SOPHIE HUNGER nimmt ihr Album „Halluzinationen“ in den legendären Abbey Road Studios auf (VÖ 04.09.)

Sophie Hunger hat ihr immerhin schon siebtes Album Halluzinationen in den legendären Abbey Road Studios London aufgenommen. Die Studios haben natürlich eine besondere Atmosphere, weil dort verschiedenste Künstler, vom Glenn Miller Orchester über natürlich die Beatles und Pink Floyd bis zu Oasis den Sound ihrer Zeit geprägt haben. Dies führt zu dem Mythos, dass in den Abbey Road Studios nur gute Musik entsteht. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das neue Album von Sophie Hunger.

Diese Erwartungen erfüllen Sophie Hunger und ihr Produzent Dan Carey, mit dem die Wahlberlinerin schon bei dem zwei Jahren veröffentlichten Vorgängeralbum „Molecules“ zusammen gearbeitet hatte. Sophie berichtet, sie seien „volles Risiko“ gegangen und hätten das komplette Album in nur zwei Tagen eingespielt, wobei – und hier zeigt sich die Professionalität der Küstlerin, sämtliche Songs live und in einem Take aufgenommen wurden.

Der Lohn ist eine besondere Intensität der Tracks, was besonders bei dem ernergetischen und rockigen „Alpha Venom“ förmlich zu spüren ist.

Auf ihrer Platte singt sie – wie auch schon zuvor immer wieder – auf Deutsch und Englisch. Dem Deutschlandfunk Kulturradio verriet sie, welche Sprache, das entscheide sich meist schon ganz am Anfang, wenn ein Song entsteht. „Meistens habe ich am Anfang ein paar Worte, die ich gerne mag“. Dazu gehöre auch das Wort „Halluzinationen“, weil es so schwer sei. „Wenn man es fertig gesagt hat, ist man sofort ein bisschen stolz auf sich, als würde man einen Salto machen – gestanden.“

Neben der Zweisprachigkeit zeichnet zeichnet sich „Halluzinationen“ duch eine ungemeine musikalische Vielfältigigkeit aus . Außer rockigen Stücken gibt es auch eine dunkele Moritat „Rote Beete aus Arsen„, aber auch luftig swingende Stücke, wie „Everything Is Good“ die gute Laune verbreiten.

Man kann das Album ganz oft durchhören und entdeckt trotzdem immer wieder was neues. Die Rhythmen sind tricky, mal ist die Gitarre im Vordergrund, mal das Piano. Das Album geht mit vielen Electronica-Elemente deutlich in eine elektronischere Richtung, als frühere Alben von Sophie Hunger.

Fazit: Die geplante VÖ musste mehrfach verschoben werden. Das warten auf den 04.09.2020 lohnt sich.

Kamaal Williams – Wu Hen

Album der Woche II

Der Tasteninstrumentalist und Produzent Kamaal Williams (Foto: Glauco Canalis) aus Südostlondon gilt als eine der aktivsten Figuren der jungen Szene des UK-Jazz. Sein neues Werk „Wu Hen“ (nach dem Spitzname, den seine taiwanesische Großmutter ihm gab) groovt zwischen Jazz, Funk, Rap und R&B. Allein schon wegen der Instrumentierung mit Harfe und Streichern lohnt sich ein Einlassen auf diese ungewöhnliche und schöne Produktion. Zu den Musikern auf dieser Platte gehören Greg Paul (vom Kalayst Collective) am Schlagzeug, Rick Leon James am Bass, Quinn Mason am Saxophon und an der Harfe Alina Bzhezhinska. Das Multitalent Miguel Atwood-Ferguson (der bereits mit Ray Charles, Flying Lotus, Dr. Dre, Mary J. Blige und Seu Jorge zusammengearbeitet hat) steuert die Streicher bei. Kamaal Williams beschreibt, ganz bescheiden, sein Album so:

„Dies ist eine Revolution des Geistes. Eine spirituelle Rebellion: Um neue Höhen zu erreichen, müssen wir uns von der materiellen Welt trennen und Kraft in dem finden, was nicht greifbar ist. Dafür ist Musik und Kunst da – ob es sich um eine primitive Emotion oder etwas Tiefes handelt, Sie spüren es. Und es gibt ein unterschwelliges Element, das in meiner Arbeit mitschwingt. Wenn du malst, malst du was du dabei fühlst. Und die Person, die sich dieses Kunstwerk ansieht oder diese Musik hört, kann es auch fühlen, weil es aufrichtig ist. „

