Das Album der Woche

Uthlande vom Turbostaat

Das Album der Woche ist das siebte Studioalbum der Flensburger Postpunker von Turbostaat. Die fünf ursprünglich aus Husum stammenden Bandmitglieder, Jan, Rollo, Tobert, Peter und Marten haben sich schon 1999 zusammen getan. Die Band besteht somit schon 21 Jahre.

Uthlande, das ist eine LP mit Heimatklängen, aber in der ureigenen Art von Turbostaat. Dabei geht es natürlich nicht etwa um norddeutsche Shanties. Auch nicht um die raue norddeutsche Landschaft, Deiche und Schafe. Es geht um die Menschen und gesellschaftliche Zustände auf dem platten Land und in den Kleinstädten. Selten hat ein Albumtitel so gut gepasst. Uthlande ist der Begriff für die Inseln und Halligen vor der Norddeutschen Küste, also jenen Landschaften, die außerhalb liegen. Und so befasst sich Turbostaat mit den Außenseitern der Gesellschaft , wie Stine, Luzie oder Stormi. Als Punks selbst außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft stehend, gelingt ihnen ein treffender Blick auf Fehlentwicklungen in der Gesellschaft, wie in „Rattenlinie Nord“, wo die Enkel nichts mehr von den Naziverbrechen der alten Generation wissen wollen. Nicht immer sind die Texte so klar verständlich wie Rattenlinie. So schöne Textzeilen wie

„Wer den Schnee umarmt, wird die Kälte
akzeptieren“

(Brockengeist)

lassen Raum für eigene Gedanken. Passend zum Außenseitertum haben Turbostaaat ihre Punk -Attitüde wieder aufgegriffen. Die meisten der live im Studio eigespielten Track sind heftig und schnell gespielt und laut gesungen, ja fast geschrien.

Das letzte Stück „Stomi“ nimmt den Refrain von „Lucie“ auf, allerdings mit einem Chor gesungen. Man kann lebhaft das Gänsehautgefühl beim Konzert vorstellen, wenn alle mitsingen. Apropos Konzert, Turbostaat beschließen ihre Rattenlinie Nord Tour am 31.10.2020 in der Sputnikhalle in Münster. Hier die übrigen Termine:

Rattenline Nord Tournee:
13.02.2020 Jena, Kassablanca
14.02.2020 Köln, Kantine
15.02.2020 Mainz, KuZ Kulturzentrum Mainz
19.02.2020 Hamburg, Markthalle
20.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg
21.02.2020 Berlin, Festsaal Kreuzberg (Ausverkauft)
22.02.2020 Dresden, Tante Ju
03.04.2020 Bremen, Schlachthof
04.04.2020 Düsseldorf, Zakk
05.04.2020 Aschaffenburg, Colos Saal
07.04.2020 Marburg, KFZ
08.04.2020 AT-Wien, Werk
10.04.2020 Leipzig, Conne Island
11.04.2020 Rostock, M.A.U. Club
30.10.2020 Hannover, Capitol
31.10.2020 Münster, Sputnikhalle

Alben der Woche

The Big Moon – Walking Like We Do

The Big Moon, die vierköpfige Londoner Frauen-Band um Juliette Jackson, sorgte Anfang 2017 mit ihrem punkigen Debütalbum „Love In The 4th Dimension“ für viel Aufsehen in der internationalen Indie-Rock-Szene. Ihr Zweitwerk Walking Like We Do ist nicht so gitarrenlastig, vielmehr schafft Songschreiberin Juliette Jackson mit Klavierakkorden und sprudelnden Synth-Noten einen optimistischen neuen Sound.

Fat Freddy’s DropSpecial Edition Part 1

Neuseelands Groove Monster Fat Freddy’s Drop spielen seit mehr als 15 Jahren zusammen auf und sind die international erfolgreichste Bands Neuseelands. Sie gelten als eine der besten Live-Bands der Welt. Ihr Name kommt nicht von ungefähr. Der One Drop gehört zu populärsten Schlagzeugrhythmen des Reggaes.Und den spielen Fat Freddy’s Drop richtig fett. Auf dem Album setzen sie den Bläsersatz aber auch richtig funky ein, jedoch nicht hektisch, sondern immer schön entspannt

GEORGIA – Seeking Thrills 

Mit Seeking Thrills beweist die Londonerin, dass sie zurecht in der BBC Sound of 2020 longlist der heißesten neuen Künstler für das kommende Jahr nominiert wurde. Ausführliche Beschreibung h i e r.

