen mussten. Das Studio in Los Angeles, wo „A Celebration…“ entstand, war unerreichbar. So bauten die Brüder James (Bass) und Ben Johnston (Schlagzeug) in bester DIY-Manier ein altes Bauernhaus zum Studio um.

Auf The Myth…“ finden einige experimentelle Songs, die mir sehr gut gefallen. Zu nennen ist der der empfindsamen Slowburner „Existed“, mit dem die Biffys ihre Selbstzweifel vertonen. Größtenteils aus soften Synthesizer-Samples (basierend auf Simons Gesangsstimme) gestrickt, markiert „DumDum“ einen Bruch mit dem Biffy Clyro Rock. „Slurpy Slurpy Sleep Sleep“ kommt als Schlusstitel ziemlich durchgeknallt daher. Der klassische Biffy-Rocksound kommt aber nicht zu kurz. So wird das wütende „A Hunger In Your Haunt“, das stadiongroße „Errors In The History Of God“ oder das unglaublich eingängige „Witch’s Cup“ den Fans gefallen. Das epische sechs Minuten lange „Unknown Male 01“ ist vollgepackt mit Biffy Clyro Trademarksound.

Zu „Unknown Male 01“ und „A Hunger In Your Haunt“ gibt es ein über 10minütigen opulenten Doppel-Musikvideo hier zu sehen.

Interview mit der Liedermacherin Isa Jansen

Isa Jansen hat ihre Debüt- EP „Federkleid“ veröffentlicht. Anlass sie kennenzulernen

Isa Jansen steht für handgemachte Singer/Songwriter-Musik. In ihren Liedern erzählt sie Geschichten, die das Leben schreibt. Dabei wechseln ihre niemals einschichtigen Texte zwischen Poesie und direkten. kritischen Statements. Die musikalische Vielfalt reicht von klassischen Strophenliedern bis hin zu kleinen dramatischen Epen, in denen es gezielt auf eine abwechslungsreiche, verträumte und gleich darauf wieder energische und tänzerische Instrumentierung ankommt. Im Interview erzählt sie uns über ihren Weg zur Musik und gibt interessante Einblicke in die Entstehung von „Federkleid“.

Isa Jansens Debüt EP „Federkleid“ erschien am 27.08.2021. Dazu hat sie sich ausgewählte Musiker mit ins Boot geholt. Pianist Thomas Krüger, RnB-Gitarrist Lars Kutschke und die Jazzmusiker Schlagzeuger Johannes Hamm und Bassist Johannes Engelhardt geben den Songs Tiefe und Dynamik. Die russische Saxophonistin Olga Amelchenko hat bei drei Songs für eine zusätzliche jazzige Veredelung gesorgt.

Spotify- Link zur EP Federkleid

Interview mit Isa Jansen

Jetzt ist das Video zum Titelsong „Federkleid“ erschienen (siehe unten). Aus diesen Anlass konnte ich Isa Jansen ein paar Fragen stellen.

Hallo Isa, du hast am 27.08.2021 deine erste Musikproduktion veröffentlicht, die EP „Federkleid“. Wer ist Isa  Jansen? Wo lebst du und wie bist du zur Musik gekommen? 

Genau! Es handelt sich um eine erste EP mit vier Songs. Geboren bin ich in der hübschen kleinen  Küstenstadt Greifswald und habe dort Musikwissenschaft und Wirtschaft studiert. Danach bin ich  nach Brandenburg gegangen, habe im Kulturmanagement gearbeitet, eine mobile Musikschule  gegründet und lebe jetzt in Potsdam. Mit sieben Jahren habe ich mit klassischer Gitarre begonnen und dieses Instrument immer sehr geliebt. Später kamen Klavier und Gesang dazu. Für eine  Schülerband hatte ich bereits Texte und Musik geschrieben. Den Entschluss dazu, mit meiner eigenen Arbeit endlich auf die Bühne zu gehen, habe ich im März 2020 gefasst, kurz vor Beginn der  Pandemie. Das war natürlich ein großer Dämpfer. Trotzdem habe ich in dem folgenden Sommer ein  paar Konzerte gespielt und muss zugeben, dass auch ich von der großen übergreifenden  Demotivation in der Branche, die dann im Herbst 2020 folgte, betroffen war. Zum Ende des Jahres  habe ich mich aber aufgerafft und entschieden, dann erst einmal ins Studio zu gehen!  

