Die Alben der Woche (13. Woche)

Hundreds – The Current

The Current ist das vierte Hauptwerk der Geschwister Eva & Philipp Milner, die zusammen mit Florian Wienczny als Hundreds bereits vor 10 Jahren ihr erstes Album mit elektronischer Popmusik veröffentlicht haben. Seitdem haben sie ihren Sound stets verfeinert und insbesondere mit „Aftermath„und den vielen darauf zu findenden melodiösen Songs Aufmerksamkeit erregt. Hinsichtlich der Melodien steht „The Current“ dem nicht nach. Wieder begeistert Evas schöne Stimme. Beim 1. Song „Vessel In The Sky“ hört man diesmal sogar Philipp singen.

Little Dragon – New Me, Same Us

Foto: Ellen Edmar

Mit „New Me, Same Us“ ist die Band wieder an Ihre Wurzeln zurückgekehrt, als die gemeinsame Freude an der Musik wichtiger war und wieder ist, als die Sorge, ob man das Richtige tut. „Dieses Album war für uns die bisher beste Zusammenarbeit untereinander.“, erklären Little Dragon. (Ausführliche Review hier.)

Waxahatchee – Saint Cloud

Lust auf ein schönes Indie-Folk Album? Dann ist Saint Cloud von Katie Crutchfield, wie Waxahatchee bürgerlich heißt, genau das richtige. Katie’s Stimme steht hier im Mittelpunkt. Dabei ist jeder Song etwas Besonderes. Wunderbare Melodien, Tempowechsel alles sehr harmonisch.

Little Dragon ist zurück mit ihrem brandneuen Album „New Me, Same Us“.

Albumcover Little Drago – New Me, Same Us – Ninja Tune

Little Dragon – die schwedische Band um die Sängerin Yukimi Nagano, den Multiinstrumentalisten Håkan Wirenstarnd und Fredrik Wallin an Keyboard und Bass und Erik Bodin an Schlagzeug und Perkussion begeistert mit ihrem einzigartigen Sound und ihren Melodien, irgendwo zwischen unkonventionellem R & B, elektronischem und energiegeladenem Indie-Pop.

Der Geheimnis ihres harmonischen Flows ist ihre langjährige tiefe Freundschaft. Sie spielen seit ihrer Schulzeit in Göteborg zusammen, wo sie sich nach dem Unterricht zum Jammen trafen und Platten von Künstlerinnen und Künstlern wie A Tribe Called Quest und Alice Coltrane hörten. (Foto: Ellen Edmar).

Die lange Freundschaft funktioniert nur weil die Bandmitglieder, obwohl Yukimi und Håkan sicherlich hervorstechen, alles teilen und gleichberechtigt sind. Alle opfern die gleiche Zeit für das Projekt Little Dragon und haben somit den gleichen Verdienst, so erklären Yukimi und Håkan in einen Interview mit Blogrebellen. Mit „New Me, Same Us“ ist die Band wieder an Ihre Wurzeln zurückgekehrt, als die gemeinsame Freude an der Musik wichtiger war und wieder ist, als die Sorge, ob man das Richtige tut. „Dieses Album war für uns die bisher beste Zusammenarbeit untereinander.“, erklären sie, „was vielleicht ein bißchen komisch klingt, wenn man bedenkt, dass wir all die Jahre zusammen Musik gemacht haben. Aber wir haben hart daran gearbeitet, ehrlich zu sein, den Mut zu finden, unsere Egos hintenanzustellen, um stattdessen lieber Teile von etwas Größerem zu sein.“.

„New Me, Same Us“ ein weiteres Kapitel in der kontinuierlichen Entwicklung von Little Dragon. 

Die Lead-Single, „Hold On“, ist eine Botschaft über das Wegbrechen und Weitermachen, „Rush“ handelt von der Sehnsucht nach einer verlorenen Liebe, „Another Lover“ beschreibt einen herzschmerzerfüllten Tagtraum: „I can’t understand what I’m doing / don’t understand where we going“, klagt Yukimi in den ersten Zeilen. Das Video dazu feierte gestern Premiere.

In „Sadness“ geht es darum, dass jemand, den du magst, über die Zeit sein anderes Gesicht zeigt. Das Lullaby „Where You Belong“ ist ein Lied über die Angst vor Verlust und Tod. Aber es gibt auch Raum für Optimismus! „New Fiction“ sucht nach diesem Ort, an dem du neue Narrative und eigene Wege finden kannst, und „Are You Feeling Sad“ , die Zusammenarbeit mit Kali Uchis, fordert auf, sich nicht zu viele Sorgen zu machen: “you’re gonna be alright / don’t worry don’t worry / things gonna turn out fine ”. Etwas Eskapismus kann man zur Zeit gebrauchen.