Seeking Thrills – GEORGIAs neues Album erscheint heute

“It’s just about finding this feeling that makes you want to jump out and fuck it all and go seek a thrill” –

Georgia

GEORGIA weiß, was sie will und sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Sie ist ist auf der Suche nach Nervenkitzel und den findet sie auf der Tanzfläche. Das neue Album der Sängerin, Songschreiberin, Schlagzeugerin, Multiinstrumentalistin ist gefüllt mit grooviger House-Musik. Mit Seeking Thrills beweist die Londonerin, dass sie zurecht in der BBC Sound of 2020 longlist der heißesten neuen Künstler für das kommende Jahr nominiert wurde. Textlich dreht sich das Album um Hedonismus, Selbstfindung und vor allem der transzendentalen Kraft der Tanzfläche.

In Started Out, der ersten Single, die Georgia von Seeking Thrills veröffentlicht hat, verarbeitet sie den dunklen stampfenden Rhythmus des Instrumentalstücks ‚Can You Feel It‘ von Mr. Fingers und verziert ihm mit fröhlichem Gesang, fast als könnte man ihr Lächeln hören.

About Work The Dancefloor, ist ein Synth-geladener, robyniesker Pop-Song mit einer eingängigen Hookline.

Es finden sich 13 starke Dance-Tracks auf dem Album

Seeking Thrills ist voller Leichtigkeit, Spaß und sprudelnden Melodien. Eine Party mit Elektro-Pop und R&B,  die weiblich ist ohne süß zu sein. Grüblerische Reflexionen tragen durch Euphorie, Kummer und Melancholie und enden doch immer mit der Erinnerung an die guten Zeiten. 
Seeking Thrills hat seine Wurzeln im Chicago House und Detroit Techno der frühen 80er Jahre und verschmilzt analoge Clubsounds mit solidem Pop-Songwriting. Und es zeigt Georgias Affinität zu den Drums.

Zum Abschluss hier nochmal der für mich schönste Dance Track auf dem Album: Never Let You Go

June Cocó – Fantasies and Fine Lines

Album Cover

Heute veröffentlicht die in Leipzig beheimatete Sängerin und Pianistin June Cocó ihr zweites Album Fantasies & Fine Lines.

Für June Cocó ist Fantasies & Fine Lines  eine Liebeserklärung an ihr liebstes Instrument, das Klavier: „Das klingt groß, aber ich würde wirklich sagen, dass das Klavier die Liebe meines Lebens ist. Seit ich als Kind bei einer Freundin hörte, wie jemand darauf ‚Für Elise‘ spielt, wollte ich das auch können und habe dann schon früh Unterricht genommen. Ich habe in letzter Zeit viele Solokonzerte nur mit Klavier spielt und habe dadurch wieder und noch deutlicher gemerkt, wie wichtig es mir ist.“ 

(Foto: Jörg Singer)

Weil das Klavier für sie so wichtig , wurden die Songs hörbar auf dem Klavier komponiert und für das Klavier arrangiert. Ob mit mit dezenten Streichern instrumentier oder sanfter Elektronik unterlegt, das Klavier bleibt das Hauptinstrument. Da drängen sich natürlich Vergleiche mit internationalen Größen wie Regina Spektor oder Amanda Palmer auf, die June Cocó aber nicht scheuen muss, zumal sie sich auf ihre ausgebildete Stimme und auf die Erfahrung vieler Konzerte verlassen kann

Der Albumtitel ist gut gewählt. Mit feine Linien werden Fantasiewelten, wie etwa das Reich von Neptun’s Daughter unter Wasser gezeichnet. In meiner Fantasie tauchten beim ersten Abhören Bilder alter schwarz-weiß Filme auf.

(Foto: Jörg Singer)

Das Album enthält bei aller Romantik aber auch andere Facetten, wie etwa geheimnisvoll dunkle Arrangements bei Letter . Ready for Love ein gut im Ohr bleibender Popsong.