Howling – Colure

Alben der Woche I

Der australische Folk-Sänger Ry Cuming aka Ry X und Frank Wiedemann, Mitbegründer des einflussreichen Berliner Labels Innervisions und eine Hälfte des Produzenten-Duos Âme,  haben ihr gemeinsames Musikunternehmen Howling wieder aufleben lassen, und präsentieren „Colure„, die zweite Platte und Fortsetzung ihres erfolgreichen Debüts „Sacred Ground“, auf dem damals der namensgebende Hit „Howling“ enthalten war. Auch Colure zeigt wieder gut die Zusammenarbeit der beiden läuft. Es geht ihnen darum, verschiedene musikalische Sphären miteinander in Kontakt zu bringen und die dadurch entstandenen neuen Möglichkeiten zu nutzen, die sich aus einer Differenz ergeben können.  Mit „Colure“ wollte das ungleiche Paar dort anknüpfen, wo sie mit ihrer letzten Platte aufgehört haben und die wichtigsten Zutaten darauf destillieren, um sie zu verbessern. „Wir wollten, dass die Leute sofort merken: ‚Das ist ein Howling-Track!‘“, erklärt Wiedemann.

July Talk – Pray For It

Album der Woche

Foto: Calm Elliott-Armstrong

July Talks Musik lebt von den gegensätzlichen Stimmen ihrer beiden Frontleute. Während Sänger Peter Dreimanis klingt wie Tom Waits nach dem zehnten Glas Bourbon ist die zarte Stimme von Leah Fay ein perfekter Kontrast. Das selbstbetitelte Debüt kriegte uns mit deftigen Blues-Rock, gepaart mit Americana-Anleihen. Glücklicherweise haben July  Talk erkannt, das man ein Erfolgsrezept auch totreiten kann. So veränderte sich die Grundstimmung des Zweitlings “Touch”  mehr zum Nachdenklichen, Melancholischen. Dieses setzen sie mit ihrem dritten Werk Pray For Itfort. Natürlich gibt es noch die boy meets girl- Geschichten, die so perfekt zu dem Gesangsduo passen und von der Lüge der ewig währenden großen Liebe handeln (Good Enough). Auch sind Uptempo-Nummern enthalten, auf die die Fans warten (Governess Shadow) . Aber die schnellen Gitarren-Riffs werden zugunsten Synthesizer-Klängen zurück geschraubt, die Gesangsparts zugunsten von Leah Fay ausgeweitet. Lea, deren glasklare Stimme wie gemacht für verträumte Pop-Songs ist, hat auf der Platte immerhin drei Solostücke, darunter das im Ohr bleibende Pay For It”.

Fazit:  Es mag sein, dass manche Fans die Entwicklung von Indie-Rock zu Dream-Pop verstören wird. Für mich zählt, dass July Talk bereit und in der Lage sind,  die Navigation anzupassen, sodass sie nicht auf den Pfaden landen, die sie selbst ausgetreten haben. Daher ist “Pray For It” für mich das Album der Woche.

Album der Woche (2)

Aufgrund der Proteste gegen Rassismus ist RTJ4 von Run The Jewels das eindringlichste und wichtigste Album der Woche. Es gibt aber natürlich weitere Neuerscheinungen. Erwähnenswert ist das neue Album der Spanierinnen Hinds.

Hinds- The Prettiest Curse

Foto: Keane Shaw

Mit ihren zwei bisherigen Alben „Leave Me Alone“ und „I Don’t Run“ konnte  das Vierergespann Amber Grimbergen, Ana Perrote, Carlotta Cosials und Ade Martin mit ihrer ehrlichen, lustigen und kompromisslos-anarchischen Musik globale Anerkennung gewinnen. „The Prettiest Curse“ bedeutet für sie eine deutliche künstlerische Veränderung. Ihr drittes Album  ist von der Grammy-nominierten Produzentin Jenn Decilveo (u.a. Beth Ditto, Bat For Lashes, Albert Hammon Jr.) wesentlich poppiger und ausproduzierter als die Vorgänger. Dadurch verliert die Platte zwar etwas am liebgewonnenen, rumpeligen Charme. Ihrer lässigen Girl-Gang-Attitude tut das jedoch keinen Abbruch. Das britische Magazin Loud & Quiet  betonte in seiner Besprechung die Bedeutung dieses Albums für weibliche Musikerinnen und Frauen im Allgemeinen : „The Prettiest Curse is a celebration of women….and is, at its heart, about the intricacies of women’s emotional experiences”. Darüber hinaus singen die Madrileninnen zum ersten Mal prominent in ihrer Muttersprache.