Übrigens: „New Me, Same Us“ ist das sechste Album von Little Dragons und ihr Debütalbum auf Ninja Tune!

Record Release Konzert via YouTube

Da sämtliche Konzerte der Band derzeit nicht stattfinden können, werden Little Dragon als Trost am 27.03. um 20 Uhr ein Record Release Konzert via YouTube geben. 

Little Dragon Record Release Konzert Live Stream: https://youtu.be/mYgBIKIFwdE

Alben der Woche

Douglas DareMilkteeth

Coverbild: Douglas DareMilkteethErased Tapes 

Der englische Songschreiber Douglas Dare meldet sich mit seinem dritten Studioalbum zurück. Es wurde von Mike Lindsay (Gründungsmitglied von Tunng und eine Hälfte des Duos LUMP mit Laura Marling) produziert. Douglas Dare verarbeitet die Licht- und Schattenseiten der eigenen Kindheit und Jugend. Er verbrachte er viel Zeit in seiner eigenen Welt, tanzte am liebsten im pinkfarbenen Ballettanzug seiner Mutter durchs Haus. „Ich war einfach anders, ein Sonderling. Ich wollte nun mal tanzen und singen und mich verkleiden – womit man auf so einem kleinen Bauernhof in der Gegend um Dorset echt auffällt.“Douglas Dares Musik verhandelt die großen, universellen Themen – Liebe, Verlust, Kindheit –, indem er den Blick auf die eigene Erfahrung und die eigene Gefühlswelt richtet.

THE ANIMEN -Same Sun / Different Light

Wer Lust auf elegante Gitarrenverzierungen, elastische Basslinien, robuste rhythmische Reliefs hat, der wird von den Schweizer THE ANIMEN aufs Beste bedient. Mehr Infos gibt es hier.

My Ugly Clementine – Vitamin C

Die Songwriterin und Produzentin Sophie Lindinger, die mit ihrer Band Leyya bekannt wurde, hat sich drei Mitstreiterinnen gesucht. Mira Lu Kovacs (5k HD), Kathrin Kolleritsch (alias KEROSIN95) und Nastasja Ronck (Lucid Kid, Attic Giant) sind allesamt bekannte Persönlichkeiten in ihren jeweiligen Szenen in Österreich. Fertig ist die Supergruppe aus Wien. My Ugly Clementine klingt wie eine edgy Slackerband aus den USA. Eine Frontfrau gibt es nicht, sodass alle vier Stimmen zu Geltung kommen. Man hört es der Platte an, dass die vier mit Spass an die Sache gegangen sind.

„Possession“das neue Album von Joywave steht ab Freitag bereit

Joywave – Foto: Mary Ellen Matthews

Joywave, das sind Songwriter und Multiinstrumentalist Daniel Armbruster (Gesang), Paul Brenner (Schlagzeug), Joseph Morinelli (Gitarre) und Benjamin Bailey (Keyboards, Gitarre, Gesang). Nach ihrer Gründung landete die New Yorker Band Joywave 2013 schon als Featuregast von Big Data mit „Dangerous“ (feat. Joywave) einen indirekten Gold-Hit. Seitdem haben sie zwei Alben herausgebracht und sind bekannt für ihren ultrazeitgenössischen Sound mit Indie- und Electroeinflüssen.

In den zurückliegenden Monaten haben Joywave  mit

„Blank Slate“,

„Obsession“

und

„Like A Kennedy“,

schon eine ganze Serie von Albumvorboten veröffentlicht.

Für den britischen Guardian war „Like A Kennedy“ ganz klar der „Hottest Track Of The Week“

Mit ihrem neuesten Werk „Possesion“ nehmen sie durch den abwechselnden Blick auf Individuum und Gesellschaft eine neue Perspektive ein und halten der Gesellschaft damit einen Spiegel vor Augen. „Possession“ kann man mit Besessenheit übersetzen, in dem Sinne, dass eine fremde Macht von einer Person Besitz ergriffen hat. Der Albumtitel bezieht sich laut Joywave auf Themen wie Kontrolle bzw. Kontrollverlust ( einen Track mit dem Titel “Obsession”, also Zwangsstörung gibts auch), die immer wieder auftauchen im Verlauf der insgesamt 12 Tracks.