Excelsior – In Silico

Unter dem Künstlernamen erkundet die Dänin Anja T. Lahrmann die Grenzen von Songwriting, Technologie und Körper.

Foto: Alexander Arnild Peitersen.

Nach fast dreijähriger Arbeit ist Excelsiors Debütalbum, O Horizon, fertig zur Veröffentlichung. O Horizon ist eine hypermoderne Mischung aus Avantgarde-Sound und Form-Experimenten. Pop-, Barock- und Renaissancemusik verschmelzen mit einer thematischen Faszination des Kampfes der Menschheit, mit einer sich immer weiter beschleunigenden Welt Schritt zu halten.

Die Alben der Woche

CLOSE TALKER – How Do We Stay Here? IMMERSION Live Album

Die Aufnahmen zum Livealbum How Do We Stay Here? wurden bei den IMMERSION Konzerte mitgeschnitten. Dabei handelte es sich um sehr spezielle Konzerte, die Close Talker in ihrer Heimat Kanada in Kunstgalerien, Studios und anderen einzigartigen Orten spielten, bei denen für das Publikum mit Kopfhörern ein immersives 360-Grad-Erlebnis geschaffen wurde. Mehr Infos gibt es h i e r.

Pumarosa – Devastation

Wer ist Pumarosa? Die Londoner Postunk- Band besteht aus Sängerin Isabel Muñoz-Newsome, Bassist Henry Brown, Drummer Nicholas Owen, Gitarrist Jamie Neville und Multiinstumentalist Tomoya Sukuzi (Saxofon, Keyboards). Im Jahr 2017 fielen sie mit dem Album „Witches“ und dem Hit Priestess auf. Schwere Gitarren gepaart mit der Stimme vom Isabel. Das neue Album Devastation ist weniger gitarrenlastig und elektronischer. Spannend sind diel vielfältigen Variationen der Eletrobeat von dunkel bedrohlich (Fall Apart) bis hypnotiisch tanzbar (Heaven)

BJRG – Skin Deep

Hier entstehen die Intrumente im Kopf des Hörers. Es ist kaum zu glauben. Man hört keine Elektronik und eine Musikinstrumente. Tatsächlich nur mit der nackten Stimme, zwei Mikrofonen, einem Delay-Pedal und einer Loopstation erschafft BJRG eine komplexe Musik, in die man tief eintauchen kann. Mehr dazu h i e r.

BJRG – Skin Deep

Heute rscheint Skin Deep, das Debütalbum des italienischen Experimental/Pop – Projektes BJRG.

DieseAufnahme ist etwas besonderes. Es ist kaum zu glauben. Man hört keine Elektronik und eine Musikinstrumente. Tatsächlich nur mit der nackten Stimme, zwei Mikrofonen, einem Delay-Pedal und einer Loopstation erschafft BJRG eine komplexe Musik, in die man tief eintauchen kann.

BJRG ist ein reines Solo-Stimmenprojekt.

Hinter BJRG verbirgt sich der Experimental-Musiker Luca Nistler. Nistler ist auch Voice-Sound Designer und bildender Künstler innerhalb der Performance Gruppe ‚I Figli di Marla‘. Im April 2019 traten sie beim DO DISTURB Festival im Palais de Tokyo in Paris auf, zusammen mit Künstler*innen von Tate Modern, Moma, Biennale Venezia.

Das Konzept

Die Reihenfolge der Stücke nicht zufällig. Jeder Titel eines jeden Songs nimmt ein Wort aus dem vorherigen mit und erkundet es. So ergibt sich aus den Stücken auf dem Album der Satz:

– out in the flesh nothing but skin is unseen firework –

Eine Referenz zur Quantenphysik, nach der wir nie ewtas wirklich berühren. Was wir als Berührung empfinden, ist einfach nur eine elektromagnetische Abstoßung der Elektronen unserer Hautzellen.

Das erste Stück des Albums heißt „out“ und nimmt das Wort „out“ aus dem letzten Song der vorangegangenen EP „Solastalgia“. 

Der zweite Song „in the“ handelt vom elektromagnetischen Feld zwischen den Atomkernen unserer Haut. Tastsinn ist eine Illusion. Aber macht es das weniger schön? Die Musik von „in the“ ist gekennzeichnet durch Stimmen-Funken: „Quantenklänge“, Stimmpartikel. Diese Stimmfunken sind über das gesamte Album verteilt. 