Alle Songs auf dem Album “Federkleid” sind in deutsch eingesungen. Einerseits ist es vielleicht  einfacher Texte in der Muttersprache zu schreiben und zu singen, andererseits würden  floskelhafte, inhaltsleere Plattitüden sofort unangenehm auffallen, in unseren Ohren eher als in  einer Fremdsprache. Deine Texte sind sehr lyrisch und vielschichtig, Warum hast du dich  entschieden, deutsch zu singen? Welche Themen bewegen dich? 

Da hast du Recht! Ich kann mir vorstellen, dass wenn man verkopft an einen Text ran gehen würde,  es sehr schnell in Floskeln mündet. Es müssen Themen sein, die mich wirklich bewegen. Mein  Songwriting ist sehr intuitiv. Als großer Musikliebhaber, insbesondere deutschsprachiger Musik,  lasse ich mich sehr gern inspirieren. Erst einmal sauge ich alles auf wie ein Schwamm. Mich  beeindrucken aktuell Künstlerinnen wie Dota Kehr oder auch die Band Keimzeit, während ich mich allerdings mit dem Werk von Joni Mitchell beispielsweise auch gern befasse. Allerdings, wenn ich  einen Text schreibe, dann passiert dies einfach völlig frei aus dem Bauch heraus. Ich habe einen  Satz in einem bestimmten Metrum im Kopf, dann den nächsten, der sich reimt, und schreibe  plötzlich einen ganzen Text über ein Thema, das sich in meinem Unterbewusstsein befindet. Man  könnte also sagen, ich schließe damit automatisch die Beschäftigung mit einem Thema für mich ab,  indem ein Stückchen Kunst dabei raus kommt. Es liegen so viele Texte bei mir zu Hause, dass ich  mit dem Komponieren gar nicht mehr hinterher komme. Dabei muss ich mir nämlich etwas mehr  theoretische Gedanken machen, aber ich finde meist die Melodien, welche das Gefühl oder die  philosophische Aussage treffen, bzw. dazu dienen, es den Menschen nahe bringen zu können.  Meine ersten Lieder, die nun erscheinen, handeln zum Beispiel von persönlichen Dilemmata. Ich  finde es total spannend, wenn mir verschiedene Menschen ihre ganz eigene Interpretation zu einem meiner Texte erzählen, da es meist etwas völlig anderer ist als mein eigener Gedanke. Aber das  abstrahierte Gefühl ist dasselbe. Beim Titelsong Federkleid gehe ich allerdings ein wenig raus aus  meinem eigenen Innenleben und bearbeite damit eine empfundene wachsende Oberflächlichkeit in  der Gesellschaft. Entstanden ist der Text, nachdem ich ein Konzert inklusive Aftershowparty in  Berlin besucht habe. Auch wenn es ein sehr schöner Abend war, hat mich so ein leeres  Gesamtgefühl erfasst. „Buntes Glitzern, goldenes Glänzen“ – jeder möchte den anderen  beeindrucken – „lockere Umtriebigkeit“ – man zieht von einem zum anderen und findet keine Erfüllung. Ich habe das ganze in das Bild des von innerer Leere geplagten Bühnendarstellers  gepackt. Im Moment bewegen mich sehr viele weitere Themen, eher gesellschaftlich als privat. Genügend Missstände gibt es ja. Mein Stil ist es aber nicht direkt und offen zu monieren – was ich  toll finde. Sarah Lesch hat beispielsweise ein sehr treffendes neues feministisches Lied geschrieben.  Aber ich gehe immer in die noch nachdenklichere Metaebene. Ich habe schon so viele neue Lieder  und könnte jetzt ausholen, aber hier geht es ja um die ersten vier. 