„Uns rauchen die Köpfe. Jeder Tag ist noch verrückter als der davor. Jeder Bildschirm, an dem wir vorübergehen, schreit uns förmlich an, fordert unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Die Kontrolle über das eigene Leben befindet sich in einem permanenten Belagerungszustand“

Daniel Armbruster-

Indem sie ihren Blick abwechselnd aufs Individuum und die gesamte Gesellschaft richten, kann man „Possession“ als Versuch bezeichnen, eine neue Perspektive zu eröffnen – wie ein vertonter Zoom-Out, der das große Ganze wieder sichtbar macht.

Das Album-Artwork inspiriert von der Voyager Golden Record

Eine riesigen Perspektivwechsel hat die Wissenschaft mit den Raumsonden Voyager 1 + 2 vollzogen. Diese sind seit 1977 im Weltraum unterwegs und im August 2012 als erste von Menschen erzeugte Objekte unser Sonnensystem verlassen. Mit Hilfe der Sonden können die Menschen erstmals von außen auf unser Planetensystem blicken. Die Voyager-Sonden also Symbole für neue Perspektiven. Wahrscheinlich das Album-Artwork deshalb von der „Voyager Golden Record“  inspiriert. Eine Golden Record ist jeweils auf einer Voyager-Sonde und enthält Bild- und Audio-Informationen über die Menschheit. Nicht nur das, auch Samples und Field Records spielen bei den Produktionen von Joywave eine große Rolle. Im Verlauf von „Possession“ sind Audiopassagen von den legendären „Voyager Golden Records“ zu hören.

Joywave liefern mit auf Possesion einen dichten Sound zwischen Indie- und Electro-Einflüssen, Gitarren und massiven Synthesizer. Dazu gibt es tiefgründige Texte, wobei allerdings das Augenzwinkern nicht vergessen wird.

Alben der Woche

Soccer Mommy – Color Theory

Foto: Brian Ziff

Soccer Mommy – die 22-jährige Sophie Allison aus Nashville – veröffentlichte 2018 ihr Durchbruch-Debütalbum Clean. Seitdem tourte sie mit Kacey Musgraves, Vampire Weekend, Paramore, Wilco und Liz Phair, gab ihr Festival-Debüt bei Coachella, Gov Ball und Primavera Sound und unterschrieb bei Loma Vista Recordings. Ihr zweites Album Color Theory thematisiert die Schattenseiten des rekordhaften Aufstiegs für ihre mentale Gesundheit. “My record blowing up and touring a bunch was not great for my brain,”sagt sie. In ihrer Farblehre, nach der das Album aufgebaut ist, stehen die Farben blau für Depressionen, gelb für geistige und körperliche Erkrankungen, grau für Sterblichkeit. Zum Beispiel beschreibt das siebenminütige Stück „yellow is the color of her eyes“ die Erkrankung von Allisons Mutter, die sich in der Gelb-Verfärbung der Augen zeigte. Color Theory ist ein melodiöses, von Gabe Wax sorgfältig produziertes Indie-Rock-Album geworden. Für weitere interessante Einzelheiten empfehle ich den englischsprachigen Podcast Song Explorer. In der Episode über Soccer Mommy nimmt sie selbst „Circle the Drain“ auseinander und erklärt, wie es von Liedern aus ihrer Kindheit beeinflusst wurde.

Tycho – Simulcast

Foto: Misha Vladimirskiy

Nach der Veröffentlichung ihres für den GRAMMY® Award nominierten Albums „Weather“ (2019), sind Tycho mit dem neuen Album „Simulcast“ zurück. „Simulcast“ enthält maßgeschneiderte instrumentale Bearbeitungen von „Weather“-Albumtiteln, die zuvor von der Singer-Songwriterin Saint Sinner gesungen wurden. Mehr Infos h i e r.

Caribou – Suddenly

Dan Snaith alias Caribou vor einem Mural der Künstlerin Amber Elise,  Foto: Thomas Neukum

Dan Snaith alias Caribou sieht nicht glamourös aus, wie man es von einem Popstar erwarten könnte, sondern wie der promovierte Mathematiker, der er ist. Die Themen auf seinem neuen Werk Suddenly sind hochgradig persönlich sowie hochgradig unglamourös. Es geht ums Familienleben, Frau und Kinder, Väter, Mütter, Schwestern und ihre Beziehungen untereinander. Ganz anders ist die Musik auf Suddenly. Eine Pop-Perle reiht sich an die nächste zu einem prätentiösem Schmuckstück. Die Auswahl als abwechslungsreich zu beschreiben, ist völlig untertrieben. Das Album sprudelt voller Ideen. Uns begegnen Synthesizer-Melodie, Gitarrensoli und HipHop-Vocalsamples. Einflüsse aus Funk, Soul, Afrobeat und Fusion Jazz wechseln -nomen est omen- plötzlich.