„flesh“ ist ein sehr nacktes Lied darüber, dass unsere Haut in erster Linie ein natürlicher und grundlegender Genussrezeptor ist. Straight, queer? No fear.

„nothing“ ist dieses kleine, unberührte Vakuum zwischen zwei Atomkernen. Dieses Lied ist auch eine Ode daran, nichts zu tun gegen die hoch funktionale Angst.

„but“ ist in der englischen Grammatik definiert als eine ‚adversative conjunction‘. In diesem Song geht es um den südafrikanischen Helden Steve Biko. Biko war eine extrem intelligente, lustige und sanfte Seele. Er hat nicht GEGEN etwas gekämpft. Er kämpfte FÜR die meisten, um seinen eigenen Leuten das Gefühl der Unterlegenheit zu nehmen. Das ist seine Herausforderung. Deshalb wurde seine Slogen „black ist beautiful“ in den 70er Jahren so populär. Warum nun aber der Titel „but“? Denn er lebte in Verbindung (conjunction) mit seinen Leuten, und führte sie in eine sanfte, aber gegensätzliche (adversative) Richtung: die der Abschaffung der Apartheid.

„skin“ ist ein Lied gegen den politischen Nihilismus, es spielt mit John Lennons ‚Working Class Hero‘. Die Wahrheit ist, dass irgendwo etwas verloren gegangen ist. Die Menschen verloren den Kontakt zueinander. Aber es gibt unglaublich schöne Ausnahmen: Amerikanische Kriegsveteranen zum Beispiel, die sich dem Kampf gegen den Bau einer Ölpipeline Seite an Seite mit den Native Americans im Reservat der Standing Rock Sioux anschließen. 

„is“ ist es ein wildes digitales Tier, es ist das Akronym für Infraschall.

Bei „unseen“ geht es darum, sich unsichtbar zu fühlen und den Kontakt zum eigenen Selbst zu verlieren.

„firework“ schließlich ist der letzte Song des Albums und beschreibt, wie schön es sich anfühlt, verliebt zu sein, obwohl manchmal Gefühle nicht zurückgegeben werden. Liebe kann auch einfach bedeuten, aus der eigenen Haut zu kommen: „I stopped being mine“.

CLOSE TALKER – How Do We Stay Here? IMMERSION Live Album

foto: Ben Giesbrecht

Das kanadische Indie/Pop/Edel-Shoegaze CLOSE TALKER ist in diesem Jahr mit vielen sehr schönen Singles und Videos und mit ihrem Album How Do We Stay Here? aufgefallen. Also nicht nur diesem unbedeutenden Blog, Probs kamen auch von NPR, Billboard, Clash, Spin, Q Magazine und Consequence of Sound. Mit dem Album war die Band dann auch in Europa auf Tournee.

Zu How Do We Stay Here? gibt es nun ein wundervolles Live-Album. Die Aufnahmen wurde während der IMMERSION Konzerte mitgeschnitten. Dabei handelte es sich um sehr spezielle Konzerte, die Close Talker in ihrer Heimat Kanada in Kunstgalerien, Studios und anderen einzigartigen Orten spielten, bei denen für das Publikum mit Kopfhörern ein immersives 360-Grad-Erlebnis geschaffen wurde.

Das Live Album gibt es digital auf Bandcamp:

How Do We Stay Here? (Live in Canada) by Close Talker

Wie sich die Band live anhört, kann in dem Video mitverfolgen, welches in Berlin auf dem Dach von sinnbus records gedreht wurde.

Close Talker – The Making of IMMERSION

Die Alben der Woche

Allen Stone -Building Balance

R & B und Soul sind richtige Musik, die hilft, bei den vielen Anforderungen des Lebens, nicht ins Wanken zu geraten. Um den Spagat zwischen dem Bewältigen der Vergangenheit und dem Meistern der Gegenwart, zwischen Karriere und Familie und zwischen brillanten Höhen und entmutigenden Tiefen zu schaffen und die Balance zu halten. Dieser Meinung ist offensichtlich Allen Stone und liefert mit seinen neuen Album den Soundtrack für den Balanceakt.