Album der Woche

Run The Jewels – RTJ4

„Ich habe nichts Positives zu sagen“, verkündete Michael Render (Killer Mike) am 29. Mai bei einer Pressekonferenz in Atlanta, drei Tage nachdem ein weißer Polizist neun Minuten lang sein Knie auf den Hals des kurz darauf verstorbenen George Floyd gestemmt hatte. „Er starb wie ein Zebra in der Umklammerung eines Löwenkiefers“, sagte der riesige Render weiter unter Tränen. Er sei „höllisch wütend“ und es sei an der Zeit, das „ganze System, das systemischen Rassismus ermöglicht, in Grund und Boden zu brennen“.

Foto: Tim Saccenti

Der insgesamt elf Songs in 40 Minuten umfassende Longplayer mit dem schlichten Namen „RTJ4“ sollte am 05. Juni via Jewel Runners/ RBC/ BMG erscheinen. Aufgrund der aktuellen „Black Lives Matter“- Proteste nach dem Tod von George Floyd durch weiße Polizeigewalt haben Killer Mike und Jaime Meline (El-P) von Run The Jewels am 03. Juni folgendes erklärt: “Fuck it, why wait? The world is infested with bullshit so here’s something raw to listen to while you deal with it all. We hope it brings you some joy. Stay safe and hopeful out there and thank you for giving 2 friends the chance to be heard and do what they love. With sincere love and gratitude, Jaime and Mike.” und das Album ab sofort auf ihrer Website zum Gratisdownload angeboten.  Beim Gratisdownload hat man die Möglichkeit freiwillig an den „National Lawyers Guild Mass Defense Fund“ zu spenden, der Demonstranten und Aktivisten zu Gute kommt. 

https://uk-preorder.runthejewels.com/collections/rtj4

Hochkarätige Allstar-Gäste

Auf RTJ4 ist eine Riege namhafter hochkarätiger Gäste, wie Pharrell Williams, Mavis Staples, 2 Chainz, Zack de la Rocha, Josh Homme, DJ Premier und Greg Nice zu hören. Zwischen all diesen Gastauftritten überbieten sich El-P und Killer Mike mit sprachgewaltigen Rhymes, einer Portion Galgenhumor und einer Menge Wut und Verzweiflung, beide jeweils aus ihrer weißen und schwarzen Perspektive.

Sklavenhalter auf Dollarscheinen

Nun könnte man annehmen, das Album sei schnell zusammengeschrieben worden, um auf auf die aktuellen Unruhen in den USA zu reagieren. Dem ist aber nicht so. RTJ 4 ist das Ergebnis von zwei intensiven Jahren Songwriting. Killer Mike und El-P reflektieren die Welt wie sie ist und nehmen wahr, dass der Rassismus, der sich nicht zum ersten Mal in besonders widerwärtiger Gewalt offenbarte, eine traurige Kontinuität hat. So lassen sie in „JU$TPharell Williams und den zorndurchtränkten Rage-Against-The-Machine-Sänger Zack de la Rocha sich abwechselnd dazu auffordern, mal all die Sklavenhalter auf den Dollarscheinen anzusehen.

Liberale Twitter-Rants reichen nicht

Dass es mit der Ablösung des ersten schwarzen Präsidenten Barak Obama durch den unsäglichen Trump nicht besser wird, war absehbar. Die politisch denkenden RTJ weisen aber auf den Missstand hin, dass Rassismus strukturell in der Gesellschaft angelegt ist. Auf „Walking In The Snow“ regt sich El-P über den weißen Trump-Wähler aus der Unterschicht auf. Und Killer Mike hält ihm dafür den Spiegel vor – auf weiße Liberale wie ihn sei am Ende schließlich auch kein Verlass: „You so numb you watch the cops choke out a man like me / Until my voice goes from a shriek to a whispered ‚I can’t breathe‘ / And you sit there, in house, on couch, and watch it on TV / The most you give’s a Twitter rant and call it a tragedy.“

Auch ohne die die aktuellen Ereignisse hätte man konstatiert, dass Run The Juwels ein gutes wütendes , aber humorvolles Album gemacht haben, das auch Menschen anspricht, die sonst keine ausgesprochenen Hip-Hop -Fans sind. Angesicht der Situation kommt man an dem Album nicht vorbei.