Wie entstehen deine Songs? Schreibst du Musik und Texte selbst? Entstehen Sie im stillen  Kämmerlein oder regen Austausch mit anderen Musikern? 

Ja Text und Melodie stammen von mir und dann kommen die Musiker hinzu, um ihre Einflüsse rein  zu geben. Das ist dann ein sehr spannender kreativer Gesamtprozess. 

Deine EP “Federkleid” würde ich als groovigen Indierock, veredelt mit einem Touch 80-Jahre Saxophon, bezeichnen. Du hast dir dafür eine geniale Band zusammengestellt. Wie habt ihr  zusammengefunden? 

Wenn ein Song fertig geschrieben ist, dann habe ich gleich eine ziemlich genaue Vorstellung von  der Instrumentierung. „Der Tanz“ habe ich eigentlich von vornherein so geschrieben, dass viel Raum für ein Saxophon da ist. In „Federkleid“ ist die Pianospur essentiell sowie die E-Gitarre am  Ende. Und mit diesen Visionen habe ich mich dann umgeschaut. Olga Amelchenko ist eine  herausragende Saxophnistin mit einem tollen eigenen Stil. Bei den „Vollblutjazzmusikern“ haben  wir dann in der Zusammenarbeit eine Mitte gefunden und du hast Recht! Ich habe mir genau diesen  80er Jahre-Stil gewünscht, wie beispielsweise in „The Latest Trick“ von den Dire Straits. Lars  Kutschke habe ich entdeckt, da er auch für Keimzeit arbeitet, fand die ruhige blusige Art seines  eigenen Repertoires toll und dachte den Songs damit eine „Lässigkeit“ geben zu können. Dem  entgegen steht Thomas Krüger, der in der Popmusik angesiedelt ist und irgendwie immer weiß,  welche Töne gerade passen. Bei zwei Songs spielt eine Freundin von mir, Marta Gvardiyan, die  früher kurzzeitig als klassische Pianistin unterwegs war. Von ihr stammt das wunderschöne Solo in  „Nur eine andere Art zu sterben“. An den Drums habe ich einen alten Freund, den Jazzdrummer  Johannes Hamm, mit dem ich schon in einer Schülerband zusammen gespielt habe und ich wusste, dass es einfach passt! Den Bassisten Johannes Engelhardt hat er mitgebracht, da die beiden schon  viel zusammen gearbeitet haben.  

Schließlich eine letzte Frage: Für Musiker:innen sind die Möglichkeiten weggebrochen, Einnahmen  zu generieren. Konzerte sind derzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich, CDs werden kaum  verkauft und Spotify und Co zahlen für die Streams viel zu wenig. Wie gehst du damit um? 

Ich habe das Glück mir (noch) keine Gedanken darüber machen zu müssen, da ich vorher unter  anderem ein Einkommen durch die Musikschule hatte. Aber nun ist das Budget tatsächlich langsam  aufgebraucht, sodass ich hoffe, dass man sich ganz langsam ein Standbein über Livekonzerte und  andere Musikprojekte mit aufbauen kann.

Herzlichen Dank für deine aufschlussreichen Antworten.

Bube -Die Beichte

BUBE veröffentlicht die vorerst letzte Single vor ihrem Debütalbum „Pipa“(VÖ 01.10.2021)

Abseits vom Mainstream haben sich Bands zusammengefunden, die das Thema Boyband auf ein neues, angenehm hör- und tanzbares Level gehievt haben. Ich denke dabei nicht nur an die überaus erfolgreichen Bilderbuch sondern auch an Bands wie Rikas, Jeremias oder die inzwischen in Berlin ansässigen Parcels. Nun muss man auch BUBE hinzuzählen. Wenn die vier Jungs aus Leipzig mit ihrem Discofunk loslegen, können die Füße nicht stillhalten.

