Swutscher geben ihren Senf dazu

Foto: Jonas Albrecht

Am 14.2. erscheint die EP „Senf“ von Swutscher aus Hamburg

Entschuldigung, der Titel dieses Beitrags hat sich einfach aufgedrängt. Ich mag deutschsprachige Pop- und Rockmusik. Als nativ nur deutsch sprechender Mensch bin ich gezwungen, z.B. englische Texte zu übersetzen. Englisch habe ich so leidlich in der Schule gelernt. Bei anderen Sprachen habe ich gar keine Chance. Musik hören findet aber mit dem Herzen statt, Übersetzen mit dem Kopf, in Wirklichkeit sind es wohl unterschiedliche Hirnhälften. Das Übersetzen bleibt daher oft auf der Strecke. An diesem Dilemma kommt man bei deutschen Texten vorbei. Was ist aber, wenn man das Getuschel alter Herren wie Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg trotz deutscher Texte nicht versteht, das sogenannte Songwriting von Mark Foster und Co peinlich bedeutungslos findet, oder beim Autotune-Gehabe von Bausa gleich abschalten muss? Hilft da abwarten und Tee trinken? Oder gleich Alkohol? Mitunter muss man ja 5 Jahre warten, bis Thees Uhlmann wieder singt und Sven Regener und seine Element of Crime veröffentlichen auch nicht ständig.

Senf Cover – La Pochette Surprise Records

Da hilft es , sich bei jungen alternativen deutschsprachigen Rockbands umzuschauen und stößt auf die hamburgische Band Swutscher. Während ihr Debütalbum „Wilde Deutsche Prärie“ sich nach alternativer Country-Musik mit deutsch Texten anhörte, etwa das betrunkene (und bessere) Gegenstück von Truck Stop, kann man bei bei den vier Stücken der am Freitag raus kommenden EP „Senf“ eine Erweiterung des Spektrums erfahren. „Affenkönig“ lässt Erinnerungen an Ton Steine Scherben wach werden, nicht zuletzt , weil der Text sozialkritisch verstanden werden kann. Der Affenkönig bringt die Welt an den Rand des Abgrundes. Für Affenkönig kann nach Belieben den Name eines Staatsoberhauptes, welches aus unerfindlichen Gründen gewählt wurde (Trump, Johnson, Erdoğan) oder eines ungewählten Despoten einsetzen. Oder ist der Affenkönig gar das wilde Tier, das in uns regiert und giert.

Auf Achse“ befasst sich zwar mit dem in der Countrymusik beliebten Thema „Trucker-Romantik“, wird aber hier mit einer Punk-Attitüde dargebracht, wie es seinerzeit die Nina Hagen Band (Ich Glotz TV) vermocht hatte. Die A1 ist eben nicht die Route 66, sondern Stau bei Bremen Brinkum und Sanifair-Toiletten. Im kurzen Track „Schuften“ (01:51) kehren die Jungs von Swutscher wieder die norddeutschen Countryboys heraus. Sie steigern das Bruttosozialprodukt unterlegt mit einen ordentlichen Trainbeat, wie bei einem Johnny Cash- Song.

Das schönste Stück auf der EP is zugleich das letzte. „Nimmersatt“ glänzt durch ein wunderschönes irgendwie altmodisch vertraut klingendes Gitarrenriff. Es fühlt sich wie eine staubige Veranda bei Sonnenuntergang im kalifornisch-mexikanischen Grenzgebiet an. Der Gesang von Sascha Utech könnte ebenso gut in die Fernsehserie Berlin-Babylon gehören. Das fantastische dabei ist, das alles so gut zusammenpasst.

Fazit: Swutscher ist der norddeutsche Ausdruck für jemanden, der ein liederliches Leben führt. Ihren Stiel nennen Swutscher Alkofolkpop. Auf einer EP mit nur vier Stücken so eine musikalische Bandbreite vorzulegen, zeugt nach meine Ansicht aber weniger von hohem Alkoholkonsum, sondern von vielmehr von hoher Professionalität.

Auf der Swutscher-Tour mag es sein, das sich Alkoholkonsum und hohe Professionalität einander nicht ausschließen. Gewiss schmeckt Bier (Astra?) zu der Musik vorzüglich. Deshalb hier die

Tourdaten

13.02. Hamburg – Komet (Release-Show I)
14.02. Hamburg – Komet (Release-Show II)

31.03. Köln – Bumann & Sohn
01.04. Nürnberg – MUZ Club
03.04. Stuttgart – ClubCANN
04.04. München -Heppel & Ettlich
06.04. AT-Wien – Rhiz
07.04. Dresden – GrooveStation
08.04 Leipzig – Naumanns
09.04. Würzburg – CAIRO
10.04. Solingen – Waldmeister 
11.04. Düsseldorf – Ritus

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