Die Alben der Woche

The Howl & The Hum -Human Contact

Human Contact ist das Debütalbum des aus dem britischen York stammenden jungen Indie-Quartetts The Howl & The Hum um Frontmann Sam Griffiths. Sam Griffiths zeigt in den in den insgesamt 13 Tracks Gespür für epische Pop-Melodien und ein Faible für den Post-Punk der Achtzigerjahre. Es geht um Einsamkeit und Entfremdung im digitalen Zeitalter. Zusammen mit dem Album ist auch ein Video zur Single „Hostages“ erschienen, ein dynamischer und opulent arrangierter Trennungssong. Das Video ist ganz frisch, wie man an der letzten Szene erkennen kann.

Velvet Volume – Ego’s Need

Velvet Volume Foto: Chris Calmer

Ein Stück weiter sind die dänischen Zwillingsschwestern Noa und Naomi, die zusammen mit ihrer Schwester  Nataja die Rockband Velvet Volume bilden .Die Lachmi-Schwestern veröffentlichen mit mit „Ego’s Need“ bereits ihr zweites Album. Auf die Ohren gibt es 10 gitarrenlastige Tracks, die durch des Wechselgesang der Zwillingsschwestern einen besonderen Drive bekommen.

Pauls Jets – Highlights zum Einschlafen

Mit ihrem zweiten Album „Highlights zum Einschlafen“ führen uns Paul Buschnegg und seine Mitstreiter Romy Park und Xavier Plus in eine Stadt am Meer, überall hin, wo LKW fahren und zusammen mit Reinhold Messner in einen lebensgefährlichen Blizzard. Die Texte der Österreicher sind nie eindeutig, die zwischen Indie-Rock, Synth-Pop und Shoegaze changierende Musik trägt eindeutig as Prädikat „sehr gut“

Das Moped – Erstaunlich klar

Das Moped Pressefoto: Sahra Knüpfer

Seit Freitag ist das Debüt der Indie-Pop-Newcomer zu haben. Zum Album erscheinen zahlreiche Videos in den nächsten Wochen

Der Beitrag könnte jetzt etwa so beginnen: Das Moped, die deutsche Antwort auf Bilderbuch. Der Beginn könnte ebenso lauten : Das Moped, die deutschen Wanda. Beides ist irgendwie richtig und beides natürlich auch zu kurz gegriffen. Man kann mit gutem Gewissen Das Moped als Synthese beider Austro-Popbands bezeichnen “ So bleibt „Erstaunlich Klar“ (Epic d/Sony Music) einfach ein Album, dem man anhört, dass das Trio die Vorbilder sehr aufmerksam studiert hat. Das Ergebnis will ein bisschen hymnischer sein als Bilderbuch – und ein wenig pomadenfrisierter als Wanda. Natürlich ist es beides damit nicht wirklich. Aber es ist relativ nah dran“, urteilt Jakob Biazza in der Rubrik „Alben der Woche“ in der Süddeutschen Zeitung.

„Erstaunlich Klar“ heißt das Debütalbum von Das Moped

Die in Wien erfolgte Aufnahme des Debüt-Langspielers leitete Paul Gallister, der unter anderem bereits für Wanda hinter den Reglern saß. Zum zum Titeltrack „Erstaunlich Klar“ gibt es auch ein gut gemachtes Video.

Apropos Videos. Unter den derzeit gegebenen Umständen wurden natürlich die Tourpläne von Das Moped  schwer beeinträchtigt. Deshalb hat sich die Band etwas einfallen lassen: Zu jedem Song des Albums wird es audiovisuelle Umsetzungen geben, die innerhalb der nächsten Wochen erscheinen werden.