Nach den Singles „Satellit“, und „Easy Touch“  ist “ Die Beichte“ die dritte Single aus ihren kommenden Debütalbum „PIPA“. Mit ihrem typischen trockenen Humor beichten die Jungs von ihren kleinen Sünden (Joints, Kippen, Dates und Alkohol) und kriegen mit  gerappten Text, elektronischen Beats und Posaune einen sehr lässigen Sound hin.

Am 02.10.2021 beginnt die Album Release Tour

Für das Album hat Bube mit dem Produzenten Sascha Hünermund aus Leipzig zusammengearbeitet. Neben den energetischen Dance-Tracks wie „Easy Touch“, „Satellit“ und „Minna“ überzeugt der Langspieler auch mit ruhigeren Stücken, wie die zärtliche Soul-Ballade „Emily“ oder das entspannte „Beach Life“. Das Album kommt am 01.10.2021 raus. Ich freue mich besonders, dass die Release-Tour zum Album am 02.10.2021 hier in meiner Heimatstadt Münster beginnt.

PIPA-Album Release Tour

2.10. Münster-Café 19 sieben (freier Eintritt)

4.10. Magdeburg-Basta

5.10. Hamburg-Freundlich & Kompetent (freier Eintritt)

6.10 . Meldorf-Bornholdt (freier Eintritt)

7.10. Bremen-TAU

8.10. Oldenburg-Die Flänzburch

9.10. Leipzig-Horns Erben

Besetzung:

Julian Rathke: Main Vocals, Synthesizer, Guitar

Mathis Rathke: Guitar

Tjark Schönball: Bass, Vocals

Johannes Niklas: Drums, Vocals

Links:

https://bubeband.com/
https://www.instagram.com/bubeband/
https://www.facebook.com/bubeband
https://open.spotify.com/artist/4bNL0SKfELaXHN3zsmUMfN?si=Iy59UyFlSGizq79jBgg-dA

Das Kölner Duo SALVAGE ART veröffentlich am 01.10.2021 sein Debütalbum »non« digital und als Vinyl

Tilmann Hesselkamp durfte das Vinyl vorab hören – Ein Gastbeitrag

Salvage Art –– das ist das neu gegründete Musikprojekt von Thomas Mersch (Bass, Gitarre, Gesang) und Roger van Lunteren (Beats, Synths & Electronics). Das Kölner Duo veröffentlicht am ersten Oktober sein Debutalbum >>non<< auf dem Label Sitzer Records. Mit diesem ersten Album verbinden die beiden Musiker ihre bisherigen musikalischen Wege: Während Roger van Lunteren sich zuvor nur Elektronisches komponierte und produzierte, ist Thomas Mersch (Mitglied der Kölner Band Kratzen) in der Welt des Krautwave zuhause. Zusammen haben die Beiden diese Musikrichtungen kombiniert und gekonnt auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Das Ergebnis ist >>non<<.

(Foto oben: Marcel Heym)

Das Albumcover zeigt das Werk „Edelkönigskinder“ (2009) der Kölner Künstlerin Dermietzel und ist eine Referenz per exellence auf den Namen des Duos Salvage Art: Salvage Art heißt auf Deutsch so viel wie „Abwrack-Kunst“ (der Begriff steht ursprünglich für beschädigte Kunstwerke, die von ihren Schöpfern sogar teils durch das Auskratzen der Signatur entwertet werden). Das Kunstwerk „Edelkönigskinder“ ist versehentlich zerstört worden und nur noch als Foto vorhanden.

