Fernsehen mit „Auf die Ohren“ Carnival Row – Prime video

Carnival Row ist eine US-amerikanische Fantasyserie von Travis Beacham und René Echevarria (Star Trek: The Next Generation), deren erste Staffel in der deutschen Fassung seit dem 22. November 2019 auf Prime Video verfügbar ist. Gemeinsam mit René Echeverria und Travis Beacham schrieb Regisseur und Executive Producer Guillermo del Toro  das Drehbuch zur Serie. Die Mitwirkung von del Toro, der allerdings aufgrund von anderen Projekten die Produktion von Carnival Row verließ, merkt man der Serie an. Del Toro setzt gerne übernatürliche Handlungselemente metaphorisch ein, um beklagenswerte Zustände der Gesellschaft zu beschreiben. So sind unter seiner Regie besondere Filme entstanden, wie Pans Labyrinth, die Geschichte eines Mädchens, das sich vor den Schrecken des Post-Bürgerkrieg-Spaniens von 1944 in eine märchenhafte Traumwelt flüchtet, oder der Oskar-ausgezeichnete Film The Shape of Water, der sich gegen Ausgrenzung und für Diversität ausspricht.

So vereint auch Carnival Row vordergründig die Handlung eines Kriminalfilms mit Fantasy-Elementen. In einer fantastischen Welt treffen Menschen auf Fabelwesen, insbesondere auf Feen und Faune. Ohne zu viel zu spoilern, kann man verraten, dass das Zentrum der Spannungen der soziale Brennpunkt rund um die namensgebende Straße „Carnival Row“ ist. Hier versucht Inspektor Rycroft Philostrate (Orlando Bloom), eine brutale Mordserie aufzuklären.

Eine Parabel über den Faschismus

Eigentlich ist die Serie eine Parabel, wie schnell Faschismus entsteht, wenn eigennützige Ziele verfolgt werden und  zur Machterhaltung oder -ergreifung verhängnisvolle Entscheidungen getroffen werden. Die Fabelwesen, von den Menschen abwertend Kreas (Kreaturen) genannt sind nämlich überaus menschlich. Die Feen haben zwar Flügel und können fliegen. Die Faune haben Hufe, statt Füße und Hörner am Kopf (Der griechische Gott Pan ist ein Faun s.o.). Jedoch haben sie Verstand und Sprache gleich den Menschen. Vor Allem haben sie menschliche Gefühle, sie lieben und sie hassen. Kreas und Menschen verlieben sich auch ineinander und können gemeinsame Kinder zeugen. Die Menschen sind nur insoweit mächtiger, als sie technologisch über bessere Mittel verfügen. Sie stehen am Beginn der Industrialisierung, verfügen über Dampfmaschinen, Eisenbahnen, Dampfschiffe, Zeppeline und Schusswaffen. Sie führen gegeneinander imperialistische, skrupellose Kriege in den Heimatländern der Kreas.

Parallelen zur Realität

Diese flüchten vor der brutalen Gewalt der Besatzer.  Als Migranten müssen sie sich bei den Menschen als Arbeitssklaven verdingen. Schnell heißt es, sie nehmen den Menschen die Arbeitsplätze weg. Der aufkommenden Fremdenhass der Menschen wird von deren Politikern populistisch genutzt, um die Macht zu erringen. Die Parallelen zur Realität sind somit unübersehbar.

Spannend erzählt

Die Folgen vereinen mehrere spannende Handlungsstränge. Was ist der Grund für die Morde? Was haben die politischen Entwicklungen damit zu tun? Kann unter den Umständen die Liebe zwischen Philostrate und der Fee Vignette Stonemoss oder die Beziehung zwischen dem empor gekommenen  Faun Agreus und der Dame aus der oberen Menschengesellschaft Imogen Spurnrose Bestand haben. Die Darstellungen von Gewalt und Sex sind dabei nicht zimperlich. Die sich ergebenden Wendungen der Handlung werden zügig erzählt, sodass keine Längen aufkommen. Die Szenenbilder sind fantastisch gelungen und sehen aus wie zu viktorianischer Zeit.

Cara Delevingne und Orlando Bloom

Die Schauspieler machen einen guten Job. Orlando Bloom gibt dem  Rycroft Philostrate einen härteren Charakter als seinem Legolas in Herr der Ringe. Cara Delevingne, die normalerweise auf dem Laufsteg zu Hause ist, verleiht mit ihrer immer etwas mürrischen Art der Vignette Stonemoss die passende Persönlichkeit. Hervor stechen auch Tamzin Merchant (Stolz und Vorurtei, Jane Eyre) als Imogen Spurnrose, David Gyasi als Agreus sowie Caroline Ford als intrigante Politikerin Sophie Longerbane.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit der schon geplanten 2. Staffel weitergeht.

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