Das dänische Schwesterntrio Velvet Volume veröffentlicht am 29.05.2019 ihr zweites Album “ Ego’s Need“

Wer Infos zu Velvet Volume im Internet sucht, sollte in die Suchmaschine den Zusatz „Band“ eingeben, sonst erhält man jede Menge Informationen zu Wimperntusche. In gewisser Weise passt dieses aber zur Band, denn Mascara gehört auf alle Fälle zu deren stilvollen Auftritten. Velvet Volume besteht aus den drei Schwestern Noa, Naomi und Nataja Lachmi. Die Zwillinge Noa und Naomi singen, Noa spielt Gitarre und Naomi  Bass. Die jüngere Schwester Nataja ist die Drummerin des Trios ist. Die Drei kommen aus der aus der dänischen Stadt Aarhus. Der Rolling Stone zählte Velvet Volume zu den „besten neuen Bands 2018“ und sieht in ihnen „drei junge Krawallfrauen, irgendwo zwischen den Run­aways, Blondie und Sleater-Kinney, Riot Grrrls mit Benzin im Blut!“.

Nach dem Debüt „Look Look Look!“ aus dem Jahr 2017 veröffentlicht Velvet Volume am 29.05.2020 mit „Ego’s Need“ ihr zweites Album. Die Zwischenzeit hat die Band erkennbar genutzt, um mit ihrem Sound und ihrem Songwriting zu experimentieren und sich so künstlerisch weiterzuentwickeln. So klingen Velvet Volume  auf ihrem Zweitwerk deutlich verspielter und reichhaltiger –  sowie herausfordernder und grenzüberschreitender als zuvor. Dies stellte bereits die erste Vorabsingle von „Ego’s Need“ namens „Lonely Rider“ unter Beweis, die bereits Ende Februar veröffentlicht wurde

Auch im deutschen Fernsehen waren Velvet Volume schon zu sehen – und zwar im legendären Rockpalast.  Das gesamte Konzert kann man über den offiziellen „Rockpalast-Kanal“ sehen (hier der Link). Unter den insgesamt elf Songs befinden sich auch die fünf neuen Titel „Blunt Knife“, „Sunny LA“, „Congratulations“, „Lonely Rider“ und der Titeltrack „Ego`s Need“. Ebenfalls auf dem Album befindet sich der melodische Rocksong Carry, der hier schon besprochen wurde. Insgesamt umfasst das Album 10 gitarrenlastige Tracks, die durch des Wechselgesang der Zwillingsschwestern einen besonderen Drive bekommen. Mein Anspieltipp lautet „Young in Love Again“ ( VÖ 29.05.2020)

Silent Neighbor – Tired Of Your Smile (VÖ 24.04.20)

silent neighbor ist schon eine besondere Band, die sich um den Zürcher Songwriter Philipp Saner zusammengetan hat. Alle vier Musiker der ungewöhnlichen Formation aus Cello, Klarinette, Schlagzeug und Gitarre/Gesang haben einen Hintergrund in der improvisierten Musik

Am Cello sitzt mit Joachim Flüeler ein versierter Improvisator mit Hintergrund in der klassischen Musik und zugleich ein vielseitig beschäftigterFilm- und Theaterkomponist. Philipp Hillebrand an der Klarinette und Bassklarinette kommt aus dem Jazz.

Schlagzeug, Sampler und anderen elektronischen Geräten, mit denen er den Bandsound immer wieder an unerwartete Orte katapultiert, bedient Maxime Paratte,  seit Jahren einer der gefragtesten und vielseitigsten Drummern der Schweiz, wenn es darum geht, den nächsten Radiohit zum Grooven zu bringen oder den Sound einer Modern Jazz Band hellhörig mitzugestalten. Schließlich  der Songwriter Philipp Saner selbst, mit seine etwas kratzigen unverwechselbaren Stimme; er steuert Gitarren und allerlei Effektgeräte. bei. 

Spannende Mischung

Schon allein durch die außergewöhnliche Instrumentierung, die Spannung zwischen Streich- , Holzblas- und elektronischen Instrumenten macht «Tired Of Your Smile» zu einem Album voller lyrischer und musikalischer Eskapaden und unerwarteten Wendungen. Das bedeutet aber nicht, dass das musikalische Material zu irgendeinem Zeitpunkt anstrengend wird . Vielmehr gelingt eine zugängliche Mischung zwischen jazzigen Elementen und Singer/Songwriter Pop.

Plattencover-Kunstwerk

Das Artwork zu «Tired Of Your Smile» hat die Zürcher Künstlerin und Animationsfilmerin Anaïs Voirol gestaltet. Die von ihr geschaffenen Figuren treten in ihrer Verlorenheit zwischen Kleinkind und Greis in einen spannenden Dialog zu den Texten und der Musik auf dem Album und öffnen neue Assoziationsräume, sodass sich Musik und Bild in ihrer Aussage gegenseitig beeinflussen.