Der erste Titel auf dem Album („Wer macht die Arbeit“) ist gleichzeitig der erste gemeinsame Song von Salvage Art.  Aus einem verworfenen Gitarren-Song wurde zunächst ein brachialer Elektrotitel im Detroitstil, bevor er schließlich mit Anspielungen an DAF seine finale Form fand. „Wer macht die Arbeit“, einer der stärksten Songs des Albums, erinnert mit seinem fast avantgardistisch-elektronischen Stil an Kraftwerk und kann auch durch den provokanten Songtext überzeugen. „Wie fühlst du dich“ geht nach einem mystischen Beginn der an eine sommerliche Waldlichtung erinnert mit dem einsetzen der Gitarre in Richtung Krautrock – punkig rockig. „Du schaltest dich ab“ und „und Lässt dich erstrahlen“ gehen sowohl musikalisch als auch textlich (der einzige Text ist die Nennung der beiden Songtitel) fast nahtlos ineinander über, bevor der Rhythmus erneut anzieht und vorbereitet auf den nächsten Titel. „Diskotomie“ ist ein Synthpop-Diamant über den hochansteckenden Virus der Diskotomie (wie passend gerade in letzter Zeit) der eine Diskonacht in den 80ern wieder lebendig werden lässt. Nachdem „Unverrückt“ über das Leben philosophiert, schließt der wieder sehr rockige Titel „passion is fashion“, dessen Text lediglich aus dem provokativ eingesungen Titel besteht, das Album gekonnt ab. 

>>non<< ist ein sehr abwechslungsreiches und doch sehr rundes Album, das sich zwischen New Wave, Synth-Pop und Krautrock bewegt. Diese spannende Zusammenspiel lässt beim Hören keine Langweile zu und macht Lust auf mehr.

PIPPA – Lifestream (EP) VÖ 24.09.

Vor etwas mehr als einem Jahr veröffentlichte die in Wien lebende Schauspielerin, Sängerin und Songschreiberin Pippa Galli, die sich als Sängerin nur Pippa nennt, ihr zweites Albums „Idiotenparadies“. Das Album ham bei der Kritik sehr gut an. Die Single „Egal „war Nr. 1 in den Charts beim alternativen ORF- Radio FM4.

Eigentlich wollte Pippa mit den Songs von „Idiotenparadies“ auf eine ausgedehnte Tour zu gehen. Doch es erging ihr so, wie allen Künstler*innen. Während Corona ging gar nichts. Sie nutzt die Zeit, um zusammen mit Hans Wagner (von der Band Neuschnee), neue Musik für eine EP zu schreiben. Während des Lockdowns gab es Konzerte nur im Livestream. Daran angelehnt lautet der Titel von Pippas EP „Lifestream“ (mit f), also Lebensfluss.

Daraus sind bereits die Songs „Livestream“ (mit v), „Jeanne Dark“und „Die schönen Tage“ erschienen. Jetzt sind ja wieder Live Konzerte unter Auflagen möglich. Man kennt die Diskussionen um 2G und so. Jedenfalls gibt es solche beim beim renommierten Reeperbahn-Festival . Dort ist Pippa dabei. Unmittelbar nach ihrem Auftritt wird am 24.09. die Lifestream-EP erscheinen. Darauf sind neben den bekannten zwei neu Stücke. Von diesen beiden möchte ich euch „Maske“ ans Herz legen. Keine Angst, es geht nicht um die FFP2 -Maske, sonder um die Attitüden, unter denen wir uns wie unter einer Maske verbergen. Pippa singt zuckersüß zu einer wunderbaren elektronischen Melodie.

Im Doppelpack: Die Freunde Simon Frontzek und Rudi Maier produzieren gegenseitig ihre neuen Alben und veröffentlichen gleichzeitig

Burkini Beach – Best Western/ Sir Simon – Repeat Until Funny

Der Urlaub ist nun vorbei. Die Hoffnung,im Urlaub mehr Zeit um Schreiben im Blog zu finden, hat sich nicht erfüllt. Das Gegenteil war der Fall. Deswegen gibt es einiges nachzuholen. So wurde am 27.08.2021 bei Thees Uhlmanns Label Grand Hotel van Cleef zur gleichen Zeit die Alben Best Western von Burkini Beach und Repeat Until Funny von Sir Simon veröffentlicht. Und das nicht ohne Gründe.

