Mit dem wunderschönen Pop- Album „New Woman“ vertreibt Lùisa den Corona-Frust (VÖ 07.05.2021)

Alben der Woche (Teil 1)

Lùisa schöpft ihre  Kreativität aus ihrer Lebenserfahrung, die sie schon in jungen Jahren gesammelt hat. Fern der Heimat in einem Mädcheninternat leben zu müssen ist sicher nicht leicht, besonders wenn es am anderen Ende der Welt in Australien liegt. Weiter weg geht es nun nicht. Die Uniformierung ( im wahrsten Sinne) in einer solchen Einrichtung  und die Entfremdung schärften den Kampf um Selbstbestimmung.  Bei Lùisa reichte es, um zurück in Deutschland mit nur 17 Jahren von zuhause auszuziehen und zwei Jahre später in Hamburg als Songschreiberin ihren Weg zu gehen. Sie gibt Konzerte in Kneipen, aber auch auf großen Festivals und geht im Vorprogramm der australischen Band The Paper Kites auf Europatour. (Foto oben: Nikolai Dobreff)

Ich schreibe sehr persönlich und autobiografisch, hoffe aber, das auf eine allgemeingültige Ebene transferieren zu können”, sagt Lùisa. “Songs sollten letztlich immer auch von den Erfahrungen des Autors losgelöst funktionieren.” Und so vesinkt  ihre Musik auf “New Woman” nicht in der Depression, auch wenn es um Erfahrunge von um Verlust und Trauer geht ( bei “Late Summer Day” und bei  “To Let You Go”)  Bei Lùisa geht es nicht um die Krise selbst, sondern um den Weg aus ihr hinaus. Durch Lùisas Gefühl für Pop klingen ihre Songs, trotz gehaltvoller Thematiken, leicht und elegant. Mit einem  klar definierten Groove-Gerüsts aus Bass und Schlagzeug baut Lùisa mit Eighties-Synths und perlenden Gitarren eine warme Soundarchitektur. Man hört Einflüsse von Michael Jackson, Sade, Kate Bush und Talk Talk gehört, aber auch Gegenwartsmusik wie The War On Drugs, Christine & The Queens oder Haim. 

Der in meinen Ohren stärkste Track, was sich nach weiterem Durchhören des Albums aber noch ändern kann, ist der Titelsong “New Woman” . In der Empowerment-Hymne, singt Lùisa: “Change, breaking my cage, making mistakes, taking my stage/Feel like an new Woman today.”-und erzählt dabei von ihrer Rolle als Frau in der immer noch deutlich männlich dominierten Musikindustrie, in der Frauen auf sexistische Klischees wie “Mädchen mit der Gitarre”, “ liebliche Stimme«, “Muse”oder “zarte Fee” reduziert werden.

Die feministischen Bewegungen der letzten Jahre habe sie total bestärkt, über diese Dinge zu sprechen, sagt Lùisa. Es gehe z.B. um den Tontechniker, der sich nicht vorstellen könne, dass sie ihre Loops selbst programmiere.  Solchen Vorurteilen begegnet sie , weil sie eine Frau ist. Dabei  nahm sie ihr erstes Album: »One Youth Ago« 2012 komplett auf eigene Faust auf. Alle elf Songs von  “New Woman” stammen aus ihrer Feder. DIY-geschult führte sie Arrangements und Sounds, Grooves und Beats mittels der Software Ableton zusammen. Erst mit den weitgehend ausformulierten Demos zu »New Woman« ging sie zu Tobias Siebert (Klez.e, Kettcar, Enno Bunger u.a.) nach Berlin. Der Produzent verstand intuitiv ihren Ansatz , eine gewisse Eighties-Ästhetik mit ihren Singer- Songwriter-Roots und dem aktuellen Indie-Zeitgeist zu kombinieren., wie etwa in dem ansteckend schönen „Come Around“ zu hören ist.

Wer sich zwischen Homeoffice und Homeschooling oder anderen widrigen Umständen zerrieben und ausgebrannt fühlt, kann sich mit dem Song „Burn Out“ trösten. Da erinnert Lùisas im schönsten Eighties-Soundgewand mit ihrer dunklen, lebensgeschulten Stimme an die Wahrheit , dass man auch die schlimmen Dinge nur dann fühlen kann , wenn das Herz nicht eiskalt ist:

„You can only burn out when your heart is in flames“

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