Entschleunigung

Peter Broderick veröffentlicht am 28.08.2020 sein neues Album Blackberry

Manchmal greift alles perfekt ineinander. Heute ist Sonntag. Der Stress der Arbeitswoche ist annähernd vergessen. Gerade habe ich einen aufgezeichneten Fernsehbeitrag angeschaut, einen regionalen Reisebericht, der unter dem Thema Entschleunigung stand. Hier im ohnehin ruhigen Westfälischen ist Ost-Westfalen und insbesondere die Gegend um Paderborn offensichtlih der geeignete Landstrich für entschleunigtes Reisen. So einigermaßen entspannt begebe ich mich an den Schreibtisch, um mich mit dem Singer/Songwriter und Multiinstrumentalisten Peter Broderick (alle (Fotos von Aofi Light) zu beschäftigen.

Dieser veröffentlicht nämlich, ohne die üblichen Vorankündigungen als Überraschungs-Release am 28. August 2020 sein neues Soloalbum Blackberry in digitaler Form (Cover Artwok- Peter Broderick-Blackberry @ Erased Tapes) Wer es lieber physisch mag, muss auf die CD noch bis zum 30.10. warten. Ich kann ich mir vorstellen, dass diese Musik auf Vinyl besonders gut wirkt. Auch hier muss man bis zum 30. Oktober warten. Aber Geduld passt ja ganz gut zum Thema Entschleunigung .

Und so passt alles zusammen, denn bei der Beschäftigung mit Peter Broderick habe ich feststellen dürfen, dass er den perfekten Soundtrack für jedwede Entschleunigung liefert. Dabei ist es unmöglich ihn auf ein Genre festzulegen. Broderick hat in seinem bisherigen Werk alles von Gospel und Soul über Spoken Word und Beatboxen bis hin zu Folk, Rock und Klassik einbezogen. Er zaubert Klangkulissen in denen alles fließt. Seine Experimentierfreudigkeit ist hingegen eine Konstante, wie auch seine bedingungslose Offenheit für Kollaborationen mit Gleichgesinnten wie u.a. mit dem Neo-Klassiker Nils Frahm. Manchen ist Peter Broderick als Mitglied des Live-Ensmbles der experimentellen dänische Band Efterklang bekannt, mit der er von 2007 bis 2013 regelmäßig auf Tour war.

Blackberry ist nach fünf Jahren das erste Studioalbum, auf dem Peter Broderick wieder als Sänger zu hören ist. Er hat es im Sommer 2019 komplett im eigenen Schlafzimmer in London aufgenommen — weshalb er es als „experimentellen Schlafzimmer-Folk-Pop“ beschreibt. Während der 33-Jährige sämtliche Instrumente selbst eingespielt hat, bekommt er einzig auf dem Abschlusstitel Wild Food gesangliche Unterstützung von seiner Frau, der Sängerin Brigid Mae Power, und seinem Stiefsohn Seán Power. 

Der Albumtitel Blackberry meint nicht etwa das früher bei Managern sehr beliebte Mobiltelefon. Bei der Frage, ob sich der techische Fortschritt als Segen oder aber als Verhängnis erweist, zeigt sich der naturverbundene Broderick eher skeptisch. „Ich sehe, dass diese Maschinen all unsere Tage auffressen“ heißt es etwa im Song  Let It Go. Vielmehr ist der Bezugssong ( Ode To Blackberry) ein ehrfürchtiges Loblied auf die Brombeere. „In einer Zeit, in der wir Menschen mit den Folgen konfrontiert werden, die unser Handeln auf die gesamte Umwelt hat, bin ich sehr für lokale Lösungen, für eine Auseinandersetzung mit den Naturgegebenheiten vor Ort. Als ich vor ein paar Jahren damit begann, mich intensiv mit dem Sammeln von essbaren Wildpflanzen zu befassen, hat mich die einfache Brombeere nicht gerade vom Hocker gehauen — doch ich sollte schon bald mit neuer Leidenschaft zu dieser vertrauten Frucht aus Kindertagen zurückkehren. Selbst in den urbansten Ecken bahnen sich die knorrigen, unverwüstlichen Ranken der Brombeere ihren Weg, als wollten sie uns daran erinnern, wo wir herkommen.“

Durch die acht Songs des Albums erfahren wir viel persönliches von Peter Broderick, über seine Einstellung zur Natur, zum Sterben und seine Verbundenheit zur Familie. Vor allem nimmt er sich Zeit – und das empfinde ich als Entschleunigung. Er nimmt sich Zeit, seine Geschichten zu erzählen. Nichts treibt hektisch vornan. Das Liebeslied an seine Frau (What’s Wrong With A Straight Up Love Song) ist ganze neun Minuten lang. Wir sollten uns auch Zeit zum Zuhören nehmen. Es gibt viel zu hören an verschiedenen Klängen und Naturgeräuschen in jedem einzelnen Song.

„Du kannst nur so glücklich sein wie die Welt, in der du lebst. Und die Welt wird dir sicherlich sagen, wie sie sich fühlt, wenn du zuhörst.“singt Peter Broderick im Eröffnungssong  Stop And Listen. Stimmt.

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