Die beiden Musiker, Songwriter und Produzenten Simon Frontzek (aka Sir Simon) und Rudi Maier (Burkini Beach) haben gemeinsam das letzte Thees Uhlmann Album „Junkies und Scientologen“ co-produzierten und mitgeschrieben. Die beide sind auch Mitglieder in Uhlmanns Liveband. Darüber hinaus gibt es vom Humor bis zur Kreativität jede Menge Gemeinsamkeiten. So beschlossen beide Musikerfreunde, gegenseitig ihre Soloalben zu produzieren. Das Ergebnis sind zwei wundervolle, behutsame Indie-Rock-Platten die so gar nicht deutsch klingen. Vielmehr fühlt man sich an Musiker*innen aus den USA oder Kanada erinnert.

Burkini Beach – Best Western

Mein absoluter Lieblingssong auf “ Best Western “ ist „Crying At The Soundcheck“. Er beschreibt mit drastischen Woten die Leiden des Musikers während des Tourlebens. Im Kontrast zum negativen Text klingt die Gitarrenmelodie herlich nach cruisen auf einer amerikanischen Küstenstraße. Der Gesang könnte von Conor Oberst mit Phoebe Bridgers oder gar Lindsey Bucckigham mit Stevie Nicks kommen. Die zweite Stimme neben Rudi Maier stammt von der wunderbaren schwedischen Sängerin Emma Elisabeth. Überhaupt klingt das ganze Album wie eine fette Produktion aus einem Monsterstudio in L.A. und nicht nach einem Kreuzberger Hinterhofstudio.

Sir Simon – Repeat Until Funny

Auch bei Sir Simons Album möchte ich gleich auf einen meiner Lieblingstracks hinweisen. Der Song „A Little Less Bored“ macht gleich zu Beginn deutlich, wo der Hase lang läuft. Es erwartet uns bester Indie Pop/Rock mit weiten offenen Melodien. Die Song sind teils sehr flott, zum Teil aber auch durchaus romantisch arrangiert. Als Beispiel für das letztere mag mein weiteres Highlight „Say No“ gelten. Zusammen mit der zweiten Stimme von Maria Taylor schafft Sir Simons Gesang den perfekten  Death Cab For Cutie-Einschlag.

Gemeinsamer Song

Ein Beleg für die Freundschaft der beiden Künstler und die gemeinsame Arbeit ist der gemeinsame Song „Not Coming Home“, der sich jeweils als letzter auf beiden Platten befindet. Der Harmoniegesang von Rudi Maier und Simon Frontzek zu Akustikgitarren fügt sich wunderbar in die jeweiligen Werke ein.

LEYYA – LONGEST DAY OF MY LIFE (EP) VÖ 27.08.2021

Auseinandersetzung mit einer Erkrankung, die jeden treffen kann

Aus medizinisch-therapeutischer Sicht ist die Depression eine ernste Erkrankung, die erhebliches Leiden verursacht. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von ihren negativen Gedanken befreien. Psychischen Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor mit  Tabus behaftet. „Jeder hat mal einen schlechten Tag!“, „Reiß Dich zusammen!“ Solche Reaktionen sind wenig hilfreich für Menschen, die depressiv sind und hindern sie womöglich, therapeutische Hilfe einzuholen.

Zentrales Anliegen von Leyyas neuem Werk „Longest Day Of My Life“ (VÖ 27.08.2021) ist lobenswerterweise die Enttabuisierung der Krankheit Depression. „Ordinary (der zweite Song auf der EP) ist die schmerzhafte Erinnerung an die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass es mir nicht gut geht. Musik und Text sind als Ventil immer ein Ausdrucksmittel des Inneren – und plötzlich habe ich das auch gehört,“ sagt Sophie Lindinger, der weibliche Teil des Duos, bei der selbst eine Depression diagnostiziert wurde.