Marius Müller-Westernhagen Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)

Vierzig Jahre nach Erscheinen von Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz, hat Marius Müller-Westernhagen das Album ganz neu und ganz anders aufgenommen. „Die Lieder gehen heute viel tiefer, weil sie besser verstanden sind“, beschreibt Marius Müller-Westernhagen seine Erfahrung mit der Aufnahme. Mehr dazu lest ihr

h i e r.

Bishop Briggs-Champion

Die britische Sängerin Sarah Grace McLaughlin, die sich nach dem Herkunftsort ihrer Familie Bishopbriggs nennt, fällt nicht nur durch ihr Äußeres auf. Nach ihrem Debütalbum “Church of Scars” hat Bishop Briggs sich von ihren Zöpfen getrennt und sieht nun mit kurz geschorenen Haaren sehr kämpferisch aus. Das passt zu ihrer kraftvolle Stimme und dem Power-Indie-Pop von Champion.

Westernhagen-Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)

Gestern veröffentlichte der Sänger, Songwriter, Musiker und Produzent Marius Müller-Westernhagen sein neues Studioalbum Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1).  

Nach 40 Jahren

Vierzig Jahre sind vergangen seit dem Erscheinen seines Albums Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz, das 1978 Marius Müller-Westernhagens Karriere begründete.Es war das erste Album des Musikers, das über 1 Million Mal verkauft wurde. Zum Titelsong Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz wird auf Parties  auch heute gerne noch abgetanzt. Es lohnt sich, das ganze alte Album nochmal anzuhören und man stellt fest, es ist einfach gut. Westernhagen erzählte in den Songs Geschichten, die nicht nur in den 70er Jahren aktuell waren, sondern heute noch relevant sind, etwa von der Sehnsucht, nach der Jugendzeit (Mit 18), von Versagern (Zieh die Schuhe aus), von Kleinkriminellen (Willi Wucher) oder vom Alkohol (Alles in den Wind, Johnny Walker), macht sich über Dicke lustig, was man nicht machen sollte, aber jeder es doch tut. Blues und Rock’n’Roll kommen eh gut.

Kann man etwas, was so gut ist wie Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz, überhaupt besser machen oder sollte man von so einem Experiment besser die Finger lassen. Ich glaube,  das ist die falsche Sichtweise auf Das Pfefferminz-Experiment. Westernhagen wollte Pfefferminz bestimmt kein modernes, zeitgemäßes Update verpassen. 

Kann man etwas, was schon genial ist, verbessern?

Die Musik auf Das Pfefferminz-Experiment ist nämlich alles andere als modern und zeitgemäß, vielmehr ist sie aus der Zeit gefallen zeitlos.  Larry Campbell, der Co-Produzent von Marius Müller – Westernhagen, hat mit zahllosen Größen der amerikanischen Musik gearbeitet und eine halbe Ewigkeit in der Band von Bob Dylan gespielt. Bei den Aufnahmen kamen  kaum mehr als ein paar Gitarren, eine Geige, eine Pedal-Steel-Gitarre, ein kleines Akkordeon und  etwas Percussion zum Einsatz. Die Arrangements entstanden im intensiven Zusammenspiel der Musiker und es eine Americana-Musik entstanden. Marius Müller-Westernhagen und seine amerikanischen Begleitmusiker schufen aus dem vorhandenen Songmaterial etwas anderes,  etwas neues. Dazu trägt sicher der von Gesang Marius Müller-Westernhagen bei. Seine Stimme ist gereift. Er ist in der Lage, besser zu modulieren, als der junge Marius.. Er zieht alle Register in Sachen Dynamik und Klangfarben und reagiert gesanglich subtil auf seine jahrzehntealten Texte, indem er sie an den richtigen Stellen ironisch bricht oder ihnen vollen Respekt erweist.

Daher kann man nicht sagen, dass das heutige Pfefferminz-Experiment besser ist, das das alte Pfefferminz. Es ist von der  Intensität und der Seele ein völlig neues Werk entstanden. Und es ist gelungen

„Die Lieder gehen heute viel tiefer, weil sie besser verstanden sind“, beschreibt Marius Müller-Westernhagen seine Erfahrung.