Tycho – Simulcast ( Album)

Album Artwork Tycho Simulcast @ Mom + Pop x Ninja Tune

Tychos Signatur ist ein instrumentaler organisch-melodiöser Ambientsound mit warmen Synthi-Klängen, tiefen Bässen und weiten Klanglandschaften. 2019 überraschte Scott Hansen, der Mastermind von Tycho, die Fangemeinde mit dem Album „Weather„, welches nicht rein instrumental war. Die Sängerin Saint Sinner verlieh der elektronischen Musik ein zusätzliches eigenständiges Element. „Simulcast“ enthält nun maßgeschneiderte instrumentale Bearbeitungen von „Weather“-Albumtiteln, die zuvor von Saint Sinner gesungen wurden. Tycho hat die Essenz der Originale übernommen und neue, alternative Versionen der beliebten Tracks geschaffen.

Scott Hansen erklärt den Albumtitel: „Ein Simulcast ist die Übertragung eines Programms über verschiedene Medien und in verschiedenen Sprachen. Mit diesen beiden Alben wollte ich die gleichen Ideen in zwei Sprachen präsentieren, eine wörtlicher und die andere offener für Interpretationen. ‚Simulcast‘ erweitert die in ‚Weather‘ dargelegten Konzepte, verlagert sich aber mit instrumentalen Klanglandschaften an Stelle von Texten ins Abstrakte, eröffnet einen visuellen Raum und übersetzt die Botschaft in eine neue Sprache.“

Man kann sich also ein ganz besonderes Klangerlebnis verschaffen und auch sein Gehör schulen, indem man „Weather“ und „Simulcast“ gegeneinander hört. Da die Titelnamen und die Reihenfolge der Track unterschiedlich sind, gibt es hier eine Liste der Transformationen. Die Liste stammt aus einem Instagram-Post von Scott Hansen.

1. Weather

2. Alright / For How Long

3. Outer Sunset / Skate

4. Into The Woods

5. Easy

6. PCH / Pink & Blue

7. Cypress / Japan

8. Stress / No Stress

Weather

Simulcast

Die Alben der Woche

Tame Impala- The Slow Rush

Die Band Tame Impala ist die Person Kevin Parker. Mit seinem vierten Album „The Slow Rush“ hat Kevin Parker den psychedelischen Ansatz seines Frühwerks endgültig in glitzerndem Dream-Pop verwandeltet. Man setzt den Kopfhörer auf und taucht in die verträumten und fantastischen Melodien und Soundwolken ein. Hits, die auf „The Slow Rush“ natürlich auch mehrfach gibt (Borderline, It Might Be Time, Posthumous Foregeiveness, Lost In Yesterday), braucht es gar nicht. Das Album wirkt durch seinen gesamten Flow.

ÄTNAMade By Desire

Ebenfalls konsequent in Richtung Pop geht das Duo ÄTNA mit seinem sehnlichst erwarteten Debütalbum „Made By Desire„.Zwei EPs haben die Dresdener bisher veröffentlicht und sich mit opulenten Songs und der markant-modulierten Stimme von Sängerin Inéz und der außergewöhnlichen Schlagzeugkunst von Demian festen Platz unter den vielversprechendsten deutschen Newcomern gesichert. Beide EPs waren sehr experimentell und stellten zusammen mit Videos und Mode Gesamtkunstwerke dar. An all diesen Zutaten hält „Made By Desire “ im Grunde fest . Es gibt weiterhin Hallschleifen, Effekte und Delays. Stimmverfremdungen werden eingesetzt, wirken aber wie das Gegenteil von Autotune, weil sie der beeindruckenden Stimme von Sängerin Inéz sogar noch mehr Tiefe hinzufügen und gelegentlich den Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Stimme verwischen. Geändert habe ÄTNA für das Album die Songstrukturen, sodass ein Pop-Album im positivsten Sinne entstanden ist. Neben Hundreds machen ÄTNA derzeit die beste Popmusik im Lande.

Beach Bunny – Honneymoon

Honneymoon ist das Debütalbum von Beach Bunny, der Band von Lilly Trifilio. Sie hat zuvor mit dem Song „Prom Queen“ Aufmerksamkeit erregt, in welchem sie gegen das gängige Schönheitsideal ansingt. Um diese Themen, also Unsicherheiten und Ängste, die sich ergeben, wenn man in das Erwachsenenalter eingetreten ist, aber auch um das Selbstbewusstsein, dreht sich das Album. Das wird unterlegt mit dem energetischen Power-Pop, wie wir ihn z.B von Charly Bliss lieben.