Ordinary” war der Initialfunke für die  sechs Stücke umfassenden EP, die von den Schattenseiten der Erkrankung erzählen. Die sehr persönlichen Songs handeln von der mentale Überforderung (I’m Not Sure), von die Flucht in die Musik als letzten Anker (The Paper) und von durchtanzten Nächten auf der Suche nach Erlösung (Lately). Im Bewusstsein, dass die guten und die schlechten Tage kommen und gehen wie Wellen am Meer, entstand  „I’ve Been Down“. Am I Even Real? schließlich beschreibt das tiefe Loch, in das man auf dem Höhepunkt der Erkrankung fällt. Sophie geht offen mit dem  Thema Depression um, denn „irgendjemand muss beginnen, darüber zu sprechen.

Damit ist  die EP „Longest Day Of My Life“ im Prinzip ein kleines Konzeptalbum geworden, womit Leyya selbstbewusst neue kreative Pfade einschlagen. Ihrem typischen Indie/Electro-Pop-Sound erweitert Leyya um Pop-Noir-Einflüsse.

Sophies Gesundheitszustand ist mittlerweile besser und stabiler.

(Foto oben: Gabriel Hyden)

Allison Ponthier – Faking My Own Death (Single + Video + EP)

Allison Ponthier rechnet auf ihrer Debüt-EP mit ihren Ängsten und ihrer konservativen Heimat ab

​​„Ich möchte nur im Voraus sagen, dass es mir leid tut
Zähle auf mich wie ein Uhrwerk
Es wird nicht funktionieren
as einzige Versprechen, das ich geben kann“


So beginnen die ersten Zeilen des neuen Songs der 25-jährigen Singer/Songwriterin Allison Ponthier. Das ist keine zuversichtliche Aussage, wenn es darum geht, seinen eigenen Tod vorzutäuschen. Der Song ist das Titelstück von Allisons Debüt-EP „Faking My Own Death“. „Faking My Own Death“ ist ein einnehmenderder Track voller winziger Wendungen, die Allisons kristallklare Stimme ins Rampenlicht rücken. Die Begleitinstrumente scheinen nur dafür da zu sein, das Storytelling hervorzuheben. Eine Geschichte, die makaber witzig von Selbstzweifeln erzählt. Wie alle ihre Singles wird „Faking My Own Death“ von einem extravaganten Video begleitet. 

So auch beim Song „Harshest Critic“. Welche Emotionen begleiten eine Künstlerin, die zum ersten Mal die Bühne betreten wird? Subtil verstärkt durch die Backing-Vocals, gesteht sie die lähmende Angst ein, die die aufkeimende Karriere begleitet. „Was wäre, wenn all meine Ängste zur Schau gestellt würden?“, fragt sich Allison, bevor sie später zugibt: „Ich habe Angst / Vor der Art und Weise, wie ich durch die Augen von Fremden erscheine“. Ebenso behandelt die vorangegangene Single  In deHell Is A Crowded Roomdas Thema Angst und Sozialphobie, vor allem, „wenn diese sich auch körperlich bemerkbar macht“, so Allison Ponthier selbst über den Song. „Ich habe mich selbst immer gefragt, warum eine schüchterne Person wie ich, sich für das Künstlerdasein entschieden hat, wo man ständig damit konfrontiert wird, vor Menschen aufzutreten und ich glaube, „Hell Is A Crowded Room“ ist die Antwort darauf. Durch die Pandemie hat sich die Situation noch verschärft, aber es ist ein Song für alle, die sich in größeren Menschenansammlungen unwohl fühlen und alles daran setzen, mit der Situation umzugehen.“

Flucht nach New York

Allison Ponthier ist im ultra-konservativen Texas aufgewachsen . Sie träumte schon immer davon, in New York City zu leben. Im Bible-Belt war jeder Radiosender entweder christlich, Country oder beides. Ponthier war noch nicht in der Lage oder bereit, ihre queere Identität anzunehmen, und dachte, jedes Problem in ihrem Leben würde sich auf magische Weise von selbst lösen, sobald sie in Bushwick landete, dem Stadtteil Brooklyns, den sie seit ihrem 20. Lebensjahr ihr Zuhause nennt. Der Song “Cowboy” handelt von ihrem anders sein und ihrem Coming Out.

