Odd Beholder – Accept Nature

Beim  Electronica / Art Pop Projekt Odd Beholder der Schweizer Musikerin Daniela Weinmann ist die visuelle Umsetzung oft ebenso kunstvoll, wie die Musik. So auch bei diesen Video. „Accept Nature“ ist ein Stück über Obsessionen, die hervorgerufen werden durch permanent unrealistische und oft sinnlose Arbeitsziele.

Weinmann sagt über den Track und über das Video: „Accept Nature“ erzählt die Geschichte einer Schlaflosen, die sich nachts lustige Tiervideos auf ihrem Handy ansieht. Sie ist chronisch gestresst, weil sie das Gefühl hat, bei der Arbeit mit Maschinen konkurrieren zu müssen. Also wünscht sie sich, entweder auch eine Maschine zu werden oder wie ein Tier in der Wildnis zu leben und überleben, wo ihre Instinkte und Gefühle ein Vorteil statt ein Nachteil wären. Im Videoclip hat die Protagonistin das Trauma ihres chronischen Stresses in ein kathartisches Liebesobjekt verwandelt. Sie verliebt sich in ihr Trainingsgerät. Um ihre Beziehung oder ihren Kink zu leben, muss sie nachts in ein Fitnessstudio einbrechen. Ironischerweise lässt der Wunsch, sich in ein gnadenlos konkurrenzbetontes Arbeitsumfeld einzufügen, sie letztlich aus dem Mainstream (der Sexualität) aussteigen. Sie erkundet eine Leidenschaft, die interessanter ist als Produktivität und Konformität. Und diese aufregende Erkundung hilft ihr, mit der Unruhe umzugehen, die sie jede Nacht verspürt. Wenn man sowieso nicht schlafen kann, kann man genauso gut in ein Fitnessstudio einbrechen und ein Fitnessgerät verführen, oder?

Eines Nachts wird sie von einer Reinigungskraft entdeckt. Diese Frau beobachtet sie in aller Ruhe und mischt sich eine ganze Weile nicht ein. Wie die Tänzerin bricht auch sie ein paar Regeln: Sie bringt ihren Hund mit zur Arbeit und sie verbringt die Nacht im Fitnessstudio, um den intimen Moment zwischen der Frau und dem Trainingsgerät zu beobachten. Als sie sich schließlich entschließt, vorzutreten und das Licht einzuschalten, schmeißt sie sie nicht raus. Stattdessen signalisiert sie, dass sie gerne mitmachen würde. Ich interpretiere dies als einen zweiten Schritt in der persönlichen Entwicklung der beiden Frauen: Nachdem sie sich auf der Suche nach Liebe, Trost und Wärme an Hunde und Maschinen gewandt haben, sehen sie sich endlich gegenseitig. Sie entdecken endlich Solidarität und werden neugierig aufeinander. Happy End: Die gestresste und ausgegrenzte Mitarbeiterin findet eine unerwartete Verbündete, nachdem sie sich getraut hat, ihre wildesten und schrägsten Gefühle auszuleben. „

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