Interview mit der Liedermacherin Isa Jansen

Isa Jansen hat ihre Debüt- EP „Federkleid“ veröffentlicht. Anlass sie kennenzulernen

Isa Jansen steht für handgemachte Singer/Songwriter-Musik. In ihren Liedern erzählt sie Geschichten, die das Leben schreibt. Dabei wechseln ihre niemals einschichtigen Texte zwischen Poesie und direkten. kritischen Statements. Die musikalische Vielfalt reicht von klassischen Strophenliedern bis hin zu kleinen dramatischen Epen, in denen es gezielt auf eine abwechslungsreiche, verträumte und gleich darauf wieder energische und tänzerische Instrumentierung ankommt. Im Interview erzählt sie uns über ihren Weg zur Musik und gibt interessante Einblicke in die Entstehung von „Federkleid“.

Isa Jansens Debüt EP „Federkleid“ erschien am 27.08.2021. Dazu hat sie sich ausgewählte Musiker mit ins Boot geholt. Pianist Thomas Krüger, RnB-Gitarrist Lars Kutschke und die Jazzmusiker Schlagzeuger Johannes Hamm und Bassist Johannes Engelhardt geben den Songs Tiefe und Dynamik. Die russische Saxophonistin Olga Amelchenko hat bei drei Songs für eine zusätzliche jazzige Veredelung gesorgt.

Spotify- Link zur EP Federkleid

Interview mit Isa Jansen

Jetzt ist das Video zum Titelsong „Federkleid“ erschienen (siehe unten). Aus diesen Anlass konnte ich Isa Jansen ein paar Fragen stellen.

Hallo Isa, du hast am 27.08.2021 deine erste Musikproduktion veröffentlicht, die EP „Federkleid“. Wer ist Isa  Jansen? Wo lebst du und wie bist du zur Musik gekommen? 

Genau! Es handelt sich um eine erste EP mit vier Songs. Geboren bin ich in der hübschen kleinen  Küstenstadt Greifswald und habe dort Musikwissenschaft und Wirtschaft studiert. Danach bin ich  nach Brandenburg gegangen, habe im Kulturmanagement gearbeitet, eine mobile Musikschule  gegründet und lebe jetzt in Potsdam. Mit sieben Jahren habe ich mit klassischer Gitarre begonnen und dieses Instrument immer sehr geliebt. Später kamen Klavier und Gesang dazu. Für eine  Schülerband hatte ich bereits Texte und Musik geschrieben. Den Entschluss dazu, mit meiner eigenen Arbeit endlich auf die Bühne zu gehen, habe ich im März 2020 gefasst, kurz vor Beginn der  Pandemie. Das war natürlich ein großer Dämpfer. Trotzdem habe ich in dem folgenden Sommer ein  paar Konzerte gespielt und muss zugeben, dass auch ich von der großen übergreifenden  Demotivation in der Branche, die dann im Herbst 2020 folgte, betroffen war. Zum Ende des Jahres  habe ich mich aber aufgerafft und entschieden, dann erst einmal ins Studio zu gehen!  

Alle Songs auf dem Album “Federkleid” sind in deutsch eingesungen. Einerseits ist es vielleicht  einfacher Texte in der Muttersprache zu schreiben und zu singen, andererseits würden  floskelhafte, inhaltsleere Plattitüden sofort unangenehm auffallen, in unseren Ohren eher als in  einer Fremdsprache. Deine Texte sind sehr lyrisch und vielschichtig, Warum hast du dich  entschieden, deutsch zu singen? Welche Themen bewegen dich? 