Track Listing – “Faking My Own Death”

  1. Cowboy
  2. Paid For
  3. Harshest Critic
  4. Hell Is A Crowded Room
  5. Faking My Own Death
  6. Tornado Country

„Faking My Own Death“ bei Spotify

LITTLE DRAGON VERÖFFENTLICHEN STARGESPICKTE REMIX-EP ZUM ALBUM „NEW ME, SAME US“ U.A. MIT LIL SILVA, ANDRÉS, MIDLAND UND OCTO OCTA!

Neues bei Ninja Tunes

Little Dragons „New Me, Same Us Remix EP“ schöpft aus ihrem aktuellen Album, „New Me, Same Us“ und enthält brandneue Remixe einer hochkarätigen Riege von Produzent*innen, die sich wirklich sehen lassen kann – mit dabei sind Octo OctaEla MinusMidlandAndrésLil SilvaGeorgia Anne MuldrowPotéFKJ und Little Dragon selbst, die ihren „Vocal Celebration Mix“ ihrer jüngsten Zusammenarbeit mit Moses Sumney„The Other Lover“, abliefern.

„Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich sind wir tief im Sommerwahnsinn mit langen Tagen, die nie enden wollen. Ich kann nicht glauben, dass es schon über ein Jahr her ist, dass wir ‚New Me, Same Us‘ veröffentlicht haben. Wir hatten nie die Chance, unsere Songs für euch alle zu spielen und das hat uns mit einem seltsamen Gefühl von Melancholie zurückgelassen. Zum Glück gibt es eine Menge wundervoller kreativer Seelen da draußen, die uns aufmuntern. Am 6. August 2021 werden wir eine EP mit einigen unserer Lieblingskünstler*innen veröffentlichen, die unsere Songs geremixt haben. Wir waren davon sogar so begeistert, dass wir nicht anders konnten, als selbst einen Remix zu machen!“, erklären Little Dragon.

Tracklist
01. Hold On (Ela Minus Remix) 
02. Rush (Lil Silva Remix)
03. Another Lover (Octo Octa’s River Flow Mix)
04. Hold On (Georgia Anne Muldrow Remix) 
05. Rush (Midland Remix)
06. Hold On (Andrés Remix)
07. The Other Lover (Little Dragon & Moses Sumney) (Little Dragon Vocal Celebration Mix)
08. Water (FKJ Remix)
09. Hold On (Poté Remix)

(Foto: Mous Lamrabat)

Jetzt „New Me, Same Us Remix EP“ von Little Dragon hören!

Gregor McEwan – Summer Breeze (EP)

Wenn man will, kann man viele Einflüsse heraushören, wenn die vier Songs der Summer-Breeze-EP von Gregor McEwan (Foto oben: Kati von Schwerin) aus dem Lautsprecher tönen. “The Kooks meets The Beach Boys”, sagt Greg selber. Für Bernd Begemann klingt es wie Jack Johnson trifft The Cure am Baggersee. Stimmt! Wer würde Bernd Begemann widersprechen wollen? Man könnnte noch Tom Petty hinzufügen. Die EP vereint auch Emotionen wie Fernweh und Heimweh, Spaß und Melancholie, Sommerfreude und Summer-Blues. Gregor McEwan beherrscht hier alle Farben des Indie Folks.

Nachdem bereits die Songs “THE BEAT OF YOUR DRUM”, “SUMMER BREEZE”,  RE: (NO SUBJECT)” erschienenen sind, komplettiert nun der vierte Song “THE ROYAL BLUES” die EP. Auch dazu gibt es wieder ein liebevoll gestaltetes Video im Super8-Film-Vintage-Look.

Gregor McEwan widmet eine ganze EP-Serie den vier Jahreszeiten, vier EPs mit jeweils vier Songs. Die bisher erschienenen Spring Forward ( Frühling), Autumn Falls und jetzt

Summer Breeze (Spotify-Link)

sind so gut gemacht, dass man schon erwartungsfroh gespannt ist, was der Winter bringen wird.