Da hast du Recht! Ich kann mir vorstellen, dass wenn man verkopft an einen Text ran gehen würde,  es sehr schnell in Floskeln mündet. Es müssen Themen sein, die mich wirklich bewegen. Mein  Songwriting ist sehr intuitiv. Als großer Musikliebhaber, insbesondere deutschsprachiger Musik,  lasse ich mich sehr gern inspirieren. Erst einmal sauge ich alles auf wie ein Schwamm. Mich  beeindrucken aktuell Künstlerinnen wie Dota Kehr oder auch die Band Keimzeit, während ich mich allerdings mit dem Werk von Joni Mitchell beispielsweise auch gern befasse. Allerdings, wenn ich  einen Text schreibe, dann passiert dies einfach völlig frei aus dem Bauch heraus. Ich habe einen  Satz in einem bestimmten Metrum im Kopf, dann den nächsten, der sich reimt, und schreibe  plötzlich einen ganzen Text über ein Thema, das sich in meinem Unterbewusstsein befindet. Man  könnte also sagen, ich schließe damit automatisch die Beschäftigung mit einem Thema für mich ab,  indem ein Stückchen Kunst dabei raus kommt. Es liegen so viele Texte bei mir zu Hause, dass ich  mit dem Komponieren gar nicht mehr hinterher komme. Dabei muss ich mir nämlich etwas mehr  theoretische Gedanken machen, aber ich finde meist die Melodien, welche das Gefühl oder die  philosophische Aussage treffen, bzw. dazu dienen, es den Menschen nahe bringen zu können.  Meine ersten Lieder, die nun erscheinen, handeln zum Beispiel von persönlichen Dilemmata. Ich  finde es total spannend, wenn mir verschiedene Menschen ihre ganz eigene Interpretation zu einem meiner Texte erzählen, da es meist etwas völlig anderer ist als mein eigener Gedanke. Aber das  abstrahierte Gefühl ist dasselbe. Beim Titelsong Federkleid gehe ich allerdings ein wenig raus aus  meinem eigenen Innenleben und bearbeite damit eine empfundene wachsende Oberflächlichkeit in  der Gesellschaft. Entstanden ist der Text, nachdem ich ein Konzert inklusive Aftershowparty in  Berlin besucht habe. Auch wenn es ein sehr schöner Abend war, hat mich so ein leeres  Gesamtgefühl erfasst. „Buntes Glitzern, goldenes Glänzen“ – jeder möchte den anderen  beeindrucken – „lockere Umtriebigkeit“ – man zieht von einem zum anderen und findet keine Erfüllung. Ich habe das ganze in das Bild des von innerer Leere geplagten Bühnendarstellers  gepackt. Im Moment bewegen mich sehr viele weitere Themen, eher gesellschaftlich als privat. Genügend Missstände gibt es ja. Mein Stil ist es aber nicht direkt und offen zu monieren – was ich  toll finde. Sarah Lesch hat beispielsweise ein sehr treffendes neues feministisches Lied geschrieben.  Aber ich gehe immer in die noch nachdenklichere Metaebene. Ich habe schon so viele neue Lieder  und könnte jetzt ausholen, aber hier geht es ja um die ersten vier. 

Wie entstehen deine Songs? Schreibst du Musik und Texte selbst? Entstehen Sie im stillen  Kämmerlein oder regen Austausch mit anderen Musikern? 

Ja Text und Melodie stammen von mir und dann kommen die Musiker hinzu, um ihre Einflüsse rein  zu geben. Das ist dann ein sehr spannender kreativer Gesamtprozess. 

Deine EP “Federkleid” würde ich als groovigen Indierock, veredelt mit einem Touch 80-Jahre Saxophon, bezeichnen. Du hast dir dafür eine geniale Band zusammengestellt. Wie habt ihr  zusammengefunden? 

Wenn ein Song fertig geschrieben ist, dann habe ich gleich eine ziemlich genaue Vorstellung von  der Instrumentierung. „Der Tanz“ habe ich eigentlich von vornherein so geschrieben, dass viel Raum für ein Saxophon da ist. In „Federkleid“ ist die Pianospur essentiell sowie die E-Gitarre am  Ende. Und mit diesen Visionen habe ich mich dann umgeschaut. Olga Amelchenko ist eine  herausragende Saxophnistin mit einem tollen eigenen Stil. Bei den „Vollblutjazzmusikern“ haben  wir dann in der Zusammenarbeit eine Mitte gefunden und du hast Recht! Ich habe mir genau diesen  80er Jahre-Stil gewünscht, wie beispielsweise in „The Latest Trick“ von den Dire Straits. Lars  Kutschke habe ich entdeckt, da er auch für Keimzeit arbeitet, fand die ruhige blusige Art seines  eigenen Repertoires toll und dachte den Songs damit eine „Lässigkeit“ geben zu können. Dem  entgegen steht Thomas Krüger, der in der Popmusik angesiedelt ist und irgendwie immer weiß,  welche Töne gerade passen. Bei zwei Songs spielt eine Freundin von mir, Marta Gvardiyan, die  früher kurzzeitig als klassische Pianistin unterwegs war. Von ihr stammt das wunderschöne Solo in  „Nur eine andere Art zu sterben“. An den Drums habe ich einen alten Freund, den Jazzdrummer  Johannes Hamm, mit dem ich schon in einer Schülerband zusammen gespielt habe und ich wusste, dass es einfach passt! Den Bassisten Johannes Engelhardt hat er mitgebracht, da die beiden schon  viel zusammen gearbeitet haben.  

Schließlich eine letzte Frage: Für Musiker:innen sind die Möglichkeiten weggebrochen, Einnahmen  zu generieren. Konzerte sind derzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich, CDs werden kaum  verkauft und Spotify und Co zahlen für die Streams viel zu wenig. Wie gehst du damit um? 

Ich habe das Glück mir (noch) keine Gedanken darüber machen zu müssen, da ich vorher unter  anderem ein Einkommen durch die Musikschule hatte. Aber nun ist das Budget tatsächlich langsam  aufgebraucht, sodass ich hoffe, dass man sich ganz langsam ein Standbein über Livekonzerte und  andere Musikprojekte mit aufbauen kann.

Herzlichen Dank für deine aufschlussreichen